EXPRESS ¡ M1
Oberarm und Ellenbogengelenk
Der Humerus trägt am Schaft den Sulcus nervi radialis (Leitstruktur fßr den N. radialis) und bildet distal mit Trochlea (fßr die Ulna) und Capitulum humeri (fßr den Radius) die Gelenkflächen des Ellenbogengelenks. Das Ellenbogengelenk (Articulatio cubiti) besteht aus drei Teilgelenken in einer gemeinsamen Kapsel: Humeroulnar-, Humeroradial- und proximales Radioulnargelenk. Die Oberarmmuskulatur gliedert sich in Flexoren (ventrale Loge, N. musculocutaneus) und Extensoren (dorsale Loge, N. radialis).
- â Humerus: Collum chirurgicum (häufige Frakturstelle), Sulcus nervi radialis am Schaft (N.-radialis-Läsion bei Schaftfraktur), Epicondylus medialis/lateralis distal.
- â Drei Teilgelenke des Ellenbogens: Articulatio humeroulnaris (Trochlea humeri â Ulna, Scharniergelenk, Flexion/Extension), humeroradialis (Capitulum humeri â Radius, Kugelgelenk), radioulnaris proximalis (Radgelenk, Pro-/Supination).
- Bandapparat: Lig. collaterale ulnare und radiale, Lig. anulare radii (umschlieĂt Radiuskopf fĂźr Rotation).
- Flexoren (ventral): M. biceps brachii, M. brachialis, M. coracobrachialis â innerviert vom N. musculocutaneus.
- Extensoren (dorsal): M. triceps brachii, M. anconeus â innerviert vom N. radialis.
- â ď¸ Ausnahme: Der M. brachioradialis ist ein Ellenbogenbeuger, wird aber (als einziger Flexor) vom N. radialis innerviert â klassische PrĂźfungsfalle zur Loge-Nerv-Regel.
Quellen
- SchĂźnke/Schulte/Schumacher âPrometheus â LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystemâ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- Card RK et al., âAnatomy, Shoulder and Upper Limb, Elbow Jointâ (StatPearls, NCBI Bookshelf)
tief ¡ M1
Oberarm und Ellenbogengelenk
Der Humerusschaft ist topographisch entscheidend, weil der N. radialis im Sulcus nervi radialis direkt dem Knochen anliegt und bei Schaftfrakturen häufig mitverletzt wird, was zur charakteristischen Fallhand fĂźhrt. Das Ellenbogengelenk ist funktionell komplex: drei Teilgelenke liegen in einer gemeinsamen Gelenkkapsel, wodurch Flexion/Extension (Humeroulnargelenk als Scharnier, gefĂźhrt vom Humeroradialgelenk) und Pronation/Supination (proximales Radioulnargelenk, kombiniert mit dem distalen Radioulnargelenk am Handgelenk) gleichzeitig mĂśglich sind, ohne dass sich die Bewegungen gegenseitig stĂśren. Die Muskulatur des Oberarms folgt der klassischen Logeneinteilung: ventrale (Flexoren-)Loge mit N. musculocutaneus, dorsale (Extensoren-)Loge mit N. radialis â ein Grundprinzip, das sich am Unterarm mit N. medianus/ulnaris (ventral) und N. radialis (dorsal) fortsetzt.
Ellenbogengelenk â Funktionsintegration
- Humeroulnargelenk: reines Scharniergelenk, gibt die Flexions-/Extensionsachse vor.
- Humeroradialgelenk: kugelig, folgt der Ulna passiv mit, erlaubt zusätzlich die Rotationskomponente fßr Pro-/Supination.
- Proximales Radioulnargelenk: Radgelenk, Radiuskopf rotiert im Lig. anulare radii â Grundlage der Unterarmdrehung.
Klinisch relevante Frakturorte
- Collum chirurgicum humeri: häufigste proximale Humerusfraktur, Gefahr fßr N. axillaris (verläuft um das Collum chirurgicum).
- Humerusschaft: Gefahr fĂźr N. radialis im Sulcus nervi radialis (Fallhand: fehlende Hand-/Fingerextension).
- Epicondylus medialis (Sulcus nervi ulnaris dahinter): Gefahr fĂźr N. ulnaris (âMusikantenknochenâ).
Unterarmmuskulatur â Logen und Funktion
- Ventrale Flexorenloge (N. medianus, ulnarer Teil N. ulnaris): u. a. M. pronator teres, M. flexor carpi radialis, M. palmaris longus, M. flexor carpi ulnaris, M. flexor digitorum superficialis (oberflächlich) sowie M. flexor digitorum profundus, M. flexor pollicis longus, M. pronator quadratus (tief) â Beugung von Hand/Fingern und Pronation.
- Dorsale Extensorenloge (N. radialis): u. a. M. extensor carpi radialis longus/brevis, M. extensor digitorum, M. extensor carpi ulnaris, M. supinator â Streckung von Hand/Fingern und Supination.
- â Der M. brachioradialis (Ellenbogenbeuger) liegt der Radialisloge zugehĂśrig und ist die klassische Ausnahme: Beuger mit N.-radialis-Innervation.
- â N.-radialis-Läsion bei Humerusschaftfraktur â Fallhand (Ausfall der Hand-/Fingerstrecker).
- â N.-axillaris-Läsion bei Collum-chirurgicum-Fraktur â Ausfall des M. deltoideus, Sensibilitätsausfall Ăźber dem Deltamuskel (Regimentsabzeichen-Areal).
- Das Lig. anulare radii lässt den Radiuskopf rotieren, ohne ihn aus der Gelenkpfanne zu lĂśsen â Grundlage fĂźr die Pro-/Supinationsbewegung.
- Beim Kind ist eine Radiuskopf-Subluxation (Chassaignac-Lähmung/âPronatio dolorosaâ) durch Zug am gestreckten, pronierten Arm typisch, da das Lig. anulare noch nicht straff genug ausgebildet ist.
- â ď¸ PrĂźfungsfalle: N.-radialis-Schädigung wird oft mit N.-axillaris-Schädigung verwechselt â radialis betrifft den Schaft (Fallhand), axillaris das Collum chirurgicum (Deltoideusausfall), beide sind humerusnahe, aber unterschiedliche Läsionsorte.
- â ď¸ Verwechslung: Der Sulcus nervi ulnaris liegt hinter dem Epicondylus medialis (nicht lateralis) â der âMusikantenknochenâ-Schmerz beim AnstoĂen entsteht hier durch die oberflächliche, knochennahe Lage des N. ulnaris.
Quellen
- SchĂźnke/Schulte/Schumacher âPrometheus â LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystemâ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- Card RK et al., âAnatomy, Shoulder and Upper Limb, Elbow Jointâ (StatPearls, NCBI Bookshelf)