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Zellorganellen: Mitochondrien, Lysosomen, Peroxisomen
Mitochondrien sind das Zentrum der oxidativen ATP-Gewinnung (Zitratzyklus, Atmungskette), Lysosomen enthalten saure Hydrolasen zum Abbau zellfremder und zelleigener Bestandteile, Peroxisomen ßbernehmen Fettsäureoxidation und Entgiftung ßber Katalase. Defekte dieser Organellen verursachen charakteristische Speicher- und Stoffwechselkrankheiten.
- â Mitochondrien: Doppelmembran, eigene mtDNA (maternale Vererbung), innere Membran mit Cristae fĂźr Atmungskette und ATP-Synthase
- Lysosomen: saures Milieu (pH ~5), saure Hydrolasen (Proteasen, Lipasen, Glykosidasen), Enzyme werden Ăźber Mannose-6-Phosphat-Markierung vom Golgi angeliefert
- â Lysosomale Speicherkrankheiten: Morbus Gaucher (Glucocerebrosidase-Mangel), Morbus Fabry (Îą-Galactosidase-A-Mangel), Morbus Tay-Sachs (Hexosaminidase-A-Mangel), Mukopolysaccharidosen
- Peroxisomen: Einzelmembran, β-Oxidation sehr langkettiger Fettsäuren, Katalase baut H2O2 ab, Synthese von Plasmalogenen
- Peroxisomale Erkrankung: Zellweger-Syndrom (Peroxisomenbiogenese-Defekt), Adrenoleukodystrophie (Fettsäuretransport-Defekt)
Quellen
- LĂśffler/Petrides âBiochemie und Pathobiochemieâ, 9. Aufl. (Springer)
- Alberts et al. âMolekularbiologie der Zelleâ (Wiley-VCH)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- Alberts et al., Molecular Biology of the Cell, âThe Compartmentalization of Cellsâ (NCBI Bookshelf)
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Zellorganellen: Mitochondrien, Lysosomen, Peroxisomen
Mitochondrien, Lysosomen und Peroxisomen sind funktionell hochspezialisierte, membranumschlossene Kompartimente, deren gestÜrte Funktion jeweils zu klar definierten, oft im Physikum abgefragten Erbkrankheiten fßhrt. Ihr gemeinsames Prinzip ist die räumliche Trennung potenziell gefährlicher (oxidativer, hydrolytischer) Reaktionen vom ßbrigen Zytosol.
Mitochondrien: Struktur und Bioenergetik
Mitochondrien besitzen eine glatte äuĂere und eine stark eingefaltete innere Membran (Cristae), die die Oberfläche fĂźr die Atmungskettenkomplexe IâIV und die ATP-Synthase (Komplex V) vergrĂśĂert. Der Matrixraum enthält die Enzyme des Zitratzyklus, der β-Oxidation und die eigene mitochondriale DNA (mtDNA), die ausschlieĂlich maternal vererbt wird und fĂźr einen Teil der Atmungskettenproteine sowie tRNA/rRNA kodiert (Rest wird kernkodiert und importiert). Die Endosymbiontentheorie erklärt diese Eigenständigkeit durch die evolutionäre Herkunft aus aufgenommenen Alphaproteobakterien.
mtDNA-Mutationen manifestieren sich bevorzugt in Geweben mit hohem Energiebedarf (ZNS, Skelettmuskel, Herz) und zeigen aufgrund der Heteroplasmie eine variable Penetranz â Beispiele sind MELAS-Syndrom und Leber-Optikusatrophie.
Lysosomen: Abbau und Speicherkrankheiten
Lysosomen entstehen durch Fusion später Endosomen mit Vesikeln, die Ăźber den Mannose-6-Phosphat-Rezeptor vom trans-Golgi-Netzwerk lysosomale Hydrolasen erhalten haben. Die vakuoläre H+-ATPase hält das saure Innenmilieu (pH ca. 4,5â5) aufrecht, bei dem die sauren Hydrolasen (Proteasen wie Cathepsine, Lipasen, Nukleasen, Glykosidasen) ihr Aktivitätsoptimum haben â im neutralen Zytosol-pH sind sie kaum aktiv, was bei versehentlicher Freisetzung schĂźtzt.
Lysosomale Speicherkrankheiten entstehen durch den Defekt einzelner Abbauenzyme, wodurch das jeweilige Substrat akkumuliert: Morbus Gaucher (Glucocerebrosidase-Mangel, Glucocerebrosid-Akkumulation, häufigste lysosomale Speicherkrankheit), Morbus Fabry (ι-Galactosidase A, X-chromosomal), Morbus Tay-Sachs (Hexosaminidase A, GM2-Gangliosid-Akkumulation, autosomal-rezessiv, gehäuft bei aschkenasischen Juden), Mukopolysaccharidosen (Defekte im GAG-Abbau, z. B. Morbus Hurler). Die I-Zell-Krankheit (Mucolipidose II) entsteht durch einen Defekt der GlcNAc-Phosphotransferase, wodurch die Mannose-6-Phosphat-Markierung fehlt und lysosomale Enzyme fälschlich sezerniert statt zum Lysosom sortiert werden.
Peroxisomen: Fettsäurestoffwechsel und Entgiftung
Peroxisomen sind von einer Einzelmembran umschlossen und enthalten keine eigene DNA; ihre Matrixproteine werden ßber eine Peroxisomen-Targeting-Sequenz (PTS) posttranslational importiert. Zentrale Funktionen sind die β-Oxidation sehr langkettiger Fettsäuren (> C22, im Gegensatz zur mitochondrialen β-Oxidation fßr kßrzerkettige Fettsäuren), die ι-Oxidation verzweigtkettiger Fettsäuren (z. B. Phytansäure), die Synthese von Plasmalogenen (Membranphospholipide, besonders wichtig im ZNS) sowie der Abbau von Wasserstoffperoxid durch Katalase.
Das Zellweger-Syndrom entsteht durch Mutationen in PEX-Genen, die fĂźr die peroxisomale Biogenese notwendig sind â es fehlen funktionsfähige Peroxisomen vollständig, mit schwerer neurologischer Beeinträchtigung. Die X-chromosomale Adrenoleukodystrophie beruht auf einem Defekt des peroxisomalen ABC-Transporters ABCD1, der den Import sehr langkettiger Fettsäuren in das Peroxisom stĂśrt, sodass diese im Zytosol akkumulieren.
- â Mitochondriale mtDNA wird ausschlieĂlich maternal vererbt â Grundlage fĂźr Heteroplasmie und mitochondriale Erbkrankheiten (z. B. MELAS)
- Lysosomale Hydrolasen benÜtigen sauren pH (~5), erzeugt durch vakuoläre H+-ATPase; Mannose-6-Phosphat dirigiert Enzyme vom Golgi zum Lysosom
- â ď¸ PrĂźfungsfalle: Peroxisomale β-Oxidation fĂźr sehr langkettige Fettsäuren (>C22), mitochondriale β-Oxidation fĂźr kurz- bis langkettige Fettsäuren â beide Organellen betreiben β-Oxidation, aber mit unterschiedlichem Substratspektrum
- Morbus Gaucher = Glucocerebrosidase; Morbus Fabry = Îą-Galactosidase A (X-chromosomal); Morbus Tay-Sachs = Hexosaminidase A â Enzym-Krankheit-Zuordnung ist PrĂźfungsklassiker
- I-Zell-Krankheit: Fehlen der Mannose-6-Phosphat-Markierung fĂźhrt zur Fehlsortierung lysosomaler Enzyme (Sekretion statt Lysosom)
- â ď¸ Zellweger-Syndrom (PEX-Gen, keine Peroxisomen) vs. Adrenoleukodystrophie (ABCD1-Transporterdefekt, Peroxisomen vorhanden aber Fettsäureimport gestĂśrt) â nicht verwechseln
Quellen
- LĂśffler/Petrides âBiochemie und Pathobiochemieâ, 9. Aufl. (Springer)
- Alberts et al. âMolekularbiologie der Zelleâ (Wiley-VCH)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- Alberts et al., Molecular Biology of the Cell, âThe Compartmentalization of Cellsâ (NCBI Bookshelf)