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Nierenbiochemie: Säure-Basen-Haushalt und Ammoniakausscheidung

Die Niere reguliert den Säure-Basen-Haushalt langfristig, indem sie filtriertes Bicarbonat rßckresorbiert und zusätzlich neue Säureäquivalente ßber titrierbare Säure und Ammoniogenese ausscheidet. Damit gleicht sie die tägliche, primär aus dem Proteinstoffwechsel stammende Säureproduktion aus.
- â BicarbonatrĂźckresorption erfolgt zu ca. 80â90 % im proximalen Tubulus Ăźber die Carboanhydrase (luminal und intrazellulär) und den Na+/H+-Austauscher
- â Ammoniogenese: Glutamin wird in Tubuluszellen durch die Glutaminase zu Glutamat und NH4+ gespalten; die Glutamat-Dehydrogenase liefert aus Glutamat ein zweites NH4+ und Îą-Ketoglutarat. Als NH3 diffundiert es ins Lumen und fängt dort ein H+ zu NH4+ ab (âDiffusionsfalleâ); so wird H+ ausgeschieden, ohne den Urin-pH stark zu senken
- Titrierbare Säure: sezerniertes H+ wird an Phosphat (HPO4^2- â H2PO4-) gebunden und so ausgeschieden
- Bei Azidose steigt die Ammoniogenese kompensatorisch stark an (wichtigster adaptiver Mechanismus der Niere)
- Nettosäureausscheidung = titrierbare Säure + NH4+ â Bicarbonatverlust im Urin
Quellen
- LĂśffler/Petrides âBiochemie und Pathobiochemieâ (Springer)
- Rassow et al. âDuale Reihe Biochemieâ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- Hopkins E. et al., âPhysiology, Acid Base Balanceâ (StatPearls, NCBI Bookshelf)
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Nierenbiochemie: Säure-Basen-Haushalt und Ammoniakausscheidung

Die Niere Ăźbernimmt gegenĂźber der schnellen respiratorischen Kompensation die langsame, aber vollständige Korrektur des Säure-Basen-Haushalts, indem sie zum einen filtriertes Bicarbonat nahezu vollständig zurĂźckgewinnt und zum anderen die metabolisch täglich anfallende nichtflĂźchtige Säurelast (v. a. aus dem Abbau schwefelhaltiger Aminosäuren) Ăźber zwei parallele Mechanismen â titrierbare Säure und Ammoniogenese â irreversibel ausscheidet. Die Ammoniogenese ist dabei der entscheidende adaptive Mechanismus, der bei chronischer Säurebelastung die renale Kapazität zur Säureausscheidung um ein Vielfaches steigern kann.
BicarbonatrĂźckresorption
Im proximalen Tubulus wird filtriertes HCO3â nicht direkt rĂźckresorbiert, sondern indirekt: luminal sezerniertes H+ (Ăźber Na+/H+-Austauscher, NHE3) reagiert mit filtriertem HCO3â zu H2CO3, das durch die luminale (membrangebundene) Carboanhydrase IV rasch zu CO2 und H2O dehydratisiert wird. CO2 diffundiert in die Tubuluszelle, wo die zytosolische Carboanhydrase II es mit H2O wieder zu H2CO3 und weiter zu H+ und HCO3â hydratisiert; HCO3â verlässt die Zelle basolateral Ăźber einen Na+-HCO3â-Cotransporter ins Blut, H+ wird erneut luminal sezerniert. Netto wird so filtriertes Bicarbonat ohne direkten Transport des MolekĂźls selbst zurĂźckgewonnen.
Ammoniogenese als adaptiver Mechanismus
In den proximalen Tubuluszellen wird Glutamin durch die mitochondriale Glutaminase zu Glutamat und NH4+ desaminiert; die anschlieĂende Glutamat-Dehydrogenase liefert ein zweites NH4+ und Îą-Ketoglutarat, das Ăźber Gluconeogenese abgebaut wird und dabei zusätzlich HCO3â fĂźr das Blut generiert (jedes verstoffwechselte GlutaminmolekĂźl liefert netto 2 NH4+ zur Ausscheidung und 2 HCO3â zur Blutseite). NH4+ wird im proximalen Tubulus sezerniert (u. a. via NHE3, das auch NH4+ statt H+ transportieren kann) und im Sammelrohr durch nichtionische Diffusion von NH3 mit anschlieĂender Protonierung im sauren Lumen (NH3 + H+ â NH4+, âDiffusionsfalleâ) in erhĂśhter Konzentration eingefangen. Bei chronischer Azidose steigert die Niere die Glutaminaseaktivität und damit die Ammoniogenese massiv â dies ist der wichtigste Mechanismus zur Steigerung der renalen Säureausscheidungskapazität.
Titrierbare Säure
Sezerniertes H+, das nicht zur BicarbonatrĂźckresorption verbraucht wird, bindet im Tubuluslumen an filtrierte Puffer, v. a. Phosphat (HPO4^2- + H+ â H2PO4â), und wird so gebunden ausgeschieden, ohne den Urin-pH auf ein physiologisch unverträgliches Niveau zu senken. Die Menge an titrierbarer Säure ist durch die filtrierte Phosphatmenge begrenzt, weshalb die Ammoniogenese bei hoher Säurelast der flexiblere und quantitativ wichtigere Mechanismus ist.
- â BicarbonatrĂźckresorption erfolgt indirekt Ăźber CO2-Diffusion und Carboanhydrase (luminal CA IV, zytosolisch CA II) â nicht durch direkten HCO3â-Transport im proximalen Tubulus
- â Ammoniogenese aus Glutamin liefert sowohl NH4+ (Säureausscheidung) als auch HCO3â (Pufferung) â doppelter Nutzen fĂźr die Säure-Basen-Bilanz
- Bei chronischer Azidose ist die Steigerung der Ammoniogenese der wichtigste renale Adaptationsmechanismus, deutlich flexibler als die mengenbegrenzte titrierbare Säure
- Die nichtionische Diffusionsfalle (NH3 diffundiert, NH4+ wird im sauren Milieu protoniert und bleibt im Lumen gefangen) erklärt die effiziente Anreicherung von Ammonium im Urin
- â Die finale H+-Sekretion im Sammelrohr leisten die Typ-A-Zwischenzellen (Interkalarzellen) Ăźber eine apikale H+-ATPase und eine H+/K+-ATPase; hier werden titrierbare Säure und NH4+ endgĂźltig ausgeschieden und neues HCO3â ins Blut abgegeben
- â ď¸ PrĂźfungsfalle: Carboanhydrase-Hemmer (z. B. Acetazolamid) hemmen die BicarbonatrĂźckresorption im proximalen Tubulus und fĂźhren zu metabolischer Azidose â nicht mit ihrer diuretischen Hauptwirkung verwechseln
- â ď¸ Verwechslung: NH4+ selbst ist kein direkter Nettosäureausscheider im chemischen Sinn einer freien Protonenabgabe â die Säureausscheidung entsteht dadurch, dass die Glutaminmetabolisierung netto HCO3â regeneriert, während NH4+ mit dem Urin verloren geht
Quellen
- LĂśffler/Petrides âBiochemie und Pathobiochemieâ (Springer)
- Rassow et al. âDuale Reihe Biochemieâ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- Hopkins E. et al., âPhysiology, Acid Base Balanceâ (StatPearls, NCBI Bookshelf)