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Erbgänge: autosomal und X-chromosomal

Klassische Erbgänge werden nach Chromosomenlage (autosomal vs. X-chromosomal) und Dominanzverhältnis (dominant vs. rezessiv) unterschieden. Jeder Erbgang zeigt ein charakteristisches Stammbaummuster, das die Erkennung im Examen ermöglicht.
- ❗ Autosomal-dominant: jede Generation betroffen, Betroffene haben meist einen betroffenen Elternteil, z. B. Chorea Huntington, Marfan-Syndrom
- ❗ Autosomal-rezessiv: Betroffene meist bei gesunden, heterozygoten Eltern (Konsanguinität erhöht Risiko), z. B. Mukoviszidose, Phenylketonurie
- ❗ X-chromosomal-rezessiv: v. a. Männer betroffen, Übertragung durch klinisch gesunde Konduktorinnen (Mütter), z. B. Hämophilie A, Duchenne-Muskeldystrophie
- X-chromosomal-dominant: seltener, betrifft Männer und Frauen, z. B. Vitamin-D-resistente Rachitis (X-linked Hypophosphatämie)
- Kein Vater-Sohn-Transfer bei X-chromosomalen Erkrankungen, da Väter das Y-Chromosom an Söhne weitergeben
Quellen
- Buselmaier „Biologie für Mediziner“ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
- Classic Mendelian Genetics (Patterns of Inheritance) – Understanding Genetics (NCBI Bookshelf)
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Erbgänge: autosomal und X-chromosomal

Die klassischen Mendelschen Erbgänge lassen sich anhand der Chromosomenlokalisation und des Dominanzverhältnisses systematisch klassifizieren und über typische Stammbaummuster identifizieren. Entscheidend für die Prüfungssicherheit ist das Erkennen des fehlenden Vater-Sohn-Transfers bei X-chromosomalen Erkrankungen sowie das Verständnis von Penetranz, Expressivität und Neumutationen, die klassische Muster durchbrechen können.
Autosomale Erbgänge im Detail
Beim autosomal-dominanten Erbgang genügt ein mutiertes Allel zur Manifestation; Risiko für Nachkommen eines heterozygot Betroffenen beträgt 50 %. Unvollständige Penetranz und variable Expressivität können die klassische vertikale Übertragung verschleiern; Neumutationen erklären sporadische Fälle ohne Familienanamnese (z. B. Achondroplasie häufig durch De-novo-Mutation). Beim autosomal-rezessiven Erbgang sind beide Allele defekt; heterozygote Anlageträger sind meist klinisch unauffällig. Bei Verwandtenehen steigt das Risiko homozygoter Nachkommen deutlich, da gemeinsame Vorfahren dasselbe rezessive Allel tragen können.
X-chromosomale Erbgänge im Detail
X-chromosomal-rezessiv: Männer (hemizygot, nur ein X-Chromosom) sind bei einem mutierten Allel bereits betroffen, während heterozygote Frauen aufgrund des zweiten, meist intakten X-Allels klinisch gesunde Konduktorinnen sind (X-Inaktivierung kann bei ungünstigem Muster milde Symptome verursachen). Söhne einer Konduktorin haben ein 50-%-Risiko, betroffen zu sein; Töchter haben ein 50-%-Risiko, Konduktorin zu werden. X-chromosomal-dominant: Sowohl heterozygote Frauen als auch hemizygote Männer sind betroffen; bei einigen X-dominanten Erkrankungen können Männer schwerer erkranken oder das Merkmal ist für sie sogar letal (z. B. Incontinentia pigmenti); ein betroffener Vater vererbt die Erkrankung an alle Töchter, aber an keinen Sohn (kein Vater-Sohn-Transfer, da der Sohn das Y-Chromosom des Vaters erhält).
- ❗ Kein Vater-Sohn-Transfer bei X-chromosomalen Erkrankungen – zentrales Unterscheidungsmerkmal zu autosomalen Erbgängen im Stammbaum
- ❗ Bei X-chromosomal-rezessiven Erkrankungen sind fast ausschließlich Männer betroffen, Frauen meist Konduktorinnen
- Konsanguinität erhöht spezifisch das Risiko autosomal-rezessiver, nicht dominanter Erkrankungen
- Neumutationen können ein autosomal-dominantes Muster ohne positive Familienanamnese erzeugen (v. a. bei schweren, fertilitätsmindernden Erkrankungen)
- ⚠️ Prüfungsfalle: Ein betroffener Vater mit X-chromosomal-dominanter Erkrankung vererbt sie an ALLE Töchter, aber an KEINEN Sohn – wird oft mit autosomaler Vererbung verwechselt
- ⚠️ Verwechslung: Unvollständige Penetranz (Anlageträger ohne Symptome) und Non-Penetranz werden oft mit rezessiver Vererbung verwechselt, betreffen aber auch dominante Erbgänge
Quellen
- Buselmaier „Biologie für Mediziner“ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
- Classic Mendelian Genetics (Patterns of Inheritance) – Understanding Genetics (NCBI Bookshelf)