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Ketonkörpersynthese und -abbau

Schema der Ketogenese: aus zwei Acetyl-CoA entstehen über Thiolase, HMG-CoA-Synthase und HMG-CoA-Lyase die drei Ketonkörper Acetoacetat, Aceton und D-beta-Hydroxybutyrat; Enzyme rot, Ketonkörper orange hervorgehoben.
Sav vas · Ketogenesis · CC0 · via Wikimedia Commons

Ketonkörper (Acetoacetat, β-Hydroxybutyrat, Aceton) werden in der Leber aus überschüssigem Acetyl-CoA (v. a. bei Fasten, β-Oxidation) gebildet und dienen als alternative Energiequelle für extrahepatische Gewebe, v. a. das Gehirn im längeren Hunger.

  • ❗ Bildungsort: Leber-Mitochondrien, Schlüsselenzym HMG-CoA-Synthase, Ausgangsstoff Acetyl-CoA aus β-Oxidation
  • Weg: 2 Acetyl-CoA → Acetoacetyl-CoA → HMG-CoAAcetoacetat (+ Acetyl-CoA) → β-Hydroxybutyrat (reduziert) oder spontan → Aceton
  • ❗ Die Leber kann Ketonkörper nicht selbst verwerten (fehlende Thiophorase/Succinyl-CoA-Transferase) – reine Exportprodukte
  • Verwertung in Muskel, Herz, Niere und (nach Adaptation) Gehirn über Rückumwandlung zu Acetyl-CoA (Thiophorase)
  • Ketoazidose: bei Diabetes mellitus Typ 1 (Insulinmangel) massiv gesteigerte Ketogenese → metabolische Azidose, Aceton-Geruch

Quellen

  1. Löffler/Petrides „Biochemie und Pathobiochemie“ (Springer)
  2. Rassow et al. „Duale Reihe Biochemie“ (Thieme)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
  4. Rahimi N, Gupta S: „Biochemistry, Ketogenesis“ (StatPearls, NCBI Bookshelf)

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Ketonkörpersynthese und -abbau

Schema der Ketogenese: aus zwei Acetyl-CoA entstehen über Thiolase, HMG-CoA-Synthase und HMG-CoA-Lyase die drei Ketonkörper Acetoacetat, Aceton und D-beta-Hydroxybutyrat; Enzyme rot, Ketonkörper orange hervorgehoben.
Sav vas · Ketogenesis · CC0 · via Wikimedia Commons

Die Ketonkörpersynthese (Ketogenese) ist eine physiologische Anpassung an Zustände mit hohem Fettsäureabbau und limitierter Glucoseverfügbarkeit (Fasten, kohlenhydratarme Ernährung, Diabetes mellitus). Sie ermöglicht den Export von Acetyl-CoA-Äquivalenten aus der Leber an periphere Gewebe, insbesondere das Gehirn, das im Hungerzustand nach einigen Tagen auf Ketonkörper als Hauptenergiequelle umschalten kann und so den Proteinabbau zur Gluconeogenese reduziert.

Synthese in der Leber

Bei hohem Acetyl-CoA-Angebot (β-Oxidation) und relativ niedrigem Oxalacetat (verbraucht für Gluconeogenese) wird Acetyl-CoA nicht effizient in den Citratzyklus eingeschleust, sondern zur Ketogenese umgeleitet. Zwei Acetyl-CoA kondensieren zu Acetoacetyl-CoA (Thiolase, reverse Reaktion der β-Oxidation), ein drittes Acetyl-CoA wird durch die mitochondriale HMG-CoA-Synthase (das geschwindigkeitsbestimmende, ketogenese-spezifische Enzym) addiert zu HMG-CoA. Die HMG-CoA-Lyase spaltet dies in Acetoacetat und Acetyl-CoA. Acetoacetat wird entweder durch die β-Hydroxybutyrat-Dehydrogenase (NADH-abhängig) zu β-Hydroxybutyrat reduziert oder spontan, nicht-enzymatisch zu Aceton decarboxyliert (charakteristischer Fruchtgeruch der Atemluft).

Verwertung in peripheren Geweben

Ketonkörper diffundieren frei ins Blut und werden von extrahepatischen Geweben (Herz, Skelettmuskel, Nierenrinde, nach Adaptation auch Gehirn) aufgenommen. β-Hydroxybutyrat wird zurück zu Acetoacetat oxidiert, das durch die Succinyl-CoA:Acetoacetat-CoA-Transferase (Thiophorase) unter Verbrauch von Succinyl-CoA zu Acetoacetyl-CoA aktiviert wird – dieses Enzym fehlt in der Leber, weshalb sie selbst keine Ketonkörper verbrauchen kann (Vermeidung eines sinnlosen Kreislaufs). Thiolase spaltet Acetoacetyl-CoA in 2 Acetyl-CoA, die in den Citratzyklus eintreten.

Ketoazidose

Bei absolutem Insulinmangel (Diabetes mellitus Typ 1) ist die Lipolyse im Fettgewebe unkontrolliert enthemmt, massive Fettsäurefreisetzung überflutet die hepatische β-Oxidation, und die Ketogenese läuft auf Hochtouren, ohne dass periphere Gewebe (ebenfalls insulinabhängig limitiert in der Aufnahme/Verwertung) ausreichend gegensteuern können. Die resultierende diabetische Ketoazidose zeigt eine erhöhte Anionenlücke (Acetoacetat, β-Hydroxybutyrat als starke Säuren), Kussmaul-Atmung (respiratorische Kompensation), Aceton-Foetor und häufig begleitende Hyperglykämie/Dehydratation.

  • ❗ Ketogenese findet ausschließlich in der Leber statt; HMG-CoA-Synthase ist das Schlüsselenzym (nicht zu verwechseln mit HMG-CoA-Reduktase der Cholesterinsynthese)
  • ❗ Die Leber besitzt keine Thiophorase und kann daher selbst gebildete Ketonkörper nicht verwerten – reiner Exportstoffwechsel
  • β-Hydroxybutyrat ist die im Blut mengenmäßig führende Form, Aceton entsteht spontan/nicht-enzymatisch und wird abgeatmet
  • Nach mehrtägigem Fasten deckt das Gehirn einen Großteil seines Energiebedarfs über Ketonkörper (spart Protein/Muskelmasse durch reduzierte Gluconeogenese)
  • ⚠️ Prüfungsfalle: HMG-CoA-Synthase (Ketogenese, mitochondrial) und HMG-CoA-Reduktase (Cholesterinsynthese, zytosolisch) klingen ähnlich, gehören aber zu unterschiedlichen Stoffwechselwegen mit unterschiedlicher Lokalisation und Funktion
  • ⚠️ Verwechslung: Ketoazidose bei Diabetes mellitus Typ 1 entsteht durch Insulin-MANGEL (enthemmte Lipolyse/Ketogenese), nicht durch Insulinresistenz allein wie meist bei Typ 2 – daher ist die Ketoazidose bei Typ 2 deutlich seltener

Quellen

  1. Löffler/Petrides „Biochemie und Pathobiochemie“ (Springer)
  2. Rassow et al. „Duale Reihe Biochemie“ (Thieme)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
  4. Rahimi N, Gupta S: „Biochemistry, Ketogenesis“ (StatPearls, NCBI Bookshelf)
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