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Angeborene AminosÀurestoffwechselstörungen (Phenylketonurie u. a.)
Angeborene AminosĂ€urestoffwechselstörungen beruhen auf autosomal-rezessiven Enzymdefekten im Abbauweg einzelner AminosĂ€uren. Die wichtigsten Beispiele sind Phenylketonurie (PKU), Ahornsirupkrankheit und Alkaptonurie, die jeweils zu charakteristischer Metabolitakkumulation und Klinik fĂŒhren.
- â Phenylketonurie: Defekt der Phenylalaninhydroxylase (selten: BH4-Mangel) â Phenylalanin kann nicht zu Tyrosin umgewandelt werden, AnhĂ€ufung von Phenylalanin und Phenylpyruvat, unbehandelt schwere geistige Retardierung
- â Ahornsirupkrankheit (MSUD): Defekt der Dehydrogenase verzweigtkettiger KetosĂ€uren â Akkumulation von Leucin, Isoleucin, Valin, sĂŒĂlich riechender Urin, neurotoxisch
- â Alkaptonurie: Defekt der Homogentisat-Oxidase im Tyrosinabbau â Akkumulation von Homogentisat, SchwarzfĂ€rbung des Urins bei Luftkontakt, spĂ€tere Ochronose/Arthropathie
- Screening auf PKU erfolgt im Neugeborenen-Screening (Guthrie-Test historisch, heute Tandem-Massenspektrometrie)
- Therapie der PKU: lebenslange phenylalaninarme DiÀt; unbehandelt drohen Mikrozephalie und Intelligenzminderung
Quellen
- Löffler/Petrides âBiochemie und Pathobiochemieâ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂŒfung)
- Arnold/Vockley: Phenylalanine Hydroxylase Deficiency, GeneReviewsÂź (NCBI Bookshelf)
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Angeborene AminosÀurestoffwechselstörungen (Phenylketonurie u. a.)
Angeborene Stoffwechseldefekte des AminosĂ€ureabbaus sind klassische Beispiele fĂŒr Enzymopathien, bei denen ein Blockschritt im Abbauweg zur Anreicherung des Substrats und ggf. alternativer, toxischer Nebenwege fĂŒhrt. Die klinische AusprĂ€gung ergibt sich direkt aus der Funktion des blockierten Enzyms und der ToxizitĂ€t der akkumulierenden Metaboliten â ein Prinzip, das sich auf viele weitere Enzymdefekte ĂŒbertragen lĂ€sst. Phenylketonurie, Ahornsirupkrankheit und Alkaptonurie betreffen jeweils unterschiedliche AminosĂ€uren und Enzyme, folgen aber demselben Grundmuster: Enzymdefekt â Substratstau â Klinik.
Phenylketonurie (PKU)
Der Defekt der Phenylalaninhydroxylase (Chromosom 12, hepatisch) verhindert die Umwandlung von Phenylalanin zu Tyrosin. Phenylalanin akkumuliert im Blut und wird ĂŒber einen Nebenweg zu Phenylpyruvat und PhenylessigsĂ€ure transaminiert/decarboxyliert, die im Urin nachweisbar sind (typischer mĂ€useartiger Uringeruch). Da Tyrosin normalerweise Vorstufe von Melanin, Katecholaminen und SchilddrĂŒsenhormonen ist, kommt es zusĂ€tzlich zu einem relativen Tyrosinmangel. Klinisch dominiert die neurotoxische Wirkung hoher Phenylalaninspiegel: unbehandelt progrediente geistige Retardierung, Mikrozephalie, KrampfanfĂ€lle und Hypopigmentierung (helle Haare/Haut durch Melaninmangel). Eine Sonderform beruht auf einem Mangel des Cofaktors Tetrahydrobiopterin (BH4), der auch fĂŒr Tyrosin-, Tryptophan-Hydroxylase benötigt wird.
Ahornsirupkrankheit und Alkaptonurie
Bei der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) ist die mitochondriale Dehydrogenase-Komplex fĂŒr verzweigtkettige α-KetosĂ€uren defekt (analog zur Pyruvatdehydrogenase, benötigt ebenfalls Thiaminpyrophosphat als Cofaktor). Dadurch akkumulieren die verzweigtkettigen AminosĂ€uren Leucin, Isoleucin und Valin sowie ihre KetosĂ€uren, was zu einer schweren, oft letal verlaufenden neonatalen Enzephalopathie fĂŒhrt, falls nicht frĂŒh diagnostiziert und diĂ€tetisch behandelt. Bei der Alkaptonurie liegt der Defekt weiter distal im Tyrosinabbauweg an der Homogentisat-1,2-Dioxygenase; Homogentisat akkumuliert, oxidiert an der Luft zu einem dunklen Pigment (Urin verfĂ€rbt sich schwarz beim Stehen) und lagert sich langfristig in Bindegewebe/Knorpel ab (Ochronose), was zu einer sekundĂ€ren Arthropathie fĂŒhrt â klinisch meist deutlich milder als PKU oder MSUD.
- â Alle drei Erkrankungen sind autosomal-rezessiv vererbte Enzymdefekte im AminosĂ€ureabbau
- â PKU: Phenylalaninhydroxylase-Defekt (oder BH4-Mangel) â Phenylalanin-/Phenylpyruvat-Anstau, Therapie: phenylalaninarme DiĂ€t
- MSUD: Defekt der KetosĂ€ure-Dehydrogenase verzweigtkettiger AminosĂ€uren â sĂŒĂlicher Uringeruch, Thiaminpyrophosphat als Cofaktor betroffen
- Alkaptonurie: Homogentisat-Oxidase-Defekt â schwarze UringfĂ€rbung an der Luft, Ochronose/Arthropathie im Verlauf
- â ïž PrĂŒfungsfalle: PKU-Patienten benötigen trotz Phenylalaninrestriktion ausreichend Tyrosin, da Tyrosin bei PKU zur bedingt essentiellen AminosĂ€ure wird
- â ïž Verwechslung: BH4-Mangel (Cofaktordefekt) vs. klassische PKU (Enzymdefekt) â beide fĂŒhren zu HyperphenylalaninĂ€mie, aber BH4-Mangel betrifft zusĂ€tzlich Neurotransmittersynthese (Dopamin, Serotonin) und spricht nicht allein auf DiĂ€t an
Quellen
- Löffler/Petrides âBiochemie und Pathobiochemieâ (Springer)
- IMPP Gegenstandskatalog GK1 (Erster Abschnitt der Ărztlichen PrĂŒfung)
- Arnold/Vockley: Phenylalanine Hydroxylase Deficiency, GeneReviewsÂź (NCBI Bookshelf)