Klinische Untersuchung des Herzens
Die klinische Herzuntersuchung folgt der festen Reihenfolge Inspektion – Palpation – Auskultation – (Perkussion). ❗ Kernstück ist die Auskultation an den vier Klappen-Arealen plus Erb-Punkt in der Z-Linie; Palpation des Herzspitzenstoßes und Inspektion auf Stauungs- und Hypoxiezeichen ergänzen den Befund.
Inspektion und Palpation
Untersucht wird am frei entkleideten Oberkörper. Inspektorisch achten Sie auf den sichtbaren Herzspitzenstoß, Narben, atypische Pulsationen und Stauungszeichen (Halsvenenstauung, Tachypnoe, Orthopnoe, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur). Periphere Zeichen einer Herzerkrankung sind Uhrglasnägel und Trommelschlägelfinger (Hinweis auf chronische Hypoxie) sowie eine zentrale oder periphere Zyanose.
Der Herzspitzenstoß wird in Linksseitenlage getastet; normal liegt er medial der linken Medioklavikularlinie im 5. ICR, ist schwach und kurz. In Linksseitenlage verlagert er sich physiologisch ca. 2–4 cm nach links. Pathologisch: nach lateral/kaudal verlagert (Dilatation), verbreitert (> 2 cm bzw. über zwei ICR) oder hebend (kräftig, lang → Hypertrophie, z. B. arterielle Hypertonie, Aortenklappenstenose).
- Herzspitzenstoß normal: 5. ICR, medial der linken MCL, schwach und kurz.
- Ein tastbares Schwirren entspricht einem lauten Herzgeräusch (≥ 4/6).
- Pulsdefizit = Differenz zwischen zentraler Herzfrequenz und peripherer Pulsfrequenz, klassisch bei Vorhofflimmern und Extrasystolen.
Auskultation: Punkte und Töne
❗ Die Auskultationspunkte (Z-Linie): Aortenklappe 2. ICR rechts, Pulmonalklappe 2. ICR links, Erb-Punkt 3. ICR links (zwei Querfinger parasternal), Trikuspidalklappe 4. ICR rechts parasternal (am unteren Sternalrand) und Mitralklappe 5. ICR links in der MCL. Merksatz: „Anton Pulmann trinkt Milch um 22:45, Erb ist 3“. S1/S2 identifizieren Sie durch simultane Palpation des Karotispulses (Pulsanstieg = S1).
1. Herzton (S1): lang, dumpf, Beginn der Systole, durch Schluss von Mitral- und Trikuspidalklappe, korreliert mit dem QRS-Komplex. 2. Herzton (S2): kürzer, heller, Ende der Systole, durch Schluss der Taschenklappen (Aorten-/Pulmonalklappe). Eine atemabhängige Spaltung des S2 ist physiologisch; eine fixierte (atemunabhängige) Spaltung ist der klassische Befund des Vorhofseptumdefekts, während Pulmonalstenose und Rechtsschenkelblock eine weite, aber atemvariable Spaltung verursachen.
- Membran des Stethoskops für hochfrequente Befunde, Trichter für tiefe Frequenzen (S3/S4, Mitralstenose).
- S3/S4 = „Extratöne“: bei Erwachsenen pathologisch (S3 bei Herzinsuffizienz, S4 bei steifer Kammer/Hypertrophie).
Herzgeräusche
❗ Diastolika sind nie harmlos, akzidentelle (physiologische) Geräusche sind immer systolisch, leise (≤ 2/6), ohne Fortleitung und lageabhängig. Einteilung nach Zeitpunkt: Systolikum typisch bei Aorten-/Pulmonalstenose und AV-Klappeninsuffizienz; Diastolikum bei Aorten-/Pulmonalinsuffizienz und AV-Klappenstenose.
Lautstärke in Sechsteln (x/6): ab 4/6 mit tastbarem Schwirren, 6/6 ohne Stethoskop auf Distanz hörbar. Form: spindelförmig (Crescendo-Decrescendo → Stenose, z. B. Aortenklappenstenose), decrescendo/bandförmig → Insuffizienz. Punctum maximum = lautester Auskultationsort; Fortleitung z. B. in die Karotiden (Aortenstenose) oder Axilla (Mitralinsuffizienz).
- Perikardreiben: kratzend/schabend, triphasisch („Lokomotivgeräusch“), synchron zur Herzaktion → ⚡ nicht mit Pleurareiben verwechseln (Pleurareiben ist atemabhängig, nicht herzsynchron); beweisend für Perikarditis.
- Aortenklappenstenose: spindelförmiges Systolikum, P.m. 2. ICR rechts, Fortleitung in die Karotiden.
- Mitralklappeninsuffizienz: holosystolisch, bandförmig, P.m. 5. ICR links, Fortleitung in die linke Axilla, leiser S1.
Perkussion
Die Perkussion der Herzgrenzen (relative vs. absolute Herzdämpfung; absolute ca. 4. ICR links parasternal) ist ungenau und im klinischen Alltag nicht mehr üblich – zur Größenbestimmung dient die Echokardiografie.
- Reihenfolge: Inspektion – Palpation – Auskultation; Perkussion nur noch historisch.
- Auskultationspunkte: 2 rechts (Aorta) – 2 links (Pulmonalis) – 3 links (Erb) – Trikuspidalis 4. ICR rechts parasternal – 5 links MCL (Mitralis).
- S1 = Systolenbeginn (AV-Klappen schließen), S2 = Systolenende (Taschenklappen schließen).
Klinische Untersuchung des Herzens
Die klinische Herzuntersuchung läuft in der Reihenfolge Inspektion – Palpation – Auskultation – (Perkussion) ab. ❗ Schwerpunkt ist die Auskultation mit Differenzierung von Herztönen und Herzgeräuschen; Inspektion und Palpation liefern Hinweise auf Hypertrophie/Dilatation, Stauung und Hypoxie, die anschließend gezielt echokardiografisch geklärt werden.
Inspektion
Die Untersuchung erfolgt am frei entkleideten Oberkörper. Am Thorax beurteilen Sie den sichtbaren Herzspitzenstoß, Narben (z. B. Sternotomie), atypische Pulsationen und Stauungszeichen. Eine pathologische Verlagerung des Herzspitzenstoßes nach lateral spricht für eine Linksherzhypertrophie/-dilatation (z. B. Aortenstenose, Hypertonie), nach kaudal für ein Lungenemphysem; ein pochend-hebender Stoß für einen hyperdynamen Kreislauf (Fieber, Hyperthyreose) oder eine Aortenklappeninsuffizienz, ein verbreiterter (> 2 cm bzw. über zwei ICR) für eine Linksherzdilatation (z. B. dilatative Kardiomyopathie).
Stauungszeichen ordnen Sie zu: Halsvenenstauung und auffällige Atmung sprechen für eine Rechtsherzinsuffizienz, Tachypnoe, Orthopnoe und Einsatz der Atemhilfsmuskulatur für eine Linksherzinsuffizienz. Atypische Pulsationen im 1./2. ICR weisen auf ein Aneurysma der Aorta ascendens oder eine Aortenklappeninsuffizienz hin, im 2./3. ICR auf Vorhofseptumdefekt, Pulmonalstenose oder poststenotische Dilatation; epigastrische Pulsationen (Leberpulsationen) auf Rechtsherzhypertrophie/-insuffizienz oder Trikuspidalklappeninsuffizienz.
- Periphere Zeichen: Uhrglasnägel und Trommelschlägelfinger → chronische Hypoxie (z. B. angeborene zyanotische Herzfehler).
- Zentrale Zyanose (Zunge, Schleimhäute) → Rechts-Links-Shunt, Lungenödem; periphere Zyanose (Haut, Fingernägel) → Herzinsuffizienz, pAVK.
Palpation
Retrosternale oder links parasternal tastbare Pulsationen sprechen für eine Rechtsherzhypertrophie (z. B. Cor pulmonale, Trikuspidalklappeninsuffizienz, hochgradige Mitralstenose). Der Herzspitzenstoß ist der tastbare und/oder sichtbare Stoß der Herzspitze (Apex cordis) gegen die Brustwand; Sie tasten ihn in Linksseitenlage, wobei er sich physiologisch ca. 2–4 cm nach links verlagert.
❗ Normalbefund: palpabel, medial der linken MCL im 5. ICR, schwach und kurz (oder gar nicht tastbar). Pathologisch ist er nach lateral und kaudal verlagert (z. B. Aortenklappeninsuffizienz) oder verbreitert (über einem größeren Areal palpabel/sichtbar). Qualitativ unterscheidet man hebend (kräftig, lang, > 2 Finger breit; beim Aufsetzen eines Stifts auf die Brustwand sichtbar → Hypertrophie, z. B. Aortenklappeninsuffizienz, chronische Herzinsuffizienz), kräftig/verbreitert (Linksherzhypertrophie, arterielle Hypertonie, Aortenklappenstenose) und hyperkinetisch (kräftig, kurz → Volumenbelastung/High-Output, z. B. Hyperthyreose, Fieber, Anämie).
- Ein tastbares Schwirren (mit der flachen Hand) entspricht einem lauten Geräusch ≥ 4/6: systolisch im 2. ICR rechts → Aortenstenose; diastolisch an der Herzspitze → Mitralstenose.
- Der Pulsstatus (peripherer Puls) gehört ergänzend zur Palpation.
Auskultation: Technik und Punkte
Mit der Membran hören Sie hochfrequente Töne/Geräusche (z. B. diastolisches Sofortgeräusch der Aorteninsuffizienz, Perikardreiben) und setzen sie mit festem Druck auf. Mit dem Trichter erfassen Sie tiefe Frequenzen (S3, S4, Mitralöffnungston, diastolisches Rollen der Mitralstenose) und legen ihn nur ganz leicht auf – zu fester Druck spannt die Haut wie eine Membran und lässt die tiefen Töne verschwinden. Die Linksseitenlage bringt die Herzspitze näher an die Thoraxwand.
❗ Auskultationspunkte in der Z-Linie: Aortenklappe 2. ICR rechts, Pulmonalklappe 2. ICR links, Erb-Punkt 3. ICR links parasternal (zwei Querfinger, v. a. für Aortenklappeninsuffizienz und Mitralklappenstenose), Trikuspidalklappe 4. ICR rechts parasternal (am unteren Sternalrand) und Mitralklappe 5. ICR links in der MCL. Merksatz: „Anton Pulmann trinkt Milch um 22:45, Erb ist 3“ (die Ziffern stehen für die ICR). Auskultieren Sie ideal je 30 Sekunden pro Punkt; im Sitzen mit vorgebeugtem Oberkörper verstärken sich Aorten- und Pulmonalinsuffizienz, in Linksseitenlage Mitralklappenfehler und S3/S4. S1/S2 trennen Sie durch simultane Palpation des Karotispulses (Pulsanstieg zeitgleich mit S1).
Herztöne
Physiologisch immer vorhanden sind 1. und 2. Herzton. Der 1. Herzton (S1) ist relativ lang und dumpf, markiert den Beginn der Systole, entsteht durch die Anspannung der Ventrikel bei geschlossener Mitral- und Trikuspidalklappe und korreliert mit dem QRS-Komplex. Lautstärkevarianten: paukender S1 bei Mitralstenose, leiser S1 bei Mitralinsuffizienz oder Linksherzinsuffizienz. Der 2. Herzton (S2) ist kürzer und heller, markiert das Ende der Systole, entsteht durch den Schluss der Taschenklappen (Aorten-/Pulmonalklappe) und korreliert mit dem Ende der T-Welle. Eine atemabhängige Spaltung bei tiefer Inspiration ist physiologisch; eine fixierte (atemunabhängige) Spaltung ist der klassische Befund des Vorhofseptumdefekts, wohingegen Pulmonalstenose und Rechtsschenkelblock eine weite, aber atemvariable Spaltung bewirken.
3. und 4. Herzton sind „Extratöne“: bei Kindern und Jugendlichen physiologisch, bei Erwachsenen pathologisch. Der 3. HT ist ein leiser, frühdiastolischer ventrikulärer Füllungston bei erhöhtem diastolischem Füllungsvolumen (z. B. Herzinsuffizienz); der 4. HT liegt kurz vor S1, entsteht durch die Vorhofkontraktion gegen eine erschwert füllbare (steife) Kammer (z. B. Linksherzhypertrophie).
Herzgeräusche
Herzgeräusche sind i. d. R. pathologisch (Herzklappenfehler, Septumdefekte, offener Ductus arteriosus Botalli). ❗ Akzidentelle (physiologische) Geräusche – meist bei Kindern, Jugendlichen, Schwangeren – sind immer systolisch („Diastolika sind nie harmlos“), leise (≤ 2/6), ohne Fortleitung und lageabhängig. Einteilung nach Zeitpunkt: ein Systolikum (während der Systole) spricht für eine Stenose der Pulmonal-/Aortenklappe; ein Diastolikum für eine Stenose der Trikuspidal-/Mitralklappe oder eine Insuffizienz der Pulmonal-/Aortenklappe.
Die Lautstärke wird in Sechsteln angegeben: 1/6 nur mit Mühe hörbar, 2/6 leise aber sofort hörbar, 3/6 laut ohne Schwirren, 4/6 mit Schwirren, 5/6 sehr laut (nur mit aufgelegtem Stethoskop), 6/6 ohne Stethoskop auf Distanz hörbar. Die Form/Dynamik: spindelförmig (Crescendo-Decrescendo) bei Klappenstenosen, v. a. der Aortenklappenstenose; decrescendo und bandförmig (konstante Lautstärke) bei Klappeninsuffizienz. Das Punctum maximum (P.m.) ist der Ort der lautesten Hörbarkeit; die Fortleitung beschreibt die Ausbreitung des Geräuschs (z. B. in die Karotiden oder die Axilla).
- Aortenklappenstenose: spindelförmiges Systolikum, P.m. 2. ICR rechts, Fortleitung in die Karotiden.
- Mitralklappeninsuffizienz: holosystolisch, bandförmig, P.m. 5. ICR links (Herzspitze), Fortleitung in die linke Axilla, Verstärkung in Linksseitenlage, leiser S1.
- Trikuspidalklappeninsuffizienz: holosystolisch, bandförmig, P.m. 4. ICR (links oder rechts) parasternal, Verstärkung bei Inspiration (Rivero-Carvallo-Zeichen), oft positive venöse Leberpulsation.
- Persistierender Ductus arteriosus Botalli: kontinuierliches „Maschinengeräusch“ (Systolo-Diastolikum), P.m. 2. ICR links, große Blutdruckamplitude (Pulsus celer et altus).
Perikardreiben und Pulsdefizit
Das Perikardreiben ist ein kratzendes/schabendes, triphasisches Geräusch („Lokomotivgeräusch“: mid-systolisch, mid-diastolisch, präsystolisch), oberflächlich und nah am Ohr, synchron zur Herzaktion, am besten endexspiratorisch beim vornübergebeugten, sitzenden Patienten links parasternal hörbar. Es ist charakteristisch/beweisend für eine Perikarditis (bei bis zu 80 % nachweisbar), jedoch sehr variabel – es kann rasch verschwinden und schwächt sich bei zunehmendem Perikarderguss ab. ⚡ Wichtigste Verwechslung: das Pleurareiben – es ist atemabhängig und gerade nicht synchron zur Herzaktion.
Das Pulsdefizit ist die Differenz zwischen zentraler Herzfrequenz (Auskultation) und peripherer Pulsfrequenz (Palpation, z. B. A. radialis). Ursache ist eine zu schwache Ventrikelkontraktion (Extrasystolen, Vorhofflimmern, schwere Hypotonie) oder eine periphere Störung (pAVK, Aortendissektion, arterielle Embolie – dann zusätzlich Pulsdifferenz).
Perkussion und Kardiomegalie
Die Perkussion der Herzgrenzen unterscheidet die relative Herzdämpfung (entspricht der tatsächlichen, von Lunge überlagerten Herzgröße) von der absoluten Herzdämpfung (Herz liegt der Thoraxwand direkt an, ca. 4. ICR links parasternal). Sie ist ungenau und im klinischen Alltag nicht mehr üblich.
Bei Kardiomegalie ist der Herzspitzenstoß nach lateral verlagert und die Herzaktion ggf. als Brustwandpulsation sichtbar; durch Dilatation des Anulus fibrosus entstehen relative Mitral-/Trikuspidalinsuffizienzen mit typischen Auskultationsbefunden. Bildgebung der Wahl ist die Echokardiografie (im Röntgen-Thorax gilt ein Herzdurchmesser > der Hälfte des Thoraxquerdurchmessers als Kardiomegalie). EKG-Veränderungen sind unspezifisch (Schenkelblock, Extrasystolen, Tachykardien, Vorhofflimmern).
- Untersuchungsgang: Inspektion → Palpation (Herzspitzenstoß, Schwirren) → Auskultation (Punkte, Töne, Geräusche) → Perkussion (obsolet).
- S1 = AV-Klappenschluss/Systolenbeginn, S2 = Taschenklappenschluss/Systolenende; S3/S4 beim Erwachsenen pathologisch.
- Systolikum = Stenose der Taschenklappen oder AV-Insuffizienz; Diastolikum = AV-Stenose oder Taschenklappeninsuffizienz – und nie harmlos.
- Tastbares Schwirren ab 4/6; Lautstärke immer in Sechsteln dokumentieren.
Klinische Untersuchung des Herzens
Terminologie und Patientensprache
Fachsprachlich sprechen Sie von der (körperlichen/klinischen) Untersuchung des Herzens; gegenüber Patienten formulieren Sie einfach: „Ich möchte jetzt Ihr Herz untersuchen / abhören.“
- Herzton – Abk. (schriftlich): HT; Herzgeräusch – Abk. (schriftlich): HG.
- Herzspitzenstoß – Abk.: HSS; Patientensprache: „der Punkt, an dem man das Herz schlagen fühlt“.
- Systolikum = systolisches Herzgeräusch (Geräusch in der Anspannungs-/Auswurfphase); Diastolikum = diastolisches Herzgeräusch (in der Erschlaffungs-/Füllungsphase) – Betonung: Systemolikum, Diastolikum.
Die klinische (körperliche) Untersuchung des Herzens umfasst Inspektion, Palpation und Auskultation. ❗ Im Zentrum steht das Abhören (Auskultation) der Herzklappen mit dem Stethoskop; gegenüber Patientinnen und Patienten heißt das schlicht „das Herz abhören bzw. untersuchen“.
So läuft die Untersuchung ab
Bitten Sie die Person, den Oberkörper frei zu machen. Sie schauen zunächst (Inspektion: Narben, sichtbare Pulsationen, Atmung, bläuliche Verfärbung der Lippen = Zyanose), tasten dann den Herzspitzenstoß in Linksseitenlage und hören anschließend mit dem Stethoskop die Herzklappen ab. Erklären Sie jeden Schritt freundlich und kündigen Sie das Umlagern an.
❗ Beim Abhören nutzen Sie feste Auskultationspunkte: Aortenklappe 2. Rippenzwischenraum rechts, Pulmonalklappe 2. Rippenzwischenraum links, Erb-Punkt 3. Rippenzwischenraum links, Trikuspidalklappe 4. Rippenzwischenraum rechts neben dem Brustbein (am unteren Brustbeinrand) und Mitralklappe 5. Rippenzwischenraum links in der Mittellinie unter dem Schlüsselbein-Punkt (Medioklavikularlinie).
- Den 1. und 2. Herzton unterscheiden Sie, indem Sie gleichzeitig den Halsschlagaderpuls (Karotispuls) tasten – er steigt zeitgleich mit dem 1. Herzton an.
- Ein Herzgeräusch geben Sie in Sechsteln (z. B. 3/6) an; ab 4/6 ist es als Schwirren tastbar.
Wichtige Anamnesefragen
Vor der Untersuchung fragen Sie gezielt nach Beschwerden, die zu Herzbefunden passen:
- „Haben Sie Luftnot, besonders im Liegen oder bei Belastung?“ (Hinweis auf Linksherzschwäche).
- „Sind Ihnen geschwollene Beine oder ein Druckgefühl am Hals aufgefallen?“ (Hinweis auf Rechtsherzschwäche).
- „Ist Ihnen ein Herzklopfen oder Stolpern aufgefallen?“, „Wurden Sie schon einmal am Herzen operiert?“ (Narben).
- Ablauf gut auf Deutsch ankündigen: „Ich schaue, taste und höre Ihr Herz jetzt ab.“
- Reihenfolge der Punkte: 2 rechts – 2 links – 3 links (Erb) – 4 rechts parasternal (unterer Brustbeinrand) – 5 links.
Klinische Untersuchung des Herzens
Terminologie und Patientensprache
Fachsprachlich: die (körperliche/klinische) Untersuchung des Herzens. Patientensprache: „Ich möchte Ihr Herz untersuchen / abhören.“ Wichtige Fachbegriffe mit ihrer laienverständlichen Übersetzung erleichtern sowohl die Patientenkommunikation als auch die Arzt-Arzt-Übergabe.
- Herzspitzenstoß (HSS) – patientensprachlich „der Punkt, an dem das Herz gegen die Brustwand schlägt“.
- Herzton (HT) – das normale „Herzschlag-Geräusch“; Herzgeräusch (HG) – ein zusätzliches Strömungsgeräusch über dem Herzen (Klinik-Jargon kurz: „Geräusch“, wenn der Kontext Herz klar ist).
- Systolikum (Systemolikum) = systolisches Herzgeräusch, Adjektive: früh-, mittel-, spät-, holosystolisch; Diastolikum (Diastolikum) = diastolisches Herzgeräusch, Adjektive: früh-, spätdiastolisch.
- Punctum maximum (P.m.) = Ort, an dem ein Geräusch am lautesten zu hören ist; ⚡ für die Ausbreitung des Geräuschs empfiehlt sich der Begriff „Fortleitung“ statt „Ausstrahlung“, da „Ausstrahlung“ physikalisch nicht zu Schallwellen passt.
- Zyanose = bläuliche Verfärbung von Haut/Schleimhäuten; Patientensprache: „die Lippen/Finger laufen blau an“.
Die klinische Untersuchung des Herzens verbindet Inspektion, Palpation und Auskultation mit einer patientengerechten Gesprächsführung. ❗ Sie sollten den Untersuchungsgang auf Deutsch erklären, die Befunde fachsprachlich korrekt benennen (Herztöne, Herzgeräusche, Systolikum/Diastolikum) und sie patientengerecht übersetzen können.
Inspektion und Patientenführung
Bitten Sie höflich, den Oberkörper frei zu machen: „Dürfte ich Sie bitten, sich bis zur Hüfte frei zu machen?“ Achten Sie auf Narben („Wurden Sie schon einmal am Herzen oder Brustkorb operiert?“), die Atmung (Luftnot, schnelle Atmung, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur), eine sichtbare Halsvenenstauung und eine Zyanose. Periphere Zeichen sind Uhrglasnägel und Trommelschlägelfinger als Hinweis auf einen länger bestehenden Sauerstoffmangel.
Übersetzen Sie Beobachtungen patientengerecht: „Mir fällt auf, dass Ihnen das Atmen im Liegen schwerfällt“ oder „Ihre Halsvenen sind etwas gestaut“. Eine zentrale Zyanose (Lippen, Zunge) deutet auf eine Sauerstoffunterversorgung des Blutes hin, eine periphere Zyanose (Finger, Haut) eher auf eine verlangsamte Durchblutung.
Palpation: der Herzspitzenstoß
Der Herzspitzenstoß ist der tastbare und/oder sichtbare Stoß der Herzspitze (Apex cordis) gegen die Brustwand. Kündigen Sie das Umlagern an: „Bitte drehen Sie sich etwas auf die linke Seite.“ Normal ist er medial der linken Medioklavikularlinie im 5. Rippenzwischenraum tastbar, schwach und kurz; in Linksseitenlage verschiebt er sich physiologisch 2–4 cm nach links.
Tasten Sie zusätzlich nach einem Schwirren („ein Schwirren wie bei einer schnurrenden Katze“) mit der flachen Hand – es entspricht einem lauten Geräusch und ist ab 4/6 tastbar. Ergänzend gehört der Pulsstatus (peripherer Puls) dazu.
Auskultation: Technik, Punkte und Befunde
Verwenden Sie die Membran für hohe Frequenzen (mit festem Druck) und den Trichter für tiefe Frequenzen (nur leicht auflegen). ❗ Auskultationspunkte: Aortenklappe 2. ICR rechts, Pulmonalklappe 2. ICR links, Erb-Punkt 3. ICR links (zwei Querfinger links neben dem Brustbein), Trikuspidalklappe 4. ICR rechts parasternal (am unteren Brustbeinrand) und Mitralklappe 5. ICR links in der Medioklavikularlinie. Hören Sie je etwa 30 Sekunden ab; im Sitzen mit vorgebeugtem Oberkörper bzw. in Linksseitenlage lassen sich bestimmte Befunde verstärken. 1. und 2. Herzton trennen Sie über den gleichzeitig getasteten Karotispuls (er steigt mit dem 1. Herzton an).
Herztöne (HT) sind die normalen Klappenschlussgeräusche: der 1. HT markiert den Beginn der Auswurfphase, der 2. HT das Ende. Herzgeräusche (HG) sind zusätzliche Strömungsgeräusche und in der Regel krankhaft – ein Diastolikum ist nie harmlos, während harmlose (akzidentelle) Geräusche bei Kindern, Jugendlichen und Schwangeren immer systolisch und leise (≤ 2/6) sind. Die Lautstärke geben Sie in Sechsteln an (1/6 bis 6/6).
- Systolikum – typisch bei einer Verengung (Stenose) der Aorten- oder Pulmonalklappe.
- Diastolikum – typisch bei Undichtigkeit (Insuffizienz) der Aorten-/Pulmonalklappe oder Stenose der Mitral-/Trikuspidalklappe.
- Fortleitung in die Halsschlagadern (Karotiden) spricht für eine Aortenklappenstenose, in die linke Achselhöhle (Axilla) für eine Mitralklappeninsuffizienz.
Perikardreiben – wichtige Verwechslung
Das Perikardreiben ist ein kratzendes/schabendes Geräusch, synchron zum Herzschlag, das beweisend für eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) ist. ⚡ Verwechslungsgefahr mit dem Pleurareiben: das Pleurareiben ist atemabhängig und folgt der Atmung, nicht dem Herzschlag. Diese Unterscheidung können Sie im Prüfungsgespräch klar benennen.
Anamnese und Übergabe (SBAR)
Verknüpfen Sie die Untersuchung mit gezielten Fragen und einer strukturierten Übergabe. Anamnese: „Haben Sie Luftnot bei Belastung oder im Liegen?“, „Sind Ihnen geschwollene Beine aufgefallen?“, „Verspüren Sie Herzstolpern oder Brustschmerzen?“, „Wurden Sie schon einmal am Herzen operiert?“.
Beispielhafte Übergabe (SBAR): „Situation: 68-jähriger Patient zur Abklärung eines Herzgeräuschs. Background: bekannte arterielle Hypertonie. Assessment: bei der Auskultation spindelförmiges Systolikum mit Punctum maximum im 2. ICR rechts und Fortleitung in die Karotiden, Verdacht auf eine Aortenklappenstenose. Recommendation: Ich bitte um eine Echokardiografie zur Bestätigung.“
- Untersuchung immer ankündigen und erklären: „Ich schaue, taste und höre Ihr Herz ab.“
- Befunde fachsprachlich exakt benennen: Herzton vs. Herzgeräusch, Systolikum vs. Diastolikum, Punctum maximum, Fortleitung.
- Perikardreiben = herzsynchron (Perikarditis); ⚡ Pleurareiben = atemabhängig – nicht verwechseln.