EXPRESS · M1
Hoch- und Niederdrucksystem: arterieller Druck und venöser RĂŒckstrom

Das Hochdrucksystem (linker Ventrikel in der Systole, Aorta, Arterien, Arteriolen) enthĂ€lt nur ca. 15â20 % des Blutvolumens bei hohem Druck. Das Niederdrucksystem (Venen, rechtes Herz, Lungenkreislauf, linker Vorhof, linker Ventrikel in der Diastole, Kapillaren) fasst ca. 80â85 % des Blutvolumens bei niedrigem Druck; die Venen bilden dabei das eigentliche Blutreservoir. Der venöse RĂŒckstrom zum Herzen wird durch mehrere Hilfsmechanismen unterstĂŒtzt.
- â Arterieller Blutdruck wird nichtinvasiv nach Riva-Rocci (auskultatorisch, Korotkow-GerĂ€usche) gemessen: systolisch/diastolisch, Normwert ca. 120/80 mmHg
- Mitteldruck (MAP) â diastolischer Druck + 1/3 der Blutdruckamplitude
- Venen sind KapazitĂ€tsgefĂ€Ăe mit hoher Dehnbarkeit (Compliance) und dienen als Blutreservoir
- â Der linke Ventrikel gehört nur in der Systole zum Hochdrucksystem, in der Diastole (wie der linke Vorhof) zum Niederdrucksystem
- Venöser RĂŒckstrom wird unterstĂŒtzt durch Muskelpumpe, Venenklappen, Atempumpe (negativer intrathorakaler Druck) und die Vis a tergo des Restdrucks
- Der zentrale Venendruck ist ein MaĂ fĂŒr die kardiale Vorlast
Quellen
- Schmidt/Lang/Heckmann âPhysiologie des Menschenâ (Springer)
- Pape/Kurtz/Silbernagl âPhysiologieâ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂŒfung)
tief · M1
Hoch- und Niederdrucksystem: arterieller Druck und venöser RĂŒckstrom

Der Kreislauf gliedert sich funktionell in ein Hochdrucksystem (linker Ventrikel in Systole, Aorta, Arterien, Arteriolen) mit hohem Druck und geringem Volumenanteil sowie ein Niederdrucksystem (Venen, rechtes Herz, Lungenstrombahn, linker Vorhof, linker Ventrikel wĂ€hrend der Diastole, Kapillaren), das als dehnbares Reservoir den GroĂteil des Blutvolumens aufnimmt. Der arterielle Blutdruck entsteht durch das Zusammenspiel von Herzauswurf und peripherem Widerstand und wird klinisch nach der auskultatorischen Riva-Rocci-Methode gemessen. Da Venen nur wenig hydrostatischen Druck haben, ist der venöse RĂŒckstrom zum Herzen (venöser RĂŒckfluss) auf mehrere Hilfsmechanismen angewiesen, die besonders in aufrechter Körperhaltung relevant werden.
Blutdruckmessung und Mitteldruck
Bei der Riva-Rocci-Messung wird die Manschette ĂŒber den systolischen Druck aufgepumpt und langsam abgelassen; die Korotkow-GerĂ€usche markieren beim Auftreten den systolischen und beim Verschwinden den diastolischen Wert. Der arterielle Mitteldruck (MAP) liegt nĂ€her am diastolischen Wert, da die Diastole zeitlich lĂ€nger dauert als die Systole: MAP â RR_diastolisch + 1/3 · (RR_systolisch â RR_diastolisch).
Windkesselfunktion und Entstehung des arteriellen Drucks
Der arterielle Blutdruck entsteht aus dem Zusammenspiel von Herzzeitvolumen und peripherem Gesamtwiderstand. Die herznahen elastischen Arterien (v. a. die Aorta) dehnen sich in der Systole und geben das gespeicherte Volumen in der Diastole wieder ab (Windkesselfunktion). Dadurch wird der pulsatile Auswurf in einen kontinuierlicheren Fluss umgewandelt und die Blutdruckamplitude (Pulsdruck = systolisch â diastolisch) gedĂ€mpft. Mit zunehmender GefĂ€Ăsteifigkeit im Alter nimmt diese Pufferwirkung ab, sodass die Amplitude steigt.
Mechanismen des venösen RĂŒckstroms
Die Muskelpumpe komprimiert bei Kontraktion der Skelettmuskulatur die tiefen Venen, wĂ€hrend Venenklappen einen RĂŒckfluss verhindern und den Blutstrom herzwĂ€rts lenken. Die Atempumpe nutzt den negativen intrathorakalen Druck bei Inspiration, der den Druckgradienten zum rechten Vorhof erhöht. ZusĂ€tzlich wirkt die Vis a tergo (Restenergie aus der linksventrikulĂ€ren Auswurfarbeit) ĂŒber das gesamte Niederdrucksystem fort.
- â Hochdrucksystem â 15â20 % des Blutvolumens bei hohem Druck; Niederdrucksystem â 80â85 % bei niedrigem Druck
- â ZeitabhĂ€ngige Zuordnung des linken Herzens: linker Ventrikel in der Systole = Hochdrucksystem, in der Diastole = Niederdrucksystem; der linke Vorhof zĂ€hlt stets zum Niederdrucksystem (klassische MC-Falle)
- Das Niederdrucksystem wirkt als Volumenspeicher und Sensor der Volumenregulation: Dehnungsrezeptoren im Vorhof lösen bei Volumenzunahme die ANP-Freisetzung und den Gauer-Henry-Reflex aus
- Im Stehen erhöht der hydrostatische Druck den venösen (und arteriellen) Druck in abhĂ€ngigen Körperpartien stark und begĂŒnstigt so ein venöses Pooling (orthostatische Belastung)
- MAP â diastolischer Druck + 1/3 Blutdruckamplitude, NICHT der arithmetische Mittelwert aus systolisch und diastolisch
- Zentraler Venendruck (ZVD) spiegelt die kardiale Vorlast wider und wird durch Blutvolumen, Venentonus und Thoraxdruck beeinflusst
- â ïž PrĂŒfungsfalle: Der Mitteldruck ist NICHT der Mittelwert aus systolischem und diastolischem Druck, da die Diastole lĂ€nger dauert als die Systole
- â ïž Verwechslung: Venenklappen sichern die Stromrichtung der Muskelpumpe, verhindern aber nicht den RĂŒckfluss bei fehlender MuskelaktivitĂ€t (z. B. langes Stehen) â Klappeninsuffizienz fĂŒhrt zu Varizen
Quellen
- Schmidt/Lang/Heckmann âPhysiologie des Menschenâ (Springer)
- Pape/Kurtz/Silbernagl âPhysiologieâ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂŒfung)