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Spannungskopfschmerz Ätiologie, Pathophysiologie, diagnostische Kriterien (ICD-10) und Therapie fĂŒr Mediziner.

M2 · M3 · KP EXPRESS

Spannungskopfschmerz

❗ Spannungskopfschmerz ist die wichtigste Differenzialdiagnose zur MigrĂ€ne ohne Aura: typisch sind dumpf-drĂŒckende, eher beidseitige/holokranielle Kopfschmerzen mit geringerer AlltagsbeeintrĂ€chtigung.

Leitbild

Der Schmerz wird hĂ€ufig als kappenartig oder wie ein Druckband beschrieben und kann vom Nacken bzw. Hinterkopf ĂŒber den ganzen Kopf ziehen. Die IntensitĂ€t ist meist leicht bis mittelstark.

  • ❗ Keine Zunahme durch normale körperliche AktivitĂ€t wie Gehen oder Treppensteigen spricht eher gegen MigrĂ€ne.
  • ❌ Keine Übelkeit, kein Erbrechen und keine neurologischen AusfĂ€lle passen zum Kopfschmerz vom Spannungstyp.
  • Die Attacken können nach ICHD-3 30 Minuten bis 7 Tage dauern.

Abgrenzung

Gegen MigrÀne sprechen der nicht pulsierende Charakter, die geringere BeeintrÀchtigung und das Fehlen typischer vegetativer oder neurologischer Begleitzeichen. Gegen Clusterkopfschmerz sprechen fehlende ipsilaterale autonome Zeichen, fehlende Seitenkonstanz und meist deutlich geringere SchmerzintensitÀt.

  • Clusterkopfschmerz ist meist stĂ€rker, kĂŒrzer, seitenkonstant und typischerweise mit Bewegungsunruhe oder der UnfĂ€higkeit verbunden, ruhig zu liegen.
  • MigrĂ€ne ist eher einseitig, pulsierend, mittelstark bis stark, mit AktivitĂ€tsverschlechterung sowie Übelkeit und/oder Licht- und GerĂ€uschempfindlichkeit.

Therapieorientierung

Bei episodischem Spannungskopfschmerz sprechen die Beschwerden hÀufig auf NSAR an, zum Beispiel Diclofenac; je nach Situation kommen auch Ibuprofen, ASS oder Paracetamol infrage. Wichtig ist die Begrenzung der Akutmedikation, um medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu vermeiden.

  • PrĂŒfungsanker: dumpf-drĂŒckend, holokraniell/kappenartig, mittelstark, keine AktivitĂ€tsverschlechterung, keine Übelkeit, keine neurologischen AusfĂ€lle.
M2 · M3 · KP tief

Spannungskopfschmerz

Der Kopfschmerz vom Spannungstyp ist im MigrĂ€ne-Kontext vor allem als Differenzialdiagnose wichtig: Er ist meist dumpf-drĂŒckend, eher bilateral/holokraniell, weniger behindernd und ohne die migrĂ€netypische vegetativ-neurologische Begleitsymptomatik.

Klinisches Muster

Typisch ist ein nicht pulsierender, dumpfer oder drĂŒckender Schmerz, oft kappenartig ĂŒber den Kopf verteilt. Patientinnen und Patienten beschreiben ihn auch als Schmerz, der vom Hinterkopf oder Nacken ĂŒber den ganzen Kopf zieht.

Die IntensitÀt ist meist leicht bis mittelstark. Im Gegensatz zur MigrÀne wird der Schmerz durch normale körperliche RoutineaktivitÀt im Regelfall nicht verstÀrkt.

  • ❗ Leitkriterium: drĂŒckend-dumpfer, eher beidseitiger/holokranieller Kopfschmerz mit geringerer funktioneller BeeintrĂ€chtigung.
  • Nach ICHD-3 dauern typische Episoden 30 Minuten bis 7 Tage.
  • Bei hĂ€ufigen oder chronischen VerlĂ€ufen hilft ein Kopfschmerzkalender, die Kopfschmerztage, Medikamenteneinnahmen und mögliche Mischbilder mit MigrĂ€ne zu trennen.

Negativkriterien und Fallen

Die Diagnose wird besonders ĂŒber das Fehlen migrĂ€netypischer Merkmale plausibel. Klinisch wichtig sind die geringere BeeintrĂ€chtigung gegenĂŒber MigrĂ€ne und die gute Ansprechbarkeit auf NSAR.

  • ❌ Keine Verschlimmerung bei körperlicher AktivitĂ€t ist ein zentraler Abgrenzungspunkt.
  • ❌ Keine Übelkeit und kein Erbrechen sprechen gegen eine typische MigrĂ€neattacke; beim chronischen Spannungskopfschmerz kann höchstens milde Übelkeit vorkommen, aber kein Erbrechen.
  • ❌ Keine neurologischen AusfĂ€lle: fokale Paresen, Aphasie, Hemianopsie oder sensible AusfĂ€lle sind nicht typisch und verlangen Differenzialdiagnostik.
  • Licht- oder GerĂ€uschempfindlichkeit kann beim Spannungskopfschmerz höchstens begrenzt vorkommen; ausgeprĂ€gte Photophobie und Phonophobie passen eher zu MigrĂ€ne.

Abgrenzung zu MigrÀne und Clusterkopfschmerz

Zur MigrĂ€ne ohne Aura passt eher ein einseitiger, pulsierender, mittelstarker bis starker Schmerz ĂŒber 4-72 Stunden mit AktivitĂ€tsverschlechterung, Übelkeit/Erbrechen und Licht- sowie GerĂ€uschempfindlichkeit. Der Spannungskopfschmerz ist dagegen drĂŒckend, diffuser und im Alltag weniger einschrĂ€nkend.

Der Clusterkopfschmerz ist eine trigeminoautonome Kopfschmerzerkrankung: typischerweise sehr starke, kĂŒrzere, seitenkonstante Schmerzen mit ipsilateralen autonomen Zeichen. Zur Abgrenzung wichtig ist die hĂ€ufige Bewegungsunruhe beziehungsweise die UnfĂ€higkeit, ruhig zu liegen.

  • Zervikogener Kopfschmerz: eher nuchal ausstrahlend und durch bestimmte Kopfbewegungen verstĂ€rkt.
  • Sinusthrombose: ĂŒber Tage bis Wochen zunehmender Kopfschmerz plus fokalneurologische AusfĂ€lle.
  • Hirntumor: anhaltende neurologische AusfĂ€lle und besonders morgendliches Erbrechen als Warnhinweise.
  • Meningitis, Subarachnoidalblutung, Schlaganfall oder Glaukomanfall mĂŒssen bei passender Akutsymptomatik ausgeschlossen werden.

Diagnostik und Therapie

Die Diagnose ist primĂ€r klinisch. WeiterfĂŒhrende Diagnostik wie Bildgebung, Labor oder Liquor ist nicht routinemĂ€ĂŸig erforderlich, sondern dient bei atypischem Verlauf oder Red Flags dem Ausschluss sekundĂ€rer Kopfschmerzen.

Akut kann ein episodischer Spannungskopfschmerz gut auf NSAR ansprechen, beispielsweise Diclofenac. StandardmĂ€ĂŸig werden auch Ibuprofen, ASS, Paracetamol oder Metamizol je nach individueller Situation verwendet. Bei hĂ€ufigem Gebrauch ist die Grenze zur MedikamentenĂŒbergebrauchs-Kopfschmerz-Problematik prĂŒfungsrelevant.

  • Nicht-medikamentös sind Entspannung, AusdaueraktivitĂ€t, Schlaf- und Stressmanagement sowie bei muskulĂ€rer Beteiligung physiotherapeutische Maßnahmen naheliegend.
  • Bei chronischem Spannungskopfschmerz ist Amitriptylin ein klassischer prophylaktischer Wirkstoff; reine Dauer-NSAR sind keine gute Langzeitstrategie.
  • Merke: Spannungskopfschmerz ist nicht die leichte MigrĂ€ne, sondern ein eigenes Muster: drĂŒckend, bilateral, nicht aktivitĂ€tsverstĂ€rkt, ohne Erbrechen und ohne fokale Neurologie.
FSP EXPRESS

Spannungskopfschmerz

Terminologie und Patientensprache

Spannungskopfschmerz heißt fachlich auch Kopfschmerz vom Spannungstyp. Patientennah können Sie sagen: „Das ist ein drĂŒckender Kopfschmerz, oft wie ein Band oder eine Kappe um den Kopf.“

  • Typische Patientensprache: „Es zieht von hinten ĂŒber den ganzen Kopf“, „dumpf“, „drĂŒckend“, „wie ein enger Helm“.
  • Wichtige Abgrenzung: „Das klingt im Moment nicht typisch fĂŒr MigrĂ€ne, weil Ihnen nicht ĂŒbel ist und Bewegung den Schmerz nicht deutlich verschlimmert.“

Beim Spannungskopfschmerz erklĂ€ren Sie ruhig, dass die Beschwerden eher zu einem gutartigen primĂ€ren Kopfschmerz passen, solange keine Warnzeichen vorliegen: typisch sind dumpfer Druck, ein kappenartiges GefĂŒhl und keine neurologischen AusfĂ€lle.

Anamnese und ErklÀrung

Fragen Sie gezielt nach Schmerzcharakter, Lokalisation, AktivitĂ€tsverschlechterung, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und GerĂ€uschempfindlichkeit sowie neurologischen Symptomen.

  • ❗ Leitfrage: „Ist der Schmerz eher drĂŒckend-dumpf oder pochend-pulsierend?“
  • ❌ Keine Übelkeit, kein Erbrechen und keine AusfĂ€lle stĂŒtzen den Spannungstyp.
  • Patientenfrage Krebs/Hirntumor: „Das ist nach Ihren jetzigen Angaben eher unwahrscheinlich; wir achten aber auf Warnzeichen und untersuchen Sie entsprechend.“

Kurzbericht

Übergabeformulierung: „Es besteht ein dumpf-drĂŒckender, eher holozephaler Kopfschmerz ohne Übelkeit, Erbrechen, neurologische AusfĂ€lle oder AktivitĂ€tsverschlechterung; klinisch am ehesten Kopfschmerz vom Spannungstyp.“

  • FSP-Kern: beruhigen, aber nicht bagatellisieren; Warnzeichen aktiv abfragen.
FSP tief

Spannungskopfschmerz

Terminologie und Patientensprache

Fachsprachlich können Sie Spannungskopfschmerz oder Kopfschmerz vom Spannungstyp sagen. Patientennah eignet sich: „ein drĂŒckender Kopfschmerz, oft wie ein Band oder eine Kappe um den Kopf“.

Die Beschreibung „zieht von hinten ĂŒber den ganzen Kopf“ passt zum typischen Muster und ist fĂŒr die Anamnese wertvoll, weil sie den eher holozephalen, nicht pulsierenden Charakter greifbar macht.

  • Dumpf-drĂŒckend: nicht „pochend“ oder „pulsierend“.
  • Kappenartig/holokraniell: eher ganzer Kopf als streng einseitig.
  • Geringere BeeintrĂ€chtigung: Patient kann oft weitergehen oder einfache TĂ€tigkeiten ausfĂŒhren.

FĂŒr die FSP ist der Spannungskopfschmerz vor allem ein Kommunikations- und Abgrenzungsthema: Sie mĂŒssen die typische Beschreibung verstehen, MigrĂ€ne/Cluster/Red Flags sauber abfragen und dem Patienten verstĂ€ndlich erklĂ€ren, warum zunĂ€chst kein Tumor oder Schlaganfall im Vordergrund steht.

Anamnese

Beginnen Sie offen und fĂŒhren Sie dann strukturiert: Beginn, Dauer, Lokalisation, SchmerzqualitĂ€t, StĂ€rke, Auslöser, Verlauf, Begleitsymptome, Medikamente und Warnzeichen.

  • ❗ SchmerzqualitĂ€t: „Ist es eher ein Druck oder eher ein Pochen?“
  • Fragen zur Abgrenzung von MigrĂ€ne: „Wird es beim Treppensteigen schlimmer? Ist Ihnen ĂŒbel? MĂŒssen Sie erbrechen? Stören Licht und GerĂ€usche stark?“
  • Fragen zu neurologischen Red Flags: „Hatten Sie Sehstörungen, Sprachstörungen, TaubheitsgefĂŒhle, SchwĂ€che in Arm oder Bein oder eine GesichtslĂ€hmung?“
  • Fragen zur HĂ€ufigkeit: „An wie vielen Tagen im Monat haben Sie Kopfschmerzen und wie oft nehmen Sie Schmerzmittel?“

PatientenerklÀrung

Eine gute ErklĂ€rung trennt Beruhigung von Sicherheit: „Ihre Beschwerden passen eher zu einem Spannungskopfschmerz. Das ist ein hĂ€ufiger Kopfschmerztyp, bei dem der Schmerz meist drĂŒckend ist und nicht durch normale Bewegung schlimmer wird.“

Bei Tumorangst können Sie sagen: „Ein Hirntumor macht typischerweise andere Warnzeichen, zum Beispiel anhaltende neurologische AusfĂ€lle oder besonders morgendliches Erbrechen. Das sehe ich bei Ihnen im Moment nicht, aber wir prĂŒfen die Warnzeichen sorgfĂ€ltig.“

  • Warnzeichen nicht vorschnell entwarnen, wenn plötzlich stĂ€rkster Kopfschmerz, Fieber/Meningismus, neue neurologische AusfĂ€lle, Sehstörung mit Augenbefund oder progredienter Verlauf bestehen.
  • Bei unauffĂ€lligem Muster: „Wir können zunĂ€chst symptomatisch behandeln und den Verlauf mit einem Kopfschmerzkalender beobachten.“

Differenzialdiagnosen im GesprÀch

Zur MigrĂ€ne grenzen Sie ĂŒber pulsierenden, oft einseitigen, mittelstarken bis starken Schmerz, AktivitĂ€tsverschlechterung, Übelkeit/Erbrechen und Licht- sowie GerĂ€uschempfindlichkeit ab.

Zum Clusterkopfschmerz grenzen Sie ĂŒber sehr starke, kĂŒrzere, meist seitenkonstante Attacken mit autonomen Zeichen wie TrĂ€nenfluss, gerötetem Auge oder laufender Nase ab. Typisch ist Bewegungsunruhe beziehungsweise die UnfĂ€higkeit, ruhig zu liegen.

  • Schlaganfall: akuter Beginn und fokalneurologische Halbseitensymptomatik.
  • Subarachnoidalblutung: plötzlich stĂ€rkster Kopfschmerz.
  • Sinusthrombose: ĂŒber Tage bis Wochen zunehmende Kopfschmerzen plus fokalneurologische AusfĂ€lle.
  • Meningitis: Kopfschmerz mit Fieber, Nackensteifigkeit oder reduziertem Allgemeinzustand.
  • Hirntumor: anhaltende neurologische Defizite oder morgendliches Erbrechen.

Therapie- und Übergabeformulierung

Akut können bei episodischem Spannungskopfschmerz NSAR helfen, beispielsweise Diclofenac. ErklĂ€ren Sie aber die sichere Anwendung: „Bitte nehmen Sie Schmerzmittel nicht zu hĂ€ufig ein, weil sonst Kopfschmerzen durch MedikamentenĂŒbergebrauch entstehen können.“

Übergabe: „Klinisch zeigt sich ein dumpf-drĂŒckender, eher holokranieller Kopfschmerz ohne Übelkeit, Erbrechen, fokalneurologische Defizite oder AktivitĂ€tsverschlechterung. Am ehesten Kopfschmerz vom Spannungstyp; Red Flags derzeit nicht fĂŒhrend, Verlauf und Analgetikagebrauch sollten erfasst werden.“

  • Nicht-medikamentös: Entspannung, Bewegung, Schlaf, Stressreduktion und bei Nacken-/Kaumuskelbeteiligung physiotherapeutische Maßnahmen ansprechen.
  • Bei hĂ€ufigen oder chronischen Beschwerden: Ă€rztliche Verlaufskontrolle und ProphylaxeprĂŒfung statt wiederholter Akutmedikation.
  • FSP-Merksatz: Erst Warnzeichen ausschließen, dann einfach erklĂ€ren: drĂŒckend, kappenartig, nicht schlimmer durch Bewegung, keine Übelkeit und keine AusfĂ€lle.
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