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Vorhofflimmern (VHF): Pathophysiologie, Diagnostik (EKG) und Therapie. Essentielles Lernmaterial fĂŒr Medizinstudium & Ärzte weltweit.

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Vorhofflimmern

❗ Das Vorhofflimmern (VHF) ist die hĂ€ufigste Herzrhythmusstörung und beruht auf einer supraventrikulĂ€ren Arrhythmie mit unkoordinierter atrialer Erregung und mechanischer Vorhofdysfunktion. Drei Therapieziele bestimmen das Vorgehen: Frequenzkontrolle, Rhythmuskontrolle und Thromboembolie-Prophylaxe.

Kerndefinition und EKG

Im EKG zeigen sich keine abgrenzbaren P-Wellen, eine unregelmĂ€ĂŸige Flimmer-Grundlinie mit hochfrequenten Flimmerwellen (Vorhoffrequenz 350–600/min) und eine Arrhythmia absoluta (absolut unregelmĂ€ĂŸige RR-Intervalle) bei meist schmalen, normal geformten QRS-Komplexen. Die Kammerfrequenz hĂ€ngt von der Überleitung am AV-Knoten ab und schwankt typischerweise zwischen 40–240/min (Tachyarrhythmia, Normofrequenz oder — als Warnung zu beachten — ⚠ Bradyarrhythmia absoluta). Die Diagnosesicherung verlangt eine EKG-Dokumentation ĂŒber ≄ 30 Sekunden (12-Kanal-EKG).

  • Klinisch: unregelmĂ€ĂŸiger, oft tachykarder Puls mit Pulsdefizit.
  • ⚡ Nicht verwechseln mit der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie: dort ebenfalls keine P-Wellen, aber schmale, regelmĂ€ĂŸige QRS und Frequenz 140–250/min.

TherapiesÀulen

❗ ⚠ Bei hĂ€modynamischer InstabilitĂ€t (z. B. drohender kardiogener Schock) ist die sofortige elektrische Kardioversion indiziert (EKG-synchronisierter biphasischer Schock, initial 200 J). Sonst gilt: Frequenzkontrolle mit Beta-Blocker oder Calciumantagonist vom Verapamil-/Diltiazem-Typ.

  • ⚡ Beta-Blocker und Verapamil/Diltiazem niemals kombinieren — Gefahr der akuten AV-Blockade durch additive negativ dromotrope Wirkung.
  • ❌ Kein Calciumantagonist vom Nifedipin-Typ (Dihydropyridine) zur Frequenzkontrolle.
  • Rhythmuskontrolle: medikamentöse Kardioversion am effektivsten in den ersten 7 Tagen (Amiodaron, Flecainid, Propafenon, Vernakalant, Ibutilid).

Kardioversion und Thrombusausschluss

❗ Bei gesichert < 48 h bestehendem VHF und geringem Thromboembolierisiko ist die sofortige Kardioversion ohne TEE möglich. ⚠ Bei > 48 h (oder unklarer Dauer) muss vor elektrischer Kardioversion ein linksatrialer Thrombus per TEE ausgeschlossen oder eine ≄ 3-wöchige therapeutische Antikoagulation vorausgegangen sein.

Thromboembolie-Prophylaxe (CHA2DS2-VA)

❗ Die Indikation zur dauerhaften oralen Antikoagulation richtet sich nach dem CHA2DS2-VA-Score (seit 2024; frĂŒher CHA2DS2-VASc, das Geschlechtskriterium entfĂ€llt). Punkte: chronische Herzinsuffizienz (1), arterielle Hypertonie (1), Alter ≄ 75 (2) bzw. 65–74 (1), Diabetes mellitus (1), Z. n. Schlaganfall/TIA/systemische Embolie (2), vaskulĂ€re Erkrankung (1).

  • ≄ 2 Punkte → OAK indiziert (sex-unabhĂ€ngig); 1 Punkt → OAK erwĂ€gen; 0 Punkte → keine Antikoagulation/TAH.
  • ❗ 1. Wahl: DOAK; alternativ Vitamin-K-Antagonist (Phenprocoumon, INR-Ziel 2,0–3,0).
  • ❌ ASS ist nicht zur Schlaganfallprophylaxe geeignet.
  • VHF erhöht das Thromboembolie-/Schlaganfallrisiko um das 5- bis 7-Fache (meist zerebrale IschĂ€mie).
  • SekundĂ€res VHF ist hĂ€ufig: kardiale Ursachen (KHK, Hypertonie, Linksherzinsuffizienz, Klappenvitien v. a. Mitralklappe) und extrakardiale Ursachen (Hyperthyreose, Lungenembolie, Elektrolytstörungen).
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Vorhofflimmern

❗ Das Vorhofflimmern (VHF) ist die hĂ€ufigste Herzrhythmusstörung des Erwachsenen (PrĂ€valenz 1–2 %, im Alter zunehmend). Es handelt sich um eine supraventrikulĂ€re Arrhythmie mit unkoordinierter atrialer Erregung, die zur mechanischen Dysfunktion der Vorhöfe fĂŒhrt. PrĂŒfungsrelevant sind die EKG-Diagnose, die drei TherapiesĂ€ulen (Frequenz-, Rhythmuskontrolle, Thromboembolie-Prophylaxe) und die scoregestĂŒtzte Antikoagulationsindikation.

Ätiologie und Pathogenese

Ein erhöhtes Risiko fĂŒr supraventrikulĂ€re Extrasystolen (SVES) — und damit fĂŒr VHF — besteht bei vermehrter Vorhofdehnung und erhöhter Herzfrequenz. Pathogenetisch entstehen ĂŒber Mikro-Reentry-KreislĂ€ufe (Ursprung typischerweise in den proximalen Pulmonalvenen) Vorhoffrequenzen von 350–600/min. Die Vorhofkontraktionen sind hĂ€modynamisch unwirksam, wodurch das Herzzeitvolumen sinkt.

  • ❗ SekundĂ€res VHF (hĂ€ufig) — kardiale Ursachen: KHK, arterielle Hypertonie, Linksherzinsuffizienz, Kardiomyopathien, Myokarditis, Perikarditis, Klappenvitien (v. a. Mitralklappe), Z. n. Herz-OP, Sick-Sinus-Syndrom, PrĂ€exzitationssyndrom.
  • ❗ Extrakardiale Ursachen: Hyperthyreose, Lungenembolie, COPD, Schlafapnoe-Syndrom, Diabetes mellitus, chronische Niereninsuffizienz, Elektrolytstörungen (HypokaliĂ€mie, HyperkalzĂ€mie).
  • PrimĂ€res (idiopathisches) VHF bei ansonsten gesundem Herzen (Lone Atrial Fibrillation).

Einteilung

Nach dem klinischen Verlauf unterscheidet man: erstmalig aufgetretenes VHF; paroxysmales VHF (spontanes oder durch Kardioversion erreichtes Sistieren innerhalb von 7 Tagen, kann in persistierendes/permanentes VHF ĂŒbergehen); persistierendes VHF (Dauer > 7 Tage, keine spontane Konversion, ÜberfĂŒhrung in Sinusrhythmus durch elektrische/medikamentöse Kardioversion möglich); permanentes VHF (Monate bis Jahre, keine anhaltende Konversion — trotzdem Frequenzkontrolle!). Nach dem Schweregrad wird der EHRA-Score (Klasse I–IV) verwendet, von symptomfrei (I) bis massiv behindernd (IV).

Symptomatik

VHF verlĂ€uft hĂ€ufig asymptomatisch. Möglich sind unregelmĂ€ĂŸiger Puls, Palpitationen, Schwindel, Synkopen, Dyspnoe und thorakales EngegefĂŒhl. Als Warnung gilt die mögliche Zuspitzung bis zur ⚠ akuten kardialen Dekompensation.

Diagnostik

❗ Im EKG finden sich nicht nachweisbare P-Wellen, hochfrequente Flimmerwellen (Vorhoffrequenz 350–600/min), eine unregelmĂ€ĂŸige Grundlinie, schmale, normal geformte QRS-Komplexe und eine Arrhythmia absoluta (absolut unregelmĂ€ĂŸige RR-Intervalle). Ein Wechsel zwischen Vorhofflattern und Vorhofflimmern ist möglich. Die Diagnosesicherung verlangt eine Dokumentation ĂŒber ≄ 30 Sekunden im 12-Kanal-EKG. Klinisch imponiert ein unregelmĂ€ĂŸiger, tachykarder Puls mit Pulsdefizit.

  • ❗ Labor: Nierenfunktion (GFR, Kreatinin), Elektrolyte (Kalium, Magnesium, Calcium), TSH basal — um eine Hyperthyreose zu bestĂ€tigen oder auszuschließen.
  • Echokardiografie: TEE (Schluckecho) um linksatriale Thromben nachzuweisen oder auszuschließen, ggf. vor elektrischer Kardioversion; TTE zur Beurteilung von Herzstruktur und Pumpfunktion.

Differenzialdiagnosen

⚡ Abzugrenzen ist die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie: ebenfalls keine abgrenzbaren P-Wellen, im Unterschied zum VHF aber schmale, regelmĂ€ĂŸige QRS-Komplexe und eine Frequenz von 140–250/min. Weitere DD: Vorhofflattern und die Reentry-Tachykardie beim WPW-Syndrom.

Akuttherapie

❗ Auslösende Faktoren beheben; neu aufgetretenes VHF ist oft innerhalb von 24–48 h selbstlimitierend. Die Frequenzkontrolle erfolgt bei Tachykardie (HF > 100/min) mit Beta-Blocker oder Calciumantagonist vom Verapamil-/Diltiazem-Typ.

  • ⚡ Niemals Beta-Blocker mit Verapamil/Diltiazem kombinieren — Gefahr der akuten AV-Blockade durch additive negativ dromotrope Effekte.
  • ❌ Kein Nifedipin-Typ (Dihydropyridine) zur Frequenzkontrolle.
  • Bei Bradykardie (meist erst bei HF < 40/min): 1. Wahl Atropin 0,5–1 mg i.v. alle 2–5 min (max. 0,04 mg/kg KG); bei schwerer Bradykardie Adrenalin (10–30 ”g Boli i.v.); Grunderkrankung behandeln.
  • ❌ Orciprenalin ist seit 02/2023 in Deutschland nicht mehr verfĂŒgbar.
  • Bei therapierefraktĂ€rer Bradykardie, hĂ€modynamischer InstabilitĂ€t oder Bradykardie-bedingten Synkopen: sofortige transkutane/transvenöse Schrittmacherstimulation.

Rhythmuskontrolle / Kardioversion

❗ ⚠ Bei hĂ€modynamisch instabilen Patienten (z. B. drohender kardiogener Schock) erfolgt die sofortige elektrische Kardioversion (EKG-synchronisierter biphasischer Schock, initial 200 J) mit dem Ziel Sinusrhythmus; bei stark reduzierter linksventrikulĂ€rer Funktion alternativ Amiodaron. Bei stabilen Patienten ist die elektrische Kardioversion meist 1. Wahl: Ist die Episode sicher < 48 h und der Patient kein Hochrisikopatient fĂŒr Thromboembolien, kann sofort kardiovertiert werden (TEE-Thrombusausschluss nicht erforderlich).

  • ❗ ⚠ Bei Episode > 48 h (oder unklarer Dauer): vor elektrischer Kardioversion therapierbare Ursachen behandeln und linksatrialen Thrombus per TEE ausschließen — entfĂ€llt nur bei therapeutischer OAK seit > 3(–4) Wochen oder sicher < 48 h Dauer; alternativ ≄ 3-wöchige therapeutische Antikoagulation.
  • Medikamentöse Kardioversion am effektivsten in den ersten 7 Tagen: Amiodaron; i.v. Ibutilid, Vernakalant, Flecainid oder Propafenon; p.o. Flecainid oder Propafenon.
  • Nach erfolgreicher Kardioversion ggf. pharmakologische Rezidivprophylaxe (Flecainid, Propafenon, Dronedaron, Amiodaron, Sotalol).
  • Bei chronischer Herzinsuffizienz zur Frequenzkontrolle ggf. Herzglykosid (Digoxin/Digitoxin), Zielfrequenz HF < 90/min in Ruhe, mit engmaschiger Kontrolle.

Dauertherapie

❗ Basis ist die Lifestyle-Modifikation (Gewichtsreduktion, Alkoholkarenz) plus medikamentöse Frequenzkontrolle. Die Frequenzkontrolle (Indikation: Ă€ltere Patienten, chronisches VHF mit geringer Symptomatik, mehrfache Rezidive) zielt auf eine Ruhefrequenz < 110/min; 1. Wahl sind Beta-Blocker (v. a. bei normaler Ejektionsfraktion) oder Calciumantagonisten vom Verapamil-/Diltiazem-Typ, ggf. Digitalis (besonders Ă€ltere Patienten mit permanentem VHF, vorteilhaft bei Herzinsuffizienz; in der RATE-AF-Studie bessere Symptomkontrolle und VertrĂ€glichkeit als Bisoprolol).

  • ❗ FrĂŒh eingesetzte Rhythmuskontrolle reduziert kardiovaskulĂ€re Ereignisse — insbesondere bei Erstmanifestation, jĂŒngeren Patienten und ausgeprĂ€gter Symptomatik (Antiarrhythmika Klasse IC: Flecainid, Propafenon; Klasse III: Amiodaron, Dronedaron, Sotalol).
  • ⚡ Unter Antiarrhythmika konsequentes EKG-Monitoring (Proarrhythmie-/QT-Risiko).
  • Interventionell: Pulmonalvenenisolation (PVI) bei symptomatischem/therapierefraktĂ€rem, v. a. paroxysmalem VHF ohne strukturelle Herzerkrankung; Verfahren: Radiofrequenzablation, Kryoablation, Pulsed Field Ablation. Erfolg paroxysmal 60–80 % (ein Eingriff) bzw. 80–90 % (mehrere); persistierend 50–60 % bzw. 60–70 %. Antikoagulation wird auch nach erfolgreicher Ablation risikoadaptiert fortgefĂŒhrt.

Thromboembolie-Prophylaxe (CHA2DS2-VA)

❗ Die Indikation zur dauerhaften OAK richtet sich nach dem CHA2DS2-VA-Score (seit 2024; zuvor CHA2DS2-VASc — das Geschlechtskriterium (Sc) entfĂ€llt seit 2024). Punkte: C chronische Herzinsuffizienz (1), H arterielle Hypertonie (1), A2 Alter ≄ 75 (2) bzw. 65–74 (1), D Diabetes mellitus (1), S2 Z. n. Schlaganfall/TIA/systemische Embolie (2), V vaskulĂ€re Erkrankung (KHK/Angina pectoris, Z. n. Myokardinfarkt, pAVK, frĂŒhere Revaskularisierung, Aorteneingriffe, komplexe Aortenplaques) (1).

  • ❗ ≄ 2 Punkte → OAK indiziert (geschlechtsunabhĂ€ngig); 1 Punkt → OAK erwĂ€gen; 0 Punkte → keine Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmung.
  • ❗ 1. Wahl: DOAK; alternativ Vitamin-K-Antagonist (meist Phenprocoumon, INR-Ziel 2,0–3,0, Bridging bis zum Zielwert).
  • ❌ ASS ist nicht zur Thromboembolie-Prophylaxe geeignet.
  • ❌ Kontraindikationen der OAK: frischer ischĂ€mischer Insult, Endokarditis, Sturzneigung, Hirnarterienaneurysma.

Komplikationen

❗ FĂŒhrend ist das 5- bis 7-fach erhöhte Thromboembolie-Risiko, meist als zerebrale IschĂ€mie (zerebrale Arterien), seltener Amaurosis fugax/Zentralarterienverschluss (A. ophthalmica) oder Mesenterialinfarkt/Ileus (MesenterialgefĂ€ĂŸe). Als Warnung gilt zudem die ⚠ akute kardiale Dekompensation bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand.

  • Drei Therapieziele: Frequenzkontrolle, Rhythmuskontrolle, Thromboembolie-Prophylaxe.
  • EKG-Trias: fehlende P-Wellen + Flimmerwellen + Arrhythmia absoluta bei schmalem QRS.
FSP EXPRESS

Vorhofflimmern

Terminologie und Patientensprache

Fachsprachlich heißt das Krankheitsbild Vorhofflimmern (Abk. schriftlich VHF); im notfallmedizinischen Jargon kursiert auch AF (engl. atrial fibrillation). Synonym wird die schnelle Form als Tachyarrhythmia absoluta bezeichnet, allgemein spricht man von Arrhythmia absoluta. GegenĂŒber Patientinnen und Patienten erklĂ€ren Sie es als "sogenanntes Vorhofflimmern" — "eine Herzrhythmusstörung, bei der die Herzvorhöfe nicht mehr geordnet schlagen, sondern nur noch zucken".

  • Patientennah: "Ihr Herz schlĂ€gt unregelmĂ€ĂŸig und oft zu schnell."
  • Patientennah fĂŒr die BlutverdĂŒnnung: "ein Medikament, das das Blut dĂŒnner macht, damit sich kein Gerinnsel bildet und ein Schlaganfall verhindert wird".

❗ Das Vorhofflimmern (VHF) ist die hĂ€ufigste Herzrhythmusstörung: Die Vorhöfe erregen sich völlig unkoordiniert, sodass der Puls unregelmĂ€ĂŸig wird. FĂŒr das GesprĂ€ch mit Patientinnen und Patienten und die Übergabe sind drei Punkte zentral: Herzfrequenz kontrollieren, Herzrhythmus normalisieren und das Schlaganfallrisiko durch BlutverdĂŒnnung senken.

Anamnese — wichtige Fragen

❗ KlĂ€ren Sie zur RisikoeinschĂ€tzung und Therapie vor allem den Beginn der Beschwerden (seit wann genau? — die 48-Stunden-Grenze entscheidet ĂŒber das weitere Vorgehen) und mögliche Auslöser oder Grunderkrankungen.

  • "Seit wann spĂŒren Sie das Herzstolpern / Herzrasen? Können Sie den Zeitpunkt genau angeben?"
  • "Hatten Sie Schwindel, waren Sie kurzatmig oder hatten Sie ein EngegefĂŒhl in der Brust?"
  • "Sind eine SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion, Bluthochdruck, eine HerzschwĂ€che oder ein frĂŒherer Schlaganfall bekannt?"
  • "Nehmen Sie bereits blutverdĂŒnnende Medikamente ein?"

Befund und Vorgehen kurz

❗ Im EKG fehlen die P-Wellen, es zeigen sich Flimmerwellen und ein absolut unregelmĂ€ĂŸiger Herzrhythmus. ⚠ Geht es dem Patienten schlecht (Kreislauf instabil), wird sofort elektrisch kardiovertiert (kurze Stromabgabe in Narkose, "das Herz wird in den richtigen Takt zurĂŒckgebracht").

  • Dauerhaft wichtig: BlutverdĂŒnnung zur Schlaganfallvorbeugung je nach Risikoprofil (1. Wahl DOAK).
  • Frequenz senken meist mit Beta-Blocker.
  • Übergabe (SBAR-kurz): "Patient mit Vorhofflimmern, tachyarrhythmisch, seit 
 Stunden, Kreislauf stabil/instabil, antikoaguliert ja/nein — ich bitte um kardiologische Mitbeurteilung."
FSP tief

Vorhofflimmern

Terminologie und Patientensprache

Der Fachbegriff lautet Vorhofflimmern, schriftlich abgekĂŒrzt VHF; im Klinikjargon und in der Notfallmedizin hört man auch AF (engl. atrial fibrillation). Die schnell ĂŒbergeleitete Form heißt Tachyarrhythmia absoluta, allgemein spricht man von Arrhythmia absoluta. Betroffene werden umgangssprachlich als VHF-Patienten bezeichnet.

  • ErklĂ€rung fĂŒr Patienten: "Sie haben ein sogenanntes Vorhofflimmern — eine Herzrhythmusstörung, bei der die Vorhöfe des Herzens nicht mehr geordnet schlagen, sondern nur noch ungeordnet zucken."
  • "Dadurch schlĂ€gt Ihr Herz unregelmĂ€ĂŸig und oft zu schnell; man spĂŒrt das manchmal als Herzstolpern oder Herzrasen."
  • Adjektive/Redemittel: unregelmĂ€ĂŸig, tachykard (zu schnell), bradykard (zu langsam), absolut unregelmĂ€ĂŸig.
  • BlutverdĂŒnnung patientennah: "ein Medikament, das das Blut etwas dĂŒnnflĂŒssiger macht, damit sich keine Gerinnsel bilden und kein Schlaganfall entsteht" — fachsprachlich orale Antikoagulation.

❗ Das Vorhofflimmern (VHF) ist die hĂ€ufigste Herzrhythmusstörung des Erwachsenen: Die Vorhöfe erregen sich völlig unkoordiniert, ihre Pumpleistung fĂ€llt weg und der Puls wird absolut unregelmĂ€ĂŸig. FĂŒr die FachsprachprĂŒfung sind die patientengerechte AufklĂ€rung, eine zielgerichtete Anamnese und eine klare Übergabe entscheidend — getragen von den drei BehandlungssĂ€ulen Frequenzkontrolle, Rhythmuskontrolle und Thromboembolie-Prophylaxe.

Worum es geht — Krankheitsbild

Beim Vorhofflimmern liegt eine supraventrikulĂ€re Arrhythmie mit unkoordinierter Erregung der Vorhöfe vor; die Vorhofkontraktionen sind hĂ€modynamisch unwirksam, sodass weniger Blut gepumpt wird und das Herzzeitvolumen sinkt. Die Vorhoffrequenz liegt bei 350–600/min, die tatsĂ€chlich ĂŒbergeleitete Kammerfrequenz hĂ€ngt vom AV-Knoten ab und kann zu schnell, normal oder — als Warnung — auch zu langsam sein.

  • HĂ€ufige Auslöser/Grunderkrankungen (patientengerecht erfragen): Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, HerzschwĂ€che, Herzklappenfehler, SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion, Lungenerkrankungen, Schlafapnoe, Diabetes, Elektrolytstörungen.

Anamnese — Leitfragen und Redemittel

❗ Der Beschwerdebeginn ist entscheidend, weil die 48-Stunden-Grenze ĂŒber das weitere Vorgehen (sofortige Kardioversion oder erst Gerinnsel-Ausschluss) bestimmt. Erfragen Sie außerdem Begleitsymptome, Grunderkrankungen und die bestehende Medikation.

  • "Seit wann verspĂŒren Sie das Herzstolpern oder Herzrasen? Können Sie den genauen Zeitpunkt nennen?"
  • "Tritt das anfallsartig auf und hört von selbst wieder auf, oder hĂ€lt es dauerhaft an?"
  • "Hatten Sie dabei Schwindel, Atemnot, ein EngegefĂŒhl in der Brust oder waren Sie ohnmĂ€chtig?"
  • "Sind bei Ihnen Bluthochdruck, eine HerzschwĂ€che, Herzklappenprobleme, eine SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion oder ein frĂŒherer Schlaganfall bekannt?"
  • "Nehmen Sie blutverdĂŒnnende Mittel ein? Trinken Sie Alkohol, und wie ist Ihr Gewicht?"

Untersuchung und Diagnostik (patientennah erklÀrt)

❗ Tasten Sie den unregelmĂ€ĂŸigen, oft schnellen Puls (mit Pulsdefizit). Im EKG fehlen die P-Wellen, es zeigen sich Flimmerwellen und ein absolut unregelmĂ€ĂŸiger Rhythmus (Arrhythmia absoluta) bei schmalen QRS-Komplexen; gesichert wird die Diagnose durch eine Aufzeichnung ĂŒber mindestens 30 Sekunden.

  • ErklĂ€ren Sie das EKG patientennah: "eine Herzstromkurve, mit der wir den Herzrhythmus aufzeichnen".
  • Blutabnahme: Nierenwerte, Elektrolyte und SchilddrĂŒsenwerte (TSH), um eine SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion zu bestĂ€tigen oder auszuschließen.
  • Ultraschall des Herzens: das Schluckecho (TEE), um Gerinnsel im Vorhof nachzuweisen oder auszuschließen, und das Herzecho von außen (TTE) zur Beurteilung von Struktur und Pumpfunktion.

Behandlung — die drei SĂ€ulen

❗ ⚠ Geht es dem Patienten akut schlecht (Kreislauf instabil), erfolgt die sofortige elektrische Kardioversion — eine kurze, mit dem EKG abgestimmte Stromabgabe in kurzer Narkose, die "das Herz in den richtigen Takt zurĂŒckbringt". Sonst stehen drei SĂ€ulen nebeneinander: Herzfrequenz kontrollieren, Herzrhythmus wiederherstellen und das Schlaganfallrisiko senken.

  • Frequenzkontrolle: meist Beta-Blocker oder ein Calciumantagonist vom Verapamil-/Diltiazem-Typ.
  • ⚡ Beta-Blocker und Verapamil/Diltiazem nicht gemeinsam geben — Gefahr eines plötzlichen Reizleitungsblocks am Herzen.
  • Rhythmuskontrolle: medikamentöse oder elektrische Kardioversion; die frĂŒhe Rhythmuskontrolle kann das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Ereignisse senken. LĂ€ngerfristig auch Katheterablation/Pulmonalvenenisolation möglich.
  • Thromboembolie-Prophylaxe (BlutverdĂŒnnung): dauerhafte orale Antikoagulation, 1. Wahl ein DOAK, alternativ ein Vitamin-K-Antagonist (Phenprocoumon, regelmĂ€ĂŸige INR-Kontrolle, Zielbereich 2,0–3,0).
  • ❌ ASS ist zur Schlaganfallvorbeugung beim VHF nicht geeignet.

Warum die BlutverdĂŒnnung so wichtig ist

❗ Durch das Flimmern bilden sich leicht Blutgerinnsel im Vorhof, die mit dem Blutstrom verschleppt werden können — das Schlaganfallrisiko ist um das 5- bis 7-Fache erhöht. Deshalb wird die Notwendigkeit der BlutverdĂŒnnung anhand des individuellen Risikoprofils (u. a. Alter, Bluthochdruck, HerzschwĂ€che, Diabetes, frĂŒherer Schlaganfall, GefĂ€ĂŸerkrankungen) entschieden und gehört zur wichtigsten AufklĂ€rung im PatientengesprĂ€ch.

  • Strukturierte Übergabe (SBAR): "Situation: Patient mit Vorhofflimmern, tachyarrhythmisch. Background: Beginn vor 
 Stunden, bekannte Hypertonie, antikoaguliert ja/nein. Assessment: Kreislauf stabil/instabil. Recommendation: kardiologische Mitbeurteilung, ggf. Frequenzkontrolle bzw. Kardioversion."
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