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Pfortadersystem und portokavale Anastomosen

Die V. portae hepatis entsteht meist hinter dem Pankreaskopf aus dem Zusammenfluss von V. mesenterica superior und V. lienalis und führt nährstoffreiches, gegenüber arteriellem Blut sauerstoffärmeres (venöses) Blut aus dem Splanchnikusgebiet zur Leber. Dort verzweigt sie sich erneut kapillär (zweites Kapillarnetz) in den Sinusoiden, bevor das Blut über die Lebervenen in die V. cava inferior abfließt.
- ❗ Zuflüsse: V. mesenterica superior, V. mesenterica inferior (meist in die V. lienalis), V. lienalis, V. gastrica sinistra/dextra
- ❗ Portokavale Anastomosen (klinisch bei portaler Hypertension relevant): ösophageal (Ösophagusvarizen), rektal (Hämorrhoidalplexus), periumbilikal (Caput medusae), retroperitoneal
- Bei portaler Hypertension (z. B. Leberzirrhose) öffnen sich diese Umgehungskreisläufe, um Blut unter Umgehung der Leber in die V. cava zu leiten; typische Folgen sind zudem Splenomegalie und Aszites
- Die V. portae führt kein arterielles, sondern venöses „Pfortaderblut“ zur Leber – zusätzlich wird die Leber über die A. hepatica propria arteriell versorgt (duale Blutversorgung)
Quellen
- Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Innere Organe“ (Thieme)
- Aumüller et al. „Duale Reihe Anatomie“ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
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Pfortadersystem und portokavale Anastomosen

Das Pfortadersystem ist ein venöses Gefäßsystem mit zwei hintereinandergeschalteten Kapillarnetzen: dem ersten im Kapillarbett des Magen-Darm-Trakts, Milz und Pankreas, dem zweiten in den Lebersinusoiden. Dieses Portalsystem ermöglicht es, dass resorbierte Nährstoffe vor Eintritt in den großen Kreislauf durch die Leber metabolisiert und entgiftet werden (First-Pass-Effekt). Kommt es zu einem Abflusshindernis in der Leber (portale Hypertension), steigt der Druck im gesamten splanchnischen Stromgebiet, und das Blut sucht sich Umgehungswege über die portokavalen Anastomosen zurück ins Kavasystem.
Bildung und Zuflüsse der V. portae
Die V. portae entsteht typischerweise dorsal des Pankreaskopfes (Confluens venosus) aus V. mesenterica superior und V. lienalis; die V. mesenterica inferior mündet meist zuvor in die V. lienalis. Zusätzliche Zuflüsse sind V. gastrica sinistra und dextra sowie die V. cystica.
Die vier klassischen portokavalen Anastomosen
1) Ösophageal: V. gastrica sinistra (portal) ↔ Vv. oesophageales (kaval über V. azygos) – klinisch Ösophagusvarizen. 2) Rektal: V. rectalis superior (portal) ↔ V. rectalis media/inferior (kaval) – Hämorrhoidalplexus. 3) Periumbilikal: Vv. paraumbilicales (portal, entlang Lig. teres hepatis) ↔ Vv. epigastricae (kaval) – Caput medusae. 4) Retroperitoneal: Vv. der Colon-ascendens/-descendens-Region ↔ Bauchwandvenen (Retzius-Venen).
- ❗ Charakteristikum des Pfortadersystems: zwei hintereinandergeschaltete Kapillarnetze (Splanchnikusgebiet → Lebersinusoide) = Definition eines venösen Portalsystems (nicht zu verwechseln mit einem Rete mirabile)
- ❗ Die vier portokavalen Anastomosen: ösophageal, rektal, periumbilikal, retroperitoneal – jede mit charakteristischem Krankheitsbild bei Stauung
- Duale Leberperfusion: ca. 75 % über V. portae (venös, nährstoffreich), ca. 25 % über A. hepatica propria (arteriell, sauerstoffreich)
- Bei portaler Hypertension steigt zuerst der Druck in der V. lienalis, was zur Splenomegalie führen kann; Aszites ist eine weitere typische Folge
- ❗ Die V. portae besitzt keine Venenklappen – der erhöhte Druck kann ungehindert in die Zuflüsse fortgeleitet werden, was die Ausbildung der portokavalen Kollateralen erst ermöglicht
- ⚠️ Prüfungsfalle: Ösophagusvarizen entstehen durch Rückstau über die V. gastrica sinistra in die Vv. oesophageales, NICHT direkt über den Ductus thoracicus – Verwechslung von Lymph- und Venensystem ist ein klassischer Fehler
- ⚠️ Verwechslung: Caput medusae entsteht über die rekanalisierten Vv. paraumbilicales entlang des obliterierten Lig. teres hepatis (ehemalige Nabelvene), nicht über die V. umbilicalis selbst (die ist beim Erwachsenen obliteriert)
Quellen
- Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Innere Organe“ (Thieme)
- Aumüller et al. „Duale Reihe Anatomie“ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)