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Gelenke – Aufbau und Klassifikation

Schematische Darstellung der sechs Typen echter (synovialer) Gelenke, jeweils an einer passenden Stelle des menschlichen Skeletts gezeigt: Kugelgelenk (Schulter/Hüfte), Scharniergelenk (Ellenbogen/Knie), Drehgelenk, Sattelgelenk (Daumen), Ebenes Gelenk und Eigelenk (Handgelenk).
OpenStax College · 909 Types of Synovial Joints · CC BY 3.0 · via Wikimedia Commons

Gelenke werden nach ihrer Beweglichkeit in Synarthrosen (unechte, unbewegliche bis wenig bewegliche Verbindungen) und Diarthrosen (echte, frei bewegliche Gelenke) eingeteilt. Jedes echte Gelenk besitzt Gelenkkapsel, Gelenkknorpel und Gelenkspalt mit Synovialflüssigkeit. Die Freiheitsgrade und die Form der Gelenkflächen bestimmen den Gelenktyp und damit die möglichen Bewegungsachsen.

  • Synarthrosen: Synostose, Synchondrose, Syndesmose, Symphyse – kaum/keine Bewegung.
  • Diarthrosen (echte Gelenke): Gelenkkapsel (Stratum fibrosum außen, Stratum synoviale innen), hyaliner Gelenkknorpel, Gelenkspalt mit Synovia.
  • Gelenktypen nach Freiheitsgraden: einachsig (Scharnier-, Rad-/Zapfengelenk), zweiachsig (Ei-, Sattelgelenk), dreiachsig (Kugelgelenk, Nussgelenk); dazu das ebene Gelenk (Articulatio plana) mit gleitender (translatorischer) Beweglichkeit.
  • Der Bandapparat sichert und limitiert die Bewegung, die Gelenkflächenform legt die Bewegungsachse(n) fest.
  • Ein Kugelgelenk erlaubt Flexion/Extension, Ab-/Adduktion und Rotation um alle drei Raumachsen.

Quellen

  1. Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ (Thieme)
  2. Aumüller et al. „Duale Reihe Anatomie“ (Thieme)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
  4. „Anatomy, Joints“ (StatPearls, NCBI Bookshelf)

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Gelenke – Aufbau und Klassifikation

Schematische Darstellung der sechs Typen echter (synovialer) Gelenke, jeweils an einer passenden Stelle des menschlichen Skeletts gezeigt: Kugelgelenk (Schulter/Hüfte), Scharniergelenk (Ellenbogen/Knie), Drehgelenk, Sattelgelenk (Daumen), Ebenes Gelenk und Eigelenk (Handgelenk).
OpenStax College · 909 Types of Synovial Joints · CC BY 3.0 · via Wikimedia Commons

Die Klassifikation der Gelenke folgt zwei Prinzipien: der Kontinuität des verbindenden Gewebes (Synarthrose vs. Diarthrose) und – bei echten Gelenken – der Form der Gelenkflächen, die die Anzahl der Freiheitsgrade bestimmt. Der Gelenkknorpel ist meist hyaliner Knorpel, ernährungsphysiologisch avaskulär und wird per Diffusion aus der Synovia versorgt, was seine begrenzte Regenerationsfähigkeit erklärt. Gelenkkapsel und Bänder wirken als passive Stabilisatoren, während die gelenkumspannende Muskulatur die aktive Sicherung übernimmt. Zusatzstrukturen wie Menisken, Disci articulares und Labra vergrößern die Kongruenz der Gelenkflächen und verteilen die Druckbelastung.

Synarthrosen im Detail

  • Synostose: knöcherne Verbindung (z. B. verschmolzene Kreuzbeinwirbel).
  • Synchondrose: hyalinknorpelige Verbindung (z. B. Epiphysenfuge, 1. Rippe–Sternum).
  • Syndesmose: bindegewebige Verbindung (z. B. Membrana interossea antebrachii).
  • Symphyse: Faserknorpelverbindung mit engem Spalt (z. B. Symphysis pubica, Bandscheiben als Sonderfall).

Diarthrosen – Aufbau und Zusatzstrukturen

  • Stratum fibrosum (mechanischer Schutz) und Stratum synoviale (Produktion der Synovia) der Gelenkkapsel.
  • Menisken/Disci (z. B. Knie, Kiefergelenk) und Labra (z. B. Hüfte, Schulter) verbessern Kongruenz und Stoßdämpfung.
  • ❗ Merkschema Freiheitsgrade: 1 Achse = Scharnier-/Radgelenk, 2 Achsen = Ei-/Sattelgelenk, 3 Achsen = Kugel-/Nussgelenk; das ebene Gelenk (Articulatio plana, z. B. Wirbelbogen-/Interkarpalgelenke) erlaubt nur translatorisches Gleiten.
  • Amphiarthrose (straffes Gelenk): echtes Gelenk mit Gelenkspalt, aber durch straffen Bandapparat und wenig kongruente, ebene Flächen stark eingeschränkte Beweglichkeit (z. B. Articulatio sacroiliaca, Articulationes intercarpales) – abzugrenzen von der Symphyse (unechtes Gelenk ohne echten Gelenkraum).
  • ❗ Hyaliner Gelenkknorpel ist avaskulär und nicht innerviert – Schmerz bei Arthrose entsteht durch Begleitreaktionen in Kapsel/Knochen, nicht im Knorpel selbst.
  • Die Synovialflüssigkeit dient sowohl der Schmierung (Reibungsreduktion) als auch der Ernährung des Knorpels.
  • Bandapparat und Muskulatur ergänzen sich: Bänder limitieren passiv die Endstellung, Muskeln sichern aktiv während der Bewegung.
  • ⚠️ Prüfungsfalle: Symphysen werden oft fälschlich zu den echten Gelenken gezählt – sie gehören trotz Spalt zu den Synarthrosen (unechte Gelenke), da kein echter Gelenkraum mit Synovialmembran vorliegt.
  • ⚠️ Verwechslung: Nussgelenk (z. B. Hüfte) und Kugelgelenk (z. B. Schulter) sind beide dreiachsig, unterscheiden sich aber im Bewegungsausmaß – die tiefe Pfanne des Nussgelenks schränkt die Beweglichkeit zugunsten der Stabilität ein.

Quellen

  1. Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ (Thieme)
  2. Aumüller et al. „Duale Reihe Anatomie“ (Thieme)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
  4. „Anatomy, Joints“ (StatPearls, NCBI Bookshelf)
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