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Neuralleiste und Neurulation

Schematische Querschnitte der Neurulation in drei Stadien: von der Neuralplatte mit Neuralplattenrand über die aufgeworfenen Neuralfalten und die Neuralrinne bis zum geschlossenen Neuralrohr, mit Abtrennung der Neuralleistenzellen zwischen Neuralrohr und Epidermis.
User:NikNaks Reorientation by User:SUM1 . · Neural crest (Horizontal) · CC BY 4.0 · via Wikimedia Commons

Die primäre Neurulation wandelt die Neuralplatte über Neuralfalten in ein geschlossenes Neuralrohr um (Gehirn und Rückenmark bis etwa S2), die sekundäre Neurulation bildet die kaudalsten Rückenmarksanteile durch Kanalisation eines soliden Zellstrangs. Beim Schluss der Neuralfalten löst sich die Neuralleiste ab und wandert in fast den gesamten Körper aus.

  • ❗ Neuralrohrschluss beginnt zervikal und schreitet nach kranial und kaudal fort, mit zwei offenen Neuroporen (Neuroporus anterior/rostralis, posterior/caudalis)
  • Neurulation in der 3.–4. Entwicklungswoche (Neuralplatte um Tag 18, Schlussbeginn um Tag 22): Neuroporus anterior schließt um Tag 25, Neuroporus posterior um Tag 27–28 – unvollständiger Schluss führt zu Neuralrohrdefekten
  • ❗ Neuralleiste entsteht am Übergang Neuralplatte/Oberflächenektoderm, wandert aus und bildet u. a. Spinalganglien, vegetative Ganglien, Nebennierenmark, Melanozyten und mesenchymale Anteile des Viszerokraniums (Gesichtsschädel, Kopf-Hals-Bindegewebe)
  • Offener Neuroporus anterior → Anenzephalie, offener Neuroporus posterior → Spina bifida (Meningomyelozele); bei offenen Defekten ist das AFP (Alpha-Fetoprotein) in Fruchtwasser/mütterlichem Serum erhöht (Screening-Marker)
  • Folsäuremangel perikonzeptionell erhöht das Risiko für Neuralrohrschlussdefekte deutlich

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Neuralleiste und Neurulation

Schematische Querschnitte der Neurulation in drei Stadien: von der Neuralplatte mit Neuralplattenrand über die aufgeworfenen Neuralfalten und die Neuralrinne bis zum geschlossenen Neuralrohr, mit Abtrennung der Neuralleistenzellen zwischen Neuralrohr und Epidermis.
User:NikNaks Reorientation by User:SUM1 . · Neural crest (Horizontal) · CC BY 4.0 · via Wikimedia Commons

Die Neurulation beschreibt die Bildung von Neuralrohr und Neuralleiste aus dem durch die Chorda dorsalis induzierten Ektoderm und ist der zentrale Schritt der frühen Nervensystementwicklung. Man unterscheidet die primäre Neurulation, bei der sich die Neuralplatte einfaltet und als Rohr abschnürt (kranial bis etwa S2), von der sekundären Neurulation, bei der ein solider Zellstrang (Schwanzknospe) sekundär kanalisiert wird und die kaudalsten Rückenmarksanteile bildet. Beim Schluss der Neuralfalten löst sich beidseits die Neuralleiste als eigenständige Zellpopulation ab, die anschließend in nahezu alle Körperregionen auswandert und ein außergewöhnlich breites Derivatspektrum bildet – von Ganglienzellen bis zu Anteilen des Gesichtsskeletts.

Primäre vs. sekundäre Neurulation

Bei der primären Neurulation induziert die Chorda dorsalis das darüberliegende Ektoderm zur Bildung der Neuralplatte, die sich median einfurcht (Neuralrinne) und deren Ränder (Neuralfalten) sich dorsal treffen und verschmelzen – so entsteht das Neuralrohr von zervikal fortschreitend nach kranial und kaudal, mit zwei zunächst offenen Neuroporen.

Die sekundäre Neurulation betrifft die Region kaudal von S2: Hier bildet die Schwanzknospe (Caudal Eminence) einen soliden Zellstrang, der sekundär ein zentrales Lumen ausbildet (Kanalisation) und sich an das primär gebildete Neuralrohr anschließt.

Neuralleiste – Derivate

  • Peripheres Nervensystem: Spinalganglien, vegetative Ganglien (Sympathikus/Parasympathikus), Schwann-Zellen
  • Endokrine Zellen: Nebennierenmark (chromaffine Zellen), C-Zellen der Schilddrüse
  • Pigmentzellen: Melanozyten
  • Kraniale Neuralleiste (Sonderfall): mesenchymale Anteile des Viszerokraniums und Bindegewebe im Kopf-Hals-Bereich (Ektomesenchym)
  • ❗ Neuralrohrschluss beginnt zervikal, schreitet bidirektional fort; Neuroporus anterior schließt ca. Tag 25, Neuroporus posterior ca. Tag 27–28
  • ❗ Neuralleiste entsteht am Rand der Neuralplatte und liefert u. a. Spinalganglien, vegetative Ganglien, Nebennierenmark, Melanozyten sowie kraniales Ektomesenchym
  • Fehlender Schluss des Neuroporus anterior → Anenzephalie (mit letalem Verlauf), fehlender Schluss des Neuroporus posterior → Spina bifida aperta/occulta; bei offenen Defekten ist das AFP (Alpha-Fetoprotein) in Fruchtwasser und mütterlichem Serum erhöht (Screening-Marker)
  • ⚠️ Prüfungsfalle: sekundäre Neurulation (kaudal von S2, solider Strang wird kanalisiert) wird oft mit primärer Neurulation verwechselt – nur die primäre Neurulation entsteht durch Faltung einer flachen Platte
  • ⚠️ Verwechslung: Neuralrohr (ZNS-Ursprung) vs. Neuralleiste (PNS- und weitere Derivate) – beide entstehen zeitgleich beim Neuralrohrschluss, haben aber komplett unterschiedliche Zielgewebe
  • Perikonzeptionelle Folsäuresubstitution senkt nachweislich das Risiko für Neuralrohrschlussdefekte – Standard-Prüfungswissen mit Public-Health-Bezug
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