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Miktionsstörungen: Audiovisuelle fĂŒr Medizinstudium & Ärzte. Neurophysiologie, Ursachen, Diagnostik und Therapie.

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Miktionsstörungen

Miktionsstörungen sind Symptome bei der Harnblasenentleerung (Miktion = Vorgang der Entleerung der Harnblase). ❗ Klinisch sofort abrufbar sein mĂŒssen die Leitsymptome und ihre Grenzwerte: Anurie (Urinvolumen < 100 ml/24 h) und Oligurie (< 500 ml/24 h), Algurie (schmerzhaftes Wasserlassen), Dysurie (erschwertes/brennendes Wasserlassen), Pollakisurie (gesteigerte Miktionsfrequenz) mit Sonderform Nykturie, sowie die beiden Notfall-/Stau-Bilder Harnstau und Harnverhalt.

Leitsymptome und ihre Definitionen

Die Begriffe mĂŒssen sauber gegeneinander abgegrenzt werden, da sie in PrĂŒfungen gern verwechselt werden. Algurie = krampfartige Schmerzen beim Wasserlassen, klassisch bei Zystitis, Urethritis, Prostatitis. Dysurie = variable Kombination aus Missempfindungen/brennenden Schmerzen, erschwertem Wasserlassen, schwachem Strahl und verzögerter Entleerung; hĂ€ufigste Ursache sind Harnwegsinfekte (Zystitis) und mechanische Hindernisse, v. a. die vergrĂ¶ĂŸerte Prostata.

Pollakisurie = deutlich gesteigerte Miktionsfrequenz ohne festen Grenzwert; die Sonderform Nykturie ist hĂ€ufiges nĂ€chtliches Wasserlassen kleiner Mengen (bei reichlicher FlĂŒssigkeitszufuhr abends physiologisch). Polyurie dagegen ist die vermehrte Gesamt-Harnmenge (nicht nur die Frequenz).

  • ❗ Anurie = Urinvolumen < 100 ml/24 h (plus sonografisch leere Blase).
  • ❗ Oligurie = Urinvolumen < 500 ml/24 h; Sonderform funktionelle Oligurie bei unzureichender Trinkmenge (konzentrierter Harn, spezifisches Gewicht > 1015).
  • ⚡ Anurie nicht mit Harnverhalt verwechseln: bei Anurie ist die Blase leer (keine Urinproduktion bzw. -ableitung), beim Harnverhalt ist sie prall gefĂŒllt.

Harnstau vs. Harnverhalt — die zwei Stau-Bilder

Harnstau (Harnstauung) = Stauung von Harn in den ableitenden Harnwegen, meist durch Obstruktion (Urolithiasis, benignes Prostatasyndrom, Tumoren, Strikturen, Koagel) oder Kompression von außen (z. B. retroperitoneale Fibrose/Morbus Ormond). ❗ Leitdiagnostik ist die Sonografie der Nieren; die Schweregrade (Grad 0–4) werden sonografisch ĂŒber Erweiterung von Nierenbecken und Kelchen sowie VerschmĂ€lerung des Parenchymsaums eingeteilt. Folge ist die Hydronephrose/Stauungsniere mit Gefahr der postrenalen Niereninsuffizienz.

Harnverhalt (Harnretention, Ischurie) = die gefĂŒllte Blase kann nicht spontan entleert werden, bei vorhandener Urinproduktion. Der akute Harnverhalt ist ein ⚠ urologischer Notfall mit starken Unterbauchschmerzen, Harndrang und prall gefĂŒllter, palpabler Blase.

  • ❗ Sofortmaßnahme beim Harnverhalt: sofortige Harnableitung, meist ĂŒber einen transurethralen Blasenkatheter; bei Hindernis suprapubischer Katheter.
  • ⚡ Harnstau ≠ Harnverhalt: Stau betrifft die oberen Harnwege/Nieren, Verhalt die nicht entleerbare Blase — bei chronischem Harnverhalt können beide kombiniert auftreten (gestaute Nieren).
  • ❌ Beim akuten Harnverhalt keine Opioide (spasmogene Wirkung); stattdessen Analgesie und Notfall-Katheter.
  • ❗ Grenzwerte sicher: Anurie < 100 ml/24 h, Oligurie < 500 ml/24 h.
  • Algurie = Schmerz; Dysurie = erschwert/brennend; Pollakisurie = Frequenz; Nykturie = nachts; Polyurie = Menge.
  • Warnung: akuter Harnverhalt = urologischer Notfall; chronischer Harnverhalt kann eine Niereninsuffizienz nach sich ziehen.
  • Harnverhalt-Therapie: sofortige Ableitung (Katheter) + Analgesie, Opioide meiden; Harn fraktioniert ablassen und Kreislauf ĂŒberwachen.
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Miktionsstörungen

Miktionsstörungen umfassen sĂ€mtliche Symptome bei der Miktion (Vorgang der Entleerung der Harnblase). ❗ Das PrĂŒfungsgerĂŒst sind die Leitsymptome mit ihren Definitionen und Grenzwerten — Algurie, Dysurie, Pollakisurie/Nykturie, Polyurie, Anurie/Oligurie, abnormer Harngeruch, Harnstau, Harnverhalt, Restharn, schwacher Harnstrahl — und die beiden klassischen Abgrenzungsfragen Harnstau vs. Harnverhalt sowie Anurie vs. Harnverhalt.

Physiologie der Miktion

Die Afferenz lĂ€uft ĂŒber Dehnungsrezeptoren der Blasenwand zum sakralen (S2–S3) und pontinen Miktionszentrum; daraus entsteht der Harndrang. Über die Efferenz kommt es zur Kontraktion des M. detrusor vesicae und zur Erschlaffung des M. sphincter vesicae internus. WillkĂŒrlich wird zusĂ€tzlich der M. sphincter vesicae externus entspannt — dies fĂŒhrt zur Entleerung der Harnblase. Dieses GrundgerĂŒst erklĂ€rt, warum Störungen der Blaseninnervation (z. B. bei Diabetes mellitus, Multipler Sklerose, QuerschnittslĂ€hmung) zu Entleerungsstörungen fĂŒhren.

Algurie, Dysurie, Pollakisurie, Nykturie, Polyurie

Algurie = mittelstarke bis starke, krampfartige Schmerzen beim Wasserlassen; ursĂ€chlich v. a. Zystitis, Urethritis, Prostatitis. Dysurie = variable Kombination aus Missempfindungen bzw. brennenden Schmerzen, erschwertem Wasserlassen, schwachem Strahl und verzögerter Entleerung. Ursachen sind Harnwegsinfekte (Zystitis, Urethritis), Prostatitis, vor allem aber mechanische Hindernisse: die vergrĂ¶ĂŸerte Prostata (benigne Prostatahyperplasie, Prostataadenom, Prostatakarzinom), Harnröhrenstrikturen (z. B. nach Katheterisierung), Blasen- und Harnröhrentumoren, Konkremente der ableitenden Harnwege, Endometriose sowie neurogene oder psychogene Störungen.

Pollakisurie = deutlich gesteigerte Frequenz der Blasenentleerungen ohne definierten Grenzwert. Sonderform ist die Nykturie = hĂ€ufigeres nĂ€chtliches Wasserlassen eher kleiner Mengen; bei reichlicher abendlicher FlĂŒssigkeitszufuhr ist nĂ€chtliches Wasserlassen physiologisch. Davon abzugrenzen ist die Polyurie = deutlich erhöhte/vermehrte Gesamt-Harnmenge.

Anurie und Oligurie — Definitionen, Ätiologie, Diagnostik

❗ Anurie = Urinvolumen < 100 ml/24 h mit sonografisch leerer Harnblase; Oligurie = < 500 ml/24 h mit leerer oder wenig gefĂŒllter Blase. Die funktionelle Oligurie ist eine Sonderform aufgrund unzureichender Wasserzufuhr: geringes, stark konzentriertes Harnvolumen, erhöhter Serum-Harnstoff (Kreatinin leicht erhöht), dunkler Urin mit spezifischem Gewicht > 1015, OsmolalitĂ€t > 1000 mosm/kg und Urin-Natrium < 30 mmol/l; Therapie ist die FlĂŒssigkeitssubstitution.

Ätiologisch stehen akute Niereninsuffizienz, chronische Niereninsuffizienz und Dehydratation/Exsikkose im Vordergrund. Anamnestisch werden Grunderkrankungen (Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankung) und Auslöser (Hypotonie, FlĂŒssigkeitsverluste, Blutungen, hohes Fieber, nephrotoxische Medikamente) erfragt, um eine prĂ€renale, renale oder postrenale Ursache zu sichern bzw. auszuschließen.

In der körperlichen Untersuchung beurteilt man den Volumenstatus (Exsikkose spricht fĂŒr funktionelle Oligurie), tastet die Harnblase (nicht palpabel bei leerer Blase; prall gefĂŒllt mit HarntrĂ€ufeln spricht fĂŒr Harnverhalt), misst den Blutdruck (Hypotonie als prĂ€renaler Hinweis), achtet auf Infektzeichen und Herzinsuffizienz, auskultiert (Lungenstauung), bestimmt tĂ€glich das Körpergewicht und objektiv die Diuresemenge (vom Patienten oft falsch geschĂ€tzt) und fĂŒhrt eine DRU durch (vergrĂ¶ĂŸerte oder tumoröse Prostata als postrenaler Hinweis).

Labordiagnostik: großes Blutbild, Harnstoff, Kreatinin, Elektrolyte (HyperkaliĂ€mie?), BGA (metabolische Azidose?), Gesamteiweiß, Albumin und LDH (bei V. a. hĂ€molytisch-urĂ€misches Syndrom auszuschließen), Erythrozytenmorphologie (Schistozyten/Fragmentozyten), Eiweißelektrophorese (multiples Myelom?), Serologie (Hantavirus, Leptospirose, Systemerkrankung mit ANA) sowie Urindiagnostik (HĂ€maturie, Erythrozyturie, Proteinurie als renaler Hinweis; Harnvolumen; ggf. Urinkultur bei V. a. Infektion). Apparativ ist die Sonografie und Duplexsonografie fĂŒhrend (NierengrĂ¶ĂŸe, Parenchym, Durchblutung, HarnrĂŒckstau/Hydronephrose), ergĂ€nzt um Röntgen-Thorax (HerzgrĂ¶ĂŸe), ggf. Angio-CT/-MRT (Nierenarterienstenose) und Nierenbiopsie (V. a. Glomerulonephritis). Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung.

Warnung: Bei verringerter Ausscheidung drohen ÜberwĂ€sserung mit peripheren Ödemen, Lungenödem und Hirnödem, Akkumulation harnpflichtiger Substanzen (UrĂ€mie), metabolische Azidose (verminderte H+-Ausscheidung) und HyperkaliĂ€mie (verminderte K+-Ausscheidung).

Harnstau, Harnverhalt, Restharn, schwacher Harnstrahl

Harnstau (Harnstauung) = Stauung von Harn in den Harnwegen, mit der Sonderform Harnverhalt. Ursachen sind Obstruktionen (Urolithiasis, benignes Prostatasyndrom, Tumoren der ableitenden Harnwege, Blutgerinnsel, Strikturen post-inflammatorisch/-traumatisch, angeborene Fehlbildungen wie obstruktive Ureterozele, subpelvine Ureterstriktur, Urethralklappen), Kompression von außen (retroperitoneale Fibrose/Morbus Ormond, retroperitoneale Lymphome, Aortenaneurysma), vesikoureteraler Reflux und refluxive Ureterozele. ❗ Leitdiagnostik ist die Sonografie der Nieren; die sonografische Gradeinteilung (Grad 0 Normalbefund bis Grad 4 mit sehr stark erweitertem Nierenbecken/Kelchen und vollstĂ€ndig komprimiertem Parenchymsaum) beurteilt Nierenbecken, Kelche und Parenchymsaum. Therapie ist die Behebung der Obstruktion bzw. die Behandlung eines chronischen Refluxes; SpĂ€tfolgen sind Hydronephrose/Stauungsniere und postrenale Niereninsuffizienz.

Harnverhalt (Harnretention, Ischurie) = die gefĂŒllte Harnblase kann nicht spontan entleert werden bei vorhandener Urinproduktion. Ätiologie: mechanische Hindernisse (vergrĂ¶ĂŸerte Prostata, Harnröhrenstrikturen/-tumoren, Blutkoagel = Blasentamponade, Phimose, selten verlegende Blasen-/Urethrasteine, Penisfraktur), Störungen der Blaseninnervation (Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, QuerschnittslĂ€hmung, Diskusprolaps, postoperativ nach SpinalanĂ€sthesie), angeborene Fehlbildungen, Infektionen (Urethritis, Prostatitis), Medikamente (Antidepressiva, Anticholinergika, Opioide), Alkoholabusus, Koliken (schmerzreflektorisch), Verletzungen (Blasenruptur) und psychogene Ursachen. ⚠ Der akute Harnverhalt verursacht starke Unterbauchschmerzen, quĂ€lenden Harndrang trotz nicht entleerbarer Blase, ggf. Überlaufinkontinenz und vegetative Symptome (Kaltschweißigkeit, Unruhe, BlĂ€sse); neurogen verursachter Harnverhalt kann mild verlaufen. Der chronische Harnverhalt ist oft asymptomatisch oder mild — mit der ⚠ Gefahr einer Niereninsuffizienz.

⚡ Differenzialdiagnostisch streng vom Harnverhalt abzugrenzen ist die Anurie: beim Harnverhalt ist die Blase prall gefĂŒllt (Sonografie!), bei Anurie leer. Ebenfalls abzugrenzen ist die Harnblasentamponade (Verlegung des Blasenausgangs durch Blutkoagel bei starker Blasenblutung). Sonografisch zeigt der Harnverhalt eine prall gefĂŒllte Blase, bei chronischem Verlauf zusĂ€tzlich gestaute Nieren; zur Ursachensuche ggf. retrograde Urethrographie, Zystoskopie, CT/MRT.

❗ Therapie des Harnverhalts: sofortige Ableitung des Urins, meist ĂŒber einen transurethralen Blasenkatheter, bei Hindernissen ĂŒber einen suprapubischen Katheter, zusĂ€tzlich Analgesie. ❌ Keine Opioide (spasmogene Wirkung). Wegen Gefahr eines plötzlichen Blutdruckabfalls durch den raschen Abfall des intraabdominellen Druckes ist eine engmaschige KreislaufĂŒberwachung nötig; wegen venöser Schleimhautblutungen nach Druckentlastung wird der Harn fraktioniert abgelassen. Komplikationen sind Harnwegsinfektionen (Restharnbildung), Hydronephrose, Niereninsuffizienz (Anstieg der Retentionswerte) und Überlaufinkontinenz.

Restharn = nach der Miktion verbleibt eine grĂ¶ĂŸere Urinmenge in der Blase (RestharngefĂŒhl = subjektives GefĂŒhl unvollstĂ€ndiger Entleerung), v. a. bei BPH/BPE, Strikturen und Prostatakarzinom. Schwacher Harnstrahl = geringe Flussrate (langsam fließender Urin), ggf. mit Unterbrechungen (Stakkatomiktion, z. B. bei Blasenstein am Blasenhals) und Nachtropfen/NachtrĂ€ufeln; Ursachen sind BPH/BPE und Strikturen. Abnormer Harngeruch: ❗ Ammoniakgeruch bei Harnwegsinfekt (bakterielle Abbauprodukte), ❗ azetonartiger/Obstgeruch bei diabetischer Ketoazidose, mĂ€useartig bei Phenylketonurie, schimmelig unter Penicillin, charakteristisch nach Spargel/Knoblauch, faulig bei nekrotischem Tumorzerfall, ahornsirup-/maggiartig bei Ahornsirupkrankheit.

  • ❗ Grenzwerte: Anurie < 100 ml/24 h, Oligurie < 500 ml/24 h.
  • ⚡ PrĂŒfungsfrage Harnstau vs. Harnverhalt: Stau = Harn in oberen Harnwegen/Nieren (Sono, Grad 0–4); Verhalt = Blase nicht entleerbar, prall gefĂŒllt.
  • ⚡ PrĂŒfungsfrage Anurie vs. Harnverhalt: Anurie = leere Blase (keine/zu geringe Produktion); Harnverhalt = volle, nicht entleerbare Blase.
  • ❌ Harnverhalt: keine Opioide; sofortige Katheterableitung + Analgesie, Harn fraktioniert ablassen, Kreislauf ĂŒberwachen.
  • Cave: Akuter Harnverhalt = urologischer Notfall; chronischer Harnverhalt und Harnstau gefĂ€hrden ĂŒber Hydronephrose die Nierenfunktion.
FSP EXPRESS

Miktionsstörungen

Terminologie und Patientensprache

Der Fachbegriff lautet Miktionsstörung(en) (meist im Plural, auch wenn nur eine Störung besteht), synonym "Störungen der Miktion"; im Klinik-Jargon hören Sie "Miktionsproblem(e)". GegenĂŒber Patientinnen und Patienten sprechen Sie von Beschwerden beim Wasserlassen bzw. bei der Blasenentleerung. Die Miktion (das Wasserlassen, das Harnlassen, die Blasenentleerung; Verb: miktionieren) ist der Vorgang der Entleerung der Harnblase.

  • Fachbegriff: Miktion / miktionieren — Patientensprache: Wasserlassen, Blase entleeren.
  • ⚡ "Pinkeln" ist nur umgangssprachlich und sollte Patienten ĂŒberlassen bleiben — verwenden Sie es selbst nicht im GesprĂ€ch.
  • Algurie = Schmerzen beim Wasserlassen; Dysurie = erschwertes/brennendes Wasserlassen; Pollakisurie = hĂ€ufiges Wasserlassen; Nykturie = nĂ€chtliches Wasserlassen.

Miktionsstörungen sind Beschwerden beim Wasserlassen. ❗ Im PatientengesprĂ€ch und im Arztbrief mĂŒssen Sie die Leitsymptome sicher benennen und gegenĂŒber dem Patienten in Alltagssprache erklĂ€ren können: schmerzhaftes Wasserlassen (Algurie), erschwertes/brennendes Wasserlassen (Dysurie), hĂ€ufiges Wasserlassen (Pollakisurie, nachts Nykturie) und die nicht entleerbare, gestaute Blase (Harnverhalt).

Leitsymptome im GesprÀch erklÀren

ErklĂ€ren Sie dem Patienten ruhig und konkret: "Sie haben Schmerzen beim Wasserlassen (Algurie) — das spricht oft fĂŒr eine BlasenentzĂŒndung." oder "Sie mĂŒssen hĂ€ufig zur Toilette, vor allem nachts (Nykturie)." ❗ Besonders wichtig ist das Erkennen des Harnverhalts: Die Blase ist gefĂŒllt, lĂ€sst sich aber nicht entleeren — bei der akuten Form mit starken Schmerzen im Unterbauch und quĂ€lendem Harndrang.

  • ❗ Akuter Harnverhalt: "Ihre Blase ist voll, kann sich aber nicht entleeren" — das ist ein ⚠ dringender Notfall, der sofort behandelt (Blase ĂŒber einen Katheter entleert) werden muss.
  • Wichtige Anamnesefragen: "Tut das Wasserlassen weh?", "Wie oft mĂŒssen Sie am Tag und in der Nacht?", "Kommt der Urin schwer oder nur tröpfelnd?", "Haben Sie das GefĂŒhl, dass die Blase nicht ganz leer wird?"
  • ❗ Im GesprĂ€ch: "Beschwerden beim Wasserlassen" statt Fachlatein — den Fachbegriff im Arztbrief, die ErklĂ€rung beim Patienten.
  • Warnung: starke Unterbauchschmerzen mit voller, nicht entleerbarer Blase = akuter Harnverhalt, sofort Ă€rztlich handeln.
  • RestharngefĂŒhl = das GefĂŒhl, dass die Blase "nicht ganz leer" wird — gezielt erfragen.
FSP tief

Miktionsstörungen

Terminologie und Patientensprache

Der Oberbegriff ist die Miktionsstörung(en) (meist im Plural; synonym "Störungen der Miktion", Jargon "Miktionsproblem(e)"). Die Miktion (Synonyme: das Wasserlassen, das Harnlassen, die Blasenentleerung; Verb: miktionieren) ist der Vorgang der Entleerung der Harnblase. GegenĂŒber Patientinnen und Patienten sprechen Sie von Beschwerden beim Wasserlassen oder bei der Blasenentleerung.

Die Leitsymptome heißen im Fachjargon: Algurie (gesprochen: algur-IE, "die Algurie") = Schmerzen beim Wasserlassen; Dysurie (dĂŒs-ur-IE) = erschwertes/brennendes Wasserlassen; Pollakisurie = hĂ€ufiges Wasserlassen; Nykturie (nĂŒkt-ur-IE) = nĂ€chtliches Wasserlassen; Polyurie = große Urinmenge; Anurie (an-ur-IE; Adjektiv: anurisch) und Oligurie (oligur-IE; oligurisch) = fehlende bzw. verminderte Urinausscheidung; Harnstau (synonym Harnstauung) und Harnverhalt (Harnretention, Ischurie, lat. retentio urinae); Restharn (Restharnbildung; das Adjektiv "Resturin" ist unĂŒblich — bleiben Sie bei Restharn).

  • Warnung beim Sprachregister: "Pinkeln" ist rein umgangssprachlich und nur durch Patienten zu verwenden — im Ă€rztlichen Sprachgebrauch sagen Sie "Wasserlassen" oder "Blasenentleerung".
  • Patientensprache griffbereit: "Wasserlassen / Harnlassen / Blase entleeren"; Beschwerden "beim Wasserlassen" bzw. "bei der Blasenentleerung".
  • ❌ Harnverhalt ist nicht dasselbe wie Harnstau — diese beiden Begriffe dĂŒrfen Sie weder im GesprĂ€ch noch im Arztbrief gleichsetzen.

Miktionsstörungen sind Beschwerden beim Wasserlassen bzw. bei der Blasenentleerung. ❗ FĂŒr die FachsprachprĂŒfung mĂŒssen Sie jeden Fachbegriff sauber gegenĂŒber der Patientensprache abgrenzen, die Leitsymptome im AnamnesegesprĂ€ch gezielt erfragen und Befunde verstĂ€ndlich an Patienten sowie strukturiert im Arztbrief und in der Übergabe wiedergeben.

Anamnese — gezielt nach den Leitsymptomen fragen

FĂŒhren Sie das GesprĂ€ch in einfacher Sprache und erfragen Sie die Symptome systematisch. ❗ Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Schmerz (Algurie), erschwerter Entleerung (Dysurie, schwacher Strahl, RestharngefĂŒhl) und Frequenz (Pollakisurie, Nykturie). Fragen Sie auch nach Grunderkrankungen wie Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und nach VerĂ€nderungen von Urinmenge und -geruch.

  • "Tut das Wasserlassen weh oder brennt es?" (Algurie/Dysurie)
  • "Wie oft mĂŒssen Sie tagsĂŒber und nachts zur Toilette?" (Pollakisurie/Nykturie)
  • "Kommt der Urin schwer, langsam oder nur tröpfelnd? MĂŒssen Sie pressen?" (schwacher Strahl, Nachtröpfeln)
  • "Haben Sie das GefĂŒhl, dass die Blase nicht ganz leer wird?" (RestharngefĂŒhl)
  • "Hat sich die Menge oder der Geruch des Urins verĂ€ndert?" (Polyurie/Oligurie, abnormer Harngeruch)
  • "Können Sie ĂŒberhaupt Wasser lassen, obwohl Sie starken Drang verspĂŒren?" (Harnverhalt)

Befunde verstĂ€ndlich erklĂ€ren und ĂŒbergeben

ErklĂ€ren Sie dem Patienten in Alltagssprache, was sein Symptom bedeutet: "Die BlasenentzĂŒndung (Zystitis) verursacht das schmerzhafte Wasserlassen." oder "Eine vergrĂ¶ĂŸerte Prostata kann den Harnabfluss behindern, sodass der Strahl schwĂ€cher wird und Restharn bleibt." ❗ Beim akuten Harnverhalt erklĂ€ren Sie: "Ihre Blase ist gefĂŒllt, kann sich aber nicht entleeren — das ist ein ⚠ Notfall, wir mĂŒssen die Blase jetzt sofort ĂŒber einen Katheter entlasten." Bei verĂ€ndertem Uringeruch ordnen Sie ein: ammoniakartig bei Harnwegsinfekt, obst-/azetonartig bei entgleistem Diabetes (diabetische Ketoazidose).

In der Ă€rztlichen Übergabe formulieren Sie strukturiert, z. B.: "Ich ĂŒbergebe Ihnen Herrn M., 72 Jahre, mit einem akuten Harnverhalt. Die Blase war prall gefĂŒllt und schmerzhaft, der Patient konnte trotz starkem Harndrang nicht Wasser lassen. Wir haben einen transurethralen Blasenkatheter gelegt und den Harn fraktioniert abgelassen; aktuell engmaschige KreislaufĂŒberwachung und Analgesie. Als Ursache vermuten wir eine vergrĂ¶ĂŸerte Prostata; eine Sonografie der Nieren zum Ausschluss eines HarnrĂŒckstaus ist veranlasst."

  • ❗ Beim Harnverhalt ist die sofortige Harnableitung ĂŒber einen Blasenkatheter (meist transurethral, bei Hindernis suprapubisch) plus Analgesie die zentrale Maßnahme.
  • Warnung: Beim Ablassen einer prall gefĂŒllten Blase besteht die Gefahr eines plötzlichen Blutdruckabfalls — den Harn fraktioniert ablassen und den Kreislauf ĂŒberwachen.
  • ⚡ Im Arztbrief Begriffe nicht verwechseln: Harnverhalt = Blase nicht entleerbar; Harnstau = RĂŒckstau bis in die Nieren; Anurie = (fast) kein Urin produziert.
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