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Fetale Physiologie

Beschriftetes Schema des fetalen Blutkreislaufs auf Deutsch: Plazenta mit Nabelvene und Nabelarterien, Ductus venosus, Foramen ovale und Ductus arteriosus zeigen die fetalen KurzschlĂźsse, die die noch nicht belĂźftete Lunge umgehen.
CorinnaPaul ¡ 2916 Fetal Circulatory System-02 (deutsche Version) ¡ CC BY 4.0 ¡ via Wikimedia Commons

Der Fetus lebt in einer hypoxischen Umgebung im Vergleich zum Erwachsenen und passt sich durch fetales Hämoglobin (HbF) und spezielle Kreislauf-Kurzschlüsse (Shunts) an, die die Lunge umgehen. Gasaustausch findet ausschließlich über die Plazenta statt.

  • ❗ HbF hat eine hĂśhere Sauerstoffaffinität als adultes HbA (fehlende 2,3-BPG-Bindung an Îł-Ketten), was den O₂-Transfer von der maternalen zur fetalen Seite der Plazenta begĂźnstigt.
  • Drei fetale Shunts umgehen Lunge und Leber: Ductus venosus (umgeht die Leber), Foramen ovale (rechter → linker Vorhof) und Ductus arteriosus (Pulmonalarterie → Aorta).
  • Die Lunge ist fetal flĂźssigkeitsgefĂźllt und funktionell nicht am Gasaustausch beteiligt – hoher Pulmonalgefäßwiderstand.
  • Nabelvene fĂźhrt sauerstoffreiches Blut von der Plazenta zum Feten, Nabelarterien fĂźhren sauerstoffarmes Blut zur Plazenta zurĂźck.
  • Nach der Geburt verschließen sich die Shunts durch Druckumkehr (Lungenexpansion, Wegfall der Plazentazirkulation): Ductus venosus → Lig. venosum, Foramen ovale → Fossa ovalis, Ductus arteriosus → Lig. arteriosum.

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Fetale Physiologie

Beschriftetes Schema des fetalen Blutkreislaufs auf Deutsch: Plazenta mit Nabelvene und Nabelarterien, Ductus venosus, Foramen ovale und Ductus arteriosus zeigen die fetalen KurzschlĂźsse, die die noch nicht belĂźftete Lunge umgehen.
CorinnaPaul ¡ 2916 Fetal Circulatory System-02 (deutsche Version) ¡ CC BY 4.0 ¡ via Wikimedia Commons

Die fetale Physiologie ist auf eine Umgebung mit niedrigem Sauerstoffpartialdruck und funktionslosen Lungen ausgerichtet. Drei parallele Anpassungen sichern die Sauerstoffversorgung: eine erhÜhte Sauerstoffaffinität des fetalen Hämoglobins, ein Kreislaufsystem mit Rechts-links-Shunts, das sauerstoffreiches Blut bevorzugt zu Gehirn und Herz leitet, und die Umgehung der nicht ventilierten Lunge. Das Verständnis der fetalen Zirkulation ist Grundlage fßr das Verständnis der postnatalen Kreislaufumstellung.

Fetales Hämoglobin und Sauerstofftransport

HbF besteht aus zwei α- und zwei γ-Ketten (statt β-Ketten bei HbA). Die γ-Ketten binden 2,3-Bisphosphoglycerat (2,3-BPG) schwächer, wodurch die Sauerstoffbindungskurve von HbF gegenüber HbA nach links verschoben ist (höhere O₂-Affinität bei gleichem pO₂). Dieser Affinitätsunterschied erzeugt einen effektiven Sauerstoff-Gradienten von der mütterlichen zur fetalen Seite der Plazenta (Bohr-Effekt zusätzlich unterstützend: fetales CO₂ diffundiert zur Mutter, fetaler pH steigt leicht, was die O₂-Aufnahme fetal begünstigt – Doppel-Bohr-Effekt).

Fetale Kreislaufwege und Shunts

Sauerstoffreiches Blut aus der Plazenta erreicht über die Nabelvene den Feten. Ein Großteil umgeht über den Ductus venosus die Leber und gelangt direkt in die V. cava inferior. Im rechten Vorhof wird bevorzugt sauerstoffreiches Blut über das Foramen ovale in den linken Vorhof geleitet (anatomisch durch die Crista dividens begünstigt) und versorgt so bevorzugt Gehirn und Koronararterien über den linken Ventrikel/Aorta ascendens. Sauerstoffärmeres Blut aus der oberen Körperhälfte gelangt in den rechten Ventrikel und die A. pulmonalis; da der pulmonale Gefäßwiderstand fetal hoch ist (kollabierte, flüssigkeitsgefüllte Lunge), wird der Großteil über den Ductus arteriosus direkt in die Aorta descendens geleitet, wodurch die Lunge umgangen wird. Über die Nabelarterien fließt Blut zurück zur Plazenta.

Postnatale Umstellung

Mit dem ersten Atemzug sinkt der pulmonale Gefäßwiderstand drastisch (Lungenentfaltung, O₂-induzierte Vasodilatation), wodurch der Blutfluss durch die Lunge stark zunimmt und der Druck im linken Vorhof den im rechten übersteigt – funktioneller Verschluss des Foramen ovale. Der Wegfall der plazentaren Zirkulation (Abnabelung) erhöht den systemischen Widerstand. Der Ductus arteriosus verschließt sich funktionell innerhalb von Stunden (steigender O₂-Partialdruck hemmt lokale Prostaglandinsynthese), anatomisch innerhalb von Wochen.

  • ❗ HbF hat wegen geringerer 2,3-BPG-Bindung eine hĂśhere O₂-Affinität als HbA – begĂźnstigt plazentaren O₂-Transfer zum Feten.
  • Drei Shunts: Ductus venosus (umgeht Leber), Foramen ovale (rechter → linker Vorhof), Ductus arteriosus (A. pulmonalis → Aorta).
  • Nabelvene = sauerstoffreich (zum Feten), Nabelarterien = sauerstoffarm (zur Plazenta) – umgekehrt zur postnatalen Gefäßnomenklatur.
  • Prostaglandin E2 hält den Ductus arteriosus pränatal offen; Indometacin (Prostaglandinsynthesehemmer) kann postnatal zum Verschluss genutzt werden, während Prostaglandin-E1-Gabe ihn bei ductusabhängigen Vitien offenhält.
  • ⚠️ PrĂźfungsfalle: Das am besten oxygenierte fetale Blut erreicht Gehirn und Herz (via Foramen ovale), nicht die Lunge – eine häufige Verwechslung mit der postnatalen Situation.
  • ⚠️ Verwechslung: Persistierender Ductus arteriosus nach Geburt fĂźhrt zu einem Links-rechts-Shunt (Aorta → Pulmonalarterie), da sich die Druckverhältnisse postnatal umkehren – nicht mehr Rechts-links wie pränatal.
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