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Motorik des Magen-Darm-Trakts
Die Motilität des Gastrointestinaltrakts wird durch das enterische Nervensystem (Plexus myentericus und submucosus) gesteuert und durch vegetative Fasern moduliert. Im Ăsophagus sorgt die Peristaltik fĂźr den Bolustransport, im Magen fĂźr Durchmischung und dosierte Entleerung, im DĂźnndarm fĂźr Segmentation und propulsive Peristaltik, im Dickdarm fĂźr langsamen Transport und Massenbewegungen.
- â Enterisches Nervensystem: Plexus myentericus (Auerbach) steuert Motorik, Plexus submucosus (Meissner) steuert Sekretion/lokale Durchblutung
- Ăsophagus: oberer Ăsophagussphinkter (quergestreift, willkĂźrlich), unterer Ăsophagussphinkter (glatt, verhindert Reflux), primäre Peristaltik durch Schluckakt ausgelĂśst
- Magen: rezeptive Relaxation (vagal vermittelt) zur Aufnahme des Bolus, Durchmischung im Antrum, dosierte Entleerung reguliert durch Pylorus und duodenale RĂźckkopplung (Enterogastron-Effekt)
- DĂźnndarm: Segmentation (Durchmischung) in der Verdauungsphase, propulsive Peristaltik (Transport) und interdigestiv der migrierende motorische Komplex (MMC)
- Dickdarm: langsame segmentale Motilität, wenige Massenbewegungen pro Tag transportieren Stuhl in Richtung Rektum, Defäkationsreflex ßber Rektumdehnung
Quellen
- Schmidt/Lang/Heckmann âPhysiologie des Menschenâ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- StatPearls âPhysiology, Peristalsisâ (NCBI Bookshelf)
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Motorik des Magen-Darm-Trakts
Die gastrointestinale Motorik wird primär vom intrinsischen enterischen Nervensystem gesteuert, das als âDarmhirnâ weitgehend autonom arbeitet, aber durch das autonome Nervensystem (Parasympathikus fĂśrdernd, Sympathikus hemmend) moduliert wird. Grundlage der glatten Muskelaktivität sind die interstitiellen Cajal-Zellen als Schrittmacherzellen, die rhythmische elektrische Basisrhythmen (Slow Waves) generieren, auf denen bei Erreichen des Schwellenwerts Spike-Potenziale mit tatsächlicher Kontraktion aufsetzen. Der Ăsophagus transportiert den Bolus durch eine vom Schluckzentrum ausgelĂśste primäre peristaltische Welle, ergänzt durch lokal ausgelĂśste sekundäre Peristaltik bei unvollständiger Entleerung. Der Magen zeigt funktionell unterschiedliche Abschnitte: der proximale Magen dient Ăźber die vagal vermittelte rezeptive Relaxation als Reservoir mit geringem Tonus, der distale Magen (Antrum) erzeugt kräftige Kontraktionswellen zur Durchmischung und dosierten Entleerung gegen den Pylorus. Der DĂźnndarm alterniert zwischen Segmentation (Durchmischung, Ăźberwiegend postprandial) und propulsiver Peristaltik, im nĂźchternen Zustand dominiert der migrierende motorische Komplex als âReinigungswelleâ. Der Dickdarm zeigt Ăźberwiegend langsame Motilität mit gelegentlichen Massenbewegungen, die den Defäkationsreflex triggern.
Defäkationsreflex
Rektumdehnung lĂśst Ăźber den intrinsischen Defäkationsreflex eine Relaxation des inneren (glatten, unwillkĂźrlichen) Analsphinkters aus (rektoanaler Inhibitionsreflex), während der äuĂere (quergestreifte, willkĂźrliche) Analsphinkter zunächst willentlich kontrahiert werden kann, um die Defäkation aufzuschieben.
- â Interstitielle Cajal-Zellen fungieren als Schrittmacherzellen der glatten Muskulatur und generieren die elektrische Basisrhythmik (Slow Waves), unabhängig von neuronaler Aktivität
- Migrierender motorischer Komplex (MMC): interdigestive âHousekeeper-Welleâ, die alle 90â120 Minuten unverdaute Reste und Bakterien nach aboral transportiert; durch Motilin getriggert
- Rezeptive Relaxation des proximalen Magens ist vagal vermittelt (NO- und VIP-vermittelte Hemmung) â Vagotomie beeinträchtigt diese Funktion und kann zu Dumping-Symptomatik fĂźhren
- Gastrokolischer Reflex: Nahrungsaufnahme bzw. Magendehnung steigert postprandial die Kolonmotilität und lĂśst Massenbewegungen aus (vagal und Ăźber gastrointestinale Hormone vermittelt) â Grundlage des Stuhldrangs nach dem Essen
- â ď¸ PrĂźfungsfalle: der innere Analsphinkter ist glatte Muskulatur und unwillkĂźrlich (autonome Kontrolle, relaxiert reflektorisch bei Rektumdehnung), der äuĂere Analsphinkter ist quergestreift und willkĂźrlich steuerbar â Verwechslung fĂźhrt zu Fehlern bei Fragen zur Kontinenz
- â ď¸ Verwechslung: Plexus myentericus (Auerbach) = zwischen Ring- und Längsmuskulatur, zuständig fĂźr Motorik; Plexus submucosus (Meissner) = in der Submukosa, zuständig fĂźr Sekretion und Durchblutung â beide Namen und Funktionen werden häufig vertauscht
- Hirschsprung-Krankheit als klassisches Korrelat: Fehlen der Ganglienzellen des Plexus myentericus/submucosus in einem aboralen Darmsegment fßhrt zu funktioneller Obstruktion (wichtig fßr Verständnis, nicht Gegenstand dieses Physiologie-Themas selbst)
Quellen
- Schmidt/Lang/Heckmann âPhysiologie des Menschenâ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- StatPearls âPhysiology, Peristalsisâ (NCBI Bookshelf)