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Fetale Physiologie

Der Fetus lebt in einer hypoxischen Umgebung im Vergleich zum Erwachsenen und passt sich durch fetales Hämoglobin (HbF) und spezielle Kreislauf-KurzschlĂźsse (Shunts) an, die die Lunge umgehen. Gasaustausch findet ausschlieĂlich Ăźber die Plazenta statt.
- â HbF hat eine hĂśhere Sauerstoffaffinität als adultes HbA (fehlende 2,3-BPG-Bindung an Îł-Ketten), was den Oâ-Transfer von der maternalen zur fetalen Seite der Plazenta begĂźnstigt.
- Drei fetale Shunts umgehen Lunge und Leber: Ductus venosus (umgeht die Leber), Foramen ovale (rechter â linker Vorhof) und Ductus arteriosus (Pulmonalarterie â Aorta).
- Die Lunge ist fetal flĂźssigkeitsgefĂźllt und funktionell nicht am Gasaustausch beteiligt â hoher PulmonalgefäĂwiderstand.
- Nabelvene fĂźhrt sauerstoffreiches Blut von der Plazenta zum Feten, Nabelarterien fĂźhren sauerstoffarmes Blut zur Plazenta zurĂźck.
- Nach der Geburt verschlieĂen sich die Shunts durch Druckumkehr (Lungenexpansion, Wegfall der Plazentazirkulation): Ductus venosus â Lig. venosum, Foramen ovale â Fossa ovalis, Ductus arteriosus â Lig. arteriosum.
Quellen
- Schmidt/Lang/Heckmann âPhysiologie des Menschenâ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- Remien K, Majmundar SH: Physiology, Fetal Circulation (StatPearls, NCBI Bookshelf)
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Fetale Physiologie

Die fetale Physiologie ist auf eine Umgebung mit niedrigem Sauerstoffpartialdruck und funktionslosen Lungen ausgerichtet. Drei parallele Anpassungen sichern die Sauerstoffversorgung: eine erhÜhte Sauerstoffaffinität des fetalen Hämoglobins, ein Kreislaufsystem mit Rechts-links-Shunts, das sauerstoffreiches Blut bevorzugt zu Gehirn und Herz leitet, und die Umgehung der nicht ventilierten Lunge. Das Verständnis der fetalen Zirkulation ist Grundlage fßr das Verständnis der postnatalen Kreislaufumstellung.
Fetales Hämoglobin und Sauerstofftransport
HbF besteht aus zwei Îą- und zwei Îł-Ketten (statt β-Ketten bei HbA). Die Îł-Ketten binden 2,3-Bisphosphoglycerat (2,3-BPG) schwächer, wodurch die Sauerstoffbindungskurve von HbF gegenĂźber HbA nach links verschoben ist (hĂśhere Oâ-Affinität bei gleichem pOâ). Dieser Affinitätsunterschied erzeugt einen effektiven Sauerstoff-Gradienten von der mĂźtterlichen zur fetalen Seite der Plazenta (Bohr-Effekt zusätzlich unterstĂźtzend: fetales COâ diffundiert zur Mutter, fetaler pH steigt leicht, was die Oâ-Aufnahme fetal begĂźnstigt â Doppel-Bohr-Effekt).
Fetale Kreislaufwege und Shunts
Sauerstoffreiches Blut aus der Plazenta erreicht Ăźber die Nabelvene den Feten. Ein GroĂteil umgeht Ăźber den Ductus venosus die Leber und gelangt direkt in die V. cava inferior. Im rechten Vorhof wird bevorzugt sauerstoffreiches Blut Ăźber das Foramen ovale in den linken Vorhof geleitet (anatomisch durch die Crista dividens begĂźnstigt) und versorgt so bevorzugt Gehirn und Koronararterien Ăźber den linken Ventrikel/Aorta ascendens. Sauerstoffärmeres Blut aus der oberen KĂśrperhälfte gelangt in den rechten Ventrikel und die A. pulmonalis; da der pulmonale GefäĂwiderstand fetal hoch ist (kollabierte, flĂźssigkeitsgefĂźllte Lunge), wird der GroĂteil Ăźber den Ductus arteriosus direkt in die Aorta descendens geleitet, wodurch die Lunge umgangen wird. Ăber die Nabelarterien flieĂt Blut zurĂźck zur Plazenta.
Postnatale Umstellung
Mit dem ersten Atemzug sinkt der pulmonale GefäĂwiderstand drastisch (Lungenentfaltung, Oâ-induzierte Vasodilatation), wodurch der Blutfluss durch die Lunge stark zunimmt und der Druck im linken Vorhof den im rechten Ăźbersteigt â funktioneller Verschluss des Foramen ovale. Der Wegfall der plazentaren Zirkulation (Abnabelung) erhĂśht den systemischen Widerstand. Der Ductus arteriosus verschlieĂt sich funktionell innerhalb von Stunden (steigender Oâ-Partialdruck hemmt lokale Prostaglandinsynthese), anatomisch innerhalb von Wochen.
- â HbF hat wegen geringerer 2,3-BPG-Bindung eine hĂśhere Oâ-Affinität als HbA â begĂźnstigt plazentaren Oâ-Transfer zum Feten.
- Drei Shunts: Ductus venosus (umgeht Leber), Foramen ovale (rechter â linker Vorhof), Ductus arteriosus (A. pulmonalis â Aorta).
- Nabelvene = sauerstoffreich (zum Feten), Nabelarterien = sauerstoffarm (zur Plazenta) â umgekehrt zur postnatalen GefäĂnomenklatur.
- Prostaglandin E2 hält den Ductus arteriosus pränatal offen; Indometacin (Prostaglandinsynthesehemmer) kann postnatal zum Verschluss genutzt werden, während Prostaglandin-E1-Gabe ihn bei ductusabhängigen Vitien offenhält.
- â ď¸ PrĂźfungsfalle: Das am besten oxygenierte fetale Blut erreicht Gehirn und Herz (via Foramen ovale), nicht die Lunge â eine häufige Verwechslung mit der postnatalen Situation.
- â ď¸ Verwechslung: Persistierender Ductus arteriosus nach Geburt fĂźhrt zu einem Links-rechts-Shunt (Aorta â Pulmonalarterie), da sich die Druckverhältnisse postnatal umkehren â nicht mehr Rechts-links wie pränatal.
Quellen
- Schmidt/Lang/Heckmann âPhysiologie des Menschenâ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- Remien K, Majmundar SH: Physiology, Fetal Circulation (StatPearls, NCBI Bookshelf)