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Extrazelluläre Matrix und Zell-Zell-Kontakte
Die extrazelluläre Matrix (EZM) besteht aus faserigen Proteinen (Kollagen, Elastin) und einer Grundsubstanz aus Proteoglykanen und Glykosaminoglykanen (GAG), die Gewebe Stabilität, Elastizität und Wasserbindung verleihen. Zell-Zell- und Zell-Matrix-Kontakte vermitteln mechanische Verankerung, Barrierefunktion und Signalßbertragung.
- â Kollagen: häufigstes Strukturprotein, Tripelhelix aus Glycin-X-Y-Wiederholung; Vitamin-C-abhängige Hydroxylierung von Prolin/Lysin durch Prolyl-/Lysylhydroxylase, spätere kovalente Quervernetzung durch die kupferabhängige Lysyloxidase
- Elastin: quervernetzt Ăźber Desmosin/Isodesmosin, verleiht reversible Dehnbarkeit (GefäĂe, Lunge, Haut)
- Proteoglykane/GAG (Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat, Heparansulfat): stark negativ geladen, binden Wasser, bilden druckelastische Grundsubstanz
- Zell-Zell-Kontakte: Tight Junctions (Barriere, Claudine/Occludine), Adhärenskontakte (Zonula adhaerens: Cadherine, Aktin-Anbindung ßber Catenine), Desmosomen (mechanisch, Cadherine/Keratin), Gap Junctions (Kommunikation, Connexone)
- â Zell-Matrix-Kontakte: Hemidesmosomen (Integrine, verankern an Basalmembran) und fokale Adhäsionen (Integrine, Aktin-Anbindung)
Quellen
- LĂśffler/Petrides âBiochemie und Pathobiochemieâ (Springer)
- Alberts et al. âMolekularbiologie der Zelleâ (Wiley-VCH)
- Alberts et al., âCell Junctionsâ â Molecular Biology of the Cell (NCBI Bookshelf)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
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Extrazelluläre Matrix und Zell-Zell-Kontakte
Die extrazelluläre Matrix ist kein passives Fßllmaterial, sondern ein dynamisches, biochemisch aktives Netzwerk, das ßber spezifische Rezeptoren (v. a. Integrine) mit dem Zytoskelett kommuniziert und so mechanische Stabilität mit Signaltransduktion verknßpft. Zell-Zell-Kontakte lassen sich funktionell in Adhäsions-, Barriere- und Kommunikationskontakte unterteilen, die jeweils charakteristische Transmembranproteine und intrazelluläre Kopplungen besitzen.
Kollagenbiosynthese und ihre klinische Relevanz
Kollagen wird als Prokollagen synthetisiert: intrazellulär erfolgt die Hydroxylierung von Prolin und Lysin durch Prolyl- bzw. Lysylhydroxylase (Vitamin C als Cofaktor essenziell), gefolgt von Glykosylierung und Bildung der Tripelhelix im ER. Nach Sekretion werden die Propeptide extrazellulär durch Prokollagen-Peptidasen abgespalten (Tropokollagen), und Lysyloxidase katalysiert die kovalente Quervernetzung zu stabilen Kollagenfibrillen.
StĂśrungen dieser Kaskade sind klassische PrĂźfungsthemen: Vitamin-C-Mangel (Skorbut) fĂźhrt zu instabilem Kollagen mit Zahnfleischbluten und schlechter Wundheilung; Mutationen in Kollagengenen verursachen Osteogenesis imperfecta (Kollagen Typ I) oder das Ehlers-Danlos-Syndrom (u. a. Kollagen Typ III, Lysylhydroxylase-Defekt bei Typ VI).
Glykosaminoglykane und Proteoglykane
GAG sind unverzweigte Polysaccharidketten aus repetitiven Disaccharideinheiten, meist stark sulfatiert und damit hoch negativ geladen, wodurch sie osmotisch Wasser binden und Druckbelastung (z. B. im Gelenkknorpel) abfedern. Hyaluronsäure ist die Ausnahme ohne Sulfatierung und ohne Proteinkern, sie bildet die Grundsubstanz des GlaskÜrpers und der Gelenkflßssigkeit. Proteoglykane bestehen aus einem Kernprotein mit kovalent gebundenen GAG-Seitenketten (z. B. Aggrecan im Knorpel, Perlecan in der Basalmembran).
Zellkontakte: Struktur-Funktions-Zuordnung
Tight Junctions (Zonulae occludentes) verschlieĂen den Interzellularspalt durch Claudine und Occludine und trennen apikale von basolateraler Membrandomäne (Grundlage der Zellpolarität in Epithelien). Adhärenskontakte (Zonula adhaerens) koppeln Ăźber Cadherine und die intrazellulären Catenine (Îą-, β-Catenin) an das Aktinfilamentsystem und bilden häufig einen GĂźrtel unterhalb der Tight Junctions. Desmosomen verankern Ăźber Cadherine (Desmoglein, Desmocollin) das Intermediärfilamentsystem (Keratin) benachbarter Zellen und verteilen mechanische Zugkräfte, besonders wichtig in Epidermis und Myokard. Gap Junctions bestehen aus je sechs Connexinen pro Connexon und ermĂśglichen den direkten Austausch von Ionen und kleinen MolekĂźlen (< 1 kDa) zwischen Zellen, essenziell fĂźr die elektrische Kopplung im Herzmuskel.
Zell-Matrix-Kontakte werden durch Integrine (heterodimere Transmembranrezeptoren aus Îą- und β-Untereinheit) vermittelt: Hemidesmosomen verankern Basalzellen Ăźber Integrine an Laminin der Basalmembran und koppeln intrazellulär an Keratinfilamente, während fokale Adhäsionen Integrine Ăźber Talin und Vinculin an Aktinfilamente anschlieĂen und zusätzlich als mechanosensitive Signalplattform dienen. Die Integrine erkennen dabei Adhäsionsglykoproteine der EZM wie Fibronektin und Laminin; entscheidendes Bindungsmotiv ist die RGD-Sequenz (Arg-Gly-Asp) des Fibronektins.
- â Kollagensynthese: Prolyl-/Lysylhydroxylierung ist Vitamin-C-abhängig â Skorbut als klassischer PrĂźfungsklassiker
- Lysyloxidase katalysiert die kovalente Quervernetzung von Kollagen und Elastin (Kupfer-abhängiges Enzym)
- â ď¸ PrĂźfungsfalle: Desmosomen koppeln an Intermediärfilamente (Keratin), fokale Adhäsionen koppeln an Aktinfilamente â beide Ăźber Integrine, aber unterschiedliche Zytoskelettanbindung
- â ď¸ Gap Junctions â Tight Junctions: Gap Junctions dienen der Kommunikation (Connexine), Tight Junctions der Barriere (Claudine/Occludine) â nicht verwechseln
- Hyaluronsäure ist das einzige nicht-sulfatierte, proteinkernfreie GAG
- Ehlers-Danlos-Syndrom und Osteogenesis imperfecta sind klassische Kollagen-Defekt-Krankheitsbilder mit unterschiedlicher Kollagentyp-Zuordnung
Quellen
- LĂśffler/Petrides âBiochemie und Pathobiochemieâ (Springer)
- Alberts et al. âMolekularbiologie der Zelleâ (Wiley-VCH)
- Alberts et al., âCell Junctionsâ â Molecular Biology of the Cell (NCBI Bookshelf)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)