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EXPRESS · M1

Entwicklung des Herz-Kreislaufsystems

Beschriftetes deutsches Schema des fetalen Blutkreislaufs mit Plazenta, Nabelvene und Nabelarterien sowie den fetalen Shunts Ductus venosus, Foramen ovale und Ductus arteriosus.
CorinnaPaul · 2916 Fetal Circulatory System-02 deutsche Version vom Original vom OpenStax College · CC BY 4.0 · via Wikimedia Commons

Der ursprünglich gerade Herzschlauch durchläuft eine Herzschleifenbildung (Looping), wodurch sich die spätere Vorhof-Kammer-Anordnung anbahnt. Die Septierung von Vorhöfen und Kammern schafft ein 4-Kammer-Herz, während der fetale Kreislauf über drei Shunts die noch nicht belüftete Lunge umgeht.

  • Herzschleife (D-Looping): der gerade Herzschlauch krümmt sich nach rechts, wodurch Vorhof- und Kammerabschnitte ihre spätere Lage erreichen
  • Vorhofseptierung: Septum primum und Septum secundum mit Foramen ovale als physiologischer Rechts-Links-Shunt
  • Kammerseptierung: muskuläres und membranöses Ventrikelseptum, Verschluss über Endokardkissen
  • Fetale Shunts: Foramen ovale (Vorhof-Vorhof), Ductus arteriosus (Botalli) (Truncus pulmonalis→Aorta), Ductus venosus (Arantii) (Nabelvene→V. cava inferior)
  • ❗ Postnatal schließen die drei Shunts über unterschiedliche Mechanismen: Foramen ovale funktionell sofort durch atriale Druckumkehr, Ductus arteriosus durch steigenden O2-Partialdruck und wegfallendes Prostaglandin E2, Ductus venosus durch Sistieren des Nabelvenenflusses – funktioneller Verschluss binnen Stunden, anatomischer Verschluss (Fossa ovalis, Lig. arteriosum, Lig. venosum) über Wochen bis Monate

Quellen

  1. Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Innere Organe“ (Thieme)
  2. Aumüller et al. „Duale Reihe Anatomie“ (Thieme)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
  4. Mathew P, Bordoni B. „Embryology, Heart“ (StatPearls, NCBI Bookshelf)

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Entwicklung des Herz-Kreislaufsystems

Beschriftetes deutsches Schema des fetalen Blutkreislaufs mit Plazenta, Nabelvene und Nabelarterien sowie den fetalen Shunts Ductus venosus, Foramen ovale und Ductus arteriosus.
CorinnaPaul · 2916 Fetal Circulatory System-02 deutsche Version vom Original vom OpenStax College · CC BY 4.0 · via Wikimedia Commons

Aus dem paarig angelegten Herzschlauch, der sich zur Herzschlaufe krümmt (D-Looping = physiologische Rechtsschleife), entstehen die spätere Anordnung von Atrium, Ventrikel und Bulbus cordis. Die Septierung des Vorhofs erfolgt zweizeitig: Das Septum primum wächst von kranial nach kaudal auf die Endokardkissen zu; noch bevor sich das dabei verbleibende Foramen primum verschließt, entstehen im kranialen Anteil des Septum primum Perforationen, die zum Foramen secundum konfluieren – so bleibt der Rechts-Links-Shunt auf Vorhofebene ununterbrochen erhalten. Parallel bildet sich rechts davon das Septum secundum mit dem Foramen ovale, sodass ein Klappenmechanismus (Septum primum als Ventilklappe) einen Rechts-Links-Shunt im fetalen Kreislauf erlaubt, während ein Links-Rechts-Rückfluss verhindert wird. Die Kammerseptierung erfolgt durch das muskuläre Septum interventriculare von kaudal und den membranösen Anteil, der aus den Endokardkissen hervorgeht und auch die Trennung von Aorta und Truncus pulmonalis (Septum aorticopulmonale) koordiniert.

Fetaler Kreislauf und postnatale Umstellung

Sauerstoffreiches Blut aus der Plazenta gelangt über die V. umbilicalis und den Ductus venosus (Umgehung der Leberpassage) in die V. cava inferior. Im rechten Vorhof wird ein Großteil dieses Bluts über das Foramen ovale direkt in den linken Vorhof geleitet und versorgt bevorzugt Gehirn und oberen Körper. Aus dem rechten Ventrikel gelangt Blut in den Truncus pulmonalis, wird aber wegen des hohen pulmonalen Gefäßwiderstands größtenteils über den Ductus arteriosus (Botalli) direkt in die Aorta descendens umgeleitet, unter Umgehung der noch nicht belüfteten Lunge.

Mit dem ersten Atemzug sinkt der pulmonale Gefäßwiderstand drastisch, der linksatriale Druck übersteigt den rechtsatrialen Druck und drückt das Septum primum gegen das Septum secundum (funktioneller Verschluss des Foramen ovale). Der Ductus arteriosus verschließt sich durch steigenden O2-Partialdruck und sinkende Prostaglandin-E2-Spiegel (funktionell Stunden, anatomisch als Lig. arteriosum nach Wochen).

  • Persistierendes Foramen ovale (PFO) ist häufig und meist asymptomatisch – Restzustand bei unvollständiger Verklebung
  • Persistierender Ductus arteriosus (PDA) kann durch Prostaglandinsynthesehemmer (Indometacin) medikamentös verschlossen werden
  • Herzschleife (Looping) etabliert die spätere Rechts-Links-Anordnung von Vorhof und Kammer bereits in der 4. Woche
  • Foramen ovale: Rechts-Links-Shunt auf Vorhofebene, funktioneller Verschluss durch Druckumkehr postnatal, anatomischer Endzustand als Fossa ovalis
  • Ductus arteriosus Botalli: Rechts-Links-Shunt (Truncus pulmonalis → Aorta), wird zum Lig. arteriosum
  • Ductus venosus Arantii: umgeht die Leber, wird zum Lig. venosum
  • Postnatale Bindegewebs-Endzustände der Nabelgefäße: V. umbilicalis → Lig. teres hepatis, Aa. umbilicales → Ligg. umbilicalia medialia
  • ⚠️ Prüfungsfalle: Vorhofseptumdefekt (ASD) vom offenen Foramen ovale (PFO) unterscheiden – ASD ist ein echter Gewebedefekt (meist Ostium-secundum-Typ), PFO ist ein funktionell meist verschlossener Klappenmechanismus ohne Gewebelücke
  • ⚠️ Verwechslung: Ductus arteriosus (Botalli, fetaler Kurzschluss Pulmonalis↔Aorta) nicht mit Ductus venosus (Arantii, Nabelvene↔V. cava inferior) verwechseln – unterschiedliche Gefäße und Funktion

Quellen

  1. Schünke/Schulte/Schumacher „Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Innere Organe“ (Thieme)
  2. Aumüller et al. „Duale Reihe Anatomie“ (Thieme)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
  4. Mathew P, Bordoni B. „Embryology, Heart“ (StatPearls, NCBI Bookshelf)
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