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Chemisches Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz

Konzentrations-Zeit-Diagramm zweier Reaktionspartner: Die Konzentration des Edukts (rot) sinkt, die des Produkts (blau) steigt, bis beide Kurven konstant verlaufen und sich das chemische Gleichgewicht eingestellt hat.
Fintelia · ChemicalEquilibrium · CC BY-SA 3.0 · via Wikimedia Commons

Im chemischen Gleichgewicht laufen Hin- und RĂŒckreaktion mit gleicher Geschwindigkeit, sodass sich die Konzentrationen makroskopisch nicht mehr Ă€ndern (dynamisches Gleichgewicht). Das Massenwirkungsgesetz (MWG) beschreibt die Gleichgewichtskonstante K als Quotient aus den Produkt- und Eduktkonzentrationen, jeweils potenziert mit den stöchiometrischen Koeffizienten. Das Prinzip von Le Chatelier erlaubt Vorhersagen zur Verschiebung des Gleichgewichts bei Störungen.

  • ❗ K > 1 → Gleichgewicht liegt auf der Produktseite; K < 1 → Gleichgewicht liegt auf der Eduktseite.
  • MWG-Formel: K = [Produkte]^Koeffizient / [Edukte]^Koeffizient bei konstanter Temperatur.
  • Le Chatelier: Störungen (Konzentration, Druck, Temperatur) verschieben das Gleichgewicht so, dass die Störung teilweise ausgeglichen wird.
  • Ein Katalysator beschleunigt Hin- und RĂŒckreaktion gleichermaßen und verĂ€ndert die Gleichgewichtslage (K) nicht.
  • Gekoppelte Reaktionen: Eine exergone Reaktion kann eine endergone Reaktion antreiben, wenn beide ĂŒber ein gemeinsames Zwischenprodukt verknĂŒpft sind und sich ihre ΔG°-Werte addieren – Grundprinzip vieler Stoffwechselwege.
  • MWG-Anwendungen: SĂ€ure-/Basekonstante Ks/Kb (bzw. pKs/pKb) und Löslichkeitsprodukt KL sind SpezialfĂ€lle des MWG; das Ionenprodukt des Wassers ist Kw = [Hâș]·[OH⁻] = 10⁻Âč⁎ (25 °C), also pH + pOH = 14.

Quellen

  1. Zeeck et al. „Chemie fĂŒr Mediziner“ (Elsevier/Urban & Fischer)
  2. Latscha/Kazmaier/Klein „Chemie fĂŒr Mediziner“ (Springer)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen PrĂŒfung)

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Chemisches Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz

Konzentrations-Zeit-Diagramm zweier Reaktionspartner: Die Konzentration des Edukts (rot) sinkt, die des Produkts (blau) steigt, bis beide Kurven konstant verlaufen und sich das chemische Gleichgewicht eingestellt hat.
Fintelia · ChemicalEquilibrium · CC BY-SA 3.0 · via Wikimedia Commons

Das chemische Gleichgewicht ist kein statischer, sondern ein dynamischer Zustand, in dem Hin- und RĂŒckreaktionsgeschwindigkeit exakt gleich groß sind. Die Gleichgewichtskonstante K hĂ€ngt direkt mit der freien Standardreaktionsenthalpie ΔG° zusammen und erlaubt es, thermodynamisch ungĂŒnstige (endergone) Reaktionen im Stoffwechsel durch Kopplung an gĂŒnstige (exergone) Reaktionen wie die ATP-Hydrolyse zu verstehen.

Herleitung und Bedeutung des MWG

FĂŒr eine allgemeine Reaktion aA + bB ⇌ cC + dD gilt im Gleichgewicht K = ([C]^c · [D]^d) / ([A]^a · [B]^b). K ist bei konstanter Temperatur eine reaktionsspezifische Konstante und unabhĂ€ngig von den Ausgangskonzentrationen – unabhĂ€ngig davon, von welcher Seite die Reaktion gestartet wird, stellt sich derselbe Gleichgewichtsquotient ein.

Der Zusammenhang zur Thermodynamik lautet ΔG° = −R·T·ln(K): Ein stark negatives ΔG° (exergone Reaktion) entspricht einem großen K (Gleichgewicht weit auf Produktseite), ein positives ΔG° (endergone Reaktion) einem kleinen K.

Prinzip von Le Chatelier

Erhöht man die Konzentration eines Edukts, verschiebt sich das Gleichgewicht in Richtung der Produkte, um den zusĂ€tzlichen Stoff teilweise zu verbrauchen. Bei Gasreaktionen verschiebt eine Druckerhöhung das Gleichgewicht zur Seite mit der geringeren Stoffmenge an Gasteilchen (kleinere Summe der Gas-Koeffizienten). Eine Temperaturerhöhung begĂŒnstigt bei exothermen Reaktionen die RĂŒckreaktion (Gleichgewicht verschiebt sich zu den Edukten) und bei endothermen Reaktionen die Hinreaktion.

Wichtig fĂŒr die PrĂŒfung: Ein Katalysator setzt die Aktivierungsenergie fĂŒr beide Richtungen gleichermaßen herab und beschleunigt so die Einstellung des Gleichgewichts, verĂ€ndert aber weder K noch die Lage des Gleichgewichts.

Gekoppelte Reaktionen im Stoffwechsel

Viele biochemische Reaktionen sind unter Standardbedingungen endergon (ΔG° > 0) und wĂŒrden isoliert kaum ablaufen. Durch Kopplung an eine stark exergone Reaktion (meist ATP-Hydrolyse, ΔG° stark negativ) wird die Gesamtreaktion exergon, da sich die ΔG°-Werte addieren. Dieses Prinzip liegt z. B. der Glykolyse (Hexokinase-Reaktion) und vielen Biosynthesen zugrunde.

Anwendungen des MWG: SÀure-Base, Kw und Löslichkeit

Bei heterogenen Gleichgewichten werden reine Feststoffe und das Lösungsmittel (z. B. Wasser in verdĂŒnnter Lösung) mit der AktivitĂ€t 1 angesetzt und tauchen daher nicht im MWG-Ausdruck auf – ein hĂ€ufiger PrĂŒfungspunkt beim korrekten Aufstellen von K.

Auf SĂ€ure-Base-Gleichgewichte angewandt liefert das MWG die SĂ€urekonstante Ks (bzw. pKs = −log Ks) und analog Kb/pKb. Das Ionenprodukt des Wassers ist Kw = [Hâș]·[OH⁻] = 10⁻Âč⁎ (bei 25 °C), woraus pH + pOH = 14 folgt; fĂŒr ein Puffersystem beschreibt die Henderson-Hasselbalch-Gleichung pH = pKs + log([A⁻]/[HA]).

Das Löslichkeitsprodukt KL ist der MWG-Ausdruck fĂŒr ein schwerlösliches Salz im Gleichgewicht mit seinen Ionen; da der ungelöste Feststoff die AktivitĂ€t 1 hat, enthĂ€lt KL nur das Produkt der Ionenkonzentrationen (jeweils potenziert mit den stöchiometrischen Koeffizienten).

  • ❗ ΔG° = −R·T·ln(K): großes K ↔ stark negatives ΔG°, kleines K ↔ positives ΔG°.
  • ⚠ PrĂŒfungsfalle: Ein Katalysator Ă€ndert niemals die Gleichgewichtskonstante K, sondern nur die Geschwindigkeit der Gleichgewichtseinstellung.
  • ⚠ Verwechslung: Le-Chatelier-Verschiebungen Ă€ndern die Konzentrationen im neuen Gleichgewicht, nicht aber den Wert von K (außer bei TemperaturĂ€nderung).
  • Druckerhöhung verschiebt Gasgleichgewichte zur Seite mit weniger GasmolekĂŒlen (StoffmengenverhĂ€ltnis beachten).
  • Gekoppelte Reaktionen: Summation der ΔG°-Werte erklĂ€rt, wie endergone Schritte im Stoffwechsel ablaufen können.
  • K ist unabhĂ€ngig von den Startkonzentrationen, aber abhĂ€ngig von der Temperatur.

Quellen

  1. Zeeck et al. „Chemie fĂŒr Mediziner“ (Elsevier/Urban & Fischer)
  2. Latscha/Kazmaier/Klein „Chemie fĂŒr Mediziner“ (Springer)
  3. IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen PrĂŒfung)
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