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Plexus lumbosacralis und Nerven der unteren Extremität

Schematische Darstellung des Plexus lumbalis: Verschaltung der Spinalnervenwurzeln Th12 bis L5 in vordere (gelb) und hintere (grün) Divisionen mit den abgehenden Hauptnerven, unter anderem N. femoralis, N. obturatorius, N. genitofemoralis und N. cutaneus femoris lateralis, sowie dem zum Plexus sacralis ziehenden Truncus lumbosacralis.
Ninovolador / Mcstrother · Lumbar plexus · CC BY 3.0 · via Wikimedia Commons

Die Innervation des Beins stammt aus Plexus lumbalis (Th12–L4) und Plexus sacralis (L4–S4), die anatomisch getrennt, aber funktionell als Plexus lumbosacralis zusammengefasst werden. Die wichtigsten Endnerven sind N. femoralis und N. obturatorius (aus dem Plexus lumbalis) sowie der N. ischiadicus mit seinen beiden Endästen N. tibialis und N. fibularis communis (aus dem Plexus sacralis). Jeder dieser Nerven hat ein charakteristisches Läsionsmuster.

  • Plexus lumbalis (Th12–L4): liegt im M. psoas major, Hauptäste N. femoralis (Kniestreckung, Vorderseite Oberschenkel) und N. obturatorius (Adduktoren).
  • Plexus sacralis (L4–S4): liegt vor dem M. piriformis im kleinen Becken, Hauptast N. ischiadicus; außerdem N. gluteus superior (Läsion → Trendelenburg-Zeichen), N. gluteus inferior und N. pudendus.
  • N. ischiadicus teilt sich meist in der Fossa poplitea (oder höher) in N. tibialis (Flexoren, Wadenmuskulatur) und N. fibularis (peroneus) communis (Extensoren, Fußheber).
  • N.-femoralis-Läsion: Ausfall Kniestreckung, Ausfall Patellarsehnenreflex.
  • N.-fibularis-Läsion: Fußheberschwäche → Steppergang, häufigste Nervenläsion des Beins (Druckschädigung am Fibulaköpfchen).

Quellen

  1. Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ (Thieme)
  2. Aumüller et al. „Duale Reihe Anatomie“ (Thieme)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
  4. Anatomie und Klinik des Plexus lumbosacralis (StatPearls, NCBI Bookshelf)

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Plexus lumbosacralis und Nerven der unteren Extremität

Schematische Darstellung des Plexus lumbalis: Verschaltung der Spinalnervenwurzeln Th12 bis L5 in vordere (gelb) und hintere (grün) Divisionen mit den abgehenden Hauptnerven, unter anderem N. femoralis, N. obturatorius, N. genitofemoralis und N. cutaneus femoris lateralis, sowie dem zum Plexus sacralis ziehenden Truncus lumbosacralis.
Ninovolador / Mcstrother · Lumbar plexus · CC BY 3.0 · via Wikimedia Commons

Plexus lumbalis und Plexus sacralis entstehen getrennt aus den Rami anteriores lumbaler und sakraler Spinalnerven, sind aber über den Truncus lumbosacralis (L4/L5-Verbindung) funktionell gekoppelt und werden daher gemeinsam als Plexus lumbosacralis beschrieben. Der Plexus lumbalis liegt intramuskulär im M. psoas major und versorgt vor allem die ventrale/mediale Oberschenkelmuskulatur über N. femoralis (Extensoren) und N. obturatorius (Adduktoren), während der Plexus sacralis vor dem M. piriformis im kleinen Becken liegt und mit dem N. ischiadicus den mit Abstand stärksten Nerv des Körpers bildet. Der N. ischiadicus besteht funktionell bereits im Verlauf aus zwei getrennten Faserbündeln (Pars tibialis und Pars fibularis communis) in gemeinsamer Bindegewebshülle, die sich anatomisch meist erst in der Fossa poplitea trennen. Der N. fibularis communis ist wegen seines oberflächlichen, knochennahen Verlaufs um das Fibulaköpfchen der klinisch am häufigsten druckgeschädigte periphere Nerv des Beins.

Plexus lumbalis – Endäste

  • N. femoralis: motorisch M. quadriceps femoris (Kniestreckung), sensibel Vorderseite Oberschenkel + über N. saphenus die mediale Unterschenkelseite.
  • N. obturatorius: motorisch Adduktorengruppe, sensibel mediale Oberschenkelfläche.
  • N. cutaneus femoris lateralis: rein sensibel, Kompression unter dem Leistenband → Meralgia paraesthetica.

N. ischiadicus – Aufteilung und Läsionen

  • N. tibialis: motorisch ischiokrurale Muskulatur (Tibialisanteil) + gesamte Wadenmuskulatur (Plantarflexion), sensibel Fußsohle.
  • N. fibularis communis → N. fibularis superficialis (Peronealmuskeln, Pronation) + profundus (Fußheber, Zehenstrecker) – Läsion führt zu Steppergang mit Fallfuß.
  • Hohe N.-ischiadicus-Läsion (z. B. intramuskuläre Injektion am falschen Ort, Hüft-TEP) betrifft beide Anteile: Ausfall Knieflexion + gesamte Fuß-/Zehenmotorik.

Weitere Äste des Plexus sacralis

  • N. gluteus superior (L4–S1): motorisch M. gluteus medius/minimus + M. tensor fasciae latae (Beckenstabilisierung, Abduktion) – Läsion → positives Trendelenburg-Zeichen (Absinken des Beckens zur gesunden/kontralateralen Seite beim Einbeinstand auf dem betroffenen Bein); typische iatrogene Ursache ist eine fehlerhaft platzierte intragluteale i.m.-Injektion.
  • N. gluteus inferior (L5–S2): motorisch M. gluteus maximus (Hüftstreckung).
  • N. pudendus (S2–S4): motorisch/sensibel Beckenboden und äußere Sphinkteren (Kontinenz), sensibel äußeres Genitale/Perineum.
  • ❗ N. femoralis versorgt Kniestreckung (M. quadriceps), N. obturatorius die Adduktoren – beide aus dem Plexus lumbalis, aber unterschiedliche Funktionsgruppen.
  • ❗ N. fibularis communis ist die häufigste periphere Nervenläsion des Beins (Druckschaden am Fibulaköpfchen, z. B. durch Beinschienen, langes Sitzen mit gekreuzten Beinen).
  • Der Patellarsehnenreflex (PSR) prüft das Segment L3/L4 über den N. femoralis; der Achillessehnenreflex (ASR) prüft S1 über den N. tibialis.
  • Truncus lumbosacralis (L4/L5) verbindet Plexus lumbalis und sacralis und liefert Fasern in den N. ischiadicus.
  • ⚠️ Prüfungsfalle: Eine Fallfuß-Symptomatik (Steppergang) wird oft vorschnell dem N. ischiadicus insgesamt zugeschrieben – ursächlich ist meist isoliert der N. fibularis communis (bzw. profundus), während die Wadenmuskulatur (N. tibialis) intakt bleibt.
  • ⚠️ Verwechslung: Meralgia paraesthetica (N. cutaneus femoris lateralis, rein sensible Reizung/Kompression am Leistenband) wird gelegentlich mit einer N.-femoralis-Läsion verwechselt – Meralgia paraesthetica hat KEINE motorische Komponente.

Quellen

  1. Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ (Thieme)
  2. Aumüller et al. „Duale Reihe Anatomie“ (Thieme)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
  4. Anatomie und Klinik des Plexus lumbosacralis (StatPearls, NCBI Bookshelf)
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