MigrÀne
â Die MigrĂ€ne ist eine komplexe neuronale Funktionsstörung (idiopathische Kopfschmerzerkrankung) mit rezidivierenden, typischerweise einseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen ĂŒber 4â72 Stunden, begleitet von vegetativen Symptomen (Ăbelkeit/Erbrechen) und Ăberempfindlichkeit gegen Licht und GerĂ€usche. Klinische Diagnose nach Anamnese und Kriterien (ICHD-3); Bildgebung nur zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen.
Einteilung und Phasen
Eingeteilt wird nach dem Vorhandensein einer Aura: MigrÀne ohne Aura (hÀufiger) und MigrÀne mit Aura. Sonderformen sind u. a. die hemiplegische MigrÀne (im Rahmen der Aura vollstÀndig reversible Hemiparese/Hemiplegie), die MigrÀne mit Hirnstammaura ("BasilarismigrÀne") und die vestibulÀre MigrÀne (rezidivierende Dreh- und Schwankschwindelepisoden).
- â Der Anfall verlĂ€uft in Phasen: Prodromalstadium (z. B. StimmungsverĂ€nderungen, HeiĂhunger, Ăbererregbarkeit) â ggf. Aura â Kopfschmerzphase â RĂŒckbildungs-/Postdromphase (bis 24 h, Erschöpfung).
- Aura unmittelbar (max. 1 h) vor der Kopfschmerzphase, Dauer ca. 30 min, nicht lÀnger als 60 min, vollstÀndig reversibel; typisch sind wandernde, sich ausbreitende neurologische Störungen (Flimmerskotom/Photopsien, Skotome, Hemianopsie, ParÀsthesien/HypÀsthesien, Sprachstörungen wie Aphasie).
- Kopfschmerz meist hemikraniell/einseitig (Seitenwechsel und holokranielle Ausbreitung möglich), auch frontal/retroorbital; IntensitĂ€t mĂ€Ăig bis stark, QualitĂ€t pulsierend, VerstĂ€rkung durch körperliche RoutineaktivitĂ€t.
Diagnostik (ICHD-3)
â Die Diagnose ist klinisch und folgt den Kriterien der ICHD-3 (International Headache Society). Bei einer ersten Episode mit typischer Symptomatik kann die Diagnose noch nicht sicher gestellt werden â es braucht eine ausreichende Attackenzahl in der Anamnese.
- MigrĂ€ne ohne Aura: (A) mindestens 5 Attacken; (B) Dauer unbehandelt 4â72 h; (C) mindestens 2 von 4 Charakteristika (einseitig, pulsierend, mittlere bis starke IntensitĂ€t, VerstĂ€rkung durch RoutineaktivitĂ€t); (D) mindestens 1 vegetatives Symptom (Ăbelkeit/Erbrechen oder Photophobie + Phonophobie); (E) nicht besser durch eine andere Diagnose erklĂ€rbar.
- Bei < 5 Attacken, aber erfĂŒllten Kriterien BâD: Klassifikation als "wahrscheinliche MigrĂ€ne ohne Aura".
- MigrĂ€ne mit Aura: wie ohne Aura, zusĂ€tzlich â„ 2 Kriterien (zentral erklĂ€rbare Aurasymptome, Auradauer < 1 h, Intervall AuraâKopfschmerz < 1 h, â„ 1 Symptom entwickelt sich ĂŒber mehrere Minuten).
- â WeiterfĂŒhrende Diagnostik (CCT/cMRT, Lumbalpunktion, Labor) nicht routinemĂ€Ăig â nur zum Ausschluss symptomatischer Ursachen / Differenzialdiagnosen.
Wichtige Differenzialdiagnosen
Die wichtigste Abgrenzung gelingt ĂŒber Schmerzcharakter, Begleitsymptome und Verlauf; bei Aura und atypischen VerlĂ€ufen sind symptomatische Ursachen aktiv auszuschlieĂen.
- Spannungskopfschmerz: dumpf-drĂŒckend, eher holokraniell/kappenartig, geringere BeeintrĂ€chtigung, keine Verschlimmerung bei AktivitĂ€t, keine Ăbelkeit, keine neurologischen AusfĂ€lle; spricht gut auf NSAR (z. B. Diclofenac) an.
- Clusterkopfschmerz (trigeminoautonom): stĂ€rkere IntensitĂ€t, kĂŒrzere Dauer, Seitenkonstanz, ipsilaterale autonome Reizerscheinungen, â Linderung durch Bewegung (Bewegungsdrang) â anders als bei MigrĂ€ne.
- â ïž Warnung bei Verdacht auf Aura/atypischen Verlauf: Schlaganfall (akuter Beginn, Halbseitensymptomatik, keine Licht-/LĂ€rmempfindlichkeit, kardiovaskulĂ€re Risikofaktoren), Subarachnoidalblutung, Sinusvenenthrombose (ĂŒber Tage zunehmend + fokalneurologisch), Hirntumor (v. a. morgendliches Erbrechen, anhaltende AusfĂ€lle), Meningitis, Glaukomanfall.
Therapie
â Akutbehandlung stufenadaptiert: bei leichten bis mittelschweren Attacken NSAR (z. B. Ibuprofen, ASS, Diclofenac), Paracetamol oder Metamizol, kombiniert mit einem Antiemetikum (Metoclopramid oder Domperidon), das zugleich Ăbelkeit lindert und die Analgetika-Resorption verbessert. Bei mittelschweren bis schweren Attacken sind Triptane Mittel der Wahl.
- â Triptane (z. B. Sumatriptan, Zolmitriptan) sind 5-HT1B/1D-Serotoninagonisten; sie wirken ĂŒber Vasokonstriktion zerebraler GefĂ€Ăe und hemmen die GefĂ€Ădilatation der MeningealgefĂ€Ăe â wirken am besten bei frĂŒher Einnahme nach Beschwerdebeginn.
- Cave: â ïž niemals Triptane mit Ergotaminen kombinieren (Gefahr zerebraler Durchblutungsstörungen); Triptane und Ergotamine sind bei relevanten kardio-/zerebrovaskulĂ€ren Erkrankungen kontraindiziert.
- â Prophylaxe (Intervalltherapie) bei hĂ€ufigen, schweren Attacken (Richtwert > 3 schwer behandelbare Attacken/Monat): ÎČ-Blocker (Metoprolol, Propranolol), Flunarizin, Topiramat; bei chronischer MigrĂ€ne Onabotulinumtoxin A und CGRP-/CGRP-Rezeptor-Antikörper (z. B. Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab).
- â Keine Triptane zur Prophylaxe (nur zur Akutbehandlung).
- Status migraenosus: Kopfschmerz > 72 h (3 Tage) â hier ggf. Corticosteroide.
MigrÀne
â Die MigrĂ€ne ist eine komplexe neuronale Funktionsstörung und gehört zu den primĂ€ren (idiopathischen) Kopfschmerzerkrankungen. Kennzeichnend sind rezidivierende, typischerweise einseitige, pulsierende Kopfschmerzen ĂŒber 4â72 Stunden, verbunden mit vegetativen Begleitsymptomen (Ăbelkeit, Erbrechen) und sensorischer Ăberempfindlichkeit gegenĂŒber Licht (Photophobie), GerĂ€uschen (Phonophobie) und GerĂŒchen. Die Diagnose ist klinisch; Zusatzdiagnostik dient allein dem Ausschluss anderer Ursachen.
Epidemiologie und Ătiologie
Frauen sind hĂ€ufiger betroffen als MĂ€nner. Die Erstmanifestation liegt typischerweise im jungen bis mittleren Erwachsenenalter. Die eigentliche Ătiologie ist unbekannt; vermutet wird eine genetische PrĂ€disposition (selten die familiĂ€re hemiplegische MigrĂ€ne).
- Unspezifische Triggerfaktoren können Attacken auslösen: Nahrungsmittel/Substanzen (z. B. Schokolade, Nikotin), Stress ebenso wie die nachfolgende Entspannung ("Wochenend-/EntspannungsmigrÀne"), und bei Frauen hÀufig zyklusassoziiert (menstruelle MigrÀne).
Pathogenese
Pathophysiologisch liegt eine neuronale Funktionsstörung zugrunde, die sich wellenförmig ĂŒber den Kortex ausbreitet ("spreading depression" â Korrelat der Aura). Es kommt zu einer Reaktion der zerebralen GefĂ€Ăe mit ausgeprĂ€gter GefĂ€Ădilatation (u. a. NO-/Stickstoffmonoxid-vermittelt) und zu einer neurogenen EntzĂŒndung mit Freisetzung von Neuropeptiden (z. B. CGRP) aus Afferenzen des N. trigeminus, was den Schmerz auslöst. Dieses trigemino-vaskulĂ€re Konzept erklĂ€rt die Angriffspunkte moderner Therapeutika (Triptane, Gepante, CGRP-Antikörper).
Einteilung
Die MigrÀne wird nach dem Vorhandensein einer Aura eingeteilt in MigrÀne ohne Aura (etwa 75 % der FÀlle; veraltete Begriffe: "einfache MigrÀne", "Hemikranie") und MigrÀne mit Aura (etwa 25 %).
- MigrĂ€ne mit Hirnstammaura (frĂŒher "BasilarismigrĂ€ne") â Unterform der MigrĂ€ne mit Aura.
- Hemiplegische MigrĂ€ne â im Rahmen der Aura vollstĂ€ndig reversible Hemiplegie/Hemiparese, ansonsten typische MigrĂ€nesymptomatik.
- VestibulĂ€re MigrĂ€ne â rezidivierende Dreh- und Schwankschwindelepisoden.
- Daneben werden atypische VerlÀufe abgegrenzt.
Symptomatik (Phasenverlauf)
â Die Attacke verlĂ€uft in Phasen. Das Prodromalstadium (Stunden bis ein Tag vor dem Kopfschmerz) zeigt z. B. StimmungsverĂ€nderungen (depressive Verstimmung), Ăbererregbarkeit und HeiĂhunger. Eine Aura tritt nur in etwa 15â20 % der Attacken auf (entsprechend etwa einem Viertel der Patienten als "MigrĂ€ne mit Aura"), unmittelbar (max. 1 h) vor der Kopfschmerzphase.
- â Aura: Dauer ca. 30 min, nicht lĂ€nger als 60 min, vollstĂ€ndig reversibel; charakteristisch sind wandernde, sich ausbreitende neurologische Störungen.
- Sensorische PhÀnomene: Photopsien (Lichtblitze), beidseitiges "Flimmern", helle gezackte Linien (Flimmerskotom); GesichtsfeldausfÀlle (Skotome, Hemianopsie); SensibilitÀtsstörungen (ParÀsthesien, HypÀsthesien); Paresen (Fazialis-, Hemiparese); Sprachstörungen (Aphasie).
- â Kopfschmerzphase: Lokalisation meist hemikraniell/einseitig (Seitenwechsel und holokranielle Ausbreitung möglich), auch frontal oder retroorbital; Frequenz sehr variabel.
- IntensitĂ€t mĂ€Ăig bis stark mit VerstĂ€rkung durch körperliche RoutineaktivitĂ€t; QualitĂ€t pulsierend (pochend, hĂ€mmernd); Dauer â 4â72 h.
- Begleitend: â Ăbelkeit, Erbrechen, GerĂ€usch- und Lichtempfindlichkeit sowie Geruchsempfindlichkeit. ⥠Hinweis zur Terminologie: "Photophobie/Phonophobie" meint primĂ€r die Ăberempfindlichkeit gegen Licht bzw. GerĂ€usche, nicht eine eigentliche Angst ("-phobie") â das ist eine hĂ€ufige Fehldeutung der Wortbedeutung.
- RĂŒckbildungs-/Postdromphase: bis zu 24 h mit Erschöpfung und Konzentrationsstörungen.
- Status migraenosus: Kopfschmerzdauer > 72 h (3 Tage).
Diagnostik (ICHD-3)
â Die Diagnose stĂŒtzt sich auf die diagnostischen Kriterien der ICHD-3 (International Headache Society). Bei einer ersten Kopfschmerzepisode lĂ€sst sich die Diagnose trotz typischer Symptomatik noch nicht sicher stellen, da die geforderte Attackenzahl noch nicht erreicht ist.
- â MigrĂ€ne ohne Aura â (A) mindestens 5 Attacken; (B) unbehandelt 4â72 h; (C) mindestens 2 von 4: einseitige Lokalisation (Seitenwechsel/holokraniell möglich), pulsierender Charakter, mittlere bis starke IntensitĂ€t, VerstĂ€rkung durch RoutineaktivitĂ€t (z. B. Gehen, Treppensteigen) bzw. deren Vermeidung; (D) mindestens 1 vegetatives Symptom (Ăbelkeit und/oder Erbrechen bzw. Photophobie und Phonophobie); (E) nicht besser durch eine andere ICHD-3-Diagnose erklĂ€rt (anamnestischer/diagnostischer Ausschluss symptomatischer Ursachen).
- Bei < 5 Attacken, aber erfĂŒllten Kriterien BâD: â "wahrscheinliche MigrĂ€ne ohne Aura".
- â MigrĂ€ne mit Aura â Kriterien wie ohne Aura plus â„ 2 zusĂ€tzliche: zentral erklĂ€rbare Symptome wĂ€hrend der Aura, Auradauer < 1 h, Intervall AuraâKopfschmerz < 1 h, â„ 1 Aurasymptom entwickelt sich ĂŒber mehrere Minuten.
- â WeiterfĂŒhrende Diagnostik nicht routinemĂ€Ăig â Bildgebung (CCT, cMRT), Lumbalpunktion und Labordiagnostik nur zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen bzw. symptomatischer Ursachen (Red Flags, atypischer Verlauf, neu/verĂ€ndert).
Differenzialdiagnosen
Die wichtigste Abgrenzung gelingt ĂŒber Schmerzcharakter, Begleitsymptome und Verlauf. â ïž Warnung: Besonders bei (wahrscheinlicher) MigrĂ€ne mit Aura und bei atypischen VerlĂ€ufen mĂŒssen symptomatische Ursachen aktiv ausgeschlossen werden.
- â Spannungskopfschmerz: dumpf-drĂŒckend, eher holokraniell/kappenartig (zieht von hinten ĂŒber den ganzen Kopf), geringere BeeintrĂ€chtigung (mittelstark). Anders als bei MigrĂ€ne: keine Verschlimmerung bei körperlicher AktivitĂ€t, keine Ăbelkeit, keine neurologischen AusfĂ€lle; spricht gut auf NSAR (z. B. Diclofenac) an.
- â Clusterkopfschmerz (trigeminoautonomer Kopfschmerz): stĂ€rkere SchmerzintensitĂ€t, kĂŒrzere Dauer, Seitenkonstanz, ipsilaterale autonome Reizerscheinungen (z. B. Lakrimation, Rhinorrhö, Ptosis) und â Linderung durch Bewegung (Bewegungsunruhe) â im Kontrast zum RĂŒckzug bei MigrĂ€ne. Akuttherapie: Sauerstoff ĂŒber Gesichtsmaske, Triptane (z. B. Sumatriptan s. c.), Lidocain-Nasenspray.
- Zervikogener Kopfschmerz: von nuchal ausstrahlend, eher dauerhaft, nimmt bei bestimmten Kopfbewegungen zu.
- Bei Verdacht auf Aura zusĂ€tzlich: Schlaganfall (akuter Beginn, hĂ€ufig Halbseitensymptomatik, keine Licht-/LĂ€rmempfindlichkeit, anamnestisch kardiovaskulĂ€re Risikofaktoren), Subarachnoidalblutung, Sinusvenenthrombose (ĂŒber Tage bis Wochen zunehmende Kopfschmerzen + fokalneurologische AusfĂ€lle), Hirntumor (v. a. morgendliches Erbrechen, anhaltende neurologische AusfĂ€lle), Meningitis sowie Augenerkrankungen (Glaukomanfall; bei rein visueller Aura ggf. hintere Glaskörperabhebung).
Therapie â Akut und Prophylaxe
â Die Behandlung gliedert sich in Akut-/Anfallsbehandlung und medikamentöse Prophylaxe (Intervalltherapie). AllgemeinmaĂnahmen in der Attacke: Reizabschirmung (Ruhe, abgedunkelter Raum, Bettruhe). Ein Kopfschmerzkalender/Schmerztagebuch unterstĂŒtzt Diagnostik und Therapiesteuerung.
- â Leichte bis mittelschwere Attacken: Analgetikum â NSAR (z. B. Ibuprofen, ASS, Diclofenac), Paracetamol, Metamizol oder Phenazon â plus Antiemetikum (Metoclopramid oder Domperidon), das Ăbelkeit lindert und die Resorption des Analgetikums verbessert.
- â Mittelschwere bis schwere Attacken: â Triptane als Analgetikum der Wahl. â Triptane sind Serotoninagonisten (Typ 5-HT1B/1D); sie bewirken eine Vasokonstriktion zerebraler GefĂ€Ăe und â hemmen die GefĂ€Ădilatation in den MeningealgefĂ€Ăen (z. B. Sumatriptan, Zolmitriptan) â wirken besser bei frĂŒhzeitiger Einnahme nach Beschwerdebeginn; ergĂ€nzend ggf. ein Antiemetikum.
- Cave (Wechselwirkung): â ïž niemals Triptane mit Ergotaminen (Mutterkornalkaloide) kombinieren â Gefahr (zerebraler) Durchblutungsstörungen. Triptane wie Ergotamine sind bei relevanten kardio- und zerebrovaskulĂ€ren Erkrankungen kontraindiziert.
- â Medikamentöse Prophylaxe â Indikation: hĂ€ufige, schwere, rezidivierende Attacken (Richtwert > 3 schwer behandelbare Attacken/Monat bzw. regelmĂ€Ăig prolongierte/komplizierte Attacken). 1. Wahl: ÎČ-Blocker (Metoprolol, Propranolol), Calciumantagonist Flunarizin, Antikonvulsivum Topiramat; bei chronischer MigrĂ€ne Onabotulinumtoxin A.
- Bei Versagen/UnvertrÀglichkeit klassischer Prophylaktika: CGRP-/CGRP-Rezeptor-Antikörper (Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab, Eptinezumab) als migrÀnespezifische Prophylaxe. ValproinsÀure ist zwar wirksam, bei Frauen im gebÀrfÀhigen Alter wegen TeratogenitÀt aber nur unter strenger Kontrazeption/Indikation einsetzbar.
- â Triptane sind nicht zur Prophylaxe geeignet (nur zur Akutbehandlung).
- Status migraenosus (Kopfschmerz > 72 h): ggf. Corticosteroide.
MigrÀne
Terminologie und Patientensprache
Aussprache MigrĂ€ne [migrĂ€:ne]; gegenĂŒber Patientinnen und Patienten genĂŒgt der Begriff "MigrĂ€ne" â eine "sogenannte" MigrĂ€ne, also eine besondere Form von wiederkehrenden Kopfschmerzen.
- Photophobie = Lichtempfindlichkeit (Empfindlichkeit gegenĂŒber hellem, grellem = intensivem/hellem Licht).
- Phonophobie = LĂ€rm-/GerĂ€uschempfindlichkeit (Empfindlichkeit gegenĂŒber GerĂ€uschen).
- Aura = vorĂŒbergehende Wahrnehmungs- oder Empfindungsstörungen vor den Kopfschmerzen, z. B. "Lichtblitze", "Flimmern" vor den Augen, Kribbeln.
- pulsierend = im PatientengesprÀch: "pochend", "hÀmmernd".
- Triptane = "sogenannte Triptane", also spezielle Medikamente gegen den MigrÀneanfall.
â Die MigrĂ€ne ist eine komplexe neuronale Funktionsstörung â eine Form des chronischen, anfallartig in Episoden auftretenden Kopfschmerzes mit starken, meist einseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen ĂŒber 4â72 Stunden, begleitet von Ăbelkeit/Erbrechen und Licht- und GerĂ€uschempfindlichkeit. FĂŒr das PatientengesprĂ€ch zĂ€hlen klare, beruhigende ErklĂ€rungen und eine saubere Anamnese.
Anamnese â wichtige Fragen
Mit einer offenen Eingangsfrage beginnen, dann gezielt Schmerzcharakter, Begleitsymptome, Verlauf und Auslöser erfragen.
- Sind die Kopfschmerzen einseitig oder beidseitig? Wie fĂŒhlen sie sich an â eher pochend/pulsierend oder dumpf-drĂŒckend?
- Wie stark sind die Schmerzen, und werden sie bei Bewegung (Treppensteigen, Gehen) stÀrker?
- Wie lange dauert ein Anfall (Stunden, bis zu drei Tagen)? Wie oft treten die AnfÀlle auf?
- Ist Ihnen dabei ĂŒbel, mĂŒssen Sie sich ĂŒbergeben? Stören Sie Licht und GerĂ€usche?
- Bemerken Sie vorher Warnzeichen â Sehstörungen, Lichtblitze, Kribbeln, Sprachprobleme (Hinweis auf eine Aura)?
- Gibt es Auslöser (Stress, Entspannung am Wochenende, bestimmte Nahrungsmittel, Monatszyklus)?
ErklĂ€rung und Vorgehen fĂŒr das PatientengesprĂ€ch
HĂ€ufige Sorge: "Ich habe Angst, dass das Krebs oder ein Hirntumor ist." Beruhigend, aber ehrlich antworten: Das ist unwahrscheinlich, weil die typischen Zeichen eines Hirntumors fehlen; man werde es selbstverstĂ€ndlich abklĂ€ren, im Moment spreche aber alles fĂŒr eine MigrĂ€ne. So nehmen Sie die Angst, ohne etwas zu versprechen.
- Diagnose meist anhand der Beschwerden (klinisch); eine Bildgebung (CT/MRT) ist nicht routinemĂ€Ăig nötig, sondern nur zum Ausschluss anderer Ursachen â das in einfachen Worten erklĂ€ren, ebenso ein Kontrastmittel und mögliche Risiken.
- Behandlung im Anfall mit Schmerzmitteln und ggf. "Triptanen"; Medikamente werden nicht dauerhaft regelmĂ€Ăig, sondern bei Bedarf im Anfall eingenommen.
- ZusÀtzlich helfen LebensstilverÀnderungen (Auslöser meiden, Schlaf-/Stressmanagement, Kopfschmerzkalender).
MigrÀne
Terminologie und Patientensprache
Aussprache MigrĂ€ne [migrĂ€:ne]. Im PatientengesprĂ€ch reicht der Begriff "MigrĂ€ne"; intern und im Arztbrief gelten die Fachbegriffe. Wichtig ist, die Fachsprache sauber in die Laiensprache zu ĂŒbersetzen.
- Photophobie â Lichtempfindlichkeit; grell = intensiv/hell.
- Phonophobie â LĂ€rm-/GerĂ€uschempfindlichkeit (Empfindlichkeit gegenĂŒber GerĂ€uschen).
- Sprachlicher Hinweis: "âŠphobie" meint hier primĂ€r die Ăberempfindlichkeit, nicht eine eigentliche Angst â eine daraus folgende "Phobie" ist eher sekundĂ€r.
- Aura = vorĂŒbergehende, vollstĂ€ndig reversible Wahrnehmungs-/Empfindungsstörung; Photopsien = "Lichtblitze", Flimmerskotom = "Flimmern" mit hellen, gezackten Linien; Skotom = Gesichtsfeldausfall; ParĂ€sthesien = "Kribbeln/Ameisenlaufen"; Aphasie = Sprachstörung.
- hemikraniell = einseitig ("nur links/rechts"); holokraniell = den ganzen Kopf betreffend; pulsierend = "pochend, hÀmmernd".
- vegetative Begleitsymptome = Ăbelkeit, Erbrechen; Prodromalstadium = Vorbotenphase; Postdromphase/RĂŒckbildungsphase = Nachphase mit Erschöpfung.
- Status migraenosus/MigrÀnestatus = ein Anfall, der lÀnger als 72 Stunden (3 Tage) anhÀlt.
- Triptane = "sogenannte Triptane", spezielle Anfallsmedikamente; Prophylaxe = vorbeugende Intervalltherapie.
â Die MigrĂ€ne ist eine komplexe neuronale Funktionsstörung â eine Form des chronischen, anfallartig in Episoden auftretenden Kopfschmerzes mit wiederkehrenden, meist einseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen ĂŒber 4â72 Stunden, begleitet von Ăbelkeit/Erbrechen und Ăberempfindlichkeit gegen Licht, GerĂ€usche und GerĂŒche. FĂŒr die FSP zĂ€hlen die richtige Fachterminologie, eine strukturierte Anamnese und patientengerechte, beruhigende ErklĂ€rungen.
Anamnese â strukturierte Fragen
Ziel ist es, die typische MigrĂ€nesymptomatik zu erfassen und Warnzeichen fĂŒr gefĂ€hrliche Ursachen aktiv abzufragen. Eine offene Eingangsfrage, dann gezieltes Nachfragen zu Charakter, Begleitsymptomen, Verlauf und Auslösern.
- Schmerzcharakter: "Sind die Kopfschmerzen einseitig? FĂŒhlen sie sich pochend/pulsierend an? Wie stark sind sie auf einer Skala von 0 bis 10?"
- AktivitÀt: "Werden die Schmerzen schlimmer, wenn Sie sich bewegen, z. B. beim Treppensteigen?"
- Verlauf/Frequenz: "Wie lange dauert ein Anfall? Wie hÀufig haben Sie diese AnfÀlle? Kennen Sie solche Kopfschmerzen schon lÀnger?"
- Begleitsymptome: "Ist Ihnen ĂŒbel, mĂŒssen Sie erbrechen? Stören Sie Licht, LĂ€rm oder GerĂŒche? Ziehen Sie sich dann zurĂŒck?"
- Aura/Vorboten: "Bemerken Sie vorher Sehstörungen, Lichtblitze, Flimmern, Kribbeln oder Sprachprobleme? Wie lange dauert das, bildet es sich vollstĂ€ndig zurĂŒck?"
- Auslöser/Trigger: "Gibt es Auslöser â Stress oder gerade die Entspannung danach, bestimmte Nahrungsmittel (z. B. Schokolade), Nikotin, der Monatszyklus?"
- Red-Flag-Fragen: "Hat der Kopfschmerz plötzlich und sehr heftig begonnen? Haben Sie Fieber, Nackensteife, anhaltende LĂ€hmungen oder morgendliches Erbrechen?" â solche Hinweise sprechen gegen eine einfache MigrĂ€ne.
Klinik und Einordnung (fĂŒr das GesprĂ€ch)
Die Attacke verlĂ€uft in Phasen: Vorbotenphase (Prodromal: Stimmungsschwankungen, HeiĂhunger, Ăbererregbarkeit), bei manchen Patienten eine Aura (max. 1 h vor dem Kopfschmerz, ca. 30 min, nicht lĂ€nger als 60 min, vollstĂ€ndig reversibel), die Kopfschmerzphase und die Nachphase (bis 24 h, Erschöpfung). Eingeteilt wird in MigrĂ€ne ohne Aura (hĂ€ufiger) und MigrĂ€ne mit Aura.
- Kopfschmerz meist einseitig (Seitenwechsel möglich), pulsierend, mĂ€Ăig bis stark, mit VerstĂ€rkung durch körperliche AktivitĂ€t, Dauer 4â72 h.
- Die Aura zeigt sich als wandernde, sich ausbreitende Störungen: SehphÀnomene ("Lichtblitze", "Flimmern"), GesichtsfeldausfÀlle, Kribbeln/Taubheit, selten LÀhmungen oder Sprachstörungen.
- Wichtigste Abgrenzungen im GesprĂ€ch: Spannungskopfschmerz (beidseitig, dumpf-drĂŒckend, keine Ăbelkeit, keine Verschlechterung bei Bewegung) und Clusterkopfschmerz (sehr starke, kĂŒrzere, streng einseitige Attacken mit trĂ€nendem Auge/laufender Nase und Bewegungsunruhe).
Patientengerechte ErklÀrung und Therapie
Patientinnen und Patienten haben oft Angst vor einer ernsten Ursache. HĂ€ufige Frage: "Ich habe Angst, dass das Krebs oder ein Hirntumor ist â kann das sein?" Eine beruhigende, ehrliche Formulierung: "Das ist unwahrscheinlich. Sie haben nicht die typischen Symptome, die fĂŒr einen Hirntumor sprechen wĂŒrden. Wir werden das selbstverstĂ€ndlich untersuchen, aber im Moment ist das unwahrscheinlich."
- Diagnosestellung: meist allein anhand der typischen Beschwerden. ErklĂ€ren: "Eine Bildgebung wie CT oder MRT ist nicht immer nötig â wir setzen sie nur ein, um andere Ursachen auszuschlieĂen." Auf Nachfrage "Was ist das CT?" und "Was ist ein Kontrastmittel?" einfach und ehrlich (auch zu möglichen Risiken) antworten.
- Akutbehandlung: bei leichteren AnfĂ€llen Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, ASS, Paracetamol, Metamizol) zusammen mit einem Mittel gegen Ăbelkeit (Metoclopramid/Domperidon); bei stĂ€rkeren AnfĂ€llen "Triptane" (z. B. Sumatriptan) â am besten frĂŒh im Anfall eingenommen.
- Auf die Frage "Muss ich die Medikamente regelmĂ€Ăig einnehmen?": "Die Anfallsmedikamente nehmen Sie nur bei Bedarf im Anfall ein, nicht tĂ€glich." Eine vorbeugende Dauertherapie kommt nur bei hĂ€ufigen, schweren AnfĂ€llen infrage.
- Warnung: â ïž "Triptane" und sogenannte MutterkornprĂ€parate (Ergotamine) nicht zusammen und nicht bei bestimmten Herz-/GefĂ€Ăerkrankungen einnehmen â hier ist Ă€rztliche AbklĂ€rung wichtig.
- Auf "Was kann ich auĂer Medikamenten noch tun?": LebensstilverĂ€nderungen â Auslöser meiden, regelmĂ€Ăiger Schlaf, Stressabbau, Ausdauerbewegung und ein Kopfschmerzkalender.
- Zu Terminfragen ("Kann ich meine Termine wahrnehmen oder muss ich hierbleiben?") und Verhalten im Anfall klar und ruhig informieren: Reizabschirmung (Ruhe, abgedunkelter Raum) hilft.