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Pneumonie Ätiologie, Diagnose & Therapie von Lungenentzündungen (CAP/HAP). Lernmaterial für Medizinstudium und Ärzte weltweit.

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Pneumonie

❗ Die Pneumonie ist eine akute Entzündung des Lungenparenchyms, fast immer infektiös bedingt. Klinisch entscheidend ist die Einteilung nach dem Ort der Infektion in ambulant erworbene Pneumonie (CAP) und nosokomiale Pneumonie (HAP) – sie bestimmt Erregerspektrum, Risikoabschätzung und kalkulierte Antibiotikatherapie.

Röntgen-Thorax einer Lobärpneumonie im linken Oberlappen; Pfeile markieren die scharfe Abgrenzung der Verschattung an der Lappengrenze zum Unterlappen.
Hellerhoff · Lobaerpneumonie · CC BY-SA 3.0 · via Wikimedia Commons
CT-Thorax desselben Patienten mit lobärer Konsolidierung im rechten Mittellappen.
Mikael Häggström , M.D · CT of lobar pneumonia · CC0 · via Wikimedia Commons

Einteilung und Erreger

Die heute klinisch wichtigste Einteilung erfolgt nach dem Ort der Infektion. Die CAP ist am häufigsten; Haupterreger ist Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken). Die HAP tritt frühestens > 48 h nach Krankenhausaufnahme auf, wird überwiegend durch gramnegative Bakterien verursacht und ist meldepflichtig, wenn multiresistente Erreger (z. B. MRSA) nachgewiesen werden.

  • CAP – häufigste Form, Leiterreger Pneumokokken; weitere: Haemophilus influenzae, Mykoplasmen (v. a. Kinder), Legionellen, Viren.
  • HAP/VAP – v. a. gramnegative Keime; bei Risikopatienten MRE (MRSA, ESBL-Bildner, Pseudomonas aeruginosa).
  • typische Pneumonie = meist Lobärpneumonie (Pneumokokken); atypische Pneumonie = meist interstitiell (Mykoplasmen, Legionellen, Viren).

Klinik

❗ Die typische Pneumonie zeigt einen akuten Beginn mit Fieber > 38,5 °C und Schüttelfrost, produktivem Husten mit purulentem Sputum, Dyspnoe/Tachypnoe und ausgeprägtem Krankheitsgefühl. Die atypische Pneumonie beginnt subakut/schleichend mit trockenem Husten, geringeren Beschwerden und oft normwertigen Entzündungsparametern.

Schematische Körperübersicht der wichtigsten Pneumonie-Symptome (u. a. Fieber, Husten mit Auswurf, Atemnot, Brustschmerz).
Mikael Häggström · Symptoms of pneumonia · Public domain · via Wikimedia Commons

Diagnostik

Das diagnostische Hauptkriterium der CAP ist der Infiltratnachweis im Röntgen-Thorax, zusammen mit mindestens zwei klinischen Nebenkriterien (Fieber, Husten, Hämoptyse, typischer Auskultationsbefund). Die körperliche Untersuchung kann gerade bei der atypischen Pneumonie unauffällig sein.

  • Röntgen-Thorax = Schlüsseluntersuchung; allein keine sichere Erregerzuordnung.
  • Labor: Leukozytose, CRP (sehr unspezifisch), Procalcitonin.
  • Erregernachweis (Blutkultur, Sputum-/Bronchialsekretkultur) bei schwerem Verlauf, Therapieversagen oder HAP – nicht bei unkomplizierter typischer CAP ohne Risikofaktoren.

Schweregrad und Therapie

Bei der CAP steuert der CRB-65-Index (Confusion, Atemfrequenz ≥ 30/min, RR systolisch < 90 oder diastolisch ≤ 60 mmHg, Alter ≥ 65 Jahre – je 1 Punkt) die Versorgung: 0 = ambulant, 1 = ggf. stationär, ≥ 2 = schwere CAP/intensivmedizinische Abklärung. Die Risikoabschätzung ist die Grundlage der Antibiotikawahl; Beginn möglichst frühzeitig (bei Sepsis innerhalb 1 Stunde).

  • leichtgradige CAP ohne Risikofaktoren: Amoxicillin (Alternativen: Makrolid, Doxycyclin, ggf. Fluorchinolon).
  • leichtgradige CAP mit Risikofaktoren: Amoxicillin/Clavulansäure.
  • HAP mit MRE-Risiko: pseudomonaswirksames Betalaktam (z. B. Piperacillin/Tazobactam) + Fluorchinolon/Aminoglykosid, bei MRSA-Verdacht zusätzlich Linezolid oder Vancomycin.
  • Therapiedauer unkomplizierte CAP 5 Tage bei klinischer Stabilisierung (frühere Angabe „8 Tage“ überholt).
  • Falle: ❌ orale Cephalosporine nicht zur CAP-Initialtherapie (Unterdosierung, ESBL-/C.-difficile-Selektion).
  • Merke: Ort der Infektion (CAP vs. HAP) → Erreger → CRB-65/MRE-Risiko → kalkulierte Antibiose.
  • Röntgen-Infiltrat + ≥ 2 Nebenkriterien = CAP-Diagnose.
  • Pneumokokken = häufigster CAP-Erreger; Amoxicillin = Mittel der Wahl bei leichter CAP.
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Pneumonie

❗ Die Pneumonie ist eine akute, fast immer infektiöse Entzündung des Lungenparenchyms. Prüfungsrelevant sind die Einteilung nach dem Ort der Infektion (CAP vs. HAP), die Unterscheidung typisch/atypisch, die radiologischen Verschattungsmuster, die diagnostischen Kriterien und die risikoadaptierte kalkulierte Antibiotikatherapie.

Definition und Einteilung

Eine Pneumonie ist eine akute Entzündung des Lungenparenchyms, fast immer aufgrund einer Infektion durch Bakterien, Viren, Pilze oder seltener Protozoen/Parasiten. Die heute klinisch wichtigste Einteilung erfolgt nach dem Ort der Infektion: ambulant erworbene Pneumonie (CAP) – die häufigste Form – und nosokomiale/im Krankenhaus erworbene Pneumonie (HAP), einschließlich der beatmungsassoziierten Pneumonie (VAP).

Eine Nosokomialinfektion wird durch den Krankenhausaufenthalt verursacht bzw. während des Aufenthalts erworben (Auftreten frühestens > 48 h nach Aufnahme) und kann auch erst nach Entlassung symptomatisch werden. HAP haben eine schlechtere Prognose, weil Patienten häufig immungeschwächt sind und die Keime häufiger resistent sind.

  • weitere Einteilungsachsen: nach dem Erreger (bakteriell/viral), nach der Pathologie (alveolär vs. interstitiell), nach Klinik/Verlauf (typisch/atypisch) und nach dem Bildbefund (Lobär-, Broncho-, interstitielle Pneumonie).
  • hypostatische Pneumonie: durch schlechte Belüftung/Durchblutung (z. B. Bettlägerigkeit) – häufigste sekundäre Pneumonie.
  • veraltet: Einteilung in primäre/sekundäre Pneumonie nach Vorerkrankungen.
  • prädisponierende Faktoren: Alter > 60 Jahre, Zigarettenrauchen, COPD, Z. n. Splenektomie, viraler Atemwegsinfekt (CAP); maschinelle Beatmung, Antazida/PPI, nasogastrale Sonde, Bewusstseinstrübung mit Aspirationsgefahr (HAP).

Erregerspektrum

Bei der CAP ist Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) mit Abstand der häufigste Erreger; bei Kindern spielt Mycoplasma pneumoniae eine größere Rolle. Weitere: Haemophilus influenzae, Legionellen, Staphylococcus aureus und Viren (RS-, Adeno-, Influenzaviren). Sonderformen mit abweichendem Spektrum sind Aspirations-, Auslands- und ausbruchsassoziierte Pneumonien.

Bei der HAP dominieren gramnegative Bakterien. Ohne MRE-Risiko v. a. Enterobacteriaceae (E. coli, Klebsiella, Enterobacter), Haemophilus influenzae, MSSA und Pneumokokken. Mit MRE-Risiko: MRSA, ESBL-bildende Enterobacteriaceae, Pseudomonas aeruginosa (Feuchtkeim, z. B. in Beatmungssystemen), Acinetobacter baumannii, Stenotrophomonas maltophilia; Anaerobier bei Aspiration. Viren und Pilze verursachen nur selten eine HAP. Etwa 5–10 % der nosokomialen Erreger sind multiresistent.

  • typische Pneumonie (meist Lobärpneumonie): Pneumokokken, H. influenzae.
  • atypische Pneumonie (meist interstitiell): Mykoplasmen, Legionellen, Chlamydia pneumoniae, RSV, Influenza, bei Immunsuppression Pneumocystis jirovecii.
  • Falle: Nachweis von MRSA/ORSA ist meldepflichtig und erfordert besondere Hygienemaßnahmen.

Klinik

❗ Die typische Pneumonie beginnt akut mit hohem Fieber (> 38,5 °C) und Schüttelfrost, Dyspnoe und Tachypnoe, ausgeprägtem Krankheitsgefühl und produktivem Husten mit reichlichem, purulentem Sputum; eine Pleuritis ist häufig. Die atypische Pneumonie beginnt subakut/„schleichend“ mit langsam steigendem Fieber < 38,5 °C, trockenem Husten und insgesamt geringerer Symptomatik; oft liegt ein vorausgegangener grippaler Infekt vor, Entzündungsparameter sind häufig im Referenzbereich, Bewusstseinsveränderungen möglich.

  • Falle: trockener Husten differenzialdiagnostisch auch an eine Methotrexat-Pneumonitis denken.
Schematische Körperübersicht der wichtigsten Pneumonie-Symptome (u. a. Fieber, Husten mit Auswurf, Atemnot, Brustschmerz).
Mikael Häggström · Symptoms of pneumonia · Public domain · via Wikimedia Commons

Diagnostik

Anamnese: schwere Grunderkrankung, zurückliegender Atemwegsinfekt, Immunsuppression, vorangegangener Krankenhausaufenthalt, Reiseanamnese. In der Hausarztpraxis sprechen Temperatur > 37,8 °C, Rasselgeräusche, SpO₂ < 95 % und Tachykardie (HF > 100/min) für eine Pneumonie.

Körperliche Untersuchung der Lobärpneumonie: Fieber, Tachypnoe (> 20/min), Atemhilfsmuskulatur/Nasenflügeln, verstärkter Stimmfremitus, gedämpfter Klopfschall, feinblasige Rasselgeräusche, Bronchialatmen (peripher!), Bronchophonie, ggf. Pleurareiben. Bei der atypischen Pneumonie meist unauffällig.

Diagnostische Kriterien CAP: Hauptkriterium = Infiltratnachweis im Röntgen-Thorax plus mindestens 2 Nebenkriterien (Fieber, Husten, Hämoptyse, typischer Auskultationsbefund). HAP: radiologisch neu aufgetretene, persistierende Infiltrate (> 48 h nach Aufnahme) plus 2 von 3 Kriterien: Leukozytose ≥ 12 000/µl oder Leukopenie ≤ 4 000/µl, Fieber > 38,3 °C oder Hypothermie < 36 °C, purulentes Tracheobronchialsekret.

  • Labor: Entzündungsparameter (Leukozytose, CRP – unspezifisch), Procalcitonin (meist erst stationär, zur Therapiesteuerung).
  • Erregernachweis bei schwerem Verlauf/Therapieversagen/HAP, nicht bei typischer Pneumonie ohne Risikofaktoren; Methoden: Blutkultur (bei Fieber, V. a. hämatogene Streuung), Sputumkultur (Trefferquote nur 10–30 %), besser Bronchialsekret/BAL/TBAS, Pleurapunktat, Legionellen-/Pneumokokken-Antigen aus Urin.
  • Bronchoskopie bei beatmeten/immunsupprimierten Patienten, V. a. interstitielle Pneumonie, Bronchialkarzinom, Fremdkörper, Tbc oder Pneumocystis.

Bildgebung und Verschattungsmuster

Der Röntgen-Thorax zeigt Infiltrate, bei Fortschreiten einen Pleuraerguss; eine sichere Erregerzuordnung ist allein radiologisch nicht möglich. Befundet werden außerdem Begleiterkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz) und Komplikationen (Pleuraerguss, Abszedierung). Ein CT-Thorax ergänzt bei unklaren Befunden.

  • Lobärpneumonie: flächenhafte, homogene, scharf an Lappengrenzen begrenzte Verschattung mit positivem Bronchopneumogramm (luftgefüllte, dunkle Bronchien im verschatteten Parenchym).
  • Bronchopneumonie: multiple, fleckige, konfluierende Verschattungen, die sich nicht an Lappengrenzen halten.
  • interstitielle Pneumonie: netzartige/streifige Zeichnungsvermehrung; Leitbefund der atypischen Pneumonie ist die Diskrepanz zwischen ausgeprägtem interstitiellem Muster und geringer Klinik.
  • DD der Verschattung: Atelektase, Tumor, Lungeninfarkt, Tuberkulose, Herzinsuffizienz, interstitielle Lungenerkrankungen.
Röntgen-Thorax einer Lobärpneumonie im linken Oberlappen; Pfeile markieren die scharfe Abgrenzung der Verschattung an der Lappengrenze zum Unterlappen.
Hellerhoff · Lobaerpneumonie · CC BY-SA 3.0 · via Wikimedia Commons
CT-Thorax desselben Patienten mit lobärer Konsolidierung im rechten Mittellappen.
Mikael Häggström , M.D · CT of lobar pneumonia · CC0 · via Wikimedia Commons

Differenzialdiagnosen

Abzugrenzen sind der (virale) Infekt der Atemwege (bei viraler Genese keine Antibiose sinnvoll), das Bronchialkarzinom (Raucheranamnese, CT, transbronchiale Biopsie), die Tuberkulose (Tuberkulintest, Kultur/PCR der Mykobakterien), der Lungeninfarkt bei Lungenarterienembolie (Anamnese/TBVT, EKG, Echo mit Rechtsherzbelastung, CT-Angiografie) sowie eosinophile und interstitielle Lungenerkrankungen.

  • eosinophile Pneumonie: heterogene Gruppe (AEP, CEP, EGPA, HES, sekundär bei Infekt/Arzneimittel/ABPA); Eosinophilie in Blut/BAL, pulmonale Infiltrate; Therapie mit Glukokortikoiden, ggf. Zytostatika.

Therapie

❗ Grundprinzipien: möglichst früher Beginn der Antibiose (bei septischem Schock innerhalb 1 Stunde), die Risikoabschätzung als Grundlage der Antibiotikawahl und eine Deeskalation nach 48–72 h (bei Erregernachweis gezielte Monotherapie, bei klinischer Besserung ohne Erregernachweis Deeskalation auf meist eine Betalaktam-Monotherapie). Die Therapiedauer beträgt bei unkomplizierter CAP in der Regel 5 Tage unter klinischer Stabilisierung; spezielle Ätiologien können längere Dauern erfordern.

Bei der CAP erfolgt die Schweregradeinteilung über den CRB-65-Index (je 1 Punkt: Confusion, Atemfrequenz ≥ 30/min, RR systolisch < 90 oder diastolisch ≤ 60 mmHg, Alter ≥ 65 Jahre): 0 = leichtgradig/ambulant, 1 = mittelschwer/ggf. stationär, ≥ 2 = schwer/intensivmedizinische Betreuung (plus Major-/Minor-Kriterien). Zusätzlich werden Risikofaktoren berücksichtigt (antibiotische Vorbehandlung, Begleiterkrankungen wie COPD/HIV, Pflegeheimaufenthalt).

Bei der HAP entscheidet das Risiko für multiresistente Erreger (MRE) (u. a. Intensivaufenthalt, strukturelle Lungenerkrankung, antiinfektive Vorbehandlung, late onset ab Tag 5, invasive Beatmung > 4–6 Tage, Langzeitpflege/Tracheostoma/Dialyse, Malnutrition, bekannte MRE-Kolonisation) über die Eskalation der kalkulierten Therapie.

  • leichtgradige CAP ohne Risikofaktoren: Amoxicillin (nach Pneumokokken-Nachweis Penicillin G); Alternativen: Fluorchinolon (Moxi-/Levofloxacin, ❌ KI beachten), Makrolid (Azithro-/Clarithromycin) oder Doxycyclin.
  • leichtgradige CAP mit Risikofaktoren: Amoxicillin/Clavulansäure (oder Sultamicillin); Alternativen: Fluorchinolon oder Cephalosporin (Cefuroxim, Cefpodoxim).
  • schwere/hospitalisierte CAP ohne Pseudomonas-Risiko: Betalaktam + Betalaktamaseinhibitor (Amoxicillin/Clavulansäure, Ampicillin/Sulbactam) oder Ceftriaxon/Cefotaxim, bei schwerer CAP ggf. plus Makrolid; Alternative Fluorchinolon.
  • schwere CAP mit Pseudomonas-Risiko: pseudomonasaktives Betalaktam (Piperacillin/Tazobactam, Cefepim, Imipenem/Meropenem) plus Fluorchinolon (Levo-/Ciprofloxacin) oder Ceftazidim.
  • HAP mit MRE-Risiko: pseudomonaswirksames Betalaktam (Piperacillin/Tazobactam, Cefepim/Ceftazidim, Imipenem/Meropenem) + Fluorchinolon oder Aminoglykosid; bei MRSA-Verdacht zusätzlich Linezolid oder Vancomycin.
  • gezielt nach Erreger: MRSA → Vancomycin/Teicoplanin/Linezolid (schwer: Vancomycin + Rifampicin); Pseudomonas → pseudomonaswirksames Betalaktam ± Aminoglykosid/Fluorchinolon; ESBL → Carbapeneme; bei Carbapenem-Resistenz Colistin (kombiniert).
  • symptomatisch: Antipyretika, Sauerstoffgabe, Flüssigkeitszufuhr, ggf. Expektoranzien.
  • Therapieversagen = keine Besserung nach 72 h (oder Rezidiv/> 1 Pneumonie pro Jahr) → invasive Ätiologie-Diagnostik, erweiterte Bildgebung.
  • Falle:orale Cephalosporine sollen nicht zur CAP-Initialtherapie eingesetzt werden (regelhafte Unterdosierung, ESBL-Ausbreitung, C.-difficile-Selektion).

Komplikationen und Prävention

Komplikationen: Sepsis, ARDS, Pleuraerguss, Pleuritis, Lungenabszess. Die Prognose hängt u. a. von Schweregrad, Alter und Komorbidität ab.

  • Prävention: Pneumokokken- und Influenza-Impfung, COVID-19-Impfung; Dysphagie-Screening (Cave Aspirationspneumonie); kritische Prüfung von PPI und ICS in der Dauermedikation.
  • Leitalgorithmus: Ort (CAP/HAP)ErregerCRB-65 bzw. MRE-Risikokalkulierte AntibioseDeeskalation nach 48–72 h.
  • CAP-Diagnose = Röntgen-Infiltrat + ≥ 2 Nebenkriterien; Amoxicillin bei leichter CAP.
  • Bronchopneumogramm = Lobärpneumonie; interstitielle Klinik-Bild-Diskrepanz = atypische Pneumonie.
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Pneumonie

Terminologie und Patientensprache

Pneumonie (die Pneumonie, Plural: die Pneumonien) heißt für Patientinnen und Patienten Lungenentzündung. Geläufige Kürzel: CAP (ambulant erworbene Pneumonie, „community-acquired pneumonia“) und HAP (im Krankenhaus erworbene/nosokomiale Pneumonie, „hospital-acquired pneumonia“).

  • Pneumonie → „Lungenentzündung
  • Sputum (purulent) → „Auswurf“ (eitriger Schleim); produktiver Husten → „Husten mit Auswurf“, trockener Husten → „Husten ohne Auswurf, Reizhusten“.
  • Dyspnoe → „Atemnot, Kurzatmigkeit“; Tachypnoe → „beschleunigte Atmung“.
  • Antibiotikum → „Medikament gegen Bakterien“; Breitbandantibiotikum → „Antibiotikum, das gegen viele Bakterien wirkt“.
  • kalkulierte Antibiose → die Antibiotikatherapie, die noch vor dem Erregernachweis anhand des wahrscheinlichsten Erregerspektrums begonnen wird.

❗ Die Pneumonie – umgangssprachlich Lungenentzündung – ist eine akute, meist infektiöse Entzündung des Lungengewebes. Für das Anamnese- und Aufklärungsgespräch sind klare Fachbegriffe, ihre patientennahe Übersetzung und die wichtigsten Anamnesefragen entscheidend.

Röntgen-Thorax einer Lobärpneumonie im linken Oberlappen; Pfeile markieren die scharfe Abgrenzung der Verschattung an der Lappengrenze zum Unterlappen.
Hellerhoff · Lobaerpneumonie · CC BY-SA 3.0 · via Wikimedia Commons
CT-Thorax desselben Patienten mit lobärer Konsolidierung im rechten Mittellappen.
Mikael Häggström , M.D · CT of lobar pneumonia · CC0 · via Wikimedia Commons
Schematische Körperübersicht der wichtigsten Pneumonie-Symptome (u. a. Fieber, Husten mit Auswurf, Atemnot, Brustschmerz).
Mikael Häggström · Symptoms of pneumonia · Public domain · via Wikimedia Commons

Wichtige Anamnesefragen

Bei Verdacht auf eine Lungenentzündung fragen Sie gezielt nach Beschwerden, Vorerkrankungen und Risikofaktoren – höflich in der Sie-Form.

  • ❗ „Haben Sie Fieber oder Schüttelfrost gehabt?“
  • „Haben Sie Hustenmit oder ohne Auswurf? Welche Farbe hat der Auswurf?“
  • „Leiden Sie unter Atemnot oder Schmerzen beim Atmen?“
  • „Hatten Sie kürzlich einen Atemwegsinfekt oder eine Erkältung?“
  • „Bestehen Vorerkrankungen der Lunge, etwa eine COPD? Rauchen Sie?“
  • „Waren Sie zuletzt im Krankenhaus oder im Ausland?“

Befund und Vorgehen kurz

❗ Die typische Pneumonie beginnt akut mit hohem Fieber und produktivem Husten, die atypische eher schleichend mit trockenem Husten. Die zentrale Untersuchung ist das Röntgenbild der Lunge, das ein Infiltrat (Verschattung) zeigt. Behandelt wird zügig mit einem Antibiotikum, anfangs als kalkulierte (Breitband-)Therapie.

  • Kernsatz für Patienten: „Sie haben eine Lungenentzündung. Wir beginnen rasch mit einem Antibiotikum und passen die Behandlung später an die Untersuchungsergebnisse an.“
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Pneumonie

Terminologie und Patientensprache

Die Pneumonie (die Pneumonie, Genitiv: der Pneumonie, Plural: die Pneumonien) ist für Laien die Lungenentzündung. Im Gespräch mit Patientinnen und Patienten übersetzen Sie Fachbegriffe konsequent in Alltagssprache, im Team verwenden Sie die Fachtermini.

Die klinisch wichtigste Einteilung ist die nach dem Ort der Infektion: die ambulant erworbene Pneumonie (CAP) entsteht außerhalb des Krankenhauses, die nosokomiale/im Krankenhaus erworbene Pneumonie (HAP) während eines stationären Aufenthalts; eine Sonderform der HAP ist die beatmungsassoziierte Pneumonie (VAP).

  • Pneumonie → „Lungenentzündung“; Lungenparenchym → „das Lungengewebe“.
  • Sputum, produktiver Husten → „Auswurf“, „Husten mit Auswurf“; purulent → „eitrig“; Hämoptyse → „Bluthusten, Blut im Auswurf“.
  • Dyspnoe/Tachypnoe → „Atemnot“, „beschleunigte Atmung“; pleuritischer Schmerz → „atemabhängige Schmerzen im Brustkorb“.
  • Infiltrat → „Verschattung / ein Entzündungsherd im Röntgenbild“; Pleuraerguss → „Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustfell“.
  • kalkulierte Antibiose → „die Antibiotikatherapie, die wir vor dem Erregernachweis nach dem wahrscheinlichsten Erreger auswählen“; Breitbandantibiotikum → „wirkt gegen viele Bakterien“; Deeskalation → „gezielte Umstellung auf ein passgenaues Antibiotikum, sobald der Erreger bekannt ist“.
  • ExpektoranzienHustenlöser (Sekretolytika/Mukolytika); Antipyretikum → „fiebersenkendes Mittel“; meldepflichtig → „muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden“ (z. B. bei MRSA-Nachweis).

❗ Die Pneumonie – die Lungenentzündung – ist eine akute, fast immer infektiöse Entzündung des Lungengewebes. Dieser Überblick verbindet die wichtigsten Fachbegriffe mit patientennaher Sprache, strukturiert das Anamnesegespräch und die Aufklärung und liefert Formulierungen für die Übergabe im Team.

Röntgen-Thorax einer Lobärpneumonie im linken Oberlappen; Pfeile markieren die scharfe Abgrenzung der Verschattung an der Lappengrenze zum Unterlappen.
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CT-Thorax desselben Patienten mit lobärer Konsolidierung im rechten Mittellappen.
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Schematische Körperübersicht der wichtigsten Pneumonie-Symptome (u. a. Fieber, Husten mit Auswurf, Atemnot, Brustschmerz).
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Anamnese – strukturiert fragen

Erheben Sie gezielt Symptome, Verlauf, Vorerkrankungen und Risikofaktoren. Anamnestisch ist bei Verdacht auf eine Pneumonie nach einer schweren Grunderkrankung, einem zurückliegenden Atemwegsinfekt, einer Immunsuppression sowie einem vorangegangenen Krankenhaus- oder Auslandsaufenthalt zu fragen.

  • ❗ Leitsymptome: „Seit wann haben Sie Fieber? Hatten Sie Schüttelfrost?“ – „Haben Sie Husten, mit oder ohne Auswurf? Welche Farbe und Menge hat der Auswurf? Ist Blut dabei?“
  • Atmung/Schmerz: „Haben Sie Atemnot – in Ruhe oder bei Belastung? Tut das Atmen weh?“
  • Verlauf: „Kam das plötzlich oder eher langsam über Tage?“ (akut spricht für eine typische, schleichend für eine atypische Pneumonie).
  • Vorerkrankungen/Risiken: „Haben Sie Lungenerkrankungen wie eine COPD? Rauchen Sie, und wenn ja, wie viel?“ – „Nehmen Sie Medikamente, die das Immunsystem schwächen?“
  • Kontext: „Waren Sie kürzlich im Krankenhaus, in Pflege oder im Ausland? Hatten Sie vorher einen grippalen Infekt?“ – „Haben Sie Probleme beim Schlucken?“ (Hinweis auf Aspirationsgefahr).

Klinik und Untersuchung erklären

❗ Die typische Pneumonie beginnt akut mit Fieber über 38,5 °C und Schüttelfrost, Atemnot, deutlichem Krankheitsgefühl und Husten mit reichlich eitrigem Auswurf; oft besteht zusätzlich eine Brustfellentzündung (Pleuritis) mit atemabhängigen Schmerzen. Die atypische Pneumonie beginnt schleichend mit langsam steigendem, niedrigerem Fieber und eher trockenem Husten bei insgesamt geringeren Beschwerden.

Bei der körperlichen Untersuchung können sich ein gedämpfter Klopfschall, feinblasige Rasselgeräusche und ein verstärkter Stimmfremitus finden; bei der atypischen Pneumonie ist der Untersuchungsbefund oft unauffällig. Erklären Sie patientennah: „Ich höre Ihre Lunge ab und klopfe den Brustkorb ab, um die Entzündung zu lokalisieren.“

Diagnostik patientennah erklären

❗ Die wichtigste Untersuchung ist das Röntgenbild der Lunge, das eine Verschattung (Infiltrat) sichtbar macht. Ergänzend bestimmen wir Entzündungswerte im Blut und gewinnen bei schwereren Verläufen Material für den Erregernachweis.

Formulierungsbeispiele: „Wir machen ein Röntgenbild der Lunge, um die Entzündung zu sehen.“ – „Wir nehmen Ihnen Blut ab und prüfen die Entzündungswerte.“ – „Wir untersuchen Ihren Auswurf und nehmen Blutkulturen ab, um den Erreger zu bestimmen.“

  • Blutkulturen → „Blutproben, mit denen wir prüfen, ob Bakterien ins Blut gelangt sind“.
  • Bronchoskopie → „Lungenspiegelung – eine Untersuchung der Atemwege mit einem dünnen Schlauch“ (bei beatmeten oder immungeschwächten Patienten, unklaren Befunden).

Therapie und Aufklärung

❗ Behandelt wird die bakterielle Pneumonie mit einem Antibiotikum, das möglichst früh begonnen wird. Anfangs erfolgt eine kalkulierte (Breitband-)Therapie; sobald der Erreger bekannt ist, wird gezielt umgestellt (Deeskalation). Unterstützend kommen fiebersenkende Mittel, Sauerstoff, ausreichend Flüssigkeit und ggf. Hustenlöser zum Einsatz.

Aufklärungsbeispiele in der Sie-Form: „Sie haben eine Lungenentzündung. Das kann ernst sein, lässt sich aber meist gut mit Antibiotika behandeln.“ – „Wir beginnen rasch mit der Behandlung, um ein Fortschreiten der Entzündung zu verhindern.“ – „Am Anfang geben wir ein Breitbandantibiotikum, das gegen viele Bakterien wirkt; sobald wir den Erreger kennen, passen wir die Therapie an.“ – „Selten können sich die Bakterien im Körper ausbreiten und eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen – deshalb behandeln wir frühzeitig.“

  • Vorbeugung ansprechen: Pneumokokken- und Grippeschutzimpfung empfehlen; bei Schluckstörungen an die Aspirationsgefahr denken.
  • mögliche Komplikationen patientennah benennen: Blutvergiftung (Sepsis), Flüssigkeit im Rippenfell (Pleuraerguss), Lungenabszess.

Übergabe im Team (SBAR)

Strukturieren Sie die Übergabe knapp und vollständig: Situation – „Frau X, 60 Jahre, mit Verdacht auf eine ambulant erworbene Pneumonie.“ Background – „Seit zwei Tagen Fieber, produktiver Husten und Atemnot; Raucherin, bekannte COPD.“ Assessment – „Im Röntgen-Thorax ein Infiltrat im rechten Unterlappen, CRB-65 1 Punkt, Sauerstoffsättigung 93 %.“ Recommendation – „Ich schlage eine stationäre Aufnahme, Blutkulturen und den Beginn einer kalkulierten Antibiose vor.“

  • Roter Faden im Gespräch: Lungenentzündung benennen → Anamnese strukturiert erheben → Röntgen + Blut erklären → Antibiotikum (erst kalkuliert, dann gezielt) ankündigen.
  • Stets Sie-Form, kurze Sätze, Fachbegriff plus Übersetzung („eine Pneumonie, also eine Lungenentzündung“).
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Pneumonie

❗ In der Vorklinik zählt bei der Pneumonie nicht die Therapie, sondern die vorklinische Grundlage: Wo genau spielt sich die Entzündung ab, und welche normale Lungenfunktion wird dadurch gestört? Der Ort ist das Lungenparenchym – konkret die Alveolen und das Interstitium an der Blut-Luft-Schranke, jener Struktur, über die im gesunden Zustand der Gasaustausch abläuft.

Anatomische und histologische Grundlagen

Die Atemluft erreicht das Parenchym über den Bronchialbaum (Trachea → Bifurkation → Haupt-, Lappen-, Segmentbronchien → Bronchiolen). Am Ende stehen die Alveolen, ausgekleidet von Pneumozyten Typ I (flaches Epithel für die Diffusion) und Pneumozyten Typ II (bilden das Surfactant). Die Alveolarwand bildet zusammen mit dem Kapillarendothel und den verschmolzenen Basalmembranen die dünne Blut-Luft-Schranke.

  • Lungenparenchym = alveoläres Gasaustauschgewebe; hier setzt die alveoläre Pneumonie an.
  • Blut-Luft-Schranke: Alveolarepithel (Typ-I-Pneumozyt) + fusionierte Basalmembran + Kapillarendothel – so dünn, dass O₂ und CO₂ per Diffusion passieren.
  • Interstitium = das schmale Bindegewebe zwischen Alveolarepithel und Kapillare; hier spielt sich die interstitielle (atypische) Pneumonie ab.
  • Die Lunge gliedert sich rechts in drei, links in zwei Lappen – Grundlage dafür, dass eine Lobärpneumonie einen ganzen Lappen erfassen kann.

Physiologie – warum die Funktion leidet

❗ Normalerweise diffundiert O₂ von der Alveole ins Kapillarblut, CO₂ in umgekehrter Richtung; die treibende Kraft ist die Partialdruckdifferenz. Füllt sich der Alveolarraum entzündlich mit Exsudat, verlängert sich die Diffusionsstrecke und die für den Gasaustausch verfügbare Fläche schrumpft – der Gasaustausch verschlechtert sich.

  • ❗ Ein mit Exsudat gefüllter, aber weiter durchbluteter Lungenabschnitt wird ventiliert unzureichend – das Ventilations-Perfusions-Verhältnis sinkt, es entsteht eine funktionelle Shunt-Perfusion mit Hypoxämie.
  • Der Euler-Liljestrand-Mechanismus (hypoxische Vasokonstriktion) drosselt die Durchblutung schlecht belüfteter Bezirke und begrenzt so den Shunt-Effekt.
  • Surfactant senkt die Oberflächenspannung und hält die Alveolen offen; sein Verlust bei Entzündung begünstigt den Alveolarkollaps.

Abwehr – die entzündliche Grundlage

❗ Eine Pneumonie ist eine Entzündungsreaktion auf einen Erreger. Alveolarmakrophagen und einwandernde neutrophile Granulozyten bekämpfen die Erreger; Zytokine (u. a. Interleukine, TNF-α) steuern die Reaktion und lösen über den Hypothalamus Fieber aus. Das entzündliche Exsudat im Alveolarraum ist das morphologische Korrelat dieser Abwehr.

  • Merke: Alveole + Blut-Luft-Schranke = Ort des Gasaustausches → Entzündung dort → gestörte Diffusion und Hypoxämie.
  • Pneumozyt Typ I = Diffusion, Pneumozyt Typ II = Surfactant.
  • Klinischer Bezug (kurz): Dass die Pneumonie später Dyspnoe und Sättigungsabfall macht, ist die direkte Folge dieser gestörten Vorklinik-Physiologie.
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Pneumonie

❗ Aus Vorklinik-Sicht ist die Pneumonie das Musterbeispiel dafür, wie eine Entzündung eine physiologische Grundfunktion – den Gasaustausch – lahmlegt. Die Grundlagen dazu liefern die Anatomie und Histologie des Atmungssystems, die Atmungsphysiologie und die Immun-/Entzündungsbiologie. Diese Foundation gehört zur Vorklinik; das klinische Management gehört in spätere Abschnitte.

Anatomische Grundlagen

Die luftleitenden Wege reichen von der Trachea über die Bifurcatio tracheae in den rechten und linken Hauptbronchus; es folgen Lappen- und Segmentbronchien und schließlich die Bronchioli. Der Übergang von der luftleitenden zur respiratorischen Zone erfolgt an den Bronchioli respiratorii, an denen erste Alveolen sitzen. Die rechte Lunge hat drei, die linke zwei Lappen; die feinere Gliederung in bronchopulmonale Segmente erklärt, warum sich Infiltrate an Lappen- oder Segmentgrenzen halten können (Lobärpneumonie) oder nicht (Bronchopneumonie).

Die Lunge ist von der Pleura überzogen (Pleura visceralis und parietalis mit dem Pleuraspalt dazwischen). Diese Topografie ist die Grundlage dafür, dass eine bis an die Oberfläche reichende Entzündung die Pleura mitbeteiligt und dass sich ein Pleuraerguss im Pleuraspalt ansammeln kann.

  • Bronchialbaum: Trachea → Bifurkation → Haupt-/Lappen-/Segmentbronchien → Bronchiolen → Bronchioli respiratorii → Ductus alveolares → Alveolen.
  • bronchopulmonale Segmente als anatomische Baueinheiten – morphologische Basis der Verschattungsmuster.
  • Pleura visceralis/parietalis und Pleuraspalt – Grundlage von Pleurabeteiligung und Ergussbildung.

Histologie der Gasaustauschzone

❗ Die Alveolarwand ist der Ort des Gasaustausches. Sie wird von zwei Epitheltypen ausgekleidet: Pneumozyten Typ I (extrem flache Deckzellen, die ~90 % der Alveolaroberfläche bedecken und die kurze Diffusionsstrecke bilden) und Pneumozyten Typ II (kubisch, produzieren Surfactant und dienen als Stammzellreserve). In den Alveolen liegen zusätzlich Alveolarmakrophagen als ortsständige Abwehrzellen.

Die Blut-Luft-Schranke entsteht aus Typ-I-Pneumozyt, der verschmolzenen Basalmembran und dem Kapillarendothel. Ihre geringe Dicke ist Voraussetzung für eine effiziente Diffusion – jede entzündliche Verbreiterung (Exsudat, Ödem, zelluläre Infiltration) vergrößert die Diffusionsstrecke.

  • Pneumozyt Typ I – Diffusionsfläche; Pneumozyt Typ II – Surfactant + Regeneration.
  • Blut-Luft-Schranke = Alveolarepithel + fusionierte Basalmembran + Kapillarendothel.
  • Alveolarmakrophagen – erste zelluläre Abwehr im Alveolarraum.
  • ⚠️ Verwechslungsgefahr: alveolär (Entzündung im Luftraum → typische/Lobärpneumonie) vs. interstitiell (Entzündung im Bindegewebe der Wand → atypische Pneumonie).

Physiologie

❗ Der Gasaustausch beruht auf Diffusion entlang der Partialdruckgradienten: O₂ tritt aus der Alveole (hoher pO₂) ins Kapillarblut über, CO₂ in umgekehrter Richtung. Die Diffusionsrate hängt von Fläche, Diffusionsstrecke und Partialdruckdifferenz ab (Prinzip nach Fick). Eine Pneumonie verschlechtert den Gasaustausch, weil das alveoläre Exsudat die Fläche verkleinert und die Strecke verlängert.

Entscheidend ist zudem das Ventilations-Perfusions-Verhältnis (V̇/Q̇). Ein mit Exsudat gefüllter Alveolarbezirk wird kaum noch ventiliert, bleibt aber durchblutet: Das Blut fließt an nicht am Gasaustausch teilnehmenden Alveolen vorbei – eine funktionelle Shunt-Perfusion mit arterieller Hypoxämie. Der Euler-Liljestrand-Mechanismus (hypoxische pulmonale Vasokonstriktion) verengt die Gefäße in schlecht belüfteten Arealen und lenkt Blut in besser belüftete Bezirke um, wodurch der Shunt teilweise kompensiert wird.

Der O₂-Transport im Blut erfolgt überwiegend gebunden an Hämoglobin; die Sauerstoffbindungskurve beschreibt die Sättigung in Abhängigkeit vom pO₂. Sinkt der alveoläre Gasaustausch, fällt die O₂-Sättigung – die messbare Sauerstoffsättigung ist damit ein direkter Ausdruck der gestörten Atmungsphysiologie.

  • Diffusion ∝ Fläche × Partialdruckdifferenz / Diffusionsstrecke – alle drei Größen verschlechtert die Pneumonie.
  • V̇/Q̇-Mismatch durch belüftungsgestörte, aber perfundierte Alveolen → ShuntHypoxämie.
  • Euler-Liljestrand: hypoxische Vasokonstriktion begrenzt den Shunt.
  • Surfactant (Typ-II-Pneumozyt) senkt die Oberflächenspannung und stabilisiert die Alveolen gegen Kollaps (Laplace-Beziehung: kleine Radien benötigen mehr Stabilisierung).
  • Atemantrieb wird zentral über CO₂/pH und periphere Chemorezeptoren (O₂) geregelt; Hypoxämie und Fieber steigern die Atemfrequenz (Tachypnoe als physiologische Antwort).

Immunologische und biochemische Grundlagen

❗ Die Pneumonie ist eine lokale Entzündungsreaktion. Nach dem Erregerkontakt aktivieren Alveolarmakrophagen die angeborene Abwehr und locken über Chemokine neutrophile Granulozyten an, die ins Alveolarlumen einwandern – das entstehende Exsudat ist das histologische Korrelat des Infiltrats. Zytokine wie Interleukin-1, Interleukin-6 und TNF-α vermitteln die systemischen Zeichen: Sie wirken als endogene Pyrogene auf den Hypothalamus und lösen Fieber aus, und IL-6 stimuliert in der Leber die Bildung von Akute-Phase-Proteinen (z. B. CRP).

Damit lässt sich die klinische Konstellation vorklinisch herleiten: Die Erhöhung von Leukozyten und CRP ist Ausdruck der Zytokin-gesteuerten Akutphase, das Fieber die Folge der pyrogenen Zytokinwirkung. Diese Kausalkette gehört zur Immun- und Entzündungsbiologie der Vorklinik.

  • angeborene Abwehr: Alveolarmakrophagen → Chemokine → neutrophile Granulozyten → alveoläres Exsudat.
  • Zytokine (IL-1, IL-6, TNF-α): Fieber (Pyrogene am Hypothalamus) + hepatische Akute-Phase-Antwort (CRP).
  • spezifische Abwehr: humorale (Antikörper) und zelluläre Immunität ergänzen die unspezifische Erregerabwehr.

Klinischer Bezug (kurz)

Warum das später klinisch zählt: Dyspnoe und Tachypnoe, der Sättigungsabfall und das Fieber – die Leitzeichen der Pneumonie – sind nichts anderes als die direkten Folgen der hier beschriebenen Vorklinik-Physiologie (gestörte Diffusion, V̇/Q̇-Mismatch, Zytokinwirkung). Wer die Foundation versteht, versteht das spätere klinische Bild. Diagnostik, Erregerspektrum und Therapie sind Stoff der klinischen Abschnitte, nicht der Vorklinik.

  • Roter Faden: Alveole/Blut-Luft-Schranke (Struktur) → Diffusion & V̇/Q̇ (Funktion) → Zytokin-Entzündung (Reaktion) → daraus folgt das klinische Bild.
  • Typ-I-Pneumozyt = Gasaustausch, Typ-II-Pneumozyt = Surfactant; Blut-Luft-Schranke = dünnste Diffusionsbarriere.
  • V̇/Q̇-Mismatch + Shunt erklären die Hypoxämie; IL-1/IL-6/TNF-α erklären Fieber und CRP-Anstieg.
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