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Blutgruppen und Transfusionsphysiologie
Das AB0-System basiert auf Antigenen (A, B) auf der Erythrozytenoberfläche und den korrespondierenden, natürlich vorkommenden Antikörpern (Anti-A, Anti-B) im Plasma. Das Rhesussystem (v. a. Rhesusfaktor D) ist für die Rhesus-Unverträglichkeit bei Schwangerschaft und Transfusion relevant. Vor jeder Transfusion sichert die Kreuzprobe die Verträglichkeit von Spender- und Empfängerblut.
- ❗ AB0-System: Blutgruppe A (Antigen A, Anti-B-AK), B (Antigen B, Anti-A-AK), AB (beide Antigene, keine AK), 0 (kein Antigen, beide AK)
- Blutgruppe 0 = Universalspender (Erythrozyten), AB = Universalempfänger
- Anti-A/Anti-B-Antikörper sind natürlich vorkommend (IgM, ohne vorherigen Kontakt)
- Rhesusfaktor D: Rh-positiv (Antigen vorhanden) vs. Rh-negativ; Anti-D-Antikörper entstehen erst nach Sensibilisierung (IgG)
- Kreuzprobe: Major-Test (Empfängerserum + Spendererythrozyten) entscheidend zur Vermeidung hämolytischer Transfusionsreaktionen
Quellen
- Schmidt/Lang/Heckmann „Physiologie des Menschen“ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
- Romanos-Sirakis/Desai „ABO Blood Group System“ (StatPearls, NCBI Bookshelf)
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Blutgruppen und Transfusionsphysiologie
Blutgruppenantigene sind genetisch determinierte Glykoproteine/Glykolipide auf der Erythrozytenmembran. Im AB0-System exprimieren Erythrozyten Antigen A, B, beide (AB) oder keines (0); im Plasma finden sich komplementär die jeweils nicht vorhandenen Antikörper als natürlich vorkommende IgM-Antikörper, die vermutlich durch Kreuzreaktion mit Darmbakterien-Antigenen entstehen. Das Rhesussystem umfasst mehrere Antigene (D, C, c, E, e), von denen D die höchste Immunogenität besitzt; Anti-D-Antikörper entstehen nicht natürlich, sondern erst nach Sensibilisierung durch Kontakt mit Rh-positivem Blut (Transfusion, Schwangerschaft) und sind vom IgG-Typ, wodurch sie plazentagängig sind.
Klinische Relevanz: Transfusionsreaktion und Morbus haemolyticus neonatorum
Bei AB0-Inkompatibilität führt die Transfusion von Erythrozyten mit falschem Antigen zu sofortiger intravasaler Hämolyse durch die vorbestehenden IgM-Antikörper und Komplementaktivierung – eine akute, potenziell letale Transfusionsreaktion.
Bei Rhesus-Inkompatibilität (Rh-negative Mutter, Rh-positives Kind) kann es bei einer ersten Schwangerschaft zur Sensibilisierung der Mutter kommen (fetomaternale Transfusion, meist bei Geburt); IgG-Anti-D-Antikörper können bei einer Folgeschwangerschaft die Plazenta passieren und zur hämolytischen Erkrankung des Feten/Neugeborenen führen. Prophylaxe durch Anti-D-Immunglobulingabe an die Mutter.
Die Kreuzprobe testet direkt die Verträglichkeit zwischen individuellem Spender- und Empfängerblut und deckt auch irreguläre Antikörper außerhalb des AB0-/Rh-Systems auf, die die reine Blutgruppenbestimmung nicht erfasst.
- ❗ AB0-Antikörper sind IgM (natürlich, nicht plazentagängig) – Rh-Antikörper sind IgG (erworben, plazentagängig)
- Universalspender 0 gilt nur für Erythrozytenkonzentrate, nicht für Plasma (hier ist AB der Universalspender)
- Major-Kreuzprobe prüft Empfängerserum gegen Spendererythrozyten – klinisch entscheidend gegen Hämolyse
- Anti-D-Prophylaxe wird Rh-negativen Schwangeren in der Schwangerschaft und post partum verabreicht
- ⚠️ Prüfungsfalle: Universalspender/-empfänger gilt nur für AB0, nicht automatisch für Rhesusfaktor – Rh-negatives Blut ist trotzdem bevorzugter Spender bei Unklarheit
- ⚠️ Verwechslung: Erstschwangerschaft mit Rh-Inkompatibilität verläuft meist unauffällig (Sensibilisierung erfolgt erst bei der Geburt), das Risiko besteht v. a. bei Folgeschwangerschaften
Quellen
- Schmidt/Lang/Heckmann „Physiologie des Menschen“ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung)
- Romanos-Sirakis/Desai „ABO Blood Group System“ (StatPearls, NCBI Bookshelf)