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Rückenmark: motorische Systeme und Reflexe

Schema des Patellarsehnenreflexes als monosynaptischer Eigenreflex: afferentes sensorisches Neuron mit Spinalganglion, Verschaltung im Rückenmark auf das Alpha-Motoneuron des M. quadriceps femoris sowie hemmendes Interneuron zur reziproken Hemmung der antagonistischen ischiocruralen Muskulatur.
Amiya Sarkar · Patellar tendon reflex arc · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons

Das Rückenmark organisiert grundlegende motorische Reflexe über Eigenreflexe (monosynaptisch) und Fremdreflexe (polysynaptisch). Zentrale Sensoren sind die Muskelspindeln (Längenmessung) und die Golgi-Sehnenorgane (Spannungsmessung), die über Ia- und Ib-Afferenzen ins Rückenmark projizieren.

  • Eigenreflex (z. B. Patellarsehnenreflex): monosynaptisch, Rezeptor = Muskelspindel (Ia-Afferenz direkt auf α-Motoneuron desselben Muskels)
  • Fremdreflex (z. B. Flexorreflex/Fluchtreflex): polysynaptisch, Reiz und Effektor liegen in unterschiedlichem Gewebe, oft mit gekreuzter Streckreaktion
  • Muskelspindel: misst Muskellänge und Längenänderungsgeschwindigkeit, γ-Motoneurone justieren ihre Empfindlichkeit (Alpha-Gamma-Koaktivierung)
  • Golgi-Sehnenorgan: misst Muskelspannung (Kraft), Ib-Afferenz löst bei hoher Spannung reflektorische Hemmung des Muskels aus (Schutzreflex)
  • Motoneurone im Vorderhorn sind somatotop organisiert: mediale Kerne für Rumpf-/proximale Muskulatur, laterale Kerne für distale Extremitätenmuskulatur

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Rückenmark: motorische Systeme und Reflexe

Schema des Patellarsehnenreflexes als monosynaptischer Eigenreflex: afferentes sensorisches Neuron mit Spinalganglion, Verschaltung im Rückenmark auf das Alpha-Motoneuron des M. quadriceps femoris sowie hemmendes Interneuron zur reziproken Hemmung der antagonistischen ischiocruralen Muskulatur.
Amiya Sarkar · Patellar tendon reflex arc · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons

Das Rückenmark ist keine reine Leitungsstruktur, sondern verfügt über eigenständige neuronale Schaltkreise zur Reflexverarbeitung. Die Muskelspindel, ein intrafusaler Rezeptor parallel zu den extrafusalen Arbeitsfasern, misst über Ia-Afferenzen (primäre Endigungen, dynamisch und statisch) und II-Afferenzen (sekundäre Endigungen, nur statisch) Muskellänge und Dehnungsgeschwindigkeit. γ-Motoneurone innervieren die kontraktilen Pole der intrafusalen Fasern und halten die Spindel unabhängig von der extrafusalen Muskellänge in ihrem empfindlichen Arbeitsbereich vorgespannt (Alpha-Gamma-Koaktivierung), was bei willkürlichen Bewegungen die Spindelfunktion aufrechterhält. Der monosynaptische Eigenreflex (Dehnungsreflex) verschaltet Ia-Afferenzen direkt exzitatorisch auf α-Motoneurone desselben Muskels und hemmt gleichzeitig über ein Ia-inhibitorisches Interneuron die Antagonisten (reziproke Hemmung). Das Golgi-Sehnenorgan liegt in Serie zu den Muskelfasern am Muskel-Sehnen-Übergang, misst aktive Muskelspannung über Ib-Afferenzen und löst über Ib-inhibitorische Interneurone eine autogene Hemmung des eigenen Muskels aus – ein Schutzmechanismus gegen Überlastung. Fremdreflexe (polysynaptisch, z. B. Flexorreflex) integrieren nozizeptive Afferenzen über mehrere Interneurone und erzeugen ipsilaterale Flexion mit kontralateraler gekreuzter Extension zur Standsicherung.

  • ❗ Reziproke Hemmung (Ia-inhibitorisches Interneuron): Aktivierung eines Agonisten hemmt gleichzeitig disynaptisch den Antagonisten, damit die Bewegung nicht gegen sich selbst arbeitet
  • Autogene Hemmung (Ib-Afferenz vom Golgi-Sehnenorgan): begrenzt bei zu hoher Muskelspannung reflektorisch die Kraftentwicklung des eigenen Muskels und schützt so vor muskulärer Überlastung; das „Klappmesserphänomen“ bei Spastik wird traditionell mit dieser Ib-vermittelten Hemmung erklärt
  • Rekurrente Hemmung (Renshaw-Zellen): α-Motoneurone erregen über Axonkollateralen spinale Renshaw-Zellen, die dasselbe und benachbarte α-Motoneurone rückläufig hemmen – so wird die Motoneuronaktivität begrenzt und fokussiert
  • Alpha-Gamma-Koaktivierung: bei Willkürbewegung werden α- und γ-Motoneurone gemeinsam aktiviert, damit die Muskelspindel trotz Verkürzung des Muskels empfindlich bleibt und weiterhin Längenänderungen melden kann
  • ⚠️ Prüfungsfalle: Eigenreflex ist monosynaptisch und phasisch (z. B. Patellarsehnenreflex), Fremdreflex ist polysynaptisch und kann bei wiederholter Reizung ermüden/habituieren – häufige Verwechslung der Synapsenanzahl
  • ⚠️ Verwechslung: Muskelspindel (Längen-/Geschwindigkeitssensor, liegt parallel zu Extrafusalfasern) vs. Golgi-Sehnenorgan (Spannungssensor, liegt in Serie am Sehnenübergang) – Verwechslungsgefahr bezüglich Lage und Messgröße
  • Höhere motorische Zentren (Kortex, Hirnstamm) modulieren die spinalen Reflexkreise über präsynaptische Hemmung der Ia-Afferenzen und über γ-Motoneuron-Einstellung, ohne die Reflexbögen selbst zu ersetzen
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