Schädel-Hirn-Trauma
Das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist eine Verletzung des Schädels mit Beteiligung des Gehirns infolge einer äußeren Krafteinwirkung auf den Kopf. Abzugrenzen ist die Schädelprellung – ein Trauma des Kopfes ❌ ohne neurologische Symptomatik. ❗ Leitsymptom ist die Bewusstlosigkeit bzw. Bewusstseinsstörung; die Schweregradeinteilung erfolgt über die GCS.
Einteilung (GCS und Dura)
❗ Der Schweregrad wird über die Glasgow Coma Scale (GCS) festgelegt: GCS 13–15 = leichtes SHT (früher Grad I, Commotio cerebri / „Gehirnerschütterung"), GCS 9–12 = mittelschweres SHT (früher Grad II, Contusio cerebri), GCS 3–8 = schweres SHT (früher Grad III, Compressio cerebri).
Zusätzlich teilt man nach dem Zustand der Dura mater ein: bei verletzter Dura liegt ein offenes SHT mit direkter Verbindung nach intrakraniell und damit hoher Infektionsgefahr vor; bei intakter Dura ein gedecktes (geschlossenes) SHT – die häufigste Form, auch bei Schädelfraktur möglich.
- Leichtes SHT: Bewusstseinsstörung fehlt oder < 1 h, neurologischer Status unauffällig, ggf. vegetative Symptome (Übelkeit, Schwindel).
- Mittelschweres SHT: Bewusstseinsstörung bzw. Amnesie < 24 h, ggf. fokal-neurologische Ausfälle.
- Schweres SHT: Bewusstseinsstörung > 24 h, fokale Zeichen ausgedehnter Hirnschädigung und/oder Hirndrucksteigerung.
Diagnostik
Entscheidend sind Anamnese (Unfallmechanismus, z. B. Hochrasanztrauma, Sturz aus > 1 m), die klinische Untersuchung mit GCS, Pupillen und Vitalparametern sowie das cCT als bildgebendes Verfahren der Wahl.
- cCT-Indikation – „im Zweifel: ja!": bei Koma, Bewusstseinstrübung, Amnesie, neurologischen Störungen, mehrfachem Erbrechen, Krampfanfall, Zeichen einer Schädelfraktur oder Hinweisen auf eine Gerinnungsstörung.
- Bei Commotio cerebri mit eindeutiger äußerer Ursache und fehlenden neurologischen Auffälligkeiten kann auf die Bildgebung verzichtet werden – dann stationäre Überwachung ca. 24 h, cCT bei klinischer Verschlechterung.
- Risikofaktor: Einnahme von Antikoagulanzien / Thrombozytenaggregationshemmern senkt die Schwelle zur Bildgebung deutlich.
- ⚡ Einseitige, lichtstarre Mydriasis = absoluter neurochirurgischer Notfall, Verdacht auf Einklemmung mit Kompression des N. oculomotorius.
Therapie
Sofortmaßnahmen sind Sicherung der Vitalparameter, Sauerstoffgabe und Immobilisierung; ❗ bei bewusstlosen Patienten mit GCS ≤ 8 ist die Intubation indiziert. Eine arterielle Hypotonie muss vermieden werden (systolischer Blutdruck mindestens im Normbereich halten); ❌ eine permissive Hypotonie ist beim SHT kontraindiziert.
- Leichtes SHT: stationäre Aufnahme und Überwachung für 24 h (Blutdruck, Herzfrequenz, Atmung, Pupillen), Schonung, Analgesie (z. B. Paracetamol), ggf. Antiemese (z. B. Metoclopramid); bei Verschlechterung sofort cCT.
- Mittelschweres bis schweres SHT: Versorgung im Traumazentrum, Oberkörper-Kopf-Hochlagerung (30°), Normokapnie, ausreichende Oxygenierung, Normothermie, Normovolämie, Normoglykämie.
- SHT = Schädelverletzung mit Hirnbeteiligung; Schädelprellung = ohne neurologische Symptomatik.
- GCS-Schwellen: 13–15 / 9–12 / 3–8 = leicht / mittelschwer / schwer.
- GCS ≤ 8 → Intubation; ⚡ einseitige lichtstarre Mydriasis → V. a. Einklemmung.
- ❗ Wichtige intrakranielle Blutungen: das Epiduralhämatom (klassisch bikonvex/linsenförmig, A. meningea media, freies Intervall – die akute, nicht zu übersehende OP-Indikation) und das insgesamt häufigere Subduralhämatom (auch verzögert, v. a. bei Älteren und Antikoagulierten).
Schädel-Hirn-Trauma
Das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist eine Verletzung des Schädels mit Beteiligung des Gehirns bzw. eine Verletzung oder Funktionsstörung des Gehirns infolge einer Krafteinwirkung auf den Kopf. Davon abzugrenzen ist die Schädelprellung als Trauma des Kopfes ohne neurologische Symptomatik. Das Spektrum reicht von der Commotio cerebri bis zur lebensbedrohlichen Einklemmung; Schlüssel sind GCS-Einteilung, gezielte Bildgebungsindikation und Vermeidung des sekundären Hirnschadens.
Definition und Grundbegriffe
❗ Ein SHT liegt vor, wenn eine Krafteinwirkung auf den Kopf zu einer Verletzung bzw. Funktionsstörung des Gehirns führt. Die Schädelprellung dagegen ist ein Kopftrauma ❌ ohne neurologische Symptomatik. Wichtige Entitäten sind die Schädelprellung, die diffuse axonale Verletzung (DAI) und – als gefürchtetste Akutkomplikation – die Einklemmung.
Ätiologie und Biomechanik
Häufigste Ursache insgesamt sind Stürze (v. a. bei Senioren und Kleinkindern, teils ausgelöst durch epileptische Anfälle oder Synkopen). Bei jungen Erwachsenen dominieren Verkehrsunfälle, oft als Hochrasanztrauma; hinzu kommen Gewalteinwirkung und Sportunfälle. Ein stumpfes Trauma führt typischerweise zur zerebralen Kontusion.
- Translations-/Beschleunigungstrauma: Coup = Verletzung am Ort der Krafteinwirkung, Contrecoup = Verletzung auf der gegenüberliegenden Seite.
- Rotationstrauma: Scherkräfte führen zur diffusen axonalen Verletzung (DAI) mit Prädilektion an der Grenze grauer/weißer Substanz, im Corpus callosum und im dorsolateralen oberen Hirnstamm.
Pathogenese
Man unterscheidet extrazerebrale und intrazerebrale Läsionen. Extrazerebral: Schädel-/Schädelbasisfraktur, extrazerebrale Blutungen (Epidural-, Subduralhämatom) und die traumatische Subarachnoidalblutung (tSAB).
- DAI: Abscherung von Axonen durch Rotations-/Scherkräfte; klinisch oft schweres Koma, im initialen CCT häufig unauffällig.
- Hirnkontusion (Contusio cerebri): „Rindenprellungsherd" durch Coup- & Contrecoup-Mechanismus, typischerweise an Schläfen- und Frontalpolen.
- Traumatisches intrazerebrales Hämatom: Einblutung direkt ins Hirnparenchym.
- Hirnödem (sekundärer Hirnschaden): führt zu gefährlicher Hirndrucksteigerung.
Einteilung
❗ Die Schweregradeinteilung erfolgt anhand der GCS: GCS 13–15 = leichtes SHT (früher Grad I, Commotio cerebri, „Gehirnerschütterung", keine Schädelverletzung), GCS 9–12 = mittelschweres SHT (früher Grad II, Contusio cerebri), GCS 3–8 = schweres SHT (früher Grad III, Compressio cerebri – die Begriffe Commotio/Contusio/Compressio sind historisch/Jargon).
Nach dem Zustand der Dura mater: offenes SHT bei verletzter Dura mit direkter Verbindung nach intrakraniell und hoher Infektionsgefahr (z. B. Meningitis); gedecktes/geschlossenes SHT bei intakter Dura – häufigste Form, auch bei Schädelfraktur oder Weichteilverletzung.
- Leichtes SHT: Bewusstseinsstörung fehlt oder < 1 h, keine Amnesie, neurologisch unauffällig, ggf. vegetative Symptome.
- Mittelschweres SHT: Bewusstseinsstörung bzw. Amnesie < 24 h, ggf. fokal-neurologische Ausfälle bei begleitender Hirnschädigung.
- Schweres SHT: Bewusstseinsstörung > 24 h, meist fokale Zeichen ausgedehnter Hirnschädigung; Kaskade aus Kontusionen, Blutungen, Hirnödem (v. a. perifokal), Hirndrucksteigerung, Herniation und sekundärer zerebraler Ischämie (durch verminderten Perfusionsdruck infolge Hirndrucksteigerung).
Symptomatik
❗ Leitsymptom ist die Bewusstlosigkeit (auch kurzzeitig) bzw. Bewusstseinsstörung, die zugleich den Schweregrad bestimmt. Häufig sind anhaltende oder zunehmende Kopfschmerzen.
- Neuropsychologisch: Amnesie (retro-/anterograd), Verwirrtheit/Desorientierung, Agitation/Wesensänderung.
- Fokal-neurologisch: Hemiparese, Aphasie, Sehstörungen.
- Red Flags: Symptome eines erhöhten Hirndrucks (mehrfaches Erbrechen, neu aufgetretener Krampfanfall) und klinische Zeichen einer Schädelbasisfraktur.
- Epileptische Anfälle möglich als Früh- oder Spätkomplikation.
Diagnostik
Der Verdacht ergibt sich aus Anamnese (Unfallmechanismus: Hochrasanztrauma/Verkehrsunfall, Sturz aus > 1 m, direkter Schlag/Tritt gegen den Kopf; Erinnerungslücke durch Amnesie) und passender Symptomatik. Besondere Risikofaktoren sind die Einnahme von Antikoagulanzien bzw. Thrombozytenaggregationshemmern und bekannte Gerinnungsstörungen.
Die klinische Untersuchung umfasst GCS, Pupillen, Vitalparameter (Blutdruck, Herzfrequenz, Atmung) und einen neurologischen Status (Motorik/grobe Kraft, Sensibilität, Reflexe inkl. Pyramidenbahnzeichen, z. B. positiver Babinski-Reflex). Eine Cushing-Trias (Hypertonie, Bradykardie, unregelmäßige Atmung) ist ein Zeichen der Einklemmung.
- ⚡ Pupillenbefunde: einseitige lichtstarre Mydriasis = absoluter neurochirurgischer Notfall (V. a. Einklemmung mit Okulomotoriuskompression); beidseits weite, lichtstarre Pupillen → schwerste anoxische Hirnschädigung/Hirntod; beidseits enge Pupillen/Miosis → Ponsläsion; träge Lichtreaktion → Frühzeichen zunehmender Hirndrucksteigerung; neue Anisokorie → entwickelnde Raumforderung mit Massenverschiebung.
- ❗ cCT – Indikationen: „im Zweifel: ja!" bei unklarer Unfallanamnese, starken Kopfschmerzen, Intoxikation, Hochenergietrauma; ferner Koma, Bewusstseinstrübung, Amnesie, neurologische Störungen, mehrfaches Erbrechen, Krampfanfall, Zeichen einer Schädelfraktur (Impressionsfraktur, penetrierende Verletzung, Liquorfistel) und Hinweise auf eine Gerinnungsstörung.
- Bei Commotio cerebri mit eindeutiger äußerer Ursache und fehlenden neurologischen Auffälligkeiten keine Bildgebung zwingend → stationäre Überwachung ca. 24 h (Komplikationen wie das Subduralhämatom auch verzögert), cCT bei Verschlechterung.
- cCT-Befunde: primäre Verletzungsmuster (Schädelfrakturen, intrakranielle Blutungen – EDH, Subduralhämatom, tSAB, intrazerebrale Blutung, DAI, Hirnödem) sowie Raumforderungszeichen (Kompression der basalen Zisternen, Mittellinienverschiebung, „Einklemmung").
Differenzialdiagnose
Bei „Sturz mit Bewusstlosigkeit" ist die zentrale Frage die nach der Ursache: Beim Sturz aus äußerer Ursache ist das SHT die Ursache der Bewusstlosigkeit; beim Sturz aus innerer Ursache (z. B. Synkope, Krampfanfall) ist die Bewusstlosigkeit die Ursache des Sturzes und damit des SHT. Bei Amnesie ist diese Differenzierung nur fremdanamnestisch möglich.
Therapie
Sofortmaßnahmen: Bestimmung der Vitalparameter, Sauerstoffgabe, Immobilisierung (Vollimmobilisierung; bei fehlendem Schock Oberkörper-Kopf-Hochlagerung 30°). ❗ Bei bewusstlosen Patienten mit GCS ≤ 8 ist die Intubation indiziert; ein Hirndrucksyndrom wird entsprechend behandelt.
Blutdruckmanagement: eine arterielle Hypotonie ist zu vermeiden und verschlechtert die Prognose; der systolische Blutdruck sollte mindestens im Normbereich gehalten werden. ❌ Eine permissive Hypotonie ist beim SHT kontraindiziert, ebenso die Gabe eines Mydriatikums (verschleiert die Pupillendiagnostik).
- Wundversorgung der Kopfschwarte: sparsames Débridement (Anfrischen der Wundränder), Wundverschluss durch Adaptation, Einzelknopfnähte (z. B. Rückstichnaht nach Donati), Intrakutan- oder fortlaufende Naht bzw. Hautklammern; nicht resorbierbares Nahtmaterial für besseres ästhetisches Ergebnis.
- Leichtes SHT: stationäre Aufnahme/Überwachung 24 h (Blutdruck, Herzfrequenz, Atmung, Pupillen), körperliche Schonung, Nahrungskarenz, Flüssigkeitssubstitution (ggf. Aspirationsprophylaxe), Paracetamol, ggf. Metoclopramid; bei Verschlechterung CCT. Entlassung bei klinischer Stabilität nach 24 h ohne neue/progrediente Auffälligkeiten, häusliche Schonung ca. 1 Woche.
- Mittelschweres bis schweres SHT: Versorgung im Traumazentrum, Oberkörper-Kopf-Hochlagerung 30–40°, schonende Pflege, Vermeidung venöser Abflussbehinderung, Normokapnie (paCO2 35–45 mmHg) – Hypokapnie meiden, paO2 > 75 mmHg, Normothermie (36–37 °C), Normovolämie, Elektrolytausgleich (Natrium), Serumosmolalität 280–295 mosmol/kg, Hb ≥ 10 g/dl (Orientierungswert), Normoglykämie, angepasste Ernährung, Thromboseprophylaxe, Analgesie/Analgosedierung.
Komplikationen
❗ Die wichtigste akute Komplikation ist die intrakranielle Blutung: Das epidurale Hämatom ist die klassische akute, nicht zu übersehende Notfall-Blutung (bikonvex/linsenförmig, Riss der A. meningea media, typisches freies Intervall), während das subdurale Hämatom insgesamt häufiger ist und auch verzögert auftreten kann (v. a. bei Älteren und Antikoagulierten). Hinzu kommt die ⚠️ lebensbedrohliche Einklemmung.
- Posttraumatische epileptische Anfälle: Frühanfälle ≤ 7 Tage, Spätanfälle > 7 Tage (= posttraumatische Epilepsie).
- Infektionen: v. a. bei offenem SHT, Liquorfistel oder neurochirurgischen Eingriffen (z. B. EVD-Anlage) – Meningitis, Ventrikulitis, Hirnabszess.
- Endokrine Störungen: durch Schädigung von Hypophyse/Hypothalamus – zentraler Diabetes insipidus, SIADH, Hypophyseninsuffizienz (Langzeitfolge).
- Liquorzirkulationsstörungen: posttraumatischer Hydrozephalus; vaskuläre Komplikationen: zerebrale Vasospasmen (v. a. bei tSAB), Gefäßdissektion.
- Langzeitfolgen: postkommotionelles Syndrom, chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE), dauerhafte neurologisch-kognitive Defizite, psychiatrische Erkrankungen (Depression, Wesensänderung).
- ❗ Sekundärschaden vermeiden: keine Hypotonie, keine Hypoxie, keine Hypokapnie – das ist therapeutisch entscheidend.
- ⚡ Einseitige lichtstarre Mydriasis + Bewusstseinstrübung = Einklemmung bis zum Beweis des Gegenteils → sofort Neurochirurgie/cCT.
- Antikoagulation/TAH senkt die cCT-Schwelle und erhöht das Blutungsrisiko massiv.
Schädel-Hirn-Trauma
Terminologie und Patientensprache
Schädel-Hirn-Trauma (Plural: die Schädel-Hirn-Traumata), Abkürzung SHT. Patientennah erklären Sie es als „eine Verletzung des Schädels beziehungsweise des Gehirns". Die leichteste Form, die Commotio cerebri, heißt umgangssprachlich „Gehirnerschütterung".
- ❗ Bewusstlosigkeit (das Bewusstsein) – Patientenfrage: „Waren Sie bewusstlos?"; bei unsicherer Antwort gezielt nach Ja/Nein und Fremdanamnese fragen.
- Amnesie (Erinnerungslücke), retrograd/anterograd – „An was können Sie sich noch erinnern?", „Was ist das Letzte vor dem Unfall / das Erste nach dem Unfall, woran Sie sich erinnern?".
- Liquorrhö = Ausfließen von Hirnwasser („klare Flüssigkeit") aus Nase/Ohr; abzugrenzen von Schnupfen („die Nase läuft") und Epistaxis („Blut").
Beim Schädel-Hirn-Trauma (SHT) liegt eine Verletzung des Schädels mit Beteiligung des Gehirns vor. ❗ Im Patientengespräch klären Sie vor allem, ob es eine Bewusstlosigkeit, eine Erinnerungslücke (Amnesie) und Warnzeichen wie zunehmende Kopfschmerzen oder Erbrechen gab.
Anamnese und Leitsymptome
Im Vordergrund stehen Bewusstseinsstörung/Bewusstlosigkeit und Kopfschmerzen. Erfragen Sie den Unfallhergang, die Orientiertheit (zu Person, Zeit, Ort, Situation) und Hirndruckzeichen.
- Orientierung prüfen: „Wie heißen Sie?", „Welchen Tag/Monat haben wir?", „Wo befinden wir uns?", „Wissen Sie, was passiert ist?".
- Gezielt fragen: „Erinnern Sie sich an den Unfall und an das, was kurz davor und danach passiert ist?", nach Sehstörungen (Doppelbilder, verschwommenes Sehen) und Krampfanfällen.
- ❗ Warnzeichen für erhöhten Hirndruck: „Hatten Sie Kopfschmerzen, Übelkeit oder mussten Sie erbrechen?" – mehrfaches Erbrechen ist alarmierend.
- Speziell: „Ist Ihnen etwas aus der Nase oder den Ohren gelaufen?" – klare Flüssigkeit (Liquor) ist ein Hinweis auf eine Schädelbasisfraktur.
Erste Maßnahmen und Übergabe
❗ Erklären Sie der Patientin oder dem Patienten, dass nach einem SHT eine Überwachung nötig ist, weil Komplikationen auch verzögert auftreten können. Eine Bildgebung des Kopfes (CT) wird durchgeführt, wenn Warnzeichen bestehen; bei einer leichten Gehirnerschütterung ohne Auffälligkeiten kann zunächst beobachtet werden.
- Fremdanamnese/Übergabe ist zentral, wenn der Patient sich nicht erinnert – holen Sie Angaben von Angehörigen oder dem Rettungsdienst ein.
- Bei der Übergabe nennen Sie strukturiert: Unfallhergang, Bewusstseinslage (GCS), Pupillen, Vitalparameter und Verlauf.
Schädel-Hirn-Trauma
Terminologie und Patientensprache
Schädel-Hirn-Trauma (Plural: die Schädel-Hirn-Traumata), Abkürzung SHT. Gegenüber Patientinnen und Patienten beschreiben Sie es als „eine Verletzung des Schädels beziehungsweise des Gehirns". Die Schädelprellung ist demgegenüber ein Kopftrauma ❌ ohne neurologische Beschwerden.
Die historischen Fachbegriffe der Schweregrade lauten Commotio cerebri (leicht), Contusio cerebri (mittelschwer) und Compressio cerebri (schwer). Die Commotio cerebri heißt umgangssprachlich „Gehirnerschütterung" und geht definitionsgemäß ohne Verletzung des Schädels einher.
- ❗ Bewusstlosigkeit – der Begriff „das Bewusstsein"; Patientenfrage: „Waren Sie bewusstlos?". Ist die Antwort unsicher, gezielt Ja/Nein anbieten und die Fremdanamnese nutzen.
- Amnesie (Erinnerungslücke): retrograd (vor dem Ereignis) und anterograd (nach dem Ereignis) – „An was können Sie sich noch erinnern?", „Was ist das Letzte vor dem Unfall / das Erste nach dem Unfall, woran Sie sich erinnern?".
- Liquorrhö = Ausfließen von Liquor aus Nase oder Ohr (Hinweis auf Schädelbasisfraktur, z. B. am Felsenbein). Sprachlich abgrenzen: „klare Flüssigkeit" = Liquor, „Blut" = Epistaxis, „die Nase läuft" / Schnupfen = harmlos.
- Orientiertheit: zur Person, zur Zeit, zum Ort und zur Situation.
Das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist eine Verletzung des Schädels mit Beteiligung des Gehirns nach einer Krafteinwirkung auf den Kopf. ❗ Für das Patientengespräch und die Übergabe sind eine klare Sprache, die gezielte Erhebung von Bewusstlosigkeit, Amnesie und Hirndruckzeichen sowie eine saubere Fremdanamnese entscheidend.
Anamnese
Screenen Sie strukturiert auf ein SHT. Prüfen Sie die Orientiertheit in allen vier Qualitäten und erfragen Sie aktiv Bewusstseinsverlust, Amnesie, Sehstörungen und Krampfanfälle. Beziehen Sie immer die Fremdanamnese ein, da sich Betroffene an Unfall und unmittelbare Umgebung oft nicht erinnern.
- Orientierung: „Wie heißen Sie?" (Person), „Welchen Tag/Monat/welches Jahr haben wir?" (Zeit), „Wo befinden wir uns?" (Ort), „Wissen Sie, was passiert ist?" (Situation).
- Kernfragen: „Erinnern Sie sich an den Unfall und an das, was kurz davor und danach passiert ist?", „Waren Sie bewusstlos?", „Hatten Sie Doppelbilder oder verschwommenes Sehen?", „Gab es einen Krampfanfall?" (wichtig für Eigen- und Fremdanamnese).
- ❗ Hirndruckzeichen: „Haben Sie Kopfschmerzen, ist Ihnen übel oder mussten Sie erbrechen?" – mehrfaches Erbrechen ist ein Warnsignal.
- Schädelbasis: „Ist Ihnen etwas aus der Nase oder den Ohren gelaufen?" – bei klarer Flüssigkeit an eine Liquorrhö denken.
Klinik, Einteilung und Diagnostik
❗ Leitsymptom ist die Bewusstlosigkeit (auch kurzzeitig) bzw. Bewusstseinsstörung; dazu kommen Kopfschmerzen, neuropsychologische Symptome (Amnesie, Verwirrtheit, Wesensänderung) und ggf. fokale Ausfälle (Hemiparese, Aphasie, Sehstörungen). Die Schweregradeinteilung erfolgt über die Glasgow Coma Scale (GCS): 13–15 leicht, 9–12 mittelschwer, 3–8 schwer. Nach dem Zustand der Dura mater unterscheidet man das offene SHT (Dura verletzt, hohe Infektionsgefahr) vom häufigeren gedeckten/geschlossenen SHT.
Diagnostisch zählen der Unfallmechanismus (Hochrasanztrauma, Sturz aus > 1 m, direkter Schlag/Tritt gegen den Kopf), die klinische Untersuchung (GCS, Pupillen, Vitalparameter, neurologischer Status) und das cCT. ⚡ Eine einseitige, lichtstarre weite Pupille (Mydriasis) ist ein absoluter Notfall und spricht für eine Einklemmung. Wichtige Risikofaktoren sind blutverdünnende Medikamente (Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer) und Gerinnungsstörungen.
- cCT wird durchgeführt bei Bewusstseinstrübung, Amnesie, neurologischen Auffälligkeiten, mehrfachem Erbrechen, Krampfanfall, Frakturzeichen oder Blutverdünnung – „im Zweifel: ja".
- Bei leichter Gehirnerschütterung mit klarer äußerer Ursache und unauffälligem Befund ist eine Beobachtung über ca. 24 Stunden möglich; bei Verschlechterung erfolgt das CT.
Therapie, Verlauf und Übergabe
❗ Erklären Sie patientennah, dass auch ein leichtes SHT für rund 24 Stunden überwacht wird, weil sich gefährliche Komplikationen wie eine Blutung verzögert zeigen können. Bei schwerem SHT erfolgt die Behandlung in einem Traumazentrum mit Schutz des Gehirns vor weiterem Schaden (stabiler Kreislauf, gute Sauerstoffversorgung, Oberkörperhochlagerung).
- Leichtes SHT: Überwachung 24 h (Blutdruck, Puls, Atmung, Pupillen), Schonung, Schmerzmittel (z. B. Paracetamol), bei Übelkeit ein Mittel gegen Erbrechen (z. B. Metoclopramid); zu Hause weitere Schonung etwa eine Woche.
- Warnzeichen für die Patientenaufklärung: zunehmende Kopfschmerzen, wiederholtes Erbrechen, Schläfrigkeit/Verwirrtheit, Sehstörungen oder Krampfanfall → sofort wieder vorstellen.
- SBAR-Übergabe: Situation (SHT nach Unfall X), Background (Bewusstlosigkeit, Amnesie, Blutverdünnung, Vorerkrankungen), Assessment (GCS, Pupillen, Vitalparameter, CT-Befund), Recommendation (Überwachung, ggf. neurochirurgisches Konsil).