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Geschmacks- und Riechorgan

Schematisches Schnittbild einer Geschmacksknospe im Epithel mit Geschmacksporus, Geschmackssinneszellen, Basalzellen und den afferenten Nervenfasern im Bindegewebe, deutsch beschriftet.
Jonas TÜle ¡ Taste bud 2 deu ¡ CC0 ¡ via Wikimedia Commons

Die Regio olfactoria in der oberen NasenhÜhle enthält die Riechsinneszellen, deren Axone durch die Lamina cribrosa zum Bulbus olfactorius ziehen. Geschmacksknospen liegen v. a. in den Zungenpapillen und werden nervlich von drei verschiedenen Hirnnerven versorgt.

  • ❗ Riechsinneszellen sind primäre Sinneszellen (selbst Neurone, bipolar), einzige Nervenzellen mit direktem Außenkontakt und lebenslanger Regenerationsfähigkeit
  • ❗ Axone der Riechzellen (Fila olfactoria) ziehen durch die Lamina cribrosa des Os ethmoidale zum Bulbus olfactorius (= Endigung des N. olfactorius, Hirnnerv I)
  • Geschmacksknospen liegen in Papillae vallatae, foliatae und fungiformes (nicht in Papillae filiformes)
  • Nervale Versorgung der Geschmacksknospen: vordere ⅔ Zunge Ăźber Chorda tympani (N. facialis, VII), hintere ⅓ Ăźber N. glossopharyngeus (IX), Epiglottisregion Ăźber N. vagus (X)
  • FĂźnf Grundqualitäten: süß, salzig, sauer, bitter, umami – jeweils Ăźber spezifische Rezeptoren/Ionenkanäle transduziert

Quellen

  1. Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Kopf, Hals und Neuroanatomie“ (Thieme)
  2. Aumüller et al. „Duale Reihe Anatomie“ (Thieme)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
  4. Purves et al., Neuroscience: „The Olfactory Epithelium and Olfactory Receptor Neurons“ (NCBI Bookshelf)

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Geschmacks- und Riechorgan

Schematisches Schnittbild einer Geschmacksknospe im Epithel mit Geschmacksporus, Geschmackssinneszellen, Basalzellen und den afferenten Nervenfasern im Bindegewebe, deutsch beschriftet.
Jonas TÜle ¡ Taste bud 2 deu ¡ CC0 ¡ via Wikimedia Commons

Die Riechschleimhaut (Regio olfactoria) besteht aus einem pseudostratifizierten Epithel mit drei Zelltypen: bipolaren Riechsinneszellen, Stützzellen und Basalzellen, aus denen sich die Riechzellen lebenslang neu bilden. Jede Riechsinneszelle exprimiert nur einen von rund 350 funktionellen Odorant-Rezeptortypen (G-Protein-gekoppelt, cAMP-vermittelt); Axone gleicher Rezeptorspezifität konvergieren im Bulbus olfactorius auf gemeinsame Glomerula, wo sie auf Mitralzellen umgeschaltet werden – die einzige Sinnesbahn, die ohne obligate Thalamusumschaltung direkt zum limbischen/piriformen Kortex projiziert. Geschmacksknospen bestehen aus Sinnes-, Stütz- und Basalzellen und liegen eingebettet in bestimmten Zungenpapillen sowie am weichen Gaumen und der Epiglottis; ihre Innervation folgt einem klaren topographischen Muster über drei Hirnnerven, was klinisch zur Höhenlokalisation von Hirnnervenläsionen genutzt wird.

Riechbahn-Besonderheit

Mitralzellen des Bulbus olfactorius projizieren über den Tractus olfactorius direkt zu Kortexarealen des Riechhirns (Cortex piriformis, Amygdala, entorhinaler Kortex) ohne obligate Thalamusschaltung – ein Alleinstellungsmerkmal unter den Sinnesmodalitäten und Grundlage der engen Verknüpfung von Geruch mit Emotion und Gedächtnis (limbisches System).

Geschmacksbahn

Alle drei Geschmacksnerven (Chorda tympani, N. glossopharyngeus, N. vagus) konvergieren im Nucleus tractus solitarii der Medulla oblongata, von dort Ăźber den Thalamus (Nucleus ventralis posteromedialis) zur gustatorischen Rinde im Operculum/Insula.

  • Papillae vallatae: V-fĂśrmig am Zungengrund, umsäumt von Von-Ebner-DrĂźsen (serĂśse SpĂźldrĂźsen)
  • Papillae filiformes tragen keine Geschmacksknospen, dienen mechanisch der Nahrungsbearbeitung
  • ❗ Riechsinneszellen sind primäre, direkt exponierte Neurone mit lebenslanger Regenerationsfähigkeit aus Basalzellen – einzigartig im Nervensystem
  • ❗ Riechbahn schaltet nicht obligat Ăźber den Thalamus – Ausnahme unter allen Sinnesmodalitäten
  • Nucleus tractus solitarii ist die gemeinsame zentrale Umschaltstation aller drei Geschmacksnerven, bevor die Bahn zum Thalamus zieht
  • ⚠️ PrĂźfungsfalle: Geschmacksqualitäten werden nicht zungenregional streng getrennt wahrgenommen (die klassische „Zungenkarte“ ist Ăźberholt) – alle Papillenareale kĂśnnen alle Grundqualitäten vermitteln
  • ⚠️ Verwechslung: Chorda tympani (N. facialis) versorgt die vorderen ⅔ der Zunge geschmacklich, aber die allgemeine Sensibilität dieser Zone läuft Ăźber den N. lingualis (N. trigeminus, V3) – zwei verschiedene Nerven fĂźr dieselbe Region
  • Anosmie durch Schädel-Hirn-Trauma entsteht typischerweise durch Abriss der Fila olfactoria an der Lamina cribrosa (Contrecoup-Mechanismus)

Quellen

  1. Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Kopf, Hals und Neuroanatomie“ (Thieme)
  2. Aumüller et al. „Duale Reihe Anatomie“ (Thieme)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
  4. Purves et al., Neuroscience: „The Olfactory Epithelium and Olfactory Receptor Neurons“ (NCBI Bookshelf)
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