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Säure-Base-Gleichgewicht und Puffer
Nach Brønsted ist eine Säure ein Protonendonator und eine Base ein Protonenakzeptor. Der pKs-Wert beschreibt die Säurestärke: je kleiner der pKs, desto stärker die Säure. Pufferlösungen aus einem korrespondierenden Säure-Base-Paar halten den pH-Wert in einem bestimmten Bereich weitgehend konstant; die Henderson-Hasselbalch-Gleichung berechnet den pH aus pKs und dem Konzentrationsverhältnis von Base zu Säure.
- ❗ Henderson-Hasselbalch-Gleichung: pH = pKs + log([A-]/[HA]) – Grundlage jeder Pufferberechnung.
- Ein Puffer wirkt am effektivsten im Bereich pH = pKs ± 1, maximale Pufferkapazität bei pH = pKs.
- Bicarbonatpuffer (HCO3-/CO2) ist das wichtigste Puffersystem des Blutes und mit der Atmung koppelbar (offenes System).
- Titrationskurve: am Äquivalenzpunkt liegt die Stoffmenge zugesetzter Base/Säure äquivalent zur ursprünglichen Säure/Base vor; am Halbäquivalenzpunkt gilt pH = pKs.
- Starke Säuren/Basen dissoziieren in Wasser vollständig, schwache Säuren/Basen nur teilweise (Gleichgewicht, beschrieben durch Ks bzw. Kb).
Quellen
- Zeeck et al. „Chemie für Mediziner“ (Elsevier/Urban & Fischer)
- Latscha/Kazmaier/Klein „Chemie für Mediziner“ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
- PubChem: Hydrogencarbonat-Ion (Bicarbonat), CID 769 (NCBI)
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Säure-Base-Gleichgewicht und Puffer
Das Verständnis von Pufferlösungen ergibt sich direkt aus dem Massenwirkungsgesetz, angewandt auf die Dissoziationsgleichgewichte schwacher Säuren und Basen. Der Bicarbonatpuffer ist deshalb physiologisch so bedeutsam, weil er als offenes System über die Lungenventilation regulierbar ist und damit den Säure-Basen-Haushalt des Körpers entscheidend mitbestimmt.
Brønsted-Konzept und pKs-Wert
Nach Brønsted-Lowry ist eine Säure ein Protonendonator, eine Base ein Protonenakzeptor; jede Säure besitzt eine korrespondierende (konjugierte) Base, die durch Abgabe eines Protons entsteht. Die Säurekonstante Ks beschreibt die Gleichgewichtslage der Dissoziation HA ⇌ H+ + A- nach dem Massenwirkungsgesetz; der pKs-Wert (negativer dekadischer Logarithmus von Ks) erlaubt einen einfacheren Vergleich der Säurestärken – je kleiner pKs, desto weiter liegt das Gleichgewicht auf der Seite der dissoziierten Form, desto stärker die Säure.
Starke Säuren (pKs deutlich kleiner als 0) dissoziieren in wässriger Lösung praktisch vollständig, ihre Konzentration an undissoziierter Form ist vernachlässigbar; schwache Säuren (z. B. Essigsäure, pKs ca. 4,8) liegen in einem echten Gleichgewicht zwischen protonierter und deprotonierter Form vor.
Der pH-Wert quantifiziert die Protonenkonzentration als pH = -log c(H3O+) (analog pOH = -log c(OH-)). Da Wasser einer Autoprotolyse unterliegt, gilt für das Ionenprodukt Kw = c(H3O+)·c(OH-) = 10^-14 (bei 25 °C) und damit pH + pOH = 14; eine neutrale Lösung hat bei 25 °C den pH-Wert 7.
Henderson-Hasselbalch-Gleichung und Pufferwirkung
Die Henderson-Hasselbalch-Gleichung (pH = pKs + log([A-]/[HA])) ergibt sich direkt aus der Umformung des Massenwirkungsgesetzes für die Säuredissoziation und beschreibt quantitativ, wie der pH-Wert vom Verhältnis der Konzentrationen der konjugierten Base zur undissoziierten Säure abhängt.
Ein Puffer besteht aus einem konjugierten Säure-Base-Paar in vergleichbarer Konzentration. Wird eine geringe Menge Säure zugesetzt, wird sie durch die im Puffer vorhandene Base abgefangen (A- + H+ → HA); wird Base zugesetzt, puffert die Säure (HA + OH- → A- + H2O). Die Pufferkapazität ist am größten, wenn [A-] = [HA], also bei pH = pKs, und nimmt außerhalb des Bereichs pH = pKs ± 1 deutlich ab, da eine der beiden Komponenten dann nur noch in geringer Konzentration vorliegt.
Bicarbonatpuffer und Säure-Basen-Haushalt
Der Bicarbonatpuffer (CO2/H2CO3/HCO3-) ist das dominierende extrazelluläre Puffersystem, obwohl der physiologische pH (7,4) außerhalb des optimalen Pufferbereichs (pKs ca. 6,1) liegt. Seine physiologische Wirksamkeit beruht darauf, dass er ein offenes System ist: CO2 kann über die Lungenventilation abgeatmet oder zurückgehalten werden, wodurch der Zähler/Nenner der Henderson-Hasselbalch-Gleichung aktiv reguliert und der pH trotz ungünstiger pKs-Lage effektiv stabilisiert wird.
Weitere physiologische Puffersysteme sind der Phosphatpuffer (v. a. intrazellulär und renal wirksam, pKs nahe 6,8) sowie Proteine (u. a. über Histidin-Reste) und Hämoglobin, das über seine Puffereigenschaften H+ bindet und dadurch – vermehrt in desoxygenierter Form – den CO2-Transport erleichtert (Haldane-Effekt).
- ❗ Am Halbäquivalenzpunkt der Titration gilt pH = pKs, da dort [A-] = [HA] ist – wichtigster Ablesepunkt einer Titrationskurve.
- ⚠️ Prüfungsfalle: Maximale Pufferkapazität liegt bei pH = pKs, nicht am Äquivalenzpunkt der Titration.
- ⚠️ Verwechslung: Bicarbonatpuffer ist trotz ungünstigem pKs (ca. 6,1) physiologisch der wichtigste Blutpuffer, weil er als offenes System über die Atmung regulierbar ist.
- Starke Säuren/Basen: vollständige Dissoziation, kein klassisches Gleichgewicht relevant; schwache Säuren/Basen: unvollständige Dissoziation nach MWG.
- Henderson-Hasselbalch-Gleichung gilt nur für schwache Säuren/Basen im Gleichgewicht, nicht für starke Säuren/Basen.
- Pufferbereich praktisch nutzbar: pH = pKs ± 1 – außerhalb dieses Bereichs verliert der Puffer rasch an Wirksamkeit.
Quellen
- Zeeck et al. „Chemie für Mediziner“ (Elsevier/Urban & Fischer)
- Latscha/Kazmaier/Klein „Chemie für Mediziner“ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
- PubChem: Hydrogencarbonat-Ion (Bicarbonat), CID 769 (NCBI)