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Gefäßstatus, Pulsstatus, Auskultation peripherer Pulse

Der Pulsstatus wird systematisch im Seitenvergleich an allen tastbaren Arterien erhoben: A. radialis, brachialis, carotis, femoralis, poplitea, tibialis posterior und dorsalis pedis. Beurteilt werden Frequenz, Rhythmus und Amplitude sowie ergänzend Strömungsgeräusche bei der Auskultation.

  • Palpationsorte: A. radialis (radial-palmar), A. brachialis (Ellenbeuge medial), A. carotis (am Vorderrand des M. sternocleidomastoideus), A. femoralis (Mitte des Leistenbandes), A. poplitea (Kniekehle bei leicht gebeugtem Knie), A. tibialis posterior (hinter Malleolus medialis), A. dorsalis pedis (zwischen 1. und 2. Mittelfußknochen).
  • A. carotis nie beidseitig gleichzeitig palpieren und nur sanft tasten — sonst Synkopen-/Asystolierisiko über den Karotissinusreflex.
  • Amplitude wird semiquantitativ beschrieben: gut tastbar, abgeschwächt oder fehlend; immer seitengleich dokumentieren.
  • Pulsdefizit: Differenz zwischen auskultierter Herzfrequenz und peripher tastbarem Puls, typisch bei Vorhofflimmern und Extrasystolie (peripher kommt nicht jede Herzaktion an).
  • Auskultation auf Strömungsgeräusche: Karotiden, Aorta abdominalis, Nierenarterien (paraumbilikal) und Femoralarterien; ein Geräusch spricht für eine Stenose.
  • pAVK: abgeschwächte oder fehlende Fußpulse, ergänzend Knöchel-Arm-Index (ABI); ein ABI < 0,9 sichert die Diagnose.
  • ⚠️ Akuter Arterienverschluss: Pulslosigkeit als eines der 6 P (pain, pallor, pulselessness, paraesthesia, paralysis, poikilothermia) — absoluter Notfall.
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Gefäßstatus, Pulsstatus, Auskultation peripherer Pulse

Der Gefäßstatus umfasst die systematische Palpation der peripheren Pulse im Seitenvergleich, die Beurteilung von Frequenz, Rhythmus und Amplitude, die Erfassung eines Pulsdefizits sowie die Auskultation auf Strömungsgeräusche. Er ist Basis der orientierenden Gefäßdiagnostik und lenkt gezielt auf pAVK, akuten Arterienverschluss, Aneurysmen und Karotisstenosen.

Systematische Palpation der peripheren Pulse

  • A. radialis radial-palmar am Handgelenk; Standardpuls für Frequenz und Rhythmus. A. brachialis medial in der Ellenbeuge, Referenz für die Blutdruckmessung.
  • A. carotis nie beidseitig gleichzeitig palpieren und nur sanft am Vorderrand des M. sternocleidomastoideus tasten (Karotissinusreflex, Plaque-Embolierisiko).
  • A. femoralis in der Mitte des Leistenbandes; A. poplitea tief in der Kniekehle bei leicht gebeugtem Knie (oft schwer tastbar). A. tibialis posterior hinter dem Malleolus medialis, A. dorsalis pedis zwischen 1. und 2. Os metatarsale.
  • Die A. dorsalis pedis kann bei bis zu 10 % anatomisch fehlen oder atypisch verlaufen — fehlender Puls hier allein ist nicht beweisend für eine pAVK.

Frequenz, Rhythmus, Amplitude und Pulsdefizit

  • Frequenz (Normbereich 60–100/min), Rhythmus (regelmäßig vs. unregelmäßig), Amplitude (kräftig, abgeschwächt, fehlend) — stets seitenvergleichend.
  • Pulsdefizit: gleichzeitige Auskultation des Herzens und Palpation der A. radialis; ist die periphere Frequenz niedriger als die zentrale, liegt ein Defizit vor — klassisch bei Vorhofflimmern und gehäuften Extrasystolen, weil frühe Aktionen kein ausreichendes Schlagvolumen auswerfen.
  • Pulsqualitäten als Differenzialhinweise: Pulsus celer et altus (Aortenklappeninsuffizienz), Pulsus parvus et tardus (Aortenklappenstenose), Pulsus paradoxus (Perikardtamponade), Pulsus alternans (schwere Linksherzinsuffizienz).

Auskultation auf Strömungsgeräusche

Auskultiert werden Karotiden (Karotisstenose, Stroke-Risiko), Aorta abdominalis und paraumbilikal die Nierenarterien (renovaskuläre Hypertonie) sowie die Femoralarterien. Ein systolisches Strömungsgeräusch entsteht durch turbulente Strömung an einer Stenose.

  • Fehlerquelle: Bei hochgradiger Stenose kann das Geräusch wieder leiser werden oder verschwinden — ein fehlendes Geräusch schließt eine Stenose nicht aus.
  • Ein pulsierender, expandierender Tumor im Mittel-/Unterbauch lenkt auf ein Bauchaortenaneurysma — hier sonografisch sichern.

Knöchel-Arm-Index (ABI) und pAVK

  • ABI-Berechnung pro Bein: Zähler ist der höhere Knöcheldruck dieses Beins (höherer Wert aus A. tibialis posterior und A. dorsalis pedis), Nenner ist der höhere der beiden Armdrücke. Maßgeblich für Diagnose und Risikostratifizierung ist der niedrigere der beiden Bein-ABI.
  • Graduierung: 0,9–1,4 normal; < 0,9 beweisend für pAVK (0,75–0,9 leicht, 0,5–0,75 mittelgradig, < 0,5 schwer; eine kritische Ischämie wird über absolute Knöchel-/Zehendrücke gesichert); > 1,4 Hinweis auf Mediasklerose (falsch hohe, nicht komprimierbare Gefäße, v. a. bei Diabetes).
  • pAVK-Befund: abgeschwächte bis fehlende distale Pulse, kühle blasse Extremität, verzögerte Wiederauffüllung, ggf. trophische Störungen; Stadieneinteilung nach Fontaine (I–IV).
  • Mediasklerose maskiert eine pAVK durch nicht komprimierbare Gefäße — bei Diabetikern Zehendruckmessung oder Bildgebung ergänzen.

Akuter Arterienverschluss — Red Flags

  • ⚠️ 6 P nach Pratt: pain, pallor, pulselessness, paraesthesia, paralysis, poikilothermia — der akute Extremitätenverschluss ist ein zeitkritischer Notfall.
  • ⚠️ Paraesthesie und Paralyse markieren die kritische Ischämie mit drohendem Extremitätenverlust — sofortige Revaskularisation, Heparinisierung, Gefäßchirurgie.
  • Häufigste Ursachen: kardiale Embolie (Vorhofflimmern) und lokale arterielle Thrombose auf vorbestehender pAVK.
FSP EXPRESS

Gefäßstatus, Pulsstatus, Auskultation peripherer Pulse

Terminologie und Patientensprache

  • Puls tasten — „den Herzschlag an Ihren Schlagadern fühlen"
  • Auskultation / Strömungsgeräusch — „ich höre Ihre Gefäße mit dem Stethoskop ab, ob das Blut gut fließt"
  • periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) — „Durchblutungsstörung in den Beinen", umgangssprachlich Schaufensterkrankheit
  • Knöchel-Arm-Index — „ich vergleiche den Blutdruck am Knöchel und am Arm"
  • Pulsdefizit — „nicht jeder Herzschlag kommt am Handgelenk an"

In der FSP sollen Sie die Pulsuntersuchung verständlich ankündigen und durchführen: „Ich möchte jetzt Ihre Pulse tasten und einige Gefäße abhören." Erklären Sie jeden Schritt in einfacher Patientensprache und kündigen Sie Berührungen vorher an.

Untersuchung erklären und durchführen

  • Ankündigen: „Ich taste jetzt nacheinander Ihren Puls am Handgelenk, am Hals, in der Leiste und an den Füßen — im Seitenvergleich."
  • „Am Hals taste ich nur vorsichtig und nur auf einer Seite, das ist völlig normal."
  • „Bitte sagen Sie mir, wenn Sie Schmerzen oder ein Taubheitsgefühl in den Beinen haben."
  • „Anschließend höre ich Hals, Bauch und Leisten mit dem Stethoskop ab."

Wichtige Anamnesefragen

  • „Haben Sie beim Gehen Schmerzen in den Waden, die Sie zum Stehenbleiben zwingen?" (Claudicatio)
  • „Sind Ihre Füße oft kalt oder fühlen sie sich taub an?"
  • „Haben Sie Bluthochdruck, Diabetes oder rauchen Sie?"
  • ⚠️ „Hatten Sie plötzlich ein kaltes, blasses, schmerzhaftes Bein?" (Hinweis auf akuten Verschluss — Notfall)
FSP tief

Gefäßstatus, Pulsstatus, Auskultation peripherer Pulse

Terminologie und Patientensprache

  • Puls / Pulsstatus — „der Herzschlag, den ich an Ihren Schlagadern fühle"
  • Arterie / Schlagader — „das Blutgefäß, das das Blut vom Herzen wegführt"
  • Auskultation — „Abhören mit dem Stethoskop"; Strömungsgeräusch — „ein Geräusch, wenn das Blut an einer Engstelle vorbeifließt"
  • Stenose — „eine Verengung des Gefäßes"; pAVK / Schaufensterkrankheit — „Durchblutungsstörung der Beine"
  • Pulsdefizit — „nicht jeder Herzschlag kommt am Handgelenk an"; Vorhofflimmern — „eine Art von Herzstolpern"
  • Knöchel-Arm-Index (ABI) — „Vergleich des Blutdrucks am Knöchel und am Arm"
  • Redemittel: „Ich werde jetzt …", „Das tut nicht weh.", „Bitte sagen Sie mir Bescheid, wenn …", „Atmen Sie ruhig weiter."

Im FSP-Gespräch erklären Sie die Gefäßuntersuchung patientengerecht in Sie-Form, kündigen jede Berührung an und übersetzen Fachbegriffe in Alltagssprache. Ziel ist eine nachvollziehbare Erklärung von Pulsstatus, Auskultation und Knöchel-Arm-Index sowie eine strukturierte Übergabe.

Die Untersuchung Schritt für Schritt erklären

„Ich möchte jetzt Ihre Durchblutung untersuchen. Dazu taste ich nacheinander Ihren Puls an verschiedenen Stellen und vergleiche immer die rechte mit der linken Seite. Das tut nicht weh, Sie spüren nur einen leichten Druck."

  • „Zuerst am Handgelenk, dann in der Ellenbeuge."
  • „Am Hals taste ich nur ganz vorsichtig und nur auf einer Seite — das ist so gewollt."
  • „Dann in der Leiste, in der Kniekehle und an den Füßen."
  • „Anschließend höre ich mit dem Stethoskop Hals, Bauch und Leisten ab, um zu prüfen, ob das Blut überall gut fließt."
  • „Zum Schluss messe ich den Blutdruck am Knöchel und am Arm und vergleiche beide Werte."

Wichtige Anamnesefragen

  • „Bekommen Sie beim Gehen Schmerzen in den Waden oder Oberschenkeln, sodass Sie stehen bleiben müssen? Nach wie vielen Metern?" (Gehstrecke)
  • „Lassen die Schmerzen im Stehen wieder nach?"
  • „Sind Ihre Füße häufig kalt, blass oder taub?"
  • „Haben Sie Wunden an den Füßen, die schlecht heilen?"
  • „Leiden Sie unter Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Blutfetten? Rauchen Sie?"
  • ⚠️ „Hatten Sie ganz plötzlich ein kaltes, blasses, sehr schmerzhaftes Bein?" — Warnzeichen für einen akuten Gefäßverschluss.

Befunde einordnen und Red Flags

  • Abgeschwächte oder fehlende Fußpulse sprechen für eine Durchblutungsstörung (pAVK); ein ABI unter 0,9 bestätigt sie.
  • ⚡ Ein unregelmäßiger Puls mit Pulsdefizit weist auf Vorhofflimmern hin — wichtig wegen erhöhtem Embolierisiko.
  • ⚠️ Plötzliche Pulslosigkeit mit Schmerz, Blässe und Taubheit (6 P) ist ein Notfall — sofortige Klinikeinweisung.

Übergabe (SBAR)

Situation: „Ich stelle Ihnen Herrn Müller vor, 68 Jahre, mit abgeschwächten Fußpulsen rechts und Wadenschmerzen beim Gehen." Background: „Bekannter Diabetes, langjähriger Nikotinabusus, Gehstrecke auf etwa 100 Meter reduziert." Assessment: „Verdacht auf pAVK rechts, ABI 0,7; Karotiden frei, kein akuter Verschluss." Recommendation: „Ich empfehle eine Duplexsonografie der Beinarterien und eine gefäßmedizinische Mitbeurteilung."

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