Heparin
â Heparine sind indirekt wirkende, parenterale Antikoagulanzien: Sie binden an Antithrombin III (AT III), lösen dort eine KonformationsĂ€nderung aus und beschleunigen dessen Gerinnungshemmung um etwa den Faktor 1000. Das unfraktionierte Heparin (UFH) hemmt Thrombin (F IIa) und Faktor Xa gleichstark (Anti-Xa/Anti-IIa = 1:1); niedermolekulare Heparine (NMH) hemmen ĂŒberwiegend Faktor Xa (Anti-Xa/Anti-IIa 2â4:1).
Wirkmechanismus
Heparin selbst gerinnt nicht â es wirkt nur ĂŒber AT III. Der AT-III-Komplex inaktiviert Thrombin (F IIa) und Faktor Xa, daneben auch IXa, XIa, XIIa und VIIa. FĂŒr die Thrombinhemmung muss das HeparinmolekĂŒl lang genug sein, um Thrombin und AT III gleichzeitig zu binden: Es sind mindestens 18 Zuckereinheiten nötig.
Daraus folgt der Klassenunterschied: Das lange UFH umschlieĂt beide Faktoren â Anti-Xa = Anti-IIa (1:1). Die kurzen NMH-Ketten reichen oft nur fĂŒr die Xa-Hemmung â ĂŒberwiegend Anti-Xa (2â4:1).
- AT-III-vermittelt, beschleunigt um Faktor ~1000 durch KonformationsÀnderung.
- â„ 18 Saccharide fĂŒr Thrombinhemmung â erklĂ€rt UFH 1:1 vs. NMH 2â4:1.
UFH â Steckbrief
â UFH ist hochmolekular (mittleres Molekulargewicht ~12.000â15.000 Dalton) und wird wegen geringer subkutaner BioverfĂŒgbarkeit therapeutisch i.v. gegeben (Bolus 5.000â10.000 IE, dann Perfusor 15â25 IE/kg/h). Die Wirkung ist nicht fix dosierbar (keine feste Dosis-Wirkungs-Beziehung), daher engmaschiges Monitoring.
- â Monitoring ĂŒber die aPTT, Zielbereich 1,5â2,5fache der Norm (alternativ ACT).
- â Kurze Halbwertszeit (1â2 h) â kontinuierliche Gabe per Perfusor.
- â VollstĂ€ndig antagonisierbar durch Protaminsulfat â 1 mg neutralisiert 100 IE Heparin, jederzeit möglich.
- Elimination v.a. hepatisch/endothelial (Vorteil bei eingeschrÀnkter Nierenfunktion); höheres HIT-Typ-II-Risiko als NMH.
Indikationen
UFH deckt vor allem Akutsituationen und SonderfÀlle ab, in denen schnelle Steuerbarkeit und Antagonisierbarkeit zÀhlen.
- Akutes Koronarsyndrom und HĂ€modialyse (extrakorporaler Kreislauf).
- Therapeutische Antikoagulation bei TVT und Lungenembolie.
- Niedrigdosiert: perioperative Thromboseprophylaxe (typisch 2 Ă 5.000 IE/d s.c.).
- Bridging bei pausierter oraler Antikoagulation; bevorzugt bei GFR < 30 ml/min.
- In der Schwangerschaft (Heparine sind nicht plazentagĂ€ngig â Antikoagulans der Wahl).
Kontraindikationen und UAW
Im Vordergrund steht das Blutungsrisiko; die immunologische HIT Typ II ist die gefĂŒrchtetste Komplikation.
- â â ïž Aktive/manifeste Blutung, â ïž bekannte HIT Typ II, schwere Thrombozytopenie < 50.000/”l, akutes peptisches Ulkus, frische groĂe Operation (< 24 h).
- Relativ: Spinalpunktion/PeriduralanÀsthesie, schwere Leber-/Niereninsuffizienz, hÀmorrhagische Diathese, maligne Hypertonie.
- â Wichtigste UAW: Blutung. Daneben HIT Typ II, bei Langzeittherapie (> 6 Monate) Osteoporose/Osteonekrose, Alopezie, Transaminasenanstieg.
NMH und Fondaparinux zur Abgrenzung
Die niedermolekularen Heparine und das Pentasaccharid Fondaparinux grenzen die Klasse nach unten ab.
- NMH (z. B. Enoxaparin): bessere BioverfĂŒgbarkeit, vorhersagbare Wirkung â kein Routine-Monitoring, renale Elimination, geringeres HIT-Risiko.
- Fondaparinux: selektiver indirekter Faktor-Xa-Inhibitor, kein HIT-Risiko; â nicht durch Protamin antagonisierbar.
- â UFH: i.v., aPTT-gesteuert (1,5â2,5Ă), kurze HWZ â Perfusor, Protamin (1 mg/100 IE).
- Anti-Xa/Anti-IIa: UFH 1:1, NMH 2â4:1 (â„ 18 Saccharide fĂŒr Thrombinhemmung).
Heparin
â Heparine sind indirekt wirkende, parenterale Antikoagulanzien, die ihre Wirkung ĂŒber Antithrombin III (AT III) entfalten. Im Vordergrund steht das unfraktionierte Heparin (UFH) als i.v.-Akuttherapeutikum mit aPTT-Steuerung und schneller Antagonisierbarkeit; die niedermolekularen Heparine (NMH) und Fondaparinux werden zur Einordnung der Klasse gegenĂŒbergestellt.
Wirkmechanismus â AT III als Angelpunkt
Heparin hat keine eigene gerinnungshemmende AktivitĂ€t, sondern verstĂ€rkt die Wirkung von Antithrombin III. Ăber eine spezifische Pentasaccharidsequenz bindet Heparin an AT III und löst eine KonformationsĂ€nderung aus, wodurch die AT-III-vermittelte Inaktivierung von Gerinnungsfaktoren um etwa den Faktor 1000 beschleunigt wird.
Der AT-III-Komplex hemmt vor allem Thrombin (Faktor IIa) und Faktor Xa, daneben auch die Faktoren IXa, XIa, XIIa und VIIa. Physiologisch ist körpereigenes Heparin ein Glykosaminoglykan aus Mastzellen und basophilen Granulozyten mit hoher BindungsaffinitÀt zu AT III.
- â Kernprinzip: AT III aktivieren â Thrombin- und Faktor-Xa-Hemmung, beschleunigt um ~Faktor 1000.
- Gehemmte Faktoren: IIa, Xa (fĂŒhrend) sowie IXa, XIa, XIIa, VIIa.
UFH vs. NMH â der entscheidende GröĂenunterschied
FĂŒr die Thrombinhemmung muss Heparin lang genug sein, um Thrombin und AT III gleichzeitig in einen ternĂ€ren Komplex einzubinden â dafĂŒr sind mindestens 18 ZuckermolekĂŒle nötig. Die kĂŒrzere Faktor-Xa-Hemmung gelingt bereits ĂŒber die Pentasaccharidsequenz allein.
Daraus ergibt sich das AktivitĂ€tsverhĂ€ltnis: Das lange UFH hemmt Thrombin und Faktor Xa gleichstark (Anti-Xa/Anti-IIa = 1:1). Die kurzen NMH-Ketten erreichen Thrombin oft nicht mehr und hemmen daher ĂŒberwiegend Faktor Xa (Anti-Xa/Anti-IIa = 2â4:1), mit entsprechend geringerer Thrombinhemmung. Fondaparinux ist als reines Pentasaccharid ein selektiver Faktor-Xa-Inhibitor ohne nennenswerte Thrombinhemmung.
- â â„ 18 Saccharide â Thrombinhemmung; Pentasaccharid allein â nur Xa-Hemmung.
- UFH 1:1, NMH 2â4:1, Fondaparinux selektiv Anti-Xa.
UFH â Pharmakologie, Applikation, Monitoring
UFH wird aus tierischem Darm- oder Lungengewebe gewonnen (Mukopolysaccharide) und ist mit einem mittleren Molekulargewicht von ~12.000â15.000 Dalton hochmolekular. Wegen geringer subkutaner BioverfĂŒgbarkeit erfolgt die therapeutische Gabe i.v.: Bolus 5.000â10.000 IE, anschlieĂend Perfusor 15â25 IE/kg/h. Niedrigdosiert kann UFH zur Prophylaxe auch s.c. gegeben werden (typisch 2 Ă 5.000 IE/d).
Charakteristisch ist die fehlende fixe Dosis-Wirkungs-Beziehung mit dosisabhĂ€ngiger Wirkung und starker Plasmaproteinbindung. Daraus folgt zwingend ein engmaschiges Monitoring ĂŒber die aPTT mit Zielbereich 1,5â2,5fache der Norm (zweimal tĂ€glich; alternativ ACT). ZusĂ€tzlich mĂŒssen die Thrombozyten kontrolliert werden, um eine HIT Typ II frĂŒhzeitig zu erkennen. Die Elimination erfolgt ĂŒberwiegend hepatisch/endothelial, was UFH bei schlechter Nierenfunktion (GFR < 30 ml/min) bevorzugbar macht.
- â aPTT-Ziel 1,5â2,5Ă Norm; ⥠Gefahr der Ăberdosierung wegen kurzer HWZ und fehlender fixer Dosis-Wirkungs-Beziehung.
- â Kurze Halbwertszeit 1â2 h â kontinuierlicher Perfusor.
- Anti-Xa/Anti-IIa = 1:1; Elimination v.a. hepatisch/endothelial.
Antagonisierung
â Ein praktisch wichtiger Vorteil des UFH ist die rasche und vollstĂ€ndige Antagonisierbarkeit: Protaminsulfat neutralisiert Heparin im VerhĂ€ltnis 1 mg pro 100 IE Heparin, und das jederzeit. NMH lassen sich durch Protamin nur teilweise neutralisieren, Fondaparinux gar nicht.
- â Protaminsulfat 1 mg / 100 IE â vollstĂ€ndige Antagonisierung des UFH.
- NMH nur teilweise, â Fondaparinux nicht antagonisierbar.
Indikationen
Das Indikationsspektrum reicht von der Akutkardiologie ĂŒber den extrakorporalen Kreislauf bis zur Prophylaxe und zum Bridging.
- â Akutes Koronarsyndrom (instabile AP, NSTEMI, STEMI; bei Fibrinolyse als Adjuvans).
- â HĂ€modialyse â Antikoagulation im extrakorporalen Kreislauf.
- Therapeutische Vollheparinisierung (High-dose) bei TVT/TBVT und Lungenembolie; initiale Therapie meist 5â7 Tage.
- Niedrigdosiert (Low-dose): perioperative Thromboseprophylaxe, internistische Risikopatienten; verlĂ€ngerte Prophylaxe nach groĂen orthopĂ€dischen Operationen.
- Bridging bei pausierter oraler Antikoagulation; bevorzugt bei GFR < 30 ml/min.
- Schwangerschaft â Heparine als Antikoagulans der Wahl (siehe Cave).
Kontraindikationen
Bei manifester oder drohender Blutung sowie bei HIT-Anamnese ist Heparin streng kontraindiziert.
- Absolut/wesentlich: â â ïž aktive/manifeste Blutung jeder Lokalisation, â â ïž bekannte HIT Typ II, â schwere Thrombozytopenie < 50.000/”l, â akutes peptisches Ulkus, â frische groĂe Operation (< 24 h).
- Relativ: Spinalpunktion/PeriduralanÀsthesie, schwere Leber- oder Niereninsuffizienz, hÀmorrhagische Diathese, maligne Hypertonie, akute infektiöse Endokarditis (Vegetationen können instabiler werden), nicht gesichertes Hirnarterienaneurysma, schwere Retinopathie, Abortus imminens, Heparin-Allergie.
UnerwĂŒnschte Wirkungen
â Die wichtigste UAW ist die Blutung. Die klinisch gefĂŒrchtetste ist die Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II (HIT II) â ein immunologisch (Antikörper gegen Heparin-PF4-Komplexe) vermittelter Thrombozytenabfall, typischerweise nach 5â14 Tagen, paradox mit Thromboserisiko. Sie tritt unter UFH hĂ€ufiger auf als unter NMH; bei Verdacht (4T-Score, Anti-PF4-Antikörper) ist Heparin sofort abzusetzen und auf ein alternatives Antikoagulans (Argatroban, Danaparoid, Fondaparinux) umzustellen.
- â Blutung (hĂ€ufigste) und â HIT Typ II (gefĂ€hrlichste).
- Bei Langzeittherapie (> 6 Monate): Osteoporose/Osteonekrose (geringer unter NMH), Alopezie (reversibel).
- Transaminasenanstieg (meist mild, reversibel), Hyperaldosteronismus, lokale Hautreaktionen/Hautnekrosen, selten anaphylaktische Reaktionen.
Wechselwirkungen
Kombinationen mit anderen gerinnungswirksamen Substanzen sind die klinisch relevantesten Interaktionen.
- â VerstĂ€rkte Blutungsneigung bei Kombination mit TAH, DOAK, VKA, Fibrinolytika und â NSAR/COX-Hemmstoffen (steigern die Heparinwirkung).
- Nitroglycerin und Tetracycline vermindern, Digitalis und Propranolol verstĂ€rken bzw. erhöhen die Heparinwirkung/-BioverfĂŒgbarkeit.
- ⥠Bei VHF + NSTEMI: Tripel-Therapie (ASS + P2Y12 + OAK) nur kurz und kontrovers â rasche Deeskalation auf Zweifachtherapie.
Abgrenzung NMH und Fondaparinux
Die ĂŒbrigen Substanzen der Klasse unterscheiden sich vor allem in Steuerbarkeit, Elimination und HIT-Risiko.
- NMH (z. B. Enoxaparin, Dalteparin, Tinzaparin): bessere BioverfĂŒgbarkeit, vorhersagbare Wirkung â kein Routine-Monitoring, gewichtsadaptiert s.c., renale Elimination (Cave GFR < 30), geringeres HIT-Risiko.
- Fondaparinux (ArixtraÂź): synthetisches Pentasaccharid, selektiver indirekter Faktor-Xa-Inhibitor, kein HIT-Risiko, â nicht durch Protamin antagonisierbar.
- â UFH-Profil: i.v., aPTT 1,5â2,5Ă, HWZ 1â2 h â Perfusor, Protamin 1 mg/100 IE, hepatisch eliminiert, hohes HIT-II-Risiko.
- Klassenlogik: â„ 18 Saccharide â Thrombinhemmung; UFH 1:1, NMH 2â4:1, Fondaparinux selektiv Xa.
- Wichtigste KI: HIT II, aktive Blutung, Thrombo < 50.000/”l, akutes Ulkus, frische groĂe OP.
Heparin
Terminologie und Patientensprache
Im GesprĂ€ch mit Patientinnen und Patienten heiĂt Heparin schlicht der BlutverdĂŒnner oder die Heparinspritze â fachlich korrekt ist Antikoagulans (Gerinnungshemmer). Wichtig ist die ehrliche Einordnung: "Das Medikament verdĂŒnnt das Blut nicht wirklich, sondern verlangsamt die Gerinnung, damit sich keine gefĂ€hrlichen Gerinnsel bilden."
- Heparin (Plural: die Heparine) â umgangssprachlich "der BlutverdĂŒnner".
- Abk.: UFH = unfraktioniertes Heparin, NMH = niedermolekulares Heparin (englisch LMWH).
- Antikoagulans = Gerinnungshemmer; Thrombose = Blutgerinnsel; HIT = eine durch Heparin ausgelöste Verminderung der BlutplÀttchen.
- Patientensatz: "Wir geben Ihnen einen Gerinnungshemmer ĂŒber die Vene, damit sich kein Blutgerinnsel bildet."
â Heparin ist ein Gerinnungshemmer (Antikoagulans), der gespritzt wird und das körpereigene Antithrombin III verstĂ€rkt. Im Zentrum steht das unfraktionierte Heparin (UFH), das in der Akutsituation ĂŒber die Vene als Dauerinfusion (Perfusor) lĂ€uft und engmaschig kontrolliert wird.
So wirkt es â einfach erklĂ€rt
Heparin wirkt indirekt: Es macht den körpereigenen Hemmstoff Antithrombin III deutlich aktiver, sodass die Gerinnung gebremst wird. Das groĂe UFH hemmt Thrombin und Faktor Xa gleich stark; die kleineren NMH hemmen vor allem Faktor Xa.
- â Wirkt ĂŒber Antithrombin III, beschleunigt dessen Wirkung stark.
- UFH: ĂŒber die Vene, kurze Wirkdauer (1â2 Stunden) â Perfusor.
Kontrolle und Gegenmittel
UFH muss ĂŒberwacht werden, weil die Wirkung nicht fest vorhersagbar ist; dafĂŒr ist es schnell umkehrbar.
- â UFH wird ĂŒber den Laborwert aPTT gesteuert (Ziel: das 1,5- bis 2,5fache der Norm).
- â Es gibt ein Gegenmittel: Protaminsulfat hebt die Wirkung sofort und vollstĂ€ndig auf (1 mg pro 100 IE).
- RegelmĂ€Ăig die BlutplĂ€ttchen kontrollieren, um eine HIT rechtzeitig zu erkennen.
WofĂŒr und Vorsicht
Heparin wird in vielen Akut- und Vorbeugesituationen eingesetzt; vor der Gabe sind einige Gegenanzeigen zu beachten.
- Eingesetzt bei akutem Herzinfarkt/Koronarsyndrom, bei der Dialyse, zur Behandlung von Thrombose und Lungenembolie, zur Vorbeugung rund um Operationen und als ĂberbrĂŒckung (Bridging).
- Cave â nicht geben bei: â â ïž aktiver Blutung, â â ïž bekannter HIT Typ II, â stark erniedrigten BlutplĂ€ttchen (< 50.000/”l).
- Wichtigste Nebenwirkung: â Blutung; gefĂŒrchtet ist die â HIT Typ II.
- Anamnese: Nach frĂŒheren Blutungen, bekannter HIT, MagengeschwĂŒr, kĂŒrzlicher Operation und weiteren BlutverdĂŒnnern fragen.
- Ăbergabe (SBAR): "Patient erhĂ€lt UFH ĂŒber Perfusor, aPTT im Zielbereich, Thrombozyten werden kontrolliert."
Heparin
Terminologie und Patientensprache
GegenĂŒber Patientinnen und Patienten spricht man vom BlutverdĂŒnner oder der Heparinspritze; der Fachbegriff ist Antikoagulans (Gerinnungshemmer). Es ist sinnvoll, die Wirkung verstĂ€ndlich einzuordnen: Das Mittel "verdĂŒnnt" das Blut nicht im eigentlichen Sinne, sondern verlangsamt die Blutgerinnung, damit sich keine gefĂ€hrlichen Gerinnsel (Thrombosen) bilden.
FĂŒr die AufklĂ€rung wichtig: Bei der Dauerinfusion (Perfusor) erklĂ€ren Sie ruhig, dass die Dosis nach einem Blutwert (aPTT) angepasst wird und dass es ein Gegenmittel gibt, falls eine Blutung auftritt. Bei einer seltenen, aber wichtigen Komplikation â der HIT â kontrolliert man regelmĂ€Ăig die BlutplĂ€ttchen.
- Heparin, Plural die Heparine; umgangssprachlich "der BlutverdĂŒnner", "die Heparinspritze".
- Abk.: UFH = unfraktioniertes Heparin; NMH = niedermolekulares Heparin (engl. LMWH = low molecular weight heparin).
- Antithrombin III = körpereigener Gerinnungshemmer; aPTT = Gerinnungs-Laborwert zur Steuerung; HIT = Heparin-induzierte Thrombozytopenie (Abfall der BlutplÀttchen durch Heparin).
- Adjektive/Redemittel: gerinnungshemmend, gewichtsangepasst (gewichtsadaptiert), engmaschig (hÀufig) kontrollieren.
- PatientensĂ€tze: "Wir geben Ihnen einen Gerinnungshemmer ĂŒber die Vene." â "Wir nehmen regelmĂ€Ăig Blut ab, um die Gerinnung und die BlutplĂ€ttchen zu kontrollieren."
â Heparin ist ein gespritztes Antikoagulans (Gerinnungshemmer), das den körpereigenen Hemmstoff Antithrombin III verstĂ€rkt. Das unfraktionierte Heparin (UFH) ist das Akut-Antikoagulans der Wahl: Es lĂ€uft ĂŒber die Vene als Perfusor, wird ĂŒber die aPTT gesteuert und ist mit Protaminsulfat sofort antagonisierbar. Die niedermolekularen Heparine (NMH) und Fondaparinux dienen hier zur Einordnung.
Wirkprinzip verstÀndlich erklÀrt
Heparin wirkt indirekt: Es hat selbst keine gerinnungshemmende Wirkung, sondern bindet an das körpereigene Antithrombin III, verĂ€ndert dessen Form (KonformationsĂ€nderung) und macht es dadurch um ein Vielfaches schneller. Dieses aktivierte Antithrombin III bremst dann vor allem Thrombin und Faktor Xa â die zentralen Schritte der Blutgerinnung.
Der Unterschied zwischen den Heparinen liegt in der MolekĂŒlgröĂe: Das groĂe UFH hemmt Thrombin und Faktor Xa gleich stark, weil es lang genug ist, beide einzubinden. Die kleineren NMH hemmen ĂŒberwiegend Faktor Xa.
- â VerstĂ€rkt Antithrombin III â hemmt Thrombin und Faktor Xa.
- UFH: gleich starke Hemmung beider; NMH: vor allem Faktor Xa.
UFH in der Praxis â Gabe, Kontrolle, Gegenmittel
Wegen der schlechten Aufnahme unter die Haut wird therapeutisches UFH ĂŒber die Vene (i.v.) gegeben â meist als Perfusor (Dauerinfusion), oft nach einem Bolus. Da UFH keine feste Dosis-Wirkungs-Beziehung hat und nur 1â2 Stunden wirkt, ist eine kontinuierliche Gabe und ein engmaschiges Monitoring nötig.
â Gesteuert wird ĂŒber die aPTT mit dem Zielbereich 1,5- bis 2,5fache der Norm. â Ein groĂer Vorteil ist die schnelle, vollstĂ€ndige Antagonisierbarkeit mit Protaminsulfat (1 mg neutralisiert 100 IE Heparin) â wichtig vor dringenden Eingriffen oder bei Blutung. UFH wird ĂŒberwiegend in der Leber abgebaut, was es bei eingeschrĂ€nkter Nierenfunktion gĂŒnstig macht.
- â Steuerung ĂŒber aPTT (1,5â2,5Ă); ⥠Gefahr der Ăberdosierung wegen kurzer Wirkdauer.
- â Gegenmittel Protaminsulfat (1 mg / 100 IE), jederzeit möglich.
- RegelmĂ€Ăig Thrombozyten kontrollieren (HIT-FrĂŒherkennung).
Anwendung und Vorsicht
UFH wird eingesetzt beim akuten Koronarsyndrom, bei der HĂ€modialyse, zur Behandlung von tiefer Venenthrombose und Lungenembolie, zur perioperativen Vorbeugung von Thrombosen, zum Bridging bei pausierter oraler Antikoagulation und in der Schwangerschaft als bevorzugtes Antikoagulans.
- Cave â nicht geben bei: â â ïž aktiver Blutung, â â ïž bekannter HIT Typ II, â schwerer Thrombozytopenie (< 50.000/”l), â akutem MagengeschwĂŒr, â frischer groĂer Operation (< 24 h).
- Relativ vorsichtig bei: rĂŒckenmarknaher Punktion/PeriduralanĂ€sthesie, schwerer Leber-/Niereninsuffizienz.
- Wichtigste Nebenwirkung: â Blutung; gefĂŒrchtet: â HIT Typ II; bei Langzeitgabe Osteoporose.
- ⥠Cave Wechselwirkung: NSAR/Schmerzmittel und andere BlutverdĂŒnner verstĂ€rken die Blutungsneigung.
Abgrenzung NMH und Fondaparinux
Neben dem UFH gehören die niedermolekularen Heparine und das Fondaparinux zur selben Wirkstofffamilie, unterscheiden sich aber in Handhabung und Risiko.
- NMH (z. B. Enoxaparin): unter die Haut gespritzt, gut vorhersagbar â kein Routine-Monitoring, gewichtsangepasst, ĂŒber die Niere ausgeschieden, geringeres HIT-Risiko.
- Fondaparinux: hemmt gezielt nur Faktor Xa, kein HIT-Risiko, aber â nicht durch Protamin umkehrbar.
Anamnese und Ăbergabe
Vor Therapiebeginn werden gezielt Blutungs- und HIT-Risiken erfragt; bei der Ăbergabe werden Steuerung und SicherheitsmaĂnahmen knapp zusammengefasst.
- Gezielt fragen: frĂŒhere Blutungen oder Operationen, bekannte HIT/Heparin-UnvertrĂ€glichkeit, MagengeschwĂŒr, Nieren-/Leberprobleme, Schwangerschaft sowie alle weiteren BlutverdĂŒnner und Schmerzmittel.
- SBAR-Ăbergabe: "Die Patientin erhĂ€lt UFH ĂŒber Perfusor zur therapeutischen Antikoagulation, die aPTT liegt im Zielbereich, die Thrombozyten werden tĂ€glich kontrolliert, das Gegenmittel Protamin ist verfĂŒgbar."
- â Merksatz: UFH = Vene, Perfusor, aPTT (1,5â2,5Ă), Protamin als Gegenmittel.
- Immer an die HIT denken â Thrombozyten im Verlauf kontrollieren.