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Hämoglobin und Sauerstoffbindung
Hämoglobin ist ein Tetramer aus vier Globinketten (beim Erwachsenen 2α + 2β), jede mit einer Hämgruppe, die je ein O2-Molekül bindet. Die Bindung von Sauerstoff erfolgt kooperativ, was die charakteristische sigmoidale Sauerstoffbindungskurve erzeugt.
- ❗ Kooperative Bindung: Bindet ein O2 an eine Hämgruppe, erhöht sich die Affinität der übrigen Untereinheiten (Übergang von der T-Form (Tense, niedrige Affinität) zur R-Form (Relaxed, hohe Affinität))
- ❗ Sauerstoffbindungskurve ist sigmoidal (im Gegensatz zur hyperbolen Kurve des Myoglobins, das nur eine Kette besitzt)
- Bohr-Effekt: Niedriger pH (hohe CO2-/H+-Konzentration im Gewebe) senkt die O2-Affinität → erleichterte O2-Abgabe im Gewebe, erhöhter pH (Lunge) erhöht die Affinität
- 2,3-Bisphosphoglycerat (2,3-BPG) bindet an desoxygeniertes Hämoglobin und senkt dessen O2-Affinität (Rechtsverschiebung der Kurve) → wichtig bei chronischer Hypoxie/Höhenanpassung
- Fetales Hämoglobin (HbF, α2γ2) hat eine höhere O2-Affinität als adultes HbA, da es 2,3-BPG schlechter bindet – wichtig für den O2-Transfer von Mutter zu Fetus
Quellen
- Löffler/Petrides „Biochemie und Pathobiochemie“ (Springer)
- Rassow et al. „Duale Reihe Biochemie“ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
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Hämoglobin und Sauerstoffbindung
Hämoglobin ist als tetramere Struktur so konstruiert, dass es Sauerstoff im lungenkapillaren Milieu mit hoher Effizienz aufnehmen und im Gewebekapillarmilieu mit ebenso hoher Effizienz wieder abgeben kann – eine Eigenschaft, die aus der allosterischen Kopplung der vier Untereinheiten resultiert und die ein einzelnes, nicht-kooperatives Hämprotein wie Myoglobin nicht leisten könnte. Die sigmoidale Bindungskurve ist damit kein Zufallsprodukt, sondern eine funktionell optimierte Eigenschaft, die zusätzlich durch mehrere physiologische Modulatoren (H+, CO2, 2,3-BPG, Temperatur) an die metabolischen Bedürfnisse des Gewebes angepasst wird.
Struktur und allosterischer T-R-Übergang
Adultes Hämoglobin (HbA) besteht aus zwei α- und zwei β-Globinketten, jede mit einer Hämgruppe (Protoporphyrin IX mit zentralem Fe2+), die reversibel ein O2-Molekül koordinativ bindet. Im desoxygenierten Zustand liegt das Tetramer in der T-Form (Tense) vor, stabilisiert durch Salzbrücken zwischen den Untereinheiten (u. a. über die C-terminalen Histidinreste) und durch 2,3-BPG, das in die zentrale Höhle zwischen den beiden β-Ketten passt. Bindet O2 an eine Untereinheit, bewegt sich das Eisenion leicht in die Häm-Ebene, was über das proximale Histidin eine Konformationsänderung des gesamten Tetramers auslöst und den Übergang in die R-Form (Relaxed) begünstigt, in der die verbleibenden Untereinheiten eine deutlich höhere O2-Affinität aufweisen. Dieser T→R-Übergang ist die molekulare Grundlage der positiven Kooperativität und erzeugt die sigmoidale Bindungskurve, im Gegensatz zur hyperbolen Kurve des monomeren Myoglobins.
Modulatoren: Bohr-Effekt, 2,3-BPG, Temperatur, HbF
Der Bohr-Effekt beschreibt die pH-Abhängigkeit der O2-Affinität: Im Gewebe entstehende H+-Ionen (u. a. aus CO2 + H2O → H2CO3 → H+ + HCO3-, Kohlensäure-Anhydrase-katalysiert) protonieren Histidinreste des Hämoglobins, stabilisieren die T-Form und erleichtern damit die O2-Abgabe im Gewebe; in der Lunge (niedrige CO2-, hohe pH-Werte) verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten der R-Form und begünstigt die O2-Aufnahme. 2,3-Bisphosphoglycerat, ein Nebenprodukt der Glykolyse (Rapoport-Luebering-Shunt), bindet spezifisch an desoxygeniertes HbA und senkt dessen O2-Affinität (Rechtsverschiebung); bei chronischer Hypoxie (Höhenaufenthalt, Anämie) steigt die 2,3-BPG-Konzentration in Erythrozyten an und verbessert die O2-Abgabe ans Gewebe. Fetales Hämoglobin (HbF, α2γ2) bindet 2,3-BPG wegen struktureller Unterschiede der γ-Kette deutlich schwächer als HbA und besitzt dadurch eine höhere O2-Affinität, was den diffusionsgetriebenen O2-Transfer von maternalem Blut über die Plazenta zum Fetus begünstigt (Linksverschiebung der fetalen Kurve relativ zur maternalen).
- ❗ Kooperative Bindung erzeugt die sigmoidale Sauerstoffbindungskurve; T-Form (niedrige Affinität) und R-Form (hohe Affinität) sind die beiden allosterischen Grundzustände
- ❗ Bohr-Effekt: niedriger pH/hohes CO2 im Gewebe senkt O2-Affinität (Rechtsverschiebung) und erleichtert die O2-Abgabe
- 2,3-BPG bindet nur an desoxygeniertes HbA und senkt dessen O2-Affinität; HbF bindet 2,3-BPG schwächer, daher höhere O2-Affinität als HbA
- Erhöhte Temperatur senkt ebenfalls die O2-Affinität (Rechtsverschiebung) – relevant bei Fieber und intensiver Muskelarbeit
- ⚠️ Prüfungsfalle: Myoglobin hat eine hyperbole (nicht sigmoidale) Bindungskurve, da es monomer ist und keine Kooperativität zeigt – ein klassischer Verwechslungspunkt mit Hämoglobin
- ⚠️ Verwechslung: CO (Kohlenmonoxid) bindet mit ca. 200-facher Affinität am selben Bindungsort wie O2 und verschiebt zudem die Kurve der übrigen Bindungsstellen nach links (pseudo-kooperativer Effekt), was die O2-Abgabe zusätzlich erschwert – Grundlage der CO-Vergiftung
Quellen
- Löffler/Petrides „Biochemie und Pathobiochemie“ (Springer)
- Rassow et al. „Duale Reihe Biochemie“ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)