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Stress und Coping-Modelle
Stress entsteht, wenn Anforderungen (Stressoren) die individuell verfügbaren Bewältigungsressourcen übersteigen. Das transaktionale Stressmodell nach Lazarus betont die kognitive Bewertung der Situation als entscheidend. Coping-Strategien werden in problemorientiert und emotionsorientiert unterteilt; das Stress-Diathese-Modell verknüpft Stress mit individueller Vulnerabilität als Krankheitsauslöser.
- ❗ Transaktionales Stressmodell (Lazarus): Stress entsteht durch die kognitive Bewertung (primäre Einschätzung: Bedrohung/Herausforderung; sekundäre Einschätzung: eigene Bewältigungsressourcen), nicht durch den Reiz allein
- Stressreaktion körperlich: Aktivierung der HHNA (Cortisol) und des Sympathikus/Nebennierenmark (Adrenalin, Noradrenalin) – Kampf-oder-Flucht-Reaktion
- Allgemeines Adaptationssyndrom (Selye): unspezifische Stressreaktion in drei Phasen – Alarmreaktion, Widerstands-/Resistenzstadium und Erschöpfungsstadium
- Eustress vs. Distress: positiv aktivierender, leistungsfördernder Stress (Eustress) vs. schädigender, überfordernder Stress (Distress)
- Coping-Strategien: problemorientiert (aktive Veränderung der Situation) vs. emotionsorientiert (Regulation der eigenen Gefühle); beide können funktional oder dysfunktional sein
- Stress-Diathese-Modell: Krankheit entsteht durch Zusammenwirken einer individuellen Vulnerabilität (Diathese, z. B. genetisch/biografisch) und aktuellem Stress als Auslöser
- Chronischer Stress erhöht über anhaltend erhöhtes Cortisol und Sympathikusaktivierung das Risiko für kardiovaskuläre, metabolische und psychische Erkrankungen
Quellen
- Faller/Lang „Medizinische Psychologie und Soziologie“ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
- Salleh: „Life Event, Stress and Illness“, Malays J Med Sci (PMC-Review)
tief · M1
Stress und Coping-Modelle
Stress ist kein reiner Reiz-Reaktions-Mechanismus, sondern nach dem transaktionalen Stressmodell von Lazarus das Ergebnis eines kognitiven Bewertungsprozesses zwischen Person und Umwelt: Erst wenn eine Situation als bedrohlich oder herausfordernd eingeschätzt wird und die verfügbaren Ressourcen als nicht ausreichend erscheinen, entsteht subjektiv erlebter Stress. Physiologisch äußert sich dies in einer Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse und des sympathischen Nervensystems. Coping bezeichnet die Gesamtheit der Bewältigungsversuche, die je nach Situation problem- oder emotionsorientiert ausfallen können, während das Stress-Diathese-Modell erklärt, warum dieselbe Stressbelastung bei unterschiedlichen Menschen zu unterschiedlichen Krankheitsrisiken führt.
Transaktionales Stressmodell und Stressreaktion
Lazarus unterscheidet eine primäre Bewertung (Ist die Situation irrelevant, positiv oder bedrohlich/schädigend/herausfordernd?) und eine sekundäre Bewertung (Welche Ressourcen und Bewältigungsmöglichkeiten stehen mir zur Verfügung?). Erst das Missverhältnis zwischen wahrgenommener Anforderung und wahrgenommenen Ressourcen erzeugt Stress – identische Stressoren können also je nach Person und Kontext unterschiedlich wirken. Physiologisch löst diese Bewertung über den Hypothalamus zwei parallele Achsen aus: die schnelle sympathoadrenerge Reaktion (Adrenalin/Noradrenalin aus dem Nebennierenmark, Sekunden bis Minuten) und die langsamere HHNA-Achse (CRH → ACTH → Cortisol, Minuten bis Stunden), die Energiebereitstellung und Immunmodulation steuert.
Ergänzend beschreibt das ältere Allgemeine Adaptationssyndrom (AAS) nach Selye die unspezifische physiologische Stressantwort als dreiphasigen Verlauf: In der Alarmreaktion wird der Organismus akut aktiviert (Sympathikus, Cortisol), im Widerstands-/Resistenzstadium stellt er sich auf die anhaltende Belastung ein und mobilisiert Ressourcen, und bei anhaltender Überforderung folgt das Erschöpfungsstadium mit Zusammenbruch der Adaptation und erhöhter Krankheitsanfälligkeit. Begrifflich zu trennen ist Eustress (positiv aktivierender, als bewältigbar erlebter Stress, der die Leistung fördert) von Distress (als bedrohlich oder überfordernd erlebter, schädigender Stress). Der Zusammenhang zwischen Aktivierung und Leistung ist dabei nach dem Yerkes-Dodson-Gesetz umgekehrt U-förmig: Ein mittleres Erregungsniveau geht mit optimaler Leistung einher, während zu geringe wie zu hohe Aktivierung die Leistung mindern.
Coping-Strategien
Problemorientiertes Coping zielt auf die aktive Veränderung oder Beseitigung des Stressors (z. B. Informationssuche, Planung, aktives Handeln) und ist besonders wirksam, wenn die Situation kontrollierbar ist. Emotionsorientiertes Coping zielt auf die Regulation der emotionalen Belastung selbst (z. B. Ablenkung, Neubewertung, soziale Unterstützung suchen) und ist adaptiv, wenn die Situation objektiv nicht veränderbar ist. Dysfunktionale Formen wie Vermeidung, Verleugnung oder Substanzgebrauch reduzieren kurzfristig Belastung, verhindern aber langfristig eine angemessene Bewältigung und begünstigen Chronifizierung.
Stress-Diathese-Modell und Krankheitsrisiko
Das Stress-Diathese-Modell (Vulnerabilitäts-Stress-Modell) postuliert, dass Krankheit erst durch das Zusammentreffen einer individuellen Vulnerabilität (Diathese – genetisch, neurobiologisch oder biografisch erworben, z. B. durch frühe Traumatisierung) mit einer aktuellen Stressbelastung entsteht. Bei hoher Vulnerabilität reicht bereits geringer Stress zur Krankheitsmanifestation, bei niedriger Vulnerabilität ist eine deutlich höhere Stressbelastung nötig. Chronische Stressaktivierung mit dauerhaft erhöhtem Cortisol ist mit kardiovaskulären Erkrankungen, metabolischem Syndrom, Immunsuppression und einem erhöhten Risiko für depressive und Angststörungen assoziiert.
- ❗ Transaktionales Stressmodell (Lazarus): Stress entsteht durch primäre (Bedrohungseinschätzung) und sekundäre Bewertung (Ressourceneinschätzung), nicht durch den Reiz allein
- Physiologische Stressreaktion: schnelle sympathoadrenerge Achse (Adrenalin/Noradrenalin) plus langsamere HHNA-Achse (CRH-ACTH-Cortisol)
- Allgemeines Adaptationssyndrom (Selye): unspezifische Stressantwort in drei Phasen – Alarmreaktion, Widerstands-/Resistenzstadium, Erschöpfungsstadium
- Eustress (positiv aktivierend, leistungsfördernd) vs. Distress (schädigend, überfordernd); Aktivierung-Leistungs-Zusammenhang nach Yerkes-Dodson umgekehrt U-förmig (mittleres Arousal optimal)
- Coping: problemorientiert (Situation verändern) vs. emotionsorientiert (Gefühle regulieren) – beide können je nach Kontrollierbarkeit adaptiv sein
- Stress-Diathese-Modell: Krankheit = Vulnerabilität (Diathese) × aktuelle Stressbelastung
- Chronischer Stress erhöht über anhaltende Cortisol- und Sympathikusaktivierung das Risiko für kardiovaskuläre, metabolische und psychische Erkrankungen
- ⚠️ Prüfungsfalle: Coping-Strategien nicht per se als „gut“ oder „schlecht“ klassifizieren – die Funktionalität hängt von der Kontrollierbarkeit der Situation ab; problemorientiertes Coping ist bei unveränderbaren Situationen nicht automatisch überlegen
Quellen
- Faller/Lang „Medizinische Psychologie und Soziologie“ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
- Salleh: „Life Event, Stress and Illness“, Malays J Med Sci (PMC-Review)