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Pyelonephritis: Eine Mindmap zu Ätiologie, Klinik, Diagnostik und Therapie dieser Niereninfektion. Optimales Lehrmaterial fĂŒr Mediziner weltweit.

M2 · M3 · KP EXPRESS

Pyelonephritis

❗ Die akute Pyelonephritis ist eine obere Harnwegsinfektion mit EntzĂŒndung von Nierenbecken und Nierenparenchym, klinisch gefĂŒhrt von der Trias Fieber (>38 °C), Flankenschmerz und Zystitis-Symptomen. HĂ€ufigster Erreger ist E. coli (ca. 80 %), der Infektionsweg meist aszendierend aus einer Zystitis. Frauen sind etwa doppelt so hĂ€ufig betroffen wie MĂ€nner.

Einteilung und Erreger

Eingeteilt wird nach Verlauf (meist akut, selten chronisch mit akuten SchĂŒben), nach Infektionsweg (meist aszendierend/kanalikulĂ€r aus einer Zystitis, selten deszendierend-hĂ€matogen, dann typisch Staphylococcus aureus) und vor allem nach dem Risikoprofil.

  • ❗ PrimĂ€r/unkompliziert = HWI bei gesunden, nicht-schwangeren Frauen ohne anatomische oder funktionelle Anomalien des Harntrakts.
  • ❗ SekundĂ€r/kompliziert = bei prĂ€disponierenden Faktoren: alle MĂ€nner und Kinder, vesikoureteraler Reflux (VUR), Harnabflussstörung (BPS, Urolithiasis, Tumoren), Diabetes mellitus, Immunsuppression, Harnwegskatheter, Schwangerschaft.
  • ❗ Erreger meist bakteriell, E. coli ca. 80 %, hĂ€ufig auch Mischinfektionen.

Klinik

❗ Typisch ist der plötzliche Beginn mit Fieber >38 °C (oft mit SchĂŒttelfrost), einseitigem Flankenschmerz und Zeichen einer Zystitis (Dysurie/Algurie) sowie starkem KrankheitsgefĂŒhl.

  • ❗ Flankenschmerz: Dauerschmerz, dumpf, einseitig, persistierend bis zunehmend; ❌ nicht kolikartig (kolikartig spricht fĂŒr eine Harnleiterkolik).
  • ❗ Flankenklopfschmerz (Nierenlagerklopfschmerz) als wegweisender Untersuchungsbefund.
  • Begleitend möglich: gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen) bis hin zum Pseudoperitonismus (akutes Abdomen imitierend).

Diagnostik

❗ Kombination aus klinischer Untersuchung, Urin- und Blutdiagnostik sowie Sonografie. Wegweisender Untersuchungsbefund ist der Nierenlagerklopfschmerz.

  • ❗ Urinstatus: Leukozyturie, Bakteriurie, Nitrit positiv; Leukozytenzylinder im Sediment sind beweisend. Bei Abszedierung kann der Urin auch unauffĂ€llig sein.
  • ❗ Urinkultur mit Antibiogramm vor Therapiebeginn abnehmen.
  • ❗ Blut: CRP stark erhöht, Leukozytose mit Linksverschiebung (BSG/PCT erhöht); Retentionsparameter initial oft normal.
  • ❗ Sonografie bei jedem fieberhaften Harnwegsinfekt (Frage nach urologischer Ursache und Komplikationen): vergrĂ¶ĂŸerte Niere, inhomogenes Parenchym, verwaschene Mark-Rinden-Grenze, echoarme Abszesse.
  • CT/MRT nur bei Verdacht auf Komplikationen (Abszess, Urosepsis), Therapieversagen nach 48–72 h oder unklarem Sono-Befund.

Therapie

❗ Sofortige kalkulierte Antibiotikatherapie unmittelbar nach Abnahme der Urinkultur, dazu symptomatisch FlĂŒssigkeitssubstitution, Schonung und bei Bedarf Analgesie/Antipyrese/Antiemese.

  • Unkomplizierte Pyelonephritis bei nicht-schwangeren Frauen mit mildem bis mittelschwerem Verlauf: orale Therapie mit einer von vier gleichrangigen Substanzen (S3-Leitlinie, Empfehlungsgrad Ib-A): Cefpodoxim-Proxetil, Ceftibuten, Ciprofloxacin oder Levofloxacin. Die Fluorchinolone (Cipro-/Levofloxacin) nur bei lokaler E.-coli-Resistenz <10 % und wegen der AnwendungsbeschrĂ€nkung (BfArM/EMA) zurĂŒckhaltend; bei Cefpodoxim zunehmende E.-coli-Resistenzen beachten.
  • Schwerer Verlauf: initial parenteral (z. B. Cefotaxim, Ceftriaxon), Umstellung auf oral bei klinischer Besserung; Gesamtdauer i. v. + oral meist 1–2 Wochen.
  • StationĂ€r bei systemischer Beteiligung (Erbrechen, KreislaufinstabilitĂ€t), bei Schwangeren und Kindern.
  • Nach Erregernachweis ggf. gezielte Antibiose gemĂ€ĂŸ Antibiogramm.

Wichtige Differenzialdiagnosen und Komplikationen

❗ Abgrenzung vor allem gegen Harnleiterkolik und Zystitis.

  • ❌ Akute Zystitis/unterer HWI: meist kein Fieber, keine Flankenschmerzen.
  • ❗ Harnleiterkolik (bei Ureterolithiasis): wehenartiger/kolikartiger Schmerz, starke Unruhe, Ausstrahlung in die Leiste, Erythrozyturie, ❌ kein Fieber.
  • Weitere DD: Adnexitis, akute Cholezystitis, Pankreatitis, Appendizitis, basale Pneumonie, Lumbago, abakterielle interstitielle Nephritis.
  • ❗ Komplikationen: Nieren-/perinephritische Abszesse (Verdacht bei fehlendem Ansprechen nach 3–5 Tagen), Urosepsis, im Endstadium Schrumpfniere mit Niereninsuffizienz.
  • Leitkombination akute Pyelonephritis: Fieber + einseitiger Flankenschmerz + Klopfschmerz + Leukozyturie/Nitrit.
  • Vor jeder Antibiose Urinkultur abnehmen; Sonografie bei jedem fieberhaften HWI.
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Pyelonephritis

❗ Die Pyelonephritis ist eine meist akute, bakterielle EntzĂŒndung von Nierenbecken, Nierenparenchym und ableitenden Strukturen (obere Harnwegsinfektion, tubulointerstitielle Nephritis) — seltener, aber meist schwerwiegender als eine Zystitis. HĂ€ufigster Erreger ist E. coli (ca. 80 %), der Weg meist aszendierend aus einer Zystitis. Frauen sind etwa doppelt so hĂ€ufig betroffen (Frauen : MĂ€nner ≈ 2:1), bei MĂ€nnern eher im höheren Alter und mit BPH assoziiert.

Ätiologie und Risikofaktoren

Erreger sind meist bakteriell, voran E. coli (ca. 80 %), hÀufig auch Mischinfektionen. Die primÀre (unkomplizierte) Pyelonephritis entwickelt sich aus einem unkomplizierten Harnwegsinfekt, die sekundÀre (komplizierte) Form aus einem komplizierten Harnwegsinfekt, bei vesikoureteralem Reflux oder Harnstau. NSAR-Abusus kann prÀdisponieren.

  • Risikofaktoren (insgesamt deutlich seltener als bei der Zystitis): Harnwegsobstruktionen, Blasenkatheter, Schwangerschaft (inkl. ExtrauteringraviditĂ€t als Raumforderung).
  • Bei der seltenen deszendierenden Form (hĂ€matogen) ist Staphylococcus aureus ein typischer Erreger; lymphogen bei Lymphstau oder per continuitatem aus einem Infektionsherd in der Niere.

Einteilung

❗ Die Einteilung erfolgt nach Verlauf, Ursache/Infektionsweg, Risikoprofil und Histopathologie — das Risikoprofil ist fĂŒr die Therapieentscheidung am wichtigsten.

  • Nach Verlauf: meist akut (kann chronifizieren); selten chronisch, dann mit möglichen akuten SchĂŒben.
  • Nach Ursache: meist aszendierend (kanalikulĂ€r) aus einer Zystitis; selten deszendierend (hĂ€matogen, lymphogen, per continuitatem).
  • ❗ Nach Risikoprofil: primĂ€r/unkompliziert = HWI bei gesunden, nicht-schwangeren Frauen ohne anatomische/funktionelle Anomalien; sekundĂ€r/kompliziert bei prĂ€disponierenden Faktoren — alle MĂ€nner und Kinder, VUR, Harnabflussstörung (BPS, Urolithiasis, Tumoren), Diabetes mellitus, Immunsuppression, Harnwegskatheter, Schwangerschaft.
  • Nach Histopathologie — akut: interstitielle, eitrige EntzĂŒndung mit neutrophilen Granulozyten in Interstitium und Tubuli, Leukozytenzylinder, oft kleine Abszesse, Glomeruli und GefĂ€ĂŸe typischerweise nicht betroffen.
  • Histopathologie — chronisch (meist bei VUR → Refluxnephropathie): makroskopisch narbige Einziehungen und plumpe Nierenkelche; histologisch interstitielle Fibrose mit Lymphozyten/Plasmazellen und ❗ „SchilddrĂŒsenĂ€hnliche Niere“ (atrophische, erweiterte Tubuli mit eosinophilen Kolloidzylindern).
  • Selten: xanthogranulomatöse Pyelonephritis — destruierende chronische Form, assoziiert mit Harnstau (oft Ausgusssteine) und Infektion (z. B. Proteus); histologisch schaumige Makrophagen (Xanthomzellen); kann radiologisch ein Nierenzellkarzinom imitieren.

Symptomatik

❗ Die akute Pyelonephritis beginnt plötzlich; die chronische verlĂ€uft oft ĂŒber Jahre asymptomatisch oder symptomarm. Auch asymptomatische VerlĂ€ufe sind möglich.

  • ❗ Akut typisch: Fieber >38 °C (oft mit SchĂŒttelfrost), einseitiger Flankenschmerz, Zystitis-Symptome und starkes KrankheitsgefĂŒhl/Abgeschlagenheit.
  • ❗ Flankenschmerz: Dauerschmerz, einseitig, dumpf, persistierend bis zunehmend; ❌ nicht kolikartig. Dazu (Flanken-)Klopfschmerz und ggf. RĂŒckenschmerzen.
  • ❗ Zystitis-Symptome: Dysurie/Algurie.
  • Begleitend gastrointestinal: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Obstipation, abdominelle Schmerzen bis Subileus; kann ein akutes Abdomen imitieren (Pseudoperitonismus); ggf. Kopfschmerzen; bis hin zur Urosepsis.
  • ⚡ Fehlerquelle atypische Symptomatik: bei alten Menschen oft nur leichtes/subfebriles Fieber bei deutlich reduziertem Allgemeinzustand — die Diagnose wird leicht ĂŒbersehen. Bei autonomer Neuropathie (Diabetes, Amyloidose) abgeschwĂ€cht; bei Kleinkindern Fieber, Bauchschmerzen, Inappetenz, unklare Gedeihstörung, ggf. AnĂ€mie.
  • Chronisch: asymptomatisch oder unspezifisch (Abgeschlagenheit, dumpfe RĂŒckenschmerzen, rezidivierende FieberschĂŒbe bei rezidivierenden Zystitiden), spĂ€t Zeichen von UrĂ€mie/chronischer Niereninsuffizienz.

Diagnostik

❗ Diagnosesicherung aus klinischer Untersuchung, Urin- und Blutdiagnostik und Sonografie.

  • ❗ Körperliche Untersuchung: Nierenlagerklopfschmerz (NLKS)/Flankenklopfschmerz; bei Abszedierung ggf. Vorwölbung/Rötung der Flanke und Schonhaltung (gebeugtes Bein, positives Psoas-Zeichen durch retroperitoneale Reizung).
  • ❗ Urinstatus: Leukozyturie, Bakteriurie, Nitrit positiv; im Sediment Leukozytenzylinder (beweisend). Bei Abszedierung kann der Urin unauffĂ€llig sein.
  • ❗ Urinkultur mit Erregernachweis und Antibiogramm.
  • ❗ Blut: CRP stark erhöht, BSG und Procalcitonin erhöht; Leukozytose mit Linksverschiebung (besonders ausgeprĂ€gt bei Abszedierung); bei Thrombopenie Blutkulturen abnehmen. Retentionsparameter initial oft normal, ggf. erhöht v. a. bei beidseitiger akuter Pyelonephritis.
  • ❗ Abdomen-Sonografie bei jedem fieberhaften Harnwegsinfekt zur Frage nach urologischer Ursache und Komplikationen: vergrĂ¶ĂŸerte Niere (Nierenödem), inhomogenes Parenchym, aufgehobene Mark-Rinden-Differenzierung, verdickte Pyelonwand, echoarme Raumforderungen (Abszesse) — oft aber auch unauffĂ€llig.
  • CT (mit Kontrastmittel) bei Verdacht auf Komplikationen (Abszess, Urosepsis), Therapieversagen nach 48–72 h oder unklarem Sono-Befund: keilförmige hypodense Areale durch verminderte KM-Anreicherung. MRT als Alternative (Frage nach Obstruktion).

Differenzialdiagnosen

Zentral ist die Unterscheidung vom oberen gegen den unteren Harnwegsinfekt und gegen die Harnleiterkolik.

  • ❌ Akute Zystitis/Harnwegsinfekt: meist kein Fieber, keine Flankenschmerzen.
  • ❗ Harnleiterkolik (Ureterolithiasis): wehenartiger Schmerz, starke Unruhe, Ausstrahlung in die Leiste, Erythrozyturie, ❌ kein Fieber.
  • Adnexitis (andere Schmerzlokalisation, fehlende Bakteriurie), akute Cholezystitis (rechter Oberbauch, sonografischer Steinnachweis, Harn unauffĂ€llig), akute Pankreatitis (epigastrischer Schmerz), akute Appendizitis (andere Lokalisation, Harn unauffĂ€llig), basale Pneumonie (Tachypnoe, SpO₂-Abfall, Infiltrat), Lumbago (ggf. Hebetrauma, kein Fieber, Urin unauffĂ€llig), Urogenitaltuberkulose.
  • Akute (abakterielle) interstitielle Nephritis: meist medikamentös (ÎČ-Laktame, NSAR, Diuretika) oder immunologisch (v. a. SLE); hĂ€ufig Fieber und Exanthem, sterile Leukozyturie, nicht eitrig, nicht destruktiv.

Therapie

❗ Sofortige kalkulierte/empirische Antibiotikatherapie unmittelbar nach Abnahme der Urinkultur, ergĂ€nzt durch symptomatische Maßnahmen: großzĂŒgige FlĂŒssigkeitssubstitution (fördert Erregerausscheidung und gleicht den FlĂŒssigkeitshaushalt bei Fieber aus), körperliche Schonung/ggf. Bettruhe, bei Bedarf Analgesie, Antiemese, Antipyrese.

  • Ambulant bei unkomplizierter Pyelonephritis; stationĂ€r bei systemischer Beteiligung (Erbrechen, KreislaufinstabilitĂ€t), bei Schwangeren und Kindern.
  • Nicht-schwangere Frauen, milder bis mittelschwerer Verlauf: orale Therapie mit vier gleichrangigen Optionen (S3-Leitlinie 043-044, Empfehlungsgrad Ib-A, alphabetisch gelistet): Cefpodoxim-Proxetil (10 Tage), Ceftibuten (10 Tage), Ciprofloxacin (7–10 Tage) oder Levofloxacin (5 Tage). Die Fluorchinolone nur bei lokaler E.-coli-Resistenz <10 % und wegen der Fluorchinolon-AnwendungsbeschrĂ€nkung (BfArM/EMA) zurĂŒckhaltend; fĂŒr Cefpodoxim sind steigende E.-coli-Resistenzen zu beachten (kein bevorzugtes Mittel mehr).
  • Schwerer Verlauf: initial parenteral (≄1–3 Tage), Umstellung auf oral bei klinischer Besserung, Gesamtdauer i. v. + oral 1–2 Wochen. 1. Wahl: Cefotaxim, Ceftriaxon, (bei jungen MĂ€nnern auch Ciprofloxacin/Levofloxacin wegen guter GewebegĂ€ngigkeit). 2. Wahl u. a. Amoxicillin/ClavulansĂ€ure, Cefepim, Piperacillin/Tazobactam, Aminoglykoside; bei ESBL-Resistenzen >10 % Carbapeneme (Ertapenem, Meropenem, Imipenem/Cilastatin).
  • Schwangere mit unkomplizierter akuter Pyelonephritis: Cephalosporine der Gruppe 2 und 3 (z. B. Cefpodoxim-Proxetil).
  • Junge MĂ€nner: Fluorchinolone (5–10 Tage), sofern Resistenzlage es zulĂ€sst.
  • Nach Vorliegen des Antibiogramms ggf. gezielte Antibiose. Bei chronischer Pyelonephritis mit Schrumpfniere als Infektionsherd ggf. Nephrektomie; bei rezidivierenden Pyelonephritiden Prophylaxe und ggf. Antirefluxoperation.

Komplikationen

Komplikationen treten vor allem bei der komplizierten Pyelonephritis auf.

  • ❗ Abszesse (Nieren-/perinephritische Abszesse): Verdacht bei fehlendem Ansprechen auf die Antibiose nach 3–5 Tagen; Therapie je nach Schweregrad (ggf. Drainage).
  • ❗ Urosepsis.
  • ❗ Im Endstadium Schrumpfniere mit Niereninsuffizienz.
  • Risikoprofil (primĂ€r/unkompliziert vs. sekundĂ€r/kompliziert) steuert die Therapieentscheidung.
  • Leitbefunde: Fieber + einseitiger Flanken-/Klopfschmerz + Leukozyturie/Nitrit/Bakteriurie, CRP stark erhöht, Leukozytose mit Linksverschiebung.
  • Antibiose sofort nach Urinkultur; Sono bei jedem fieberhaften HWI; Abszessverdacht bei Nichtansprechen nach 3–5 Tagen.
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Pyelonephritis

Terminologie und Patientensprache

FĂŒr das PatientengesprĂ€ch ĂŒbersetzen Sie die Fachbegriffe in einfache, verstĂ€ndliche Sprache und nutzen fĂŒr die Dokumentation und das Arzt-Arzt-GesprĂ€ch die Fachterminologie.

  • Pyelonephritis = obere Harnwegsinfektion = tubulointerstitielle Nephritis; patientennah: NierenbeckenentzĂŒndung.
  • aszendierend = aufsteigend: „Die Infektion ist ĂŒber die Harnwege bis zur Niere aufgestiegen.“
  • deszendierend = absteigend: „Die Infektion hat in der Niere bzw. im Nierenbecken begonnen und sich nach unten ausgebreitet.“
  • Dysurie/Algurie patientennah: „Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen“; Flankenschmerz: „Schmerzen in der Seite, etwa in Höhe der unteren Rippen“.
  • Leukozyturie/Bakteriurie/Nitrit patientennah: „EntzĂŒndungs- und Bakterienzeichen im Urin“.

❗ Die Pyelonephritis ist eine obere Harnwegsinfektion mit EntzĂŒndung von Nierenbecken und Nierengewebe, klinisch mit Fieber, einseitigem Flankenschmerz und Brennen beim Wasserlassen. HĂ€ufigster Erreger ist E. coli (ca. 80 %), der Infektionsweg meist aszendierend aus einer BlasenentzĂŒndung.

Anamnese und Klinik

❗ Achten Sie auf den plötzlichen Beginn mit Fieber ĂŒber 38 °C (hĂ€ufig mit SchĂŒttelfrost), einseitigen Flankenschmerzen und Zeichen einer BlasenentzĂŒndung.

  • Leitfragen: „Haben Sie Fieber oder SchĂŒttelfrost?“ — „Wo genau tun die Schmerzen weh, eher in der Seite/im RĂŒcken?“ — „Haben Sie Brennen beim Wasserlassen oder mĂŒssen Sie hĂ€ufiger?“
  • ❗ Flankenschmerz: anhaltender, dumpfer Dauerschmerz auf einer Seite; ⚡ Verwechslungsgefahr — fragen Sie gezielt, ob der Schmerz wellenartig/krampfartig kommt, denn ein kolikartiger Schmerz spricht eher fĂŒr eine Harnleiterkolik (Nierenstein).
  • ❗ Untersuchungsbefund: Klopfschmerz ĂŒber dem Nierenlager (Flankenklopfschmerz).
  • Patienten fĂŒhlen sich meist deutlich krank und abgeschlagen, oft mit Übelkeit/Erbrechen.

Diagnostik und Therapie

❗ Diagnose ĂŒber Urinuntersuchung, Blutwerte und Ultraschall; danach rasche Antibiotikatherapie.

  • ❗ Urinstatus (Leukozyten, Bakterien, Nitrit positiv) und ❗ Urinkultur vor Therapiebeginn; im Blut CRP stark erhöht und Leukozytose.
  • ❗ Ultraschall der Nieren bei jedem fieberhaften Harnwegsinfekt, um eine urologische Ursache oder Komplikationen zu erkennen.
  • ❗ Antibiotika sofort nach Abnahme der Urinkultur; bei unkompliziertem Verlauf oral (mehrere gleichwertige Optionen, u. a. Cefpodoxim-Proxetil oder Ciprofloxacin), bei schwerem Verlauf zunĂ€chst ĂŒber die Vene.
  • Reichlich trinken bzw. FlĂŒssigkeit, Schonung; bei Bedarf Schmerz- und Fiebermittel.
  • Leitbild: Fieber + einseitiger Flankenschmerz + Klopfschmerz + Brennen beim Wasserlassen.
  • Patientennah erklĂ€ren: „Es handelt sich um eine NierenbeckenentzĂŒndung; wir brauchen eine Urinprobe und behandeln mit Antibiotika.“
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Pyelonephritis

Terminologie und Patientensprache

Im PatientengesprĂ€ch ĂŒbersetzen Sie die Fachsprache in verstĂ€ndliche Alltagssprache; fĂŒr Dokumentation und Ă€rztliche Kommunikation behalten Sie die Fachbegriffe bei.

  • Pyelonephritis = obere Harnwegsinfektion = tubulointerstitielle Nephritis; patientennah: NierenbeckenentzĂŒndung.
  • aszendierend = aufsteigend: „Die Infektion ist ĂŒber die Harnwege bis zur Niere aufgestiegen.“ — deszendierend = absteigend: „Die Infektion hat in der Niere bzw. im Nierenbecken begonnen und sich nach unten ausgebreitet.“
  • Flankenschmerz patientennah: „Schmerzen in der Seite, etwa in Höhe der unteren Rippen“; Nierenlagerklopfschmerz: „Schmerz beim Klopfen ĂŒber der Nierengegend am RĂŒcken“.
  • Dysurie = „Schmerzen/Brennen beim Wasserlassen“; Algurie = „schmerzhaftes Wasserlassen“; Pollakisurie (hĂ€ufiges Wasserlassen) als Begleitsymptom.
  • Leukozyturie = „weiße Blutkörperchen (EntzĂŒndungszellen) im Urin“; Bakteriurie = „Bakterien im Urin“; Nitrit = „Bakterienstoffwechselprodukt im Urin“; Urinkultur = „AnzĂŒchten der Erreger zur gezielten Antibiotikawahl“.
  • Urosepsis patientennah: „Blutvergiftung ausgehend von den Harnwegen“; Schrumpfniere = „dauerhaft verkleinerte, vernarbte Niere mit Funktionsverlust“.
  • NĂŒtzliche Redemittel zur Schmerzcharakterisierung: „Ist der Schmerz dumpf und anhaltend oder kommt er wellenartig/krampfartig?“ — „Strahlt der Schmerz in die Leiste aus?“

❗ Die Pyelonephritis ist eine meist akute, bakterielle EntzĂŒndung von Nierenbecken und Nierengewebe (obere Harnwegsinfektion) — seltener, aber meist schwerwiegender als eine BlasenentzĂŒndung. HĂ€ufigster Erreger ist E. coli (ca. 80 %), der Weg meist aszendierend aus einer Zystitis. Frauen sind etwa doppelt so hĂ€ufig betroffen wie MĂ€nner (ca. 2:1).

Anamnese

❗ Erfragen Sie systematisch Fieberverlauf, Schmerzcharakter und -lokalisation, Miktionsbeschwerden, Begleitsymptome und Risikofaktoren.

  • Leitfragen: „Seit wann haben Sie Fieber, und wie hoch?“ — „Hatten Sie SchĂŒttelfrost?“ — „Wo genau sitzt der Schmerz, eher in der Flanke/Seite oder im RĂŒcken?“ — „Ist der Schmerz anhaltend und dumpf oder eher krampfartig?“
  • Miktion: „Haben Sie Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, mĂŒssen Sie hĂ€ufiger als sonst, oder haben Sie Blut im Urin bemerkt?“
  • Begleitsymptome: „Ist Ihnen ĂŒbel, haben Sie erbrochen?“ — „FĂŒhlen Sie sich insgesamt sehr krank und schwach?“
  • Risikofaktoren: vorausgegangene BlasenentzĂŒndung, Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Harnsteine/Harnabflussstörung, Blasenkatheter, ImmunschwĂ€che, bei MĂ€nnern ProstatavergrĂ¶ĂŸerung (BPS).
  • ⚡ Bei Ă€lteren Menschen kann das Fieber fehlen oder nur leicht sein, wĂ€hrend der Allgemeinzustand stark reduziert ist — fragen Sie gezielt nach Verwirrtheit, SchwĂ€che und reduziertem Appetit, um die Diagnose nicht zu ĂŒbersehen.

Klinik

❗ Die akute Pyelonephritis beginnt plötzlich; die chronische Form verlĂ€uft oft ĂŒber Jahre symptomarm oder asymptomatisch.

  • ❗ Typisch: Fieber >38 °C (oft mit SchĂŒttelfrost), einseitiger Flankenschmerz und Zystitis-Symptome (Brennen beim Wasserlassen) sowie starkes KrankheitsgefĂŒhl.
  • ❗ Flankenschmerz: Dauerschmerz, einseitig, dumpf, anhaltend bis zunehmend; ⚡ Verwechslungsgefahr — ein kolikartiger/wellenartiger Schmerz spricht eher fĂŒr eine Harnleiterkolik bei Nierenstein, nicht fĂŒr eine Pyelonephritis.
  • ❗ Flankenklopfschmerz (Nierenlagerklopfschmerz) als wegweisender Untersuchungsbefund.
  • Begleitend gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen) bis hin zum Bild eines akuten Abdomens (Pseudoperitonismus); im schweren Verlauf Übergang in eine Urosepsis.
  • ⚡ Bei alten Menschen oft nur subfebril bei reduziertem Allgemeinzustand; bei Kleinkindern Fieber, Bauchschmerzen, Inappetenz, unklare Gedeihstörung.

Diagnostik

❗ Diagnosesicherung ĂŒber körperliche Untersuchung, Urin- und Blutdiagnostik und Ultraschall.

  • ❗ Körperliche Untersuchung: Nierenlagerklopfschmerz/Flankenklopfschmerz; ggf. Schonhaltung mit gebeugtem Bein (Hinweis auf retroperitoneale Reizung).
  • ❗ Urinstatus: Leukozyturie, Bakteriurie, Nitrit positiv; im Sediment Leukozytenzylinder (beweisend). Bei einem Abszess kann der Urinbefund unauffĂ€llig sein.
  • ❗ Urinkultur mit Antibiogramm vor Beginn der Antibiose.
  • ❗ Blut: CRP stark erhöht, Leukozytose mit Linksverschiebung; bei Verdacht auf schweren Verlauf zusĂ€tzlich Blutkulturen.
  • ❗ Abdomen-Ultraschall bei jedem fieberhaften Harnwegsinfekt (Frage nach urologischer Ursache und Komplikationen): vergrĂ¶ĂŸerte Niere, inhomogenes Parenchym, verwaschene Mark-Rinden-Grenze, echoarme Abszesse — oft aber auch unauffĂ€llig.
  • CT nur bei Verdacht auf Komplikationen, Therapieversagen nach 48–72 h oder unklarem Ultraschallbefund.

Therapie und Patientenkommunikation

❗ Antibiotikatherapie sofort nach Abnahme der Urinkultur, dazu reichlich FlĂŒssigkeit, Schonung und bei Bedarf Schmerz-, Fieber- und Übelkeitsmittel.

  • Ambulant bei unkompliziertem Verlauf; stationĂ€r bei systemischer Beteiligung (Erbrechen, KreislaufinstabilitĂ€t), bei Schwangeren und Kindern.
  • Unkomplizierter, milder bis mittelschwerer Verlauf bei nicht-schwangeren Frauen: orale Antibiose mit mehreren gleichwertigen Optionen (z. B. Cefpodoxim-Proxetil oder Ciprofloxacin); schwerer Verlauf: zunĂ€chst ĂŒber die Vene, dann Umstellung auf Tabletten bei Besserung.
  • Schwangere: Cephalosporine (z. B. Cefpodoxim-Proxetil).
  • Patientennahe AufklĂ€rung: „Sie haben eine NierenbeckenentzĂŒndung. Wir nehmen eine Urinprobe ab und beginnen sofort mit einem Antibiotikum. Bitte viel trinken und sich schonen. Wenn das Fieber nach einigen Tagen nicht zurĂŒckgeht, melden Sie sich, weil dann eine Komplikation wie ein Abszess geprĂŒft werden muss.“

Komplikationen

Komplikationen treten vor allem bei kompliziertem Verlauf auf.

  • ❗ Abszesse (Nieren-/perinephritische Abszesse): Verdacht bei fehlendem Ansprechen auf die Antibiose nach 3–5 Tagen.
  • ❗ Urosepsis als lebensbedrohliche Komplikation.
  • ❗ Im Endstadium Schrumpfniere mit Niereninsuffizienz.
  • Leitbild: Fieber + einseitiger Flanken-/Klopfschmerz + Brennen beim Wasserlassen + EntzĂŒndungszeichen im Urin.
  • Im SBAR-Übergabestil: „Patientin mit Fieber, einseitigem Flankenschmerz und Dysurie, im Urin Leukozyturie und Nitrit positiv, klinisch Nierenlagerklopfschmerz — Verdacht auf akute Pyelonephritis; Urinkultur abgenommen, Antibiose begonnen, Sonografie veranlasst.“
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