ST-Strecke, ST-Hebung, ST-Senkung
â Die ST-Strecke entspricht der intraventrikulĂ€ren ErregungsrĂŒckbildung und verlĂ€uft physiologisch isoelektrisch (auf Höhe der Nulllinie). Jede Abweichung â Hebung oder Senkung â ist potenziell ein IschĂ€miezeichen, deshalb gilt: ⥠eine echte ST-Hebung als STEMI nicht verpassen, aber auch die hĂ€ufige benigne frĂŒhe Repolarisation nicht ĂŒberbewerten.
Signifikante ST-Hebung
â Signifikant ist eine ST-Hebung ab â„ 0,1 mV (1 mm) in mindestens zwei zusammenhĂ€ngenden Ableitungen. In V2âV3 gelten höhere, geschlechtsspezifische Schwellen: â„ 0,2 mV bei MĂ€nnern, â„ 0,15 mV bei Frauen.
Entscheidend ist die Dynamik: dynamische ST-StreckenverĂ€nderungen sprechen fĂŒr eine akute myokardiale IschĂ€mie (STEMI), eine persistierende ST-Hebung ĂŒber Wochen fĂŒr ein chronisches Herzwandaneurysma. Auch ein neu aufgetretener Linksschenkelblock mit passender Klinik gilt als STEMI-Ăquivalent.
- Form: konvexe Hebung bzw. aus absteigendem R â akuter transmuraler Infarkt (STEMI).
- Form: aus aufsteigendem S, konkav und diffus â eher Perikarditis / Perimyokarditis.
- ⥠Wichtigste Falle: die benigne frĂŒhe Repolarisation (konkave Hebung in V2âV4, ohne reziproke Senkung, ohne Dynamik) nicht mit einem STEMI verwechseln â und umgekehrt einen STEMI nicht als ânur Repolarisation" abtun.
Signifikante ST-Senkung
â Signifikant ist eine ST-Senkung ab â„ 0,1 mV mit horizontalem oder deszendierendem Verlauf â das ist das klassische IschĂ€miezeichen (Korrelat des NSTEMI bzw. der subendokardialen IschĂ€mie). Eine aszendierende (aufsteigende) ST-Senkung ist dagegen oft unspezifisch.
Reziproke (spiegelbildliche) ST-Senkungen in den gegenĂŒberliegenden Ableitungen stĂŒtzen die Diagnose eines akuten Infarkts.
- Weitere Ursachen: Digitalis (muldenförmige Senkung), HypokaliÀmie, linksventrikulÀre Hypertrophie, belastungsinduzierte ST-Senkung im Belastungs-EKG.
Benigne ST-Hebung (frĂŒhe Repolarisation)
HĂ€ufiger Normalbefund bei jungen, gesunden Menschen: konkave (âaufwĂ€rts konkave") ST-Hebung, oft in V2âV4, hĂ€ufig mit prominenter, groĂer T-Welle und einer Kerbe (notching) oder Aufstrichelung (slurring) am Ende des QRS.
- Keine spiegelbildlichen (reziproken) ST-Senkungen.
- Keine pathologischen Q-Zacken.
- Keine Dynamik im Verlauf â das unterscheidet sie vom STEMI.
- ST-Strecke physiologisch isoelektrisch = intraventrikulĂ€re ErregungsrĂŒckbildung.
- ST-Hebung signifikant â„ 0,1 mV in 2 zusammenhĂ€ngenden Ableitungen (V2âV3: MĂ€nner â„ 0,2 mV, Frauen â„ 0,15 mV).
- ST-Senkung signifikant ℠0,1 mV horizontal/deszendierend = IschÀmie; aszendierend = unspezifisch.
- Wichtige DD der ST-Hebung: STEMI, Perimyokarditis, frĂŒhe Repolarisation, Brugada-Syndrom, LV-Hypertrophie, Lungenembolie (RV-Belastung), Prinzmetal-Angina, ventrikulĂ€res Aneurysma, Thoraxtrauma.
ST-Strecke, ST-Hebung, ST-Senkung
â Die ST-Strecke liegt zwischen dem J-Punkt (Ende des QRS-Komplexes) und dem Beginn der T-Welle und reprĂ€sentiert die intraventrikulĂ€re ErregungsrĂŒckbildung. Physiologisch verlĂ€uft sie isoelektrisch. Hebungen und Senkungen sind zentrale IschĂ€miezeichen â ihre Bewertung verlangt die Beachtung von Höhe (QuantitĂ€t), Form und vor allem Dynamik im Verlauf.
Physiologie und benigne ST-Hebung
Normalerweise ist die ST-Strecke isoelektrisch, d. h. sie liegt auf Höhe der Nulllinie. Eine wichtige physiologische Variante ist die benigne ST-Hebung im Rahmen der frĂŒhen Repolarisation.
Diese zeigt eine konkave (âaufwĂ€rts konkave") ST-Hebung, hĂ€ufig in V2âV4, typischerweise bei jungen, gesunden Menschen. Begleitend finden sich oft eine prominente T-Welle mit groĂer Amplitude und eine endstĂ€ndige QRS-Kerbe (notching) oder Aufstrichelung (slurring).
- Keine spiegelbildlichen (reziproken) ST-Senkungen.
- Keine pathologischen Q-Zacken.
- Keine Dynamik im Verlauf â diese drei Negativkriterien grenzen die benigne Hebung vom STEMI ab.
Pathologische ST-Hebung
â Eine signifikante ST-Hebung liegt ab â„ 0,1 mV (1 mm) in mindestens zwei zusammenhĂ€ngenden (anatomisch benachbarten) Ableitungen vor. In den Ableitungen V2âV3 gelten höhere, geschlechtsspezifische Grenzwerte: â„ 0,2 mV bei MĂ€nnern, â„ 0,15 mV bei Frauen. Ein neu aufgetretener Linksschenkelblock mit passender Klinik wird als STEMI-Ăquivalent gewertet.
â Die zeitliche Dynamik ist entscheidend: dynamische ST-StreckenverĂ€nderungen weisen auf eine akute myokardiale IschĂ€mie (STEMI) hin; eine persistierende ST-Hebung ĂŒber Wochen spricht fĂŒr ein chronisches Herzwandaneurysma. Reziproke ST-Senkungen in gegenĂŒberliegenden Ableitungen stĂŒtzen die Infarktdiagnose.
Die Form liefert weitere Hinweise: eine Hebung aus dem absteigenden R, konvex geformt, spricht fĂŒr einen akuten transmuralen Myokardinfarkt; eine Hebung aus dem aufsteigenden S, konkav und ĂŒber viele Ableitungen verteilt, eher fĂŒr eine Perikarditis/Perimyokarditis.
- ⥠Zentrale klinische Aufgabe: eine echte ST-Hebung als STEMI nicht verpassen â im Zweifel handeln.
- ⥠Abgrenzung frĂŒhe Repolarisation (konkav, V2âV4, jung-gesund, keine reziproken Senkungen, keine Dynamik) vs. STEMI (oft konvex, dynamisch, reziproke Senkungen).
- ⥠Abgrenzung Perikarditis (konkav, diffus, keine reziproken Senkungen, oft PQ-Senkung) vs. STEMI (lokalisationsbezogen, reziproke Senkungen).
Differenzialdiagnosen der ST-Hebung
Neben dem STEMI und der Perimyokarditis ist ein breites DD-Spektrum zu kennen, da nicht jede ST-Hebung einem Koronarverschluss entspricht.
- Akute Perimyokarditis (konkav, diffus).
- Brugada-Syndrom (gewölbte ST-Hebung in V1âV2).
- RechtsventrikulÀre Belastung, z. B. bei Lungenembolie.
- Prinzmetal-Angina (vasospastisch, vorĂŒbergehend).
- ErregungsrĂŒckbildungsstörung bei linksventrikulĂ€rer Hypertrophie.
- VentrikulÀres Aneurysma (persistierende Hebung).
- Thoraxtrauma mit Herzbeteiligung (Contusio cordis).
Pathologische ST-Senkung
â Eine signifikante ST-Senkung liegt ab â„ 0,1 mV mit horizontalem oder deszendierendem (abfallendem) Verlauf vor â dies ist das klassische IschĂ€miezeichen und Korrelat des NSTEMI bzw. der subendokardialen IschĂ€mie. Eine aszendierende (aufsteigende) ST-Senkung ist dagegen hĂ€ufig unspezifisch.
Im Belastungs-EKG ist die belastungsinduzierte horizontale/deszendierende ST-Senkung ein zentrales Kriterium der MyokardischÀmie.
- Subendokardiale IschĂ€mie / NSTEMI â horizontale oder deszendierende Senkung.
- Digitalis â typisch muldenförmige (löffelförmige) ST-Senkung.
- HypokaliÀmie.
- LinksventrikulĂ€re Hypertrophie (ErregungsrĂŒckbildungsstörung).
- Belastungsinduzierte ST-Senkung.
Stadienverlauf des akuten Infarkts
Beim akuten transmuralen Infarkt durchlĂ€uft das EKG einen typischen Verlauf, an dem die ST-Strecke maĂgeblich beteiligt ist: zunĂ€chst das Erstickungs-T (frĂŒhe, ĂŒberhöhte T-Welle), dann die ST-Hebung, gefolgt von der terminalen T-Negativierung und schlieĂlich dem Pardee-Q (tiefes, breites Q als Zeichen des abgelaufenen Infarkts).
- ST-Strecke physiologisch isoelektrisch, reprĂ€sentiert die intraventrikulĂ€re ErregungsrĂŒckbildung.
- Signifikante Hebung: â„ 0,1 mV in 2 benachbarten Ableitungen (V2âV3: MĂ€nner â„ 0,2 mV, Frauen â„ 0,15 mV); Dynamik = STEMI, persistierend = Aneurysma.
- Signifikante Senkung: ℠0,1 mV horizontal/deszendierend = IschÀmie; aszendierend = unspezifisch.
- Form-Merkhilfe: konvex/aus absteigendem R = transmuraler Infarkt; konkav/aus aufsteigendem S = Perikarditis.
- Neu aufgetretener Linksschenkelblock = STEMI-Ăquivalent.
ST-Strecke, ST-Hebung, ST-Senkung
Terminologie und Patientensprache
Im Klinik-Jargon spricht man kurz von der âST" statt von der ST-Strecke. Eine Hebung heiĂt ST-Hebung (die ST-Strecke ist erhöht), eine Senkung ST-Senkung (die ST-Strecke ist gesenkt/erniedrigt). Das Adjektiv fĂŒr den Verlauf lautet aszendierend (= aufsteigend), deszendierend (= absteigend/abfallend) oder horizontal.
- Fachbegriff EKG â fĂŒr Patientinnen und Patienten: âeine Aufzeichnung der Herzströme" bzw. âein Herzstromkurve".
- Fachbegriff IschĂ€mie â âeine Durchblutungsstörung des Herzmuskels".
- Fachbegriff Myokardinfarkt / STEMI â âein Herzinfarkt".
â Die ST-Strecke ist der Abschnitt des EKGs, der der intraventrikulĂ€ren ErregungsrĂŒckbildung entspricht und normalerweise isoelektrisch (auf der Nulllinie) verlĂ€uft. Eine ST-Hebung oder ST-Senkung kann ein Zeichen fĂŒr eine Durchblutungsstörung des Herzens sein.
Was bedeuten Hebung und Senkung
â Eine signifikante ST-Hebung (ab â„ 0,1 mV in mindestens zwei benachbarten Ableitungen) ist â vor allem wenn sie sich im Verlauf dynamisch verĂ€ndert â ein Alarmzeichen fĂŒr einen akuten Herzinfarkt (STEMI). Eine ST-Senkung (ab â„ 0,1 mV horizontal oder absteigend) spricht fĂŒr eine Minderdurchblutung des Herzmuskels.
Nicht jede Hebung ist gefĂ€hrlich: Bei jungen, gesunden Menschen gibt es die benigne frĂŒhe Repolarisation mit einer konkaven Hebung in V2âV4, ohne spiegelbildliche Senkungen und ohne VerĂ€nderung im Verlauf.
- ⥠Wichtig im Alltag: eine ST-Hebung als Infarkt nicht ĂŒbersehen â im Zweifel sofort abklĂ€ren.
PatientengesprÀch
GegenĂŒber Patientinnen und Patienten können Sie es so erklĂ€ren: âWir machen bei Ihnen eine Aufzeichnung der Herzströme, ein sogenanntes EKG. Damit können wir sehen, ob Ihr Herz ausreichend durchblutet ist."
- ST-Strecke = normalerweise isoelektrisch.
- ST-Hebung â„ 0,1 mV, dynamisch â Verdacht auf Herzinfarkt (STEMI).
- ST-Senkung â„ 0,1 mV horizontal/absteigend â Durchblutungsstörung.
ST-Strecke, ST-Hebung, ST-Senkung
Terminologie und Patientensprache
Im klinischen Sprachgebrauch wird die ST-Strecke kurz âST" genannt. Man unterscheidet die ST-Hebung (âdie ST-Strecke ist erhöht" / âErhöhung der ST-Strecke") und die ST-Senkung (âdie ST-Strecke ist gesenkt" bzw. âerniedrigt"). Der Verlauf der Senkung wird beschrieben als aszendierend (= aufsteigend), deszendierend (= absteigend, abfallend) oder horizontal.
- EKG (Elektrokardiogramm) â Patientensprache: âeine Aufzeichnung der Herzströme / Herzstromkurve".
- IschĂ€mie â âeine Durchblutungsstörung / Mangeldurchblutung des Herzmuskels".
- Myokardinfarkt / STEMI â âein Herzinfarkt".
- isoelektrisch â âdie Linie verlĂ€uft gerade auf der Grundlinie".
- Adjektive zur Form: konkav (ânach oben gewölbt / aufwĂ€rts konkav"), konvex (ânach auĂen gewölbt").
â Die ST-Strecke im EKG entspricht der intraventrikulĂ€ren ErregungsrĂŒckbildung und liegt physiologisch isoelektrisch auf der Nulllinie. VerĂ€nderungen â eine ST-Hebung oder eine ST-Senkung â sind wichtige Hinweise auf eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels und mĂŒssen im GesprĂ€ch mit Kolleginnen, Kollegen und Patienten klar benannt werden können.
Physiologie und benigne ST-Hebung
Normalerweise verlĂ€uft die ST-Strecke isoelektrisch. Eine harmlose Variante ist die benigne ST-Hebung im Rahmen der frĂŒhen Repolarisation: eine konkave (âaufwĂ€rts konkave") Hebung, hĂ€ufig in V2âV4, typischerweise bei jungen, gesunden Menschen, oft begleitet von einer prominenten T-Welle und einer Kerbe (notching) oder Aufstrichelung (slurring) am Ende des Kammerkomplexes.
- Keine spiegelbildlichen (reziproken) ST-Senkungen.
- Keine krankhaften Q-Zacken.
- Keine Dynamik im Verlauf â diese Merkmale grenzen die harmlose Hebung vom Infarkt ab.
Pathologische ST-Hebung
â Eine signifikante ST-Hebung liegt ab â„ 0,1 mV in mindestens zwei zusammenhĂ€ngenden Ableitungen vor. Dynamische VerĂ€nderungen im Verlauf sprechen fĂŒr eine akute Durchblutungsstörung des Herzmuskels (akuter Herzinfarkt, STEMI), eine dauerhaft bestehende Hebung fĂŒr ein chronisches Herzwandaneurysma.
Die Form hilft bei der Einordnung: eine konvexe Hebung aus dem absteigenden R spricht fĂŒr einen akuten Herzinfarkt, eine konkave, ĂŒber viele Ableitungen verteilte Hebung aus dem aufsteigenden S eher fĂŒr eine HerzbeutelentzĂŒndung (Perikarditis).
- ⥠Im klinischen Alltag gilt: eine echte ST-Hebung als Herzinfarkt nicht verpassen.
- ⥠FrĂŒhe Repolarisation (konkav, V2âV4, jung-gesund, keine reziproken Senkungen, keine Dynamik) nicht mit einem Herzinfarkt verwechseln.
- ⥠Perikarditis (konkav und diffus, keine reziproken Senkungen) vom STEMI abgrenzen.
- Weitere Ursachen: Brugada-Syndrom, rechtsventrikulÀre Belastung (z. B. bei Lungenembolie), Prinzmetal-Angina, linksventrikulÀre Hypertrophie, ventrikulÀres Aneurysma, Thoraxtrauma mit Herzbeteiligung.
Pathologische ST-Senkung
â Eine signifikante ST-Senkung liegt ab â„ 0,1 mV mit horizontalem oder deszendierendem (abfallendem) Verlauf vor; sie ist ein klassisches Zeichen der Minderdurchblutung (subendokardiale IschĂ€mie). Eine aszendierende (aufsteigende) Senkung ist meist unspezifisch.
Weitere Ursachen sind eine Behandlung mit Digitalis (typisch muldenförmig), eine HypokaliÀmie (niedriges Kalium), eine linksventrikulÀre Hypertrophie sowie eine belastungsinduzierte Senkung im Belastungs-EKG.
PatientengesprĂ€ch und Ăbergabe
Zur Patientin / zum Patienten: âWir zeichnen die Herzströme auf, ein sogenanntes EKG. Damit prĂŒfen wir, ob Ihr Herzmuskel gut durchblutet ist oder ob es Hinweise auf einen Herzinfarkt gibt."
Bei der Ă€rztlichen Ăbergabe formulieren Sie knapp und strukturiert, zum Beispiel: âIm EKG zeigt sich eine ST-Hebung von 0,2 mV in den Ableitungen V2 bis V4 mit dynamischem Verlauf; bei typischer Symptomatik besteht der dringende Verdacht auf einen akuten STEMI."
- ST-Strecke = intraventrikulĂ€re ErregungsrĂŒckbildung, physiologisch isoelektrisch.
- ST-Hebung â„ 0,1 mV in 2 benachbarten Ableitungen + Dynamik â Verdacht auf akuten Herzinfarkt.
- ST-Senkung â„ 0,1 mV horizontal/deszendierend â Durchblutungsstörung; aszendierend = unspezifisch.
- Benigne frĂŒhe Repolarisation (konkav, jung-gesund, keine Dynamik) klar vom Infarkt trennen.