Rheumatisches Fieber
â Das rheumatische Fieber ist eine systemische EntzĂŒndungserkrankung als immunologische Folge einer Infektion mit ÎČ-hĂ€molysierenden Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes, GAS), typischerweise rund 2â3 Wochen nach einer Angina tonsillaris/Pharyngitis. Zugrunde liegt eine molekulare Mimikry: Antikörper gegen Streptokokken-Antigene kreuzreagieren mit körpereigenen Strukturen an Herz, Gelenken und ZNS.
Diagnose nach den Jones-Kriterien
â Die Diagnose stĂŒtzt sich auf die Jones-Kriterien. Sie ist gesichert bei 2 Hauptkriterien oder 1 Haupt- plus 2 Nebenkriterien, jeweils zusĂ€tzlich zum Nachweis einer vorangegangenen Streptokokken-A-Infektion (erhöhter Anti-Streptolysin-O-Titer/ASL, Anti-DNase B).
- Hauptkriterien: Karditis (Pankarditis); asymmetrische, migratorische (springende) Polyarthritis groĂer Gelenke; Chorea minor (Sydenham); subkutane Knötchen (streckseitenbetont, schmerzlos); Erythema marginatum (flĂŒchtiges, ringförmiges, nicht juckendes Exanthem).
- Nebenkriterien: Fieber, Arthralgien, erhöhte EntzĂŒndungsparameter (BSG, CRP), verlĂ€ngerte PQ-Zeit.
GefĂŒrchtete SpĂ€tfolge
⥠Die gefĂŒrchtete Folge ist die chronische rheumatische Herzerkrankung mit bleibenden HerzklappenverĂ€nderungen â meist eine Mitralklappenstenose. Sie bestimmt die Langzeitprognose.
Therapie und Rezidivschutz
â Therapeutisch steht die Penicillin-Gabe zur Streptokokken-Eradikation im Vordergrund (bei Penicillinallergie ein Makrolid), antiinflammatorisch ASS/NSAR, bei Karditis ggf. Glukokortikoide. Entscheidend ist die SekundĂ€rprophylaxe mit (Depot-)Penicillin ĂŒber Jahre zur Rezidivvermeidung.
- Auslöser: GAS-Pharyngitis â Latenz 2â3 Wochen â immunologische Kreuzreaktion.
- Diagnose: Jones-Kriterien + Streptokokken-Nachweis (ASL, Anti-DNase B).
- Prognose entscheidet die Mitralklappenstenose als SpĂ€tfolge; SekundĂ€rprophylaxe schĂŒtzt vor Rezidiv.
Rheumatisches Fieber
â Das rheumatische Fieber ist eine systemische EntzĂŒndungserkrankung als immunologische SpĂ€tfolge einer Infektion mit ÎČ-hĂ€molysierenden Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes, GAS) â typischerweise rund 2â3 Wochen nach einer Angina tonsillaris/Pharyngitis. Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche (5â15 Jahre); in IndustrielĂ€ndern ist die Erkrankung heute selten, in EntwicklungslĂ€ndern bleibt sie hĂ€ufig.
Pathomechanismus
Pathogenetisch liegt eine immunologische Kreuzreaktion im Sinne einer molekularen Mimikry zugrunde: Antikörper, die gegen Streptokokken-Antigene gebildet werden, reagieren mit strukturĂ€hnlichen körpereigenen Epitopen. Dadurch kommt es zu EntzĂŒndungsreaktionen an Herz, Gelenken und ZNS â die Organmanifestationen folgen also nicht der Erregerausbreitung, sondern der fehlgeleiteten Immunantwort.
Klinik
Akut imponieren die diagnostisch fassbaren Manifestationen (siehe Jones-Kriterien). Im Verlauf droht die chronische rheumatische Herzerkrankung.
- Karditis (Pankarditis): Beteiligung von Endo-, Myo- und Perikard; klappenfĂŒhrend fĂŒr die Langzeitprognose.
- Polyarthritis: asymmetrisch, migratorisch (springend), vorwiegend groĂe Gelenke.
- Chorea minor (Sydenham): unwillkĂŒrliche, hyperkinetische Bewegungen â eine neurologische, nicht primĂ€r psychiatrische Manifestation.
- Subkutane Knötchen: streckseitenbetont, schmerzlos.
- Erythema marginatum: flĂŒchtiges, ringförmiges, nicht juckendes Exanthem.
Diagnostik â Jones-Kriterien
â Die Diagnose erfolgt nach den Jones-Kriterien. Gesichert ist sie bei 2 Hauptkriterien oder 1 Haupt- plus 2 Nebenkriterien â in beiden FĂ€llen zusĂ€tzlich zum Nachweis einer vorangegangenen Streptokokken-A-Infektion (erhöhter Anti-Streptolysin-O-Titer/ASL, Anti-DNase B).
Die Hauptkriterien umfassen Karditis, migratorische Polyarthritis, Chorea minor, subkutane Knötchen und Erythema marginatum. Die Nebenkriterien sind Fieber, Arthralgien, erhöhte EntzĂŒndungsparameter (BSG, CRP) und eine verlĂ€ngerte PQ-Zeit im EKG.
In der aktualisierten Fassung der Kriterien (2015) wird die Echokardiographie einbezogen, sodass auch eine subklinische Karditis als Befund gewertet werden kann; zudem werden Risikopopulationen unterschiedlich gewichtet.
SpÀtfolge und Prognose
⥠Die prognosebestimmende Folge ist die chronische rheumatische Herzerkrankung mit dauerhaften HerzklappenverĂ€nderungen, meist einer Mitralklappenstenose. Sie entwickelt sich ĂŒber Jahre nach durchgemachter, insbesondere kardial verlaufender Erkrankung und kann zu Herzinsuffizienz und operativem Klappenersatz fĂŒhren.
Therapie
â Die antibiotische Eradikation der Streptokokken mit Penicillin (bei Penicillinallergie ein Makrolid) ist Grundlage der Behandlung. Antiinflammatorisch werden ASS/NSAR eingesetzt; bei manifester Karditis kommen ggf. Glukokortikoide hinzu. ErgĂ€nzend wird Schonung bzw. Bettruhe in der akuten Phase empfohlen.
Zentral fĂŒr die LangzeitfĂŒhrung ist die SekundĂ€rprophylaxe mit (Depot-)Penicillin ĂŒber Jahre, um Rezidive und eine fortschreitende KlappenschĂ€digung zu verhindern.
- Trias zum Merken: GAS-Pharyngitis â Latenz 2â3 Wochen â molekulare Mimikry.
- Diagnose = Jones-Kriterien (2 Haupt- ODER 1 Haupt- + 2 Nebenkriterien) plus Streptokokken-Nachweis.
- ⥠Mitralklappenstenose als SpĂ€tfolge bestimmt die Prognose â SekundĂ€rprophylaxe mit Depot-Penicillin schĂŒtzt.
Rheumatisches Fieber
Terminologie und Patientensprache
GegenĂŒber Patientinnen und Patienten erklĂ€ren Sie die Erkrankung als eine EntzĂŒndung im ganzen Körper, die einige Wochen nach einer eitrigen HalsentzĂŒndung als Reaktion des Immunsystems auftritt. Die Angina tonsillaris beschreiben Sie als eitrige MandelentzĂŒndung, die Pharyngitis als RachenentzĂŒndung.
Die Polyarthritis lĂ€sst sich als GelenkentzĂŒndung an mehreren Gelenken umschreiben, die wandert (heute dieses, morgen jenes Gelenk). Die Chorea minor nennen Sie gegenĂŒber Laien unwillkĂŒrliche, nicht steuerbare Bewegungen. Die spĂ€tere Mitralklappenstenose erlĂ€utern Sie als Verengung einer Herzklappe als möglicher SpĂ€tschaden am Herzen.
â Das rheumatische Fieber (engl. *rheumatic fever*) ist eine systemische EntzĂŒndungserkrankung als immunologische Folge einer Infektion mit ÎČ-hĂ€molysierenden Streptokokken der Gruppe A â meist rund 2â3 Wochen nach einer eitrigen MandelentzĂŒndung (Angina tonsillaris).
Diagnose nach den Jones-Kriterien
â Die Diagnose stĂŒtzt sich auf die Jones-Kriterien: gesichert bei 2 Hauptkriterien oder 1 Haupt- plus 2 Nebenkriterien, jeweils zusammen mit dem Nachweis einer vorausgegangenen Streptokokken-Infektion (erhöhter Anti-Streptolysin-O-Titer/ASL, Anti-DNase B).
- Hauptkriterien: Karditis; wandernde Polyarthritis groĂer Gelenke; Chorea minor; schmerzlose subkutane Knötchen; Erythema marginatum (flĂŒchtiges, ringförmiges Exanthem).
- Nebenkriterien: Fieber, Gelenkschmerzen, erhöhte EntzĂŒndungswerte (BSG, CRP), verlĂ€ngerte PQ-Zeit.
Behandlung und SpÀtfolge
â Behandelt wird mit Penicillin zur Beseitigung der Streptokokken (bei Allergie ein Makrolid) sowie entzĂŒndungshemmend mit ASS/NSAR. ⥠GefĂŒrchtet ist die chronische rheumatische Herzerkrankung mit dauerhaftem Herzklappenschaden (meist Mitralklappenstenose); deshalb ist die langjĂ€hrige SekundĂ€rprophylaxe mit Penicillin wichtig.
- SchlĂŒsselsĂ€tze fĂŒr die Anamnese: Hatten Sie vor einigen Wochen eine Hals- oder MandelentzĂŒndung? Haben Sie wandernde Gelenkschmerzen bemerkt?
- Merksatz: Streptokokken im Hals â Wochen spĂ€ter EntzĂŒndung an Herz, Gelenken und Nervensystem.
Rheumatisches Fieber
Terminologie und Patientensprache
Im PatientengesprĂ€ch erklĂ€ren Sie das rheumatische Fieber als eine EntzĂŒndung im ganzen Körper, die als Fehlreaktion des Immunsystems einige Wochen nach einer eitrigen HalsentzĂŒndung entsteht. Die auslösende Angina tonsillaris nennen Sie eitrige MandelentzĂŒndung, die Pharyngitis RachenentzĂŒndung.
Fachbegriffe und ihre patientennahe Entsprechung: Polyarthritis = EntzĂŒndung mehrerer Gelenke; migratorisch/springend = die Beschwerden wandern von Gelenk zu Gelenk; Karditis = EntzĂŒndung des Herzens; Chorea minor = unwillkĂŒrliche, nicht steuerbare Bewegungen; Erythema marginatum = ringförmiger, flĂŒchtiger Hautausschlag, der nicht juckt; subkutane Knötchen = kleine, schmerzlose Knötchen unter der Haut.
FĂŒr die SpĂ€tfolge: chronische rheumatische Herzerkrankung = bleibender Herzschaden nach der EntzĂŒndung; Mitralklappenstenose = Verengung einer Herzklappe. NĂŒtzliche Adjektive zur Beschreibung des Verlaufs sind wandernd, flĂŒchtig, schmerzlos und schubweise.
â Das rheumatische Fieber (engl. *rheumatic fever*) ist eine systemische EntzĂŒndungserkrankung als immunologische Folge einer Infektion mit ÎČ-hĂ€molysierenden Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes, GAS) â typischerweise rund 2â3 Wochen nach einer Angina tonsillaris/Pharyngitis. Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche (5â15 Jahre).
Anamnese und Pathomechanismus
Leitende Anamnesefragen sind: Hatten Sie in den letzten Wochen eine Hals- oder MandelentzĂŒndung, eventuell mit Fieber? Wandern Ihre Gelenkschmerzen von einem Gelenk zum nĂ€chsten? Sind Ihnen unwillkĂŒrliche Bewegungen, ein Hautausschlag oder Herzbeschwerden aufgefallen?
Hintergrund fĂŒr das VerstĂ€ndnis: Es handelt sich um eine immunologische Kreuzreaktion (molekulare Mimikry). Die gegen die Streptokokken gebildeten Antikörper reagieren mit körpereigenen Strukturen an Herz, Gelenken und ZNS â die Beschwerden entstehen also durch die Immunreaktion, nicht durch den Erreger selbst.
Klinik und Diagnostik
â Die Diagnose erfolgt nach den Jones-Kriterien: gesichert bei 2 Hauptkriterien oder 1 Haupt- plus 2 Nebenkriterien, jeweils zusammen mit dem Nachweis einer vorausgegangenen Streptokokken-Infektion (erhöhter Anti-Streptolysin-O-Titer/ASL, Anti-DNase B). In der aktualisierten Fassung (2015) wird zusĂ€tzlich die Echokardiographie herangezogen, sodass auch eine subklinische Karditis erfasst werden kann.
- Hauptkriterien: Karditis (Pankarditis); asymmetrische, wandernde Polyarthritis groĂer Gelenke; Chorea minor; schmerzlose, streckseitenbetonte subkutane Knötchen; Erythema marginatum.
- Nebenkriterien: Fieber, Gelenkschmerzen (Arthralgien), erhöhte EntzĂŒndungswerte (BSG, CRP), verlĂ€ngerte PQ-Zeit im EKG.
Therapie, SpÀtfolge und Rezidivschutz
â Behandelt wird mit Penicillin zur Eradikation der Streptokokken (bei Penicillinallergie ein Makrolid), entzĂŒndungshemmend mit ASS/NSAR; bei Karditis ggf. zusĂ€tzlich Glukokortikoide. In der akuten Phase wird Bettruhe/Schonung empfohlen.
⥠Die gefĂŒrchtete Folge ist die chronische rheumatische Herzerkrankung mit bleibendem Herzklappenschaden, meist einer Mitralklappenstenose. Um Rezidive und eine fortschreitende KlappenschĂ€digung zu verhindern, ist die langjĂ€hrige SekundĂ€rprophylaxe mit (Depot-)Penicillin entscheidend.
FĂŒr die Ăbergabe (SBAR) bietet sich an: junger Patient mit wandernder Polyarthritis und Fieber, anamnestisch HalsentzĂŒndung vor 2â3 Wochen, V. a. rheumatisches Fieber â empfohlen sind Streptokokken-Serologie, EKG und Echokardiographie sowie der Beginn einer Penicillin-Therapie.
- Anamnese-Anker: HalsentzĂŒndung vor 2â3 Wochen? Wandernde Gelenkschmerzen? Herzbeschwerden, unwillkĂŒrliche Bewegungen, Hautausschlag?
- ⥠Langzeitrisiko Mitralklappenstenose â deshalb konsequente SekundĂ€rprophylaxe mit Penicillin.