EXPRESS · M1
Hüftgelenk und Beckenmuskulatur
Das Hüftgelenk (Articulatio coxae) ist ein Nussgelenk (Articulatio cotylica), eine Sonderform des Kugelgelenks, aus Acetabulum und Femurkopf, gesichert durch ein kräftiges Bandsystem und das Labrum acetabulare. Die pelvitrochantäre Muskulatur (Glutealmuskeln und tiefe Außenrotatoren) stabilisiert das Becken beim Gehen und ermöglicht Abduktion, Innen- und Außenrotation. Ihr Ausfall führt zu charakteristischen Gangstörungen.
- ❗ Hüftgelenk: Nussgelenk, Caput femoris + Acetabulum, Labrum acetabulare vertieft die Pfanne.
- ❗ Bandapparat: Lig. iliofemorale, ischiofemorale, pubofemorale (verspannen sich bei Extension = Stehachse), Lig. capitis femoris (A. capitis femoris für Kopfversorgung).
- Glutealmuskeln: M. gluteus maximus (Extension/Außenrotation), medius und minimus (Abduktion, Beckenstabilisierung; vordere Anteile Innenrotation, hintere Anteile Außenrotation).
- Tiefe Außenrotatoren: M. piriformis, Mm. gemelli, M. obturatorius internus/externus, M. quadratus femoris.
- N. gluteus superior/inferior innervieren die Glutealmuskulatur; Ausfall des N. gluteus superior → Trendelenburg-Zeichen.
Quellen
- Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
- StatPearls: „Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb, Hip“ (NCBI Bookshelf)
tief · M1
Hüftgelenk und Beckenmuskulatur
Das Hüftgelenk vereint als Nussgelenk hohe Beweglichkeit mit ausgeprägter Stabilität, da das tiefe Acetabulum (verstärkt durch das Labrum acetabulare) den Femurkopf zu über der Hälfte umfasst. Die drei Kapselbänder verlaufen spiralig und verspannen sich in der Hüftextension, wodurch der aufrechte Stand nahezu ohne Muskelarbeit gehalten werden kann. Die pelvitrochantäre Muskulatur lässt sich funktionell in oberflächliche Glutealmuskeln (Abduktoren/Extensoren) und tiefe Außenrotatoren gliedern; besonders die Mm. glutei medius und minimus sind für die Beckenstabilisierung im Einbeinstand entscheidend. Fällt diese Funktion aus, kommt es zum Absinken des Beckens zur Spielbeinseite (positives Trendelenburg-Zeichen) mit kompensatorischem Duchenne-Hinken zur Standbeinseite.
Bandapparat und Stehachse
- Lig. iliofemorale (kräftigstes Band des Körpers, hemmt Überstreckung), Lig. pubofemorale (hemmt Abduktion/Außenrotation), Lig. ischiofemorale (hemmt Innenrotation).
- Lig. capitis femoris führt die A. capitis femoris (Ast der A. obturatoria), klinisch relevant bei kindlicher Hüftkopfnekrose (Perthes).
Muskelfunktion im Gangzyklus
- M. gluteus maximus: Hauptextensor und Außenrotator, wichtig beim Aufstehen/Treppensteigen.
- Mm. glutei medius/minimus: Abduktion und Beckenstabilisierung in der Standbeinphase (Pelvitrochantäre Sicherung).
- Tiefe Außenrotatoren (Piriformis, Gemelli, Obturatorii, Quadratus femoris): feine Rotationskontrolle, Piriformis topographisch wichtig für den Durchtritt des N. ischiadicus.
- ❗ Nussgelenk = dreiachsig wie Kugelgelenk, aber tiefere Pfanne → mehr Stabilität, weniger Bewegungsausmaß als in der Schulter.
- ❗ Trendelenburg-Zeichen: Ausfall der Mm. glutei medius/minimus (N. gluteus superior) → Beckenabsinken zur Gegenseite im Einbeinstand.
- Duchenne-Hinken ist die kompensatorische Rumpfneigung zur Standbeinseite, um das Absinken auszugleichen.
- Das Lig. capitis femoris versorgt nur einen kleinen, in der Kindheit relevanten Anteil der Kopfdurchblutung; die Hauptversorgung erfolgt über den Ring der Aa. circumflexae femoris.
- ⚠️ Prüfungsfalle: Trendelenburg-Zeichen wird oft mit Duchenne-Hinken verwechselt – Trendelenburg beschreibt das Beckenabsinken (Test im Stehen auf einem Bein), Duchenne-Hinken die kompensatorische Oberkörperneigung beim Gehen.
- ⚠️ Verwechslung: Der N. ischiadicus verläuft meist unter dem M. piriformis; eine Piriformis-Hypertrophie/-Verspannung kann ihn komprimieren (Piriformis-Syndrom) – nicht mit einer echten Bandscheibenkompression verwechseln.
Quellen
- Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
- StatPearls: „Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb, Hip“ (NCBI Bookshelf)