EXPRESS · M1
Hör- und Gleichgewichtsorgan â ĂuĂeres und Mittelohr

Das Ă€uĂere Ohr (Ohrmuschel, Gehörgang) leitet Schall zum Trommelfell, das Mittelohr ĂŒbertrĂ€gt die Schwingungen ĂŒber die Gehörknöchelchenkette auf das Innenohr. Die Tuba auditiva (Ohrtrompete) belĂŒftet die Paukenhöhle und gleicht Druckunterschiede aus.
- â Gehörknöchelchenkette: Malleus (Hammer, mit dem Trommelfell verwachsen) â Incus (Amboss) â Stapes (SteigbĂŒgel, in ovalem Fenster)
- â Die Gehörknöchelchenkette wirkt als Impedanzwandler: verstĂ€rkt den Schalldruck vom luftgefĂŒllten Mittelohr zum flĂŒssigkeitsgefĂŒllten Innenohr
- Tuba auditiva (Eustachii) verbindet Paukenhöhle mit Nasopharynx, öffnet sich beim Schlucken (M. tensor veli palatini)
- Paukenhöhle grenzt an wichtige Nachbarstrukturen: N. facialis (Canalis nervi facialis), Mastoid (Cellulae mastoideae)
- M. stapedius (N. facialis) dĂ€mpft bei lauten GerĂ€uschen reflektorisch die SchwingungsĂŒbertragung (Stapediusreflex); der M. tensor tympani (N. trigeminus) spannt zusĂ€tzlich das Trommelfell
- ĂuĂerer Gehörgang: Ă€uĂeres Drittel knorpelig, inneres Zweidrittel knöchern, S-förmiger Verlauf; Trommelfell mit Pars tensa und kleiner Pars flaccida (Shrapnell-Membran), Umbo als tiefster Einziehungspunkt am Ende des Malleusstiels
Quellen
- SchĂŒnke/Schulte/Schumacher âPrometheus â LernAtlas der Anatomie: Kopf, Hals und Neuroanatomieâ (Thieme)
- AumĂŒller et al. âDuale Reihe Anatomieâ (Thieme)
- IMPP-Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂŒfung)
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Hör- und Gleichgewichtsorgan â ĂuĂeres und Mittelohr

ĂuĂeres und Mittelohr bilden gemeinsam den Schallleitungsapparat, dessen zentrale physikalische Aufgabe die Impedanzanpassung zwischen dem niederohmigen Medium Luft und dem hochohmigen, flĂŒssigkeitsgefĂŒllten Innenohr ist. Ohne diese Anpassung ginge der GroĂteil der Schallenergie durch Reflexion an der GrenzflĂ€che verloren. Die VerstĂ€rkung wird ĂŒber zwei Mechanismen erreicht: das FlĂ€chenverhĂ€ltnis zwischen der groĂen TrommelfellflĂ€che und der kleineren StapesfuĂplatte im ovalen Fenster (Hauptbeitrag) sowie den Hebelmechanismus der Gehörknöchelchenkette (untergeordneter Beitrag). Die Tuba auditiva sorgt durch intermittierende Ăffnung beim Schlucken/GĂ€hnen fĂŒr Druckausgleich zwischen Mittelohr und AuĂenluft, was fĂŒr eine ungehinderte Trommelfellschwingung notwendig ist; bei Tubenfunktionsstörung kommt es zu Paukenerguss und Schallleitungsschwerhörigkeit.
Impedanzwandlung im Detail
Das FlĂ€chenverhĂ€ltnis Trommelfell zu StapesfuĂplatte (ca. 17â20:1) liefert den Hauptanteil der DruckverstĂ€rkung, der Hebelarm von Malleus zu Incus (ca. 1,3:1) trĂ€gt zusĂ€tzlich bei. In Summe wird der Schalldruck um etwa 20â30 dB verstĂ€rkt, was den sonst auftretenden Impedanzsprung zwischen Luft und Perilymphe kompensiert.
- M. tensor tympani (V3, Trigeminus) spannt das Trommelfell und dÀmpft dessen Schwingung
- M. stapedius (VII, Facialis) fixiert den Stapes und schĂŒtzt bei LĂ€rmexposition das Innenohr (Stapediusreflex, akustischer Reflex)
ĂuĂeres Ohr und Trommelfell
Der Ă€uĂere Gehörgang ist im Ă€uĂeren Drittel knorpelig, im inneren Zweidrittel knöchern angelegt und verlĂ€uft S-förmig gekrĂŒmmt. Das Trommelfell schlieĂt ihn nach innen ab und besteht aus drei Schichten: einer Ă€uĂeren Epidermis, einer mittleren bindegewebigen Lamina propria mit radiĂ€r und zirkulĂ€r angeordneten FaserzĂŒgen sowie einer inneren Schleimhaut. Der straff gespannte, faserreiche Anteil ist die Pars tensa, der kleine schlaffe Anteil oberhalb davon die Pars flaccida (Shrapnell-Membran). Am Ende des in das Trommelfell eingelagerten Malleusstiels liegt der Umbo als tiefster Einziehungspunkt.
Anatomische Nachbarschaften der Paukenhöhle
Der N. facialis verlĂ€uft im Canalis nervi facialis unmittelbar an der medialen Paukenhöhlenwand vorbei, oberhalb des ovalen Fensters â bei Mittelohroperationen ist dies eine klinisch bedeutsame Risikostruktur. Das Mastoid mit seinen lufthaltigen Cellulae mastoideae kommuniziert ĂŒber den Aditus ad antrum mit der Paukenhöhle und kann bei Otitis media in eine Mastoiditis ĂŒbergehen.
- â Impedanzwandlung erfolgt hauptsĂ€chlich ĂŒber das FlĂ€chenverhĂ€ltnis Trommelfell/StapesfuĂplatte, untergeordnet ĂŒber den Hebelmechanismus der Gehörknöchelchenkette
- â Stapediusreflex (M. stapedius, N. facialis) schĂŒtzt bei LĂ€rmexposition, M. tensor tympani (N. trigeminus) spannt zusĂ€tzlich das Trommelfell
- Die Tuba auditiva öffnet aktiv ĂŒber den M. tensor veli palatini beim Schlucken â bei Kindern kĂŒrzer und horizontaler angelegt, daher höheres Otitis-media-Risiko
- â ïž PrĂŒfungsfalle: M. tensor tympani wird vom N. trigeminus (V3), M. stapedius vom N. facialis (VII) innerviert â hĂ€ufige Verwechslung der beiden Muskeln und ihrer Hirnnerven
- â ïž Verwechslung: Der Malleus ist mit dem Trommelfell verwachsen, der Stapes sitzt im ovalen Fenster zur Perilymphe â die Reihenfolge MalleusâIncusâStapes sollte richtig memoriert werden
- Der N. facialis verlĂ€uft in unmittelbarer Nachbarschaft zur medialen Paukenhöhlenwand â Verletzungsrisiko bei Mittelohreingriffen und Cholesteatom
Quellen
- SchĂŒnke/Schulte/Schumacher âPrometheus â LernAtlas der Anatomie: Kopf, Hals und Neuroanatomieâ (Thieme)
- AumĂŒller et al. âDuale Reihe Anatomieâ (Thieme)
- IMPP-Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂŒfung)