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Motorik des Magen-Darm-Trakts

Schematischer Wandaufbau des Gastrointestinaltrakts im Querschnitt mit beschrifteten Schichten: Mucosa, Submucosa und Muscularis mit Ring- und Laengsmuskelschicht sowie der intrinsischen Innervation durch den Plexus submucosus (Meissner) und den Plexus myentericus (Auerbach).
Goran tek-en ¡ Layers of the GI Tract english ¡ CC BY-SA 4.0 ¡ via Wikimedia Commons

Die Motilität des Gastrointestinaltrakts wird durch das enterische Nervensystem (Plexus myentericus und submucosus) gesteuert und durch vegetative Fasern moduliert. Im Ösophagus sorgt die Peristaltik für den Bolustransport, im Magen für Durchmischung und dosierte Entleerung, im Dünndarm für Segmentation und propulsive Peristaltik, im Dickdarm für langsamen Transport und Massenbewegungen.

  • ❗ Enterisches Nervensystem: Plexus myentericus (Auerbach) steuert Motorik, Plexus submucosus (Meissner) steuert Sekretion/lokale Durchblutung
  • Ösophagus: oberer Ösophagussphinkter (quergestreift, willkĂźrlich), unterer Ösophagussphinkter (glatt, verhindert Reflux), primäre Peristaltik durch Schluckakt ausgelĂśst
  • Magen: rezeptive Relaxation (vagal vermittelt) zur Aufnahme des Bolus, Durchmischung im Antrum, dosierte Entleerung reguliert durch Pylorus und duodenale RĂźckkopplung (Enterogastron-Effekt)
  • DĂźnndarm: Segmentation (Durchmischung) in der Verdauungsphase, propulsive Peristaltik (Transport) und interdigestiv der migrierende motorische Komplex (MMC)
  • Dickdarm: langsame segmentale Motilität, wenige Massenbewegungen pro Tag transportieren Stuhl in Richtung Rektum, Defäkationsreflex Ăźber Rektumdehnung

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Motorik des Magen-Darm-Trakts

Schematischer Wandaufbau des Gastrointestinaltrakts im Querschnitt mit beschrifteten Schichten: Mucosa, Submucosa und Muscularis mit Ring- und Laengsmuskelschicht sowie der intrinsischen Innervation durch den Plexus submucosus (Meissner) und den Plexus myentericus (Auerbach).
Goran tek-en ¡ Layers of the GI Tract english ¡ CC BY-SA 4.0 ¡ via Wikimedia Commons

Die gastrointestinale Motorik wird primär vom intrinsischen enterischen Nervensystem gesteuert, das als „Darmhirn“ weitgehend autonom arbeitet, aber durch das autonome Nervensystem (Parasympathikus fördernd, Sympathikus hemmend) moduliert wird. Grundlage der glatten Muskelaktivität sind die interstitiellen Cajal-Zellen als Schrittmacherzellen, die rhythmische elektrische Basisrhythmen (Slow Waves) generieren, auf denen bei Erreichen des Schwellenwerts Spike-Potenziale mit tatsächlicher Kontraktion aufsetzen. Der Ösophagus transportiert den Bolus durch eine vom Schluckzentrum ausgelöste primäre peristaltische Welle, ergänzt durch lokal ausgelöste sekundäre Peristaltik bei unvollständiger Entleerung. Der Magen zeigt funktionell unterschiedliche Abschnitte: der proximale Magen dient über die vagal vermittelte rezeptive Relaxation als Reservoir mit geringem Tonus, der distale Magen (Antrum) erzeugt kräftige Kontraktionswellen zur Durchmischung und dosierten Entleerung gegen den Pylorus. Der Dünndarm alterniert zwischen Segmentation (Durchmischung, überwiegend postprandial) und propulsiver Peristaltik, im nüchternen Zustand dominiert der migrierende motorische Komplex als „Reinigungswelle“. Der Dickdarm zeigt überwiegend langsame Motilität mit gelegentlichen Massenbewegungen, die den Defäkationsreflex triggern.

Defäkationsreflex

Rektumdehnung löst über den intrinsischen Defäkationsreflex eine Relaxation des inneren (glatten, unwillkürlichen) Analsphinkters aus (rektoanaler Inhibitionsreflex), während der äußere (quergestreifte, willkürliche) Analsphinkter zunächst willentlich kontrahiert werden kann, um die Defäkation aufzuschieben.

  • ❗ Interstitielle Cajal-Zellen fungieren als Schrittmacherzellen der glatten Muskulatur und generieren die elektrische Basisrhythmik (Slow Waves), unabhängig von neuronaler Aktivität
  • Migrierender motorischer Komplex (MMC): interdigestive „Housekeeper-Welle“, die alle 90–120 Minuten unverdaute Reste und Bakterien nach aboral transportiert; durch Motilin getriggert
  • Rezeptive Relaxation des proximalen Magens ist vagal vermittelt (NO- und VIP-vermittelte Hemmung) – Vagotomie beeinträchtigt diese Funktion und kann zu Dumping-Symptomatik fĂźhren
  • Gastrokolischer Reflex: Nahrungsaufnahme bzw. Magendehnung steigert postprandial die Kolonmotilität und lĂśst Massenbewegungen aus (vagal und Ăźber gastrointestinale Hormone vermittelt) – Grundlage des Stuhldrangs nach dem Essen
  • ⚠️ PrĂźfungsfalle: der innere Analsphinkter ist glatte Muskulatur und unwillkĂźrlich (autonome Kontrolle, relaxiert reflektorisch bei Rektumdehnung), der äußere Analsphinkter ist quergestreift und willkĂźrlich steuerbar – Verwechslung fĂźhrt zu Fehlern bei Fragen zur Kontinenz
  • ⚠️ Verwechslung: Plexus myentericus (Auerbach) = zwischen Ring- und Längsmuskulatur, zuständig fĂźr Motorik; Plexus submucosus (Meissner) = in der Submukosa, zuständig fĂźr Sekretion und Durchblutung – beide Namen und Funktionen werden häufig vertauscht
  • Hirschsprung-Krankheit als klassisches Korrelat: Fehlen der Ganglienzellen des Plexus myentericus/submucosus in einem aboralen Darmsegment fĂźhrt zu funktioneller Obstruktion (wichtig fĂźr Verständnis, nicht Gegenstand dieses Physiologie-Themas selbst)
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