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Chemisches Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz
Im chemischen Gleichgewicht laufen Hin- und RĂŒckreaktion mit gleicher Geschwindigkeit, sodass sich die Konzentrationen makroskopisch nicht mehr Ă€ndern (dynamisches Gleichgewicht). Das Massenwirkungsgesetz (MWG) beschreibt die Gleichgewichtskonstante K als Quotient aus den Produkt- und Eduktkonzentrationen, jeweils potenziert mit den stöchiometrischen Koeffizienten. Das Prinzip von Le Chatelier erlaubt Vorhersagen zur Verschiebung des Gleichgewichts bei Störungen.
- â K > 1 â Gleichgewicht liegt auf der Produktseite; K < 1 â Gleichgewicht liegt auf der Eduktseite.
- MWG-Formel: K = [Produkte]^Koeffizient / [Edukte]^Koeffizient bei konstanter Temperatur.
- Le Chatelier: Störungen (Konzentration, Druck, Temperatur) verschieben das Gleichgewicht so, dass die Störung teilweise ausgeglichen wird.
- Ein Katalysator beschleunigt Hin- und RĂŒckreaktion gleichermaĂen und verĂ€ndert die Gleichgewichtslage (K) nicht.
- Gekoppelte Reaktionen: Eine exergone Reaktion kann eine endergone Reaktion antreiben, wenn beide ĂŒber ein gemeinsames Zwischenprodukt verknĂŒpft sind und sich ihre ÎG°-Werte addieren â Grundprinzip vieler Stoffwechselwege.
- MWG-Anwendungen: SĂ€ure-/Basekonstante Ks/Kb (bzw. pKs/pKb) und Löslichkeitsprodukt KL sind SpezialfĂ€lle des MWG; das Ionenprodukt des Wassers ist Kw = [Hâș]·[OHâ»] = 10â»Âč⎠(25 °C), also pH + pOH = 14.
Quellen
- Zeeck et al. âChemie fĂŒr Medizinerâ (Elsevier/Urban & Fischer)
- Latscha/Kazmaier/Klein âChemie fĂŒr Medizinerâ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂŒfung)
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Chemisches Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz
Das chemische Gleichgewicht ist kein statischer, sondern ein dynamischer Zustand, in dem Hin- und RĂŒckreaktionsgeschwindigkeit exakt gleich groĂ sind. Die Gleichgewichtskonstante K hĂ€ngt direkt mit der freien Standardreaktionsenthalpie ÎG° zusammen und erlaubt es, thermodynamisch ungĂŒnstige (endergone) Reaktionen im Stoffwechsel durch Kopplung an gĂŒnstige (exergone) Reaktionen wie die ATP-Hydrolyse zu verstehen.
Herleitung und Bedeutung des MWG
FĂŒr eine allgemeine Reaktion aA + bB â cC + dD gilt im Gleichgewicht K = ([C]^c · [D]^d) / ([A]^a · [B]^b). K ist bei konstanter Temperatur eine reaktionsspezifische Konstante und unabhĂ€ngig von den Ausgangskonzentrationen â unabhĂ€ngig davon, von welcher Seite die Reaktion gestartet wird, stellt sich derselbe Gleichgewichtsquotient ein.
Der Zusammenhang zur Thermodynamik lautet ÎG° = âR·T·ln(K): Ein stark negatives ÎG° (exergone Reaktion) entspricht einem groĂen K (Gleichgewicht weit auf Produktseite), ein positives ÎG° (endergone Reaktion) einem kleinen K.
Prinzip von Le Chatelier
Erhöht man die Konzentration eines Edukts, verschiebt sich das Gleichgewicht in Richtung der Produkte, um den zusĂ€tzlichen Stoff teilweise zu verbrauchen. Bei Gasreaktionen verschiebt eine Druckerhöhung das Gleichgewicht zur Seite mit der geringeren Stoffmenge an Gasteilchen (kleinere Summe der Gas-Koeffizienten). Eine Temperaturerhöhung begĂŒnstigt bei exothermen Reaktionen die RĂŒckreaktion (Gleichgewicht verschiebt sich zu den Edukten) und bei endothermen Reaktionen die Hinreaktion.
Wichtig fĂŒr die PrĂŒfung: Ein Katalysator setzt die Aktivierungsenergie fĂŒr beide Richtungen gleichermaĂen herab und beschleunigt so die Einstellung des Gleichgewichts, verĂ€ndert aber weder K noch die Lage des Gleichgewichts.
Gekoppelte Reaktionen im Stoffwechsel
Viele biochemische Reaktionen sind unter Standardbedingungen endergon (ÎG° > 0) und wĂŒrden isoliert kaum ablaufen. Durch Kopplung an eine stark exergone Reaktion (meist ATP-Hydrolyse, ÎG° stark negativ) wird die Gesamtreaktion exergon, da sich die ÎG°-Werte addieren. Dieses Prinzip liegt z. B. der Glykolyse (Hexokinase-Reaktion) und vielen Biosynthesen zugrunde.
Anwendungen des MWG: SÀure-Base, Kw und Löslichkeit
Bei heterogenen Gleichgewichten werden reine Feststoffe und das Lösungsmittel (z. B. Wasser in verdĂŒnnter Lösung) mit der AktivitĂ€t 1 angesetzt und tauchen daher nicht im MWG-Ausdruck auf â ein hĂ€ufiger PrĂŒfungspunkt beim korrekten Aufstellen von K.
Auf SĂ€ure-Base-Gleichgewichte angewandt liefert das MWG die SĂ€urekonstante Ks (bzw. pKs = âlog Ks) und analog Kb/pKb. Das Ionenprodukt des Wassers ist Kw = [Hâș]·[OHâ»] = 10â»Âč⎠(bei 25 °C), woraus pH + pOH = 14 folgt; fĂŒr ein Puffersystem beschreibt die Henderson-Hasselbalch-Gleichung pH = pKs + log([Aâ»]/[HA]).
Das Löslichkeitsprodukt KL ist der MWG-Ausdruck fĂŒr ein schwerlösliches Salz im Gleichgewicht mit seinen Ionen; da der ungelöste Feststoff die AktivitĂ€t 1 hat, enthĂ€lt KL nur das Produkt der Ionenkonzentrationen (jeweils potenziert mit den stöchiometrischen Koeffizienten).
- â ÎG° = âR·T·ln(K): groĂes K â stark negatives ÎG°, kleines K â positives ÎG°.
- â ïž PrĂŒfungsfalle: Ein Katalysator Ă€ndert niemals die Gleichgewichtskonstante K, sondern nur die Geschwindigkeit der Gleichgewichtseinstellung.
- â ïž Verwechslung: Le-Chatelier-Verschiebungen Ă€ndern die Konzentrationen im neuen Gleichgewicht, nicht aber den Wert von K (auĂer bei TemperaturĂ€nderung).
- Druckerhöhung verschiebt Gasgleichgewichte zur Seite mit weniger GasmolekĂŒlen (StoffmengenverhĂ€ltnis beachten).
- Gekoppelte Reaktionen: Summation der ÎG°-Werte erklĂ€rt, wie endergone Schritte im Stoffwechsel ablaufen können.
- K ist unabhÀngig von den Startkonzentrationen, aber abhÀngig von der Temperatur.
Quellen
- Zeeck et al. âChemie fĂŒr Medizinerâ (Elsevier/Urban & Fischer)
- Latscha/Kazmaier/Klein âChemie fĂŒr Medizinerâ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂŒfung)