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Bakterien: Aufbau, Stoffwechsel und Bakteriengenetik
Bakterien sind prokaryontische Zellen ohne Zellkern: Ihr Erbgut liegt als singuläres, ringfÜrmiges Chromosom im Nucleoid, die Translation erfolgt am 70S-Ribosom. Die Zellwand (Murein/Peptidoglykan) bildet die Grundlage der Gram-Färbung. Sie vermehren sich durch binäre Teilung und tauschen genetisches Material ßber Konjugation, Transduktion und Transformation aus.
- â Grampositive Bakterien: dicke Mureinschicht, keine äuĂere Membran â Kristallviolett bleibt haften (blau/violett)
- â Gramnegative Bakterien: dĂźnne Mureinschicht + äuĂere Membran mit Lipopolysaccharid (Endotoxin) â Entfärbung, Gegenfärbung rot
- â Gentransfer: Konjugation (PlasmidĂźbertragung via Pilus), Transduktion (durch Bakteriophagen), Transformation (Aufnahme freier DNA)
- Zusatzstrukturen: Kapsel (Virulenzfaktor, Schutz vor Phagozytose), GeiĂeln (Motilität), Sporen (Dauerform, hitze-/austrocknungsresistent, z. B. Bacillus, Clostridium)
- Bakterienstoffwechsel: aerob, anaerob oder fakultativ anaerob; autotroph oder heterotroph je nach Energie-/Kohlenstoffquelle
Quellen
- Buselmaier âBiologie fĂźr Medizinerâ (Springer)
- Munk (Hrsg.) âTaschenlehrbuch Biologieâ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- Cooper: The Cell â A Molecular Approach, âPresent-Day Prokaryotesâ (NCBI Bookshelf)
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Bakterien: Aufbau, Stoffwechsel und Bakteriengenetik
Der Bakterienzellaufbau spiegelt sich direkt in diagnostischen und therapeutischen Prinzipien wider: Die Zellwandstruktur bestimmt die Gram-Färbbarkeit und ist zugleich Zielstruktur zahlreicher Antibiotika (z. B. Betalaktame hemmen die Peptidoglykansynthese). Bakteriengenetik umfasst neben dem Chromosom mobile genetische Elemente (Plasmide, Transposons), die ßber horizontalen Gentransfer unabhängig von klassischer vertikaler Vererbung ausgetauscht werden und zentral fßr Resistenzverbreitung und Virulenzfaktortransfer sind.
Zellwandaufbau und Gram-Färbung
Grampositive Bakterien besitzen eine dicke, mehrschichtige Peptidoglykanwand ohne äuĂere Membran, oft durchzogen von Teichonsäuren. Gramnegative Bakterien haben eine dĂźnnere Peptidoglykanschicht im periplasmatischen Raum, umhĂźllt von einer äuĂeren Membran mit Lipopolysaccharid (LPS/Endotoxin), das bei Zelllyse eine systemische EntzĂźndungsreaktion auslĂśsen kann (z. B. septischer Schock). Die Zellmembran der Bakterien enthält â anders als eukaryontische Membranen â keine Sterole (Ausnahme: Mykoplasmen, die Cholesterol aus der Umgebung einlagern). Angriffspunkt membranaktiver Antibiotika ist bei gramnegativen Erregern vor allem das Lipopolysaccharid der äuĂeren Membran: Polymyxine binden an das Lipid A des LPS und permeabilisieren anschlieĂend die Zellmembran.
Genom, Ribosomen und Wachstum
Das bakterielle Genom besteht typischerweise aus einem singulären, ringfĂśrmigen, doppelsträngigen DNA-Chromosom, das haploid im Nucleoid vorliegt â ohne membranumhĂźllten Zellkern. Die Proteinbiosynthese läuft am 70S-Ribosom (aus 30S- und 50S-Untereinheit) ab; dieser Unterschied zum eukaryontischen 80S-Ribosom macht das Ribosom zum selektiven Angriffspunkt zahlreicher Antibiotika (Aminoglykoside und Tetrazykline an der 30S-, Makrolide an der 50S-Untereinheit). Das Wachstum einer Bakterienkultur folgt in geschlossener Kultur einer typischen Wachstumskurve: Lag-Phase (Anpassung, keine Teilung), Log-/exponentielle Phase (maximale Teilungsrate), stationäre Phase (Nährstoffmangel, Vermehrung = Absterben) und Absterbephase.
Mechanismen des Gentransfers
Konjugation erfordert Zell-Zell-Kontakt ßber einen Sexpilus (kodiert durch F-Plasmid) und ßbertragbare Plasmide (oft mit Resistenzgenen, R-Plasmide). Transduktion erfolgt durch Bakteriophagen, die versehentlich bakterielle DNA in ein neues Wirtsbakterium einschleusen (generalisierte vs. spezialisierte Transduktion bei lysogenen Phagen). Transformation ist die Aufnahme freier DNA aus der Umgebung durch natßrlich kompetente Bakterien (z. B. Streptococcus pneumoniae, Neisseria) oder kßnstlich induziert (Gentechnik). Unabhängig vom Gentransfer bilden manche Gattungen Endosporen (z. B. Bacillus anthracis, Clostridium tetani/botulinum/difficile): eine reversible Dauerform bei Nährstoffmangel, keine Vermehrungsform, extrem resistent gegenßber Hitze, Austrocknung und Desinfektionsmitteln.
- â Gramnegative Zellwand trägt LPS (Endotoxin) in der äuĂeren Membran â Ursache fĂźr septischen Schock bei Zelllyse
- â Konjugation benĂśtigt Zellkontakt (Pilus), Transformation nicht, Transduktion nutzt Bakteriophagen als Vektor
- Sporenbildung ist eine Ăberlebensform, keine Reproduktionsform â aus einer Spore entsteht wieder nur eine vegetative Zelle
- Kapseln sind Virulenzfaktoren, da sie Phagozytose durch Makrophagen erschweren (z. B. Pneumokokken, Meningokokken)
- â ď¸ PrĂźfungsfalle: Endotoxin (LPS) ist Bestandteil der Zellwand gramnegativer Bakterien, Exotoxine werden aktiv sezerniert â von grampositiven wie gramnegativen Bakterien (z. B. Diphtherie-, Tetanus-, aber auch Cholera- und Pseudomonas-Toxin) â häufige Verwechslung im Examen
- â ď¸ Verwechslung: Transduktion und Transformation werden oft vertauscht â Transduktion = Phagenvermittlung, Transformation = Aufnahme freier DNA ohne Vektor
Quellen
- Buselmaier âBiologie fĂźr Medizinerâ (Springer)
- Munk (Hrsg.) âTaschenlehrbuch Biologieâ (Thieme)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂźfung)
- Cooper: The Cell â A Molecular Approach, âPresent-Day Prokaryotesâ (NCBI Bookshelf)