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Angeborene AminosÀurestoffwechselstörungen (Phenylketonurie u. a.)

Schema des Phenylalanin- und Tyrosin-Stoffwechsels mit den Enzymblöcken bei Phenylketonurie (Phenylalanin zu Tyrosin) und Alkaptonurie (HomogentisinsÀure-Abbau) sowie Albinismus und Kretinismus.
Pacelchen, SVG-Version: Hk kng · Phenylketonurie Schema · Public domain · via Wikimedia Commons

Angeborene AminosĂ€urestoffwechselstörungen beruhen auf autosomal-rezessiven Enzymdefekten im Abbauweg einzelner AminosĂ€uren. Die wichtigsten Beispiele sind Phenylketonurie (PKU), Ahornsirupkrankheit und Alkaptonurie, die jeweils zu charakteristischer Metabolitakkumulation und Klinik fĂŒhren.

  • ❗ Phenylketonurie: Defekt der Phenylalaninhydroxylase (selten: BH4-Mangel) → Phenylalanin kann nicht zu Tyrosin umgewandelt werden, AnhĂ€ufung von Phenylalanin und Phenylpyruvat, unbehandelt schwere geistige Retardierung
  • ❗ Ahornsirupkrankheit (MSUD): Defekt der Dehydrogenase verzweigtkettiger KetosĂ€uren → Akkumulation von Leucin, Isoleucin, Valin, sĂŒĂŸlich riechender Urin, neurotoxisch
  • ❗ Alkaptonurie: Defekt der Homogentisat-Oxidase im Tyrosinabbau → Akkumulation von Homogentisat, SchwarzfĂ€rbung des Urins bei Luftkontakt, spĂ€tere Ochronose/Arthropathie
  • Screening auf PKU erfolgt im Neugeborenen-Screening (Guthrie-Test historisch, heute Tandem-Massenspektrometrie)
  • Therapie der PKU: lebenslange phenylalaninarme DiĂ€t; unbehandelt drohen Mikrozephalie und Intelligenzminderung

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Angeborene AminosÀurestoffwechselstörungen (Phenylketonurie u. a.)

Schema des Phenylalanin- und Tyrosin-Stoffwechsels mit den Enzymblöcken bei Phenylketonurie (Phenylalanin zu Tyrosin) und Alkaptonurie (HomogentisinsÀure-Abbau) sowie Albinismus und Kretinismus.
Pacelchen, SVG-Version: Hk kng · Phenylketonurie Schema · Public domain · via Wikimedia Commons

Angeborene Stoffwechseldefekte des AminosĂ€ureabbaus sind klassische Beispiele fĂŒr Enzymopathien, bei denen ein Blockschritt im Abbauweg zur Anreicherung des Substrats und ggf. alternativer, toxischer Nebenwege fĂŒhrt. Die klinische AusprĂ€gung ergibt sich direkt aus der Funktion des blockierten Enzyms und der ToxizitĂ€t der akkumulierenden Metaboliten – ein Prinzip, das sich auf viele weitere Enzymdefekte ĂŒbertragen lĂ€sst. Phenylketonurie, Ahornsirupkrankheit und Alkaptonurie betreffen jeweils unterschiedliche AminosĂ€uren und Enzyme, folgen aber demselben Grundmuster: Enzymdefekt → Substratstau → Klinik.

Phenylketonurie (PKU)

Der Defekt der Phenylalaninhydroxylase (Chromosom 12, hepatisch) verhindert die Umwandlung von Phenylalanin zu Tyrosin. Phenylalanin akkumuliert im Blut und wird ĂŒber einen Nebenweg zu Phenylpyruvat und PhenylessigsĂ€ure transaminiert/decarboxyliert, die im Urin nachweisbar sind (typischer mĂ€useartiger Uringeruch). Da Tyrosin normalerweise Vorstufe von Melanin, Katecholaminen und SchilddrĂŒsenhormonen ist, kommt es zusĂ€tzlich zu einem relativen Tyrosinmangel. Klinisch dominiert die neurotoxische Wirkung hoher Phenylalaninspiegel: unbehandelt progrediente geistige Retardierung, Mikrozephalie, KrampfanfĂ€lle und Hypopigmentierung (helle Haare/Haut durch Melaninmangel). Eine Sonderform beruht auf einem Mangel des Cofaktors Tetrahydrobiopterin (BH4), der auch fĂŒr Tyrosin-, Tryptophan-Hydroxylase benötigt wird.

Ahornsirupkrankheit und Alkaptonurie

Bei der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) ist die mitochondriale Dehydrogenase-Komplex fĂŒr verzweigtkettige α-KetosĂ€uren defekt (analog zur Pyruvatdehydrogenase, benötigt ebenfalls Thiaminpyrophosphat als Cofaktor). Dadurch akkumulieren die verzweigtkettigen AminosĂ€uren Leucin, Isoleucin und Valin sowie ihre KetosĂ€uren, was zu einer schweren, oft letal verlaufenden neonatalen Enzephalopathie fĂŒhrt, falls nicht frĂŒh diagnostiziert und diĂ€tetisch behandelt. Bei der Alkaptonurie liegt der Defekt weiter distal im Tyrosinabbauweg an der Homogentisat-1,2-Dioxygenase; Homogentisat akkumuliert, oxidiert an der Luft zu einem dunklen Pigment (Urin verfĂ€rbt sich schwarz beim Stehen) und lagert sich langfristig in Bindegewebe/Knorpel ab (Ochronose), was zu einer sekundĂ€ren Arthropathie fĂŒhrt – klinisch meist deutlich milder als PKU oder MSUD.

  • ❗ Alle drei Erkrankungen sind autosomal-rezessiv vererbte Enzymdefekte im AminosĂ€ureabbau
  • ❗ PKU: Phenylalaninhydroxylase-Defekt (oder BH4-Mangel) → Phenylalanin-/Phenylpyruvat-Anstau, Therapie: phenylalaninarme DiĂ€t
  • MSUD: Defekt der KetosĂ€ure-Dehydrogenase verzweigtkettiger AminosĂ€uren → sĂŒĂŸlicher Uringeruch, Thiaminpyrophosphat als Cofaktor betroffen
  • Alkaptonurie: Homogentisat-Oxidase-Defekt → schwarze UringfĂ€rbung an der Luft, Ochronose/Arthropathie im Verlauf
  • ⚠ PrĂŒfungsfalle: PKU-Patienten benötigen trotz Phenylalaninrestriktion ausreichend Tyrosin, da Tyrosin bei PKU zur bedingt essentiellen AminosĂ€ure wird
  • ⚠ Verwechslung: BH4-Mangel (Cofaktordefekt) vs. klassische PKU (Enzymdefekt) – beide fĂŒhren zu HyperphenylalaninĂ€mie, aber BH4-Mangel betrifft zusĂ€tzlich Neurotransmittersynthese (Dopamin, Serotonin) und spricht nicht allein auf DiĂ€t an
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