Vorhofflimmern
â Das Vorhofflimmern (VHF) ist die hĂ€ufigste Herzrhythmusstörung und beruht auf einer supraventrikulĂ€ren Arrhythmie mit unkoordinierter atrialer Erregung und mechanischer Vorhofdysfunktion. Drei Therapieziele bestimmen das Vorgehen: Frequenzkontrolle, Rhythmuskontrolle und Thromboembolie-Prophylaxe.
Kerndefinition und EKG
Im EKG zeigen sich keine abgrenzbaren P-Wellen, eine unregelmĂ€Ăige Flimmer-Grundlinie mit hochfrequenten Flimmerwellen (Vorhoffrequenz 350â600/min) und eine Arrhythmia absoluta (absolut unregelmĂ€Ăige RR-Intervalle) bei meist schmalen, normal geformten QRS-Komplexen. Die Kammerfrequenz hĂ€ngt von der Ăberleitung am AV-Knoten ab und schwankt typischerweise zwischen 40â240/min (Tachyarrhythmia, Normofrequenz oder â als Warnung zu beachten â â ïž Bradyarrhythmia absoluta). Die Diagnosesicherung verlangt eine EKG-Dokumentation ĂŒber â„ 30 Sekunden (12-Kanal-EKG).
- Klinisch: unregelmĂ€Ăiger, oft tachykarder Puls mit Pulsdefizit.
- ⥠Nicht verwechseln mit der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie: dort ebenfalls keine P-Wellen, aber schmale, regelmĂ€Ăige QRS und Frequenz 140â250/min.
TherapiesÀulen
â â ïž Bei hĂ€modynamischer InstabilitĂ€t (z. B. drohender kardiogener Schock) ist die sofortige elektrische Kardioversion indiziert (EKG-synchronisierter biphasischer Schock, initial 200 J). Sonst gilt: Frequenzkontrolle mit Beta-Blocker oder Calciumantagonist vom Verapamil-/Diltiazem-Typ.
- ⥠Beta-Blocker und Verapamil/Diltiazem niemals kombinieren â Gefahr der akuten AV-Blockade durch additive negativ dromotrope Wirkung.
- â Kein Calciumantagonist vom Nifedipin-Typ (Dihydropyridine) zur Frequenzkontrolle.
- Rhythmuskontrolle: medikamentöse Kardioversion am effektivsten in den ersten 7 Tagen (Amiodaron, Flecainid, Propafenon, Vernakalant, Ibutilid).
Kardioversion und Thrombusausschluss
â Bei gesichert < 48 h bestehendem VHF und geringem Thromboembolierisiko ist die sofortige Kardioversion ohne TEE möglich. â ïž Bei > 48 h (oder unklarer Dauer) muss vor elektrischer Kardioversion ein linksatrialer Thrombus per TEE ausgeschlossen oder eine â„ 3-wöchige therapeutische Antikoagulation vorausgegangen sein.
Thromboembolie-Prophylaxe (CHA2DS2-VA)
â Die Indikation zur dauerhaften oralen Antikoagulation richtet sich nach dem CHA2DS2-VA-Score (seit 2024; frĂŒher CHA2DS2-VASc, das Geschlechtskriterium entfĂ€llt). Punkte: chronische Herzinsuffizienz (1), arterielle Hypertonie (1), Alter â„ 75 (2) bzw. 65â74 (1), Diabetes mellitus (1), Z. n. Schlaganfall/TIA/systemische Embolie (2), vaskulĂ€re Erkrankung (1).
- â„ 2 Punkte â OAK indiziert (sex-unabhĂ€ngig); 1 Punkt â OAK erwĂ€gen; 0 Punkte â keine Antikoagulation/TAH.
- â 1. Wahl: DOAK; alternativ Vitamin-K-Antagonist (Phenprocoumon, INR-Ziel 2,0â3,0).
- â ASS ist nicht zur Schlaganfallprophylaxe geeignet.
- VHF erhöht das Thromboembolie-/Schlaganfallrisiko um das 5- bis 7-Fache (meist zerebrale IschÀmie).
- SekundÀres VHF ist hÀufig: kardiale Ursachen (KHK, Hypertonie, Linksherzinsuffizienz, Klappenvitien v. a. Mitralklappe) und extrakardiale Ursachen (Hyperthyreose, Lungenembolie, Elektrolytstörungen).
Vorhofflimmern
â Das Vorhofflimmern (VHF) ist die hĂ€ufigste Herzrhythmusstörung des Erwachsenen (PrĂ€valenz 1â2 %, im Alter zunehmend). Es handelt sich um eine supraventrikulĂ€re Arrhythmie mit unkoordinierter atrialer Erregung, die zur mechanischen Dysfunktion der Vorhöfe fĂŒhrt. PrĂŒfungsrelevant sind die EKG-Diagnose, die drei TherapiesĂ€ulen (Frequenz-, Rhythmuskontrolle, Thromboembolie-Prophylaxe) und die scoregestĂŒtzte Antikoagulationsindikation.
Ătiologie und Pathogenese
Ein erhöhtes Risiko fĂŒr supraventrikulĂ€re Extrasystolen (SVES) â und damit fĂŒr VHF â besteht bei vermehrter Vorhofdehnung und erhöhter Herzfrequenz. Pathogenetisch entstehen ĂŒber Mikro-Reentry-KreislĂ€ufe (Ursprung typischerweise in den proximalen Pulmonalvenen) Vorhoffrequenzen von 350â600/min. Die Vorhofkontraktionen sind hĂ€modynamisch unwirksam, wodurch das Herzzeitvolumen sinkt.
- â SekundĂ€res VHF (hĂ€ufig) â kardiale Ursachen: KHK, arterielle Hypertonie, Linksherzinsuffizienz, Kardiomyopathien, Myokarditis, Perikarditis, Klappenvitien (v. a. Mitralklappe), Z. n. Herz-OP, Sick-Sinus-Syndrom, PrĂ€exzitationssyndrom.
- â Extrakardiale Ursachen: Hyperthyreose, Lungenembolie, COPD, Schlafapnoe-Syndrom, Diabetes mellitus, chronische Niereninsuffizienz, Elektrolytstörungen (HypokaliĂ€mie, HyperkalzĂ€mie).
- PrimÀres (idiopathisches) VHF bei ansonsten gesundem Herzen (Lone Atrial Fibrillation).
Einteilung
Nach dem klinischen Verlauf unterscheidet man: erstmalig aufgetretenes VHF; paroxysmales VHF (spontanes oder durch Kardioversion erreichtes Sistieren innerhalb von 7 Tagen, kann in persistierendes/permanentes VHF ĂŒbergehen); persistierendes VHF (Dauer > 7 Tage, keine spontane Konversion, ĂberfĂŒhrung in Sinusrhythmus durch elektrische/medikamentöse Kardioversion möglich); permanentes VHF (Monate bis Jahre, keine anhaltende Konversion â trotzdem Frequenzkontrolle!). Nach dem Schweregrad wird der EHRA-Score (Klasse IâIV) verwendet, von symptomfrei (I) bis massiv behindernd (IV).
Symptomatik
VHF verlĂ€uft hĂ€ufig asymptomatisch. Möglich sind unregelmĂ€Ăiger Puls, Palpitationen, Schwindel, Synkopen, Dyspnoe und thorakales EngegefĂŒhl. Als Warnung gilt die mögliche Zuspitzung bis zur â ïž akuten kardialen Dekompensation.
Diagnostik
â Im EKG finden sich nicht nachweisbare P-Wellen, hochfrequente Flimmerwellen (Vorhoffrequenz 350â600/min), eine unregelmĂ€Ăige Grundlinie, schmale, normal geformte QRS-Komplexe und eine Arrhythmia absoluta (absolut unregelmĂ€Ăige RR-Intervalle). Ein Wechsel zwischen Vorhofflattern und Vorhofflimmern ist möglich. Die Diagnosesicherung verlangt eine Dokumentation ĂŒber â„ 30 Sekunden im 12-Kanal-EKG. Klinisch imponiert ein unregelmĂ€Ăiger, tachykarder Puls mit Pulsdefizit.
- â Labor: Nierenfunktion (GFR, Kreatinin), Elektrolyte (Kalium, Magnesium, Calcium), TSH basal â um eine Hyperthyreose zu bestĂ€tigen oder auszuschlieĂen.
- Echokardiografie: TEE (Schluckecho) um linksatriale Thromben nachzuweisen oder auszuschlieĂen, ggf. vor elektrischer Kardioversion; TTE zur Beurteilung von Herzstruktur und Pumpfunktion.
Differenzialdiagnosen
⥠Abzugrenzen ist die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie: ebenfalls keine abgrenzbaren P-Wellen, im Unterschied zum VHF aber schmale, regelmĂ€Ăige QRS-Komplexe und eine Frequenz von 140â250/min. Weitere DD: Vorhofflattern und die Reentry-Tachykardie beim WPW-Syndrom.
Akuttherapie
â Auslösende Faktoren beheben; neu aufgetretenes VHF ist oft innerhalb von 24â48 h selbstlimitierend. Die Frequenzkontrolle erfolgt bei Tachykardie (HF > 100/min) mit Beta-Blocker oder Calciumantagonist vom Verapamil-/Diltiazem-Typ.
- ⥠Niemals Beta-Blocker mit Verapamil/Diltiazem kombinieren â Gefahr der akuten AV-Blockade durch additive negativ dromotrope Effekte.
- â Kein Nifedipin-Typ (Dihydropyridine) zur Frequenzkontrolle.
- Bei Bradykardie (meist erst bei HF < 40/min): 1. Wahl Atropin 0,5â1 mg i.v. alle 2â5 min (max. 0,04 mg/kg KG); bei schwerer Bradykardie Adrenalin (10â30 ”g Boli i.v.); Grunderkrankung behandeln.
- â Orciprenalin ist seit 02/2023 in Deutschland nicht mehr verfĂŒgbar.
- Bei therapierefraktÀrer Bradykardie, hÀmodynamischer InstabilitÀt oder Bradykardie-bedingten Synkopen: sofortige transkutane/transvenöse Schrittmacherstimulation.
Rhythmuskontrolle / Kardioversion
â â ïž Bei hĂ€modynamisch instabilen Patienten (z. B. drohender kardiogener Schock) erfolgt die sofortige elektrische Kardioversion (EKG-synchronisierter biphasischer Schock, initial 200 J) mit dem Ziel Sinusrhythmus; bei stark reduzierter linksventrikulĂ€rer Funktion alternativ Amiodaron. Bei stabilen Patienten ist die elektrische Kardioversion meist 1. Wahl: Ist die Episode sicher < 48 h und der Patient kein Hochrisikopatient fĂŒr Thromboembolien, kann sofort kardiovertiert werden (TEE-Thrombusausschluss nicht erforderlich).
- â â ïž Bei Episode > 48 h (oder unklarer Dauer): vor elektrischer Kardioversion therapierbare Ursachen behandeln und linksatrialen Thrombus per TEE ausschlieĂen â entfĂ€llt nur bei therapeutischer OAK seit > 3(â4) Wochen oder sicher < 48 h Dauer; alternativ â„ 3-wöchige therapeutische Antikoagulation.
- Medikamentöse Kardioversion am effektivsten in den ersten 7 Tagen: Amiodaron; i.v. Ibutilid, Vernakalant, Flecainid oder Propafenon; p.o. Flecainid oder Propafenon.
- Nach erfolgreicher Kardioversion ggf. pharmakologische Rezidivprophylaxe (Flecainid, Propafenon, Dronedaron, Amiodaron, Sotalol).
- Bei chronischer Herzinsuffizienz zur Frequenzkontrolle ggf. Herzglykosid (Digoxin/Digitoxin), Zielfrequenz HF < 90/min in Ruhe, mit engmaschiger Kontrolle.
Dauertherapie
â Basis ist die Lifestyle-Modifikation (Gewichtsreduktion, Alkoholkarenz) plus medikamentöse Frequenzkontrolle. Die Frequenzkontrolle (Indikation: Ă€ltere Patienten, chronisches VHF mit geringer Symptomatik, mehrfache Rezidive) zielt auf eine Ruhefrequenz < 110/min; 1. Wahl sind Beta-Blocker (v. a. bei normaler Ejektionsfraktion) oder Calciumantagonisten vom Verapamil-/Diltiazem-Typ, ggf. Digitalis (besonders Ă€ltere Patienten mit permanentem VHF, vorteilhaft bei Herzinsuffizienz; in der RATE-AF-Studie bessere Symptomkontrolle und VertrĂ€glichkeit als Bisoprolol).
- â FrĂŒh eingesetzte Rhythmuskontrolle reduziert kardiovaskulĂ€re Ereignisse â insbesondere bei Erstmanifestation, jĂŒngeren Patienten und ausgeprĂ€gter Symptomatik (Antiarrhythmika Klasse IC: Flecainid, Propafenon; Klasse III: Amiodaron, Dronedaron, Sotalol).
- ⥠Unter Antiarrhythmika konsequentes EKG-Monitoring (Proarrhythmie-/QT-Risiko).
- Interventionell: Pulmonalvenenisolation (PVI) bei symptomatischem/therapierefraktĂ€rem, v. a. paroxysmalem VHF ohne strukturelle Herzerkrankung; Verfahren: Radiofrequenzablation, Kryoablation, Pulsed Field Ablation. Erfolg paroxysmal 60â80 % (ein Eingriff) bzw. 80â90 % (mehrere); persistierend 50â60 % bzw. 60â70 %. Antikoagulation wird auch nach erfolgreicher Ablation risikoadaptiert fortgefĂŒhrt.
Thromboembolie-Prophylaxe (CHA2DS2-VA)
â Die Indikation zur dauerhaften OAK richtet sich nach dem CHA2DS2-VA-Score (seit 2024; zuvor CHA2DS2-VASc â das Geschlechtskriterium (Sc) entfĂ€llt seit 2024). Punkte: C chronische Herzinsuffizienz (1), H arterielle Hypertonie (1), A2 Alter â„ 75 (2) bzw. 65â74 (1), D Diabetes mellitus (1), S2 Z. n. Schlaganfall/TIA/systemische Embolie (2), V vaskulĂ€re Erkrankung (KHK/Angina pectoris, Z. n. Myokardinfarkt, pAVK, frĂŒhere Revaskularisierung, Aorteneingriffe, komplexe Aortenplaques) (1).
- â â„ 2 Punkte â OAK indiziert (geschlechtsunabhĂ€ngig); 1 Punkt â OAK erwĂ€gen; 0 Punkte â keine Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung.
- â 1. Wahl: DOAK; alternativ Vitamin-K-Antagonist (meist Phenprocoumon, INR-Ziel 2,0â3,0, Bridging bis zum Zielwert).
- â ASS ist nicht zur Thromboembolie-Prophylaxe geeignet.
- â Kontraindikationen der OAK: frischer ischĂ€mischer Insult, Endokarditis, Sturzneigung, Hirnarterienaneurysma.
Komplikationen
â FĂŒhrend ist das 5- bis 7-fach erhöhte Thromboembolie-Risiko, meist als zerebrale IschĂ€mie (zerebrale Arterien), seltener Amaurosis fugax/Zentralarterienverschluss (A. ophthalmica) oder Mesenterialinfarkt/Ileus (MesenterialgefĂ€Ăe). Als Warnung gilt zudem die â ïž akute kardiale Dekompensation bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand.
- Drei Therapieziele: Frequenzkontrolle, Rhythmuskontrolle, Thromboembolie-Prophylaxe.
- EKG-Trias: fehlende P-Wellen + Flimmerwellen + Arrhythmia absoluta bei schmalem QRS.
Vorhofflimmern
Terminologie und Patientensprache
Fachsprachlich heiĂt das Krankheitsbild Vorhofflimmern (Abk. schriftlich VHF); im notfallmedizinischen Jargon kursiert auch AF (engl. atrial fibrillation). Synonym wird die schnelle Form als Tachyarrhythmia absoluta bezeichnet, allgemein spricht man von Arrhythmia absoluta. GegenĂŒber Patientinnen und Patienten erklĂ€ren Sie es als "sogenanntes Vorhofflimmern" â "eine Herzrhythmusstörung, bei der die Herzvorhöfe nicht mehr geordnet schlagen, sondern nur noch zucken".
- Patientennah: "Ihr Herz schlĂ€gt unregelmĂ€Ăig und oft zu schnell."
- Patientennah fĂŒr die BlutverdĂŒnnung: "ein Medikament, das das Blut dĂŒnner macht, damit sich kein Gerinnsel bildet und ein Schlaganfall verhindert wird".
â Das Vorhofflimmern (VHF) ist die hĂ€ufigste Herzrhythmusstörung: Die Vorhöfe erregen sich völlig unkoordiniert, sodass der Puls unregelmĂ€Ăig wird. FĂŒr das GesprĂ€ch mit Patientinnen und Patienten und die Ăbergabe sind drei Punkte zentral: Herzfrequenz kontrollieren, Herzrhythmus normalisieren und das Schlaganfallrisiko durch BlutverdĂŒnnung senken.
Anamnese â wichtige Fragen
â KlĂ€ren Sie zur RisikoeinschĂ€tzung und Therapie vor allem den Beginn der Beschwerden (seit wann genau? â die 48-Stunden-Grenze entscheidet ĂŒber das weitere Vorgehen) und mögliche Auslöser oder Grunderkrankungen.
- "Seit wann spĂŒren Sie das Herzstolpern / Herzrasen? Können Sie den Zeitpunkt genau angeben?"
- "Hatten Sie Schwindel, waren Sie kurzatmig oder hatten Sie ein EngegefĂŒhl in der Brust?"
- "Sind eine SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion, Bluthochdruck, eine HerzschwĂ€che oder ein frĂŒherer Schlaganfall bekannt?"
- "Nehmen Sie bereits blutverdĂŒnnende Medikamente ein?"
Befund und Vorgehen kurz
â Im EKG fehlen die P-Wellen, es zeigen sich Flimmerwellen und ein absolut unregelmĂ€Ăiger Herzrhythmus. â ïž Geht es dem Patienten schlecht (Kreislauf instabil), wird sofort elektrisch kardiovertiert (kurze Stromabgabe in Narkose, "das Herz wird in den richtigen Takt zurĂŒckgebracht").
- Dauerhaft wichtig: BlutverdĂŒnnung zur Schlaganfallvorbeugung je nach Risikoprofil (1. Wahl DOAK).
- Frequenz senken meist mit Beta-Blocker.
- Ăbergabe (SBAR-kurz): "Patient mit Vorhofflimmern, tachyarrhythmisch, seit ⊠Stunden, Kreislauf stabil/instabil, antikoaguliert ja/nein â ich bitte um kardiologische Mitbeurteilung."
Vorhofflimmern
Terminologie und Patientensprache
Der Fachbegriff lautet Vorhofflimmern, schriftlich abgekĂŒrzt VHF; im Klinikjargon und in der Notfallmedizin hört man auch AF (engl. atrial fibrillation). Die schnell ĂŒbergeleitete Form heiĂt Tachyarrhythmia absoluta, allgemein spricht man von Arrhythmia absoluta. Betroffene werden umgangssprachlich als VHF-Patienten bezeichnet.
- ErklĂ€rung fĂŒr Patienten: "Sie haben ein sogenanntes Vorhofflimmern â eine Herzrhythmusstörung, bei der die Vorhöfe des Herzens nicht mehr geordnet schlagen, sondern nur noch ungeordnet zucken."
- "Dadurch schlĂ€gt Ihr Herz unregelmĂ€Ăig und oft zu schnell; man spĂŒrt das manchmal als Herzstolpern oder Herzrasen."
- Adjektive/Redemittel: unregelmĂ€Ăig, tachykard (zu schnell), bradykard (zu langsam), absolut unregelmĂ€Ăig.
- BlutverdĂŒnnung patientennah: "ein Medikament, das das Blut etwas dĂŒnnflĂŒssiger macht, damit sich keine Gerinnsel bilden und kein Schlaganfall entsteht" â fachsprachlich orale Antikoagulation.
â Das Vorhofflimmern (VHF) ist die hĂ€ufigste Herzrhythmusstörung des Erwachsenen: Die Vorhöfe erregen sich völlig unkoordiniert, ihre Pumpleistung fĂ€llt weg und der Puls wird absolut unregelmĂ€Ăig. FĂŒr die FachsprachprĂŒfung sind die patientengerechte AufklĂ€rung, eine zielgerichtete Anamnese und eine klare Ăbergabe entscheidend â getragen von den drei BehandlungssĂ€ulen Frequenzkontrolle, Rhythmuskontrolle und Thromboembolie-Prophylaxe.
Worum es geht â Krankheitsbild
Beim Vorhofflimmern liegt eine supraventrikulĂ€re Arrhythmie mit unkoordinierter Erregung der Vorhöfe vor; die Vorhofkontraktionen sind hĂ€modynamisch unwirksam, sodass weniger Blut gepumpt wird und das Herzzeitvolumen sinkt. Die Vorhoffrequenz liegt bei 350â600/min, die tatsĂ€chlich ĂŒbergeleitete Kammerfrequenz hĂ€ngt vom AV-Knoten ab und kann zu schnell, normal oder â als Warnung â auch zu langsam sein.
- HĂ€ufige Auslöser/Grunderkrankungen (patientengerecht erfragen): Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, HerzschwĂ€che, Herzklappenfehler, SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion, Lungenerkrankungen, Schlafapnoe, Diabetes, Elektrolytstörungen.
Anamnese â Leitfragen und Redemittel
â Der Beschwerdebeginn ist entscheidend, weil die 48-Stunden-Grenze ĂŒber das weitere Vorgehen (sofortige Kardioversion oder erst Gerinnsel-Ausschluss) bestimmt. Erfragen Sie auĂerdem Begleitsymptome, Grunderkrankungen und die bestehende Medikation.
- "Seit wann verspĂŒren Sie das Herzstolpern oder Herzrasen? Können Sie den genauen Zeitpunkt nennen?"
- "Tritt das anfallsartig auf und hört von selbst wieder auf, oder hÀlt es dauerhaft an?"
- "Hatten Sie dabei Schwindel, Atemnot, ein EngegefĂŒhl in der Brust oder waren Sie ohnmĂ€chtig?"
- "Sind bei Ihnen Bluthochdruck, eine HerzschwĂ€che, Herzklappenprobleme, eine SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion oder ein frĂŒherer Schlaganfall bekannt?"
- "Nehmen Sie blutverdĂŒnnende Mittel ein? Trinken Sie Alkohol, und wie ist Ihr Gewicht?"
Untersuchung und Diagnostik (patientennah erklÀrt)
â Tasten Sie den unregelmĂ€Ăigen, oft schnellen Puls (mit Pulsdefizit). Im EKG fehlen die P-Wellen, es zeigen sich Flimmerwellen und ein absolut unregelmĂ€Ăiger Rhythmus (Arrhythmia absoluta) bei schmalen QRS-Komplexen; gesichert wird die Diagnose durch eine Aufzeichnung ĂŒber mindestens 30 Sekunden.
- ErklÀren Sie das EKG patientennah: "eine Herzstromkurve, mit der wir den Herzrhythmus aufzeichnen".
- Blutabnahme: Nierenwerte, Elektrolyte und SchilddrĂŒsenwerte (TSH), um eine SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion zu bestĂ€tigen oder auszuschlieĂen.
- Ultraschall des Herzens: das Schluckecho (TEE), um Gerinnsel im Vorhof nachzuweisen oder auszuschlieĂen, und das Herzecho von auĂen (TTE) zur Beurteilung von Struktur und Pumpfunktion.
Behandlung â die drei SĂ€ulen
â â ïž Geht es dem Patienten akut schlecht (Kreislauf instabil), erfolgt die sofortige elektrische Kardioversion â eine kurze, mit dem EKG abgestimmte Stromabgabe in kurzer Narkose, die "das Herz in den richtigen Takt zurĂŒckbringt". Sonst stehen drei SĂ€ulen nebeneinander: Herzfrequenz kontrollieren, Herzrhythmus wiederherstellen und das Schlaganfallrisiko senken.
- Frequenzkontrolle: meist Beta-Blocker oder ein Calciumantagonist vom Verapamil-/Diltiazem-Typ.
- ⥠Beta-Blocker und Verapamil/Diltiazem nicht gemeinsam geben â Gefahr eines plötzlichen Reizleitungsblocks am Herzen.
- Rhythmuskontrolle: medikamentöse oder elektrische Kardioversion; die frĂŒhe Rhythmuskontrolle kann das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Ereignisse senken. LĂ€ngerfristig auch Katheterablation/Pulmonalvenenisolation möglich.
- Thromboembolie-Prophylaxe (BlutverdĂŒnnung): dauerhafte orale Antikoagulation, 1. Wahl ein DOAK, alternativ ein Vitamin-K-Antagonist (Phenprocoumon, regelmĂ€Ăige INR-Kontrolle, Zielbereich 2,0â3,0).
- â ASS ist zur Schlaganfallvorbeugung beim VHF nicht geeignet.
Warum die BlutverdĂŒnnung so wichtig ist
â Durch das Flimmern bilden sich leicht Blutgerinnsel im Vorhof, die mit dem Blutstrom verschleppt werden können â das Schlaganfallrisiko ist um das 5- bis 7-Fache erhöht. Deshalb wird die Notwendigkeit der BlutverdĂŒnnung anhand des individuellen Risikoprofils (u. a. Alter, Bluthochdruck, HerzschwĂ€che, Diabetes, frĂŒherer Schlaganfall, GefĂ€Ăerkrankungen) entschieden und gehört zur wichtigsten AufklĂ€rung im PatientengesprĂ€ch.
- Strukturierte Ăbergabe (SBAR): "Situation: Patient mit Vorhofflimmern, tachyarrhythmisch. Background: Beginn vor ⊠Stunden, bekannte Hypertonie, antikoaguliert ja/nein. Assessment: Kreislauf stabil/instabil. Recommendation: kardiologische Mitbeurteilung, ggf. Frequenzkontrolle bzw. Kardioversion."